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17.10.1980 - 

Gesellschaftliche Verantwortung der Datenverarbeiter:

IKD läßt DV-Pessimisten zu Wort kommen

BERLIN (gr) - Eine Bombendrohung ging nach der offiziellen Beendigung des diesjährigen Internationalen Kongresses für Datenverarbeitung (IKD) im Internationalen Congress Centrum (ICC) Berlin ein. Die Aktion galt zwar einem "Freien Kurdistan", doch wäre nach den Diskussionen um die gesellschaftlichen Folgen der Datenverarbeitung am vierten Kongreßtag Maschinenstürmerei durchaus denkbar.

Die Demokratie kann unter den heutigen technischen Voraussetzungen nicht überleben. Diese Ansicht äußerte Robert D. Parslow, Brunel University,Uxbridge/ Großbritannien,in seinem Hauptreferat. 1983 schaffen seinen Berechnungen nach 20 Prozent Arbeitslose eine gesellschaftliche Atmosphäre, die, wie auch in einem von Infratest entwickelten Modell,den Ruf nach einer starken Hand laut werden läßt. 60 Prozent der Arbeitslosen werden Jugendliche sein, warnt Parslow, wobei er sich auf Berechnungen stützt, die seinen Angaben nach auf konservativen Prognosen beruhen.

Bereits in der Schule lebten die Kinder dann in der Überzeugung, daß für sie später kein Job verfügbar sein werde. Die Lernmotivation ginge verloren. Unter den Jugendlichen breite sich ein vandalenhaftes Verhalten aus, was totalitäre Maßnahmen - und somit ein totalitäres Regime - zur Folge haben werde. Bürgerinitiativen gegen die Datenverarbeitung - parallel denen gegen die Atomkraftwerke - könnten entstehen, gab nicht nur ein Diskussionsteilnehmer zu bedenken.

Die Entwicklungsrichtung klang auch in der Workshop-Reihe "Computer und Arbeitswelt" an. Hier hatte Eberhard Fehrmann aus dem Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Düsseldorf, darauf hingewiesen, daß "die Anpassungsprozesse ohne Zweifel immer unmenschlicher werden".

Doch stehen die Mahner vor den sozialen Folgen der Datenverarbeitung noch ziemlich vereinzelt da. Wie in dem Workshop wurden auch in der Anschluß-Sitzung des Plenums Stimmen laut, die Parslow widersprachen. Die Datenverarbeitung stelle eine Chance für die Arbeitenden dar. Sie. reduziere die notwendige Arbeitsleistung nach Stundenzahl und physischer Anstrengung.

Indes sprach sich auch Eckard Fuchs, als einer der Mitveranstalter aus der Ausstellungs-Messe-Kongreß-GmbH (AKM), Berlin, und Leiter des Berliner Amtes für elektronische Datenverarbeitung, auf der Abschluß-pressekonferenz für die gesellschaftliche Verantwortung der Datenverarbeiter aus. Heute könne noch etwas gegen die wachsende Arbeitslosigkeit unternommen werden. Die Aktivität müsse von den Datenverarbeitern selbst ausgehen. Ihre Aufgabe sei es, auch den Politikern das Problem zu erklären und die Angst vor der Datenverarbeitung abzubauen.