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Industrie -Softwarehaus setzt auf Unix und den Fernen Osten:


17.06.1988 - 

Ikoss investiert ins Geschäft mit China

STUTTGART (CW) - Zum "Training on the Job" kommt demnächst ein Dutzend chinesischer Softwerker für zwei Jahre in die württembergische Landeshauptstadt. Im Rahmen eines Joint-venture leistet die Ikoss GmbH eine Art Entwicklungshilfe: Die asiatischen Informatiker sollen In Stuttgart Projektmanagement und Betriebswirtschaft büffeln. um später in ihrer Heimat mit westlichem Know-how ein Softwarehaus aufzubauen.

Nach mehrjährigen Verhandlungen hat die Iko Software Service GmbH (Ikoss) ihren China-Vertrag unter Dach und Fach: In der Volksrepublik entsteht die Ticoss Ltd., ein Fifty-fifty-venture mit der Tianjin Advanced Technology Development Corporation; an dieser Entwicklungsgesellschaft sind wiederum chinesische Unternehmen und Forschungsinstitutionen beteiligt.

Ikoss-Chef Peter Beyer ist überzeugt, daß sich die Investitionen lohnen. Das Entwicklungspotential des chinesischen Marktes sei sehr viel größer als das anderer Schwellenländer, und in den kommenden Jahren stünden dort viele "softwareintensive Infrastrukturaufgaben" an, für die die Volksrepublik auf das Know-how von Firmen aus Hartwährungsländern angewiesen sei. Die deutsch-chinesische Zusammenarbeit ermögliche. "erhebliche Wettbewerbsvorteile", weil die vor Ort entwickelten Teile der Software in lokaler Währung - also ohne teure Devisen - finanziert werden können.

Das nötige Fachwissen soll sich die Kernmannschaft eines künftigen Softwarehauses, das in der Hafenstadt Tianjin nahe Peking geplant ist, in der Stuttgarter Ikoss-Zentrale aneignen. Daß die Ausbildung der Trainees das schwäbische Unternehmen nicht über Gebühr strapaziert, ist sichergestellt. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau fördert das Projekt, das nach einer Gründungsinvestition in Höhe von 350 000 Mark in den nächsten drei Jahren rund 2,6 Millionen Mark verschlingen soll, durch einen bedingt rückzahlbaren, zinsgünstigen Kredit. Außerdem arbeitet Ikoss bei der Ausbildung mit der Universität Konstanz zusammen, als Vorsitzender einer deutsch-chinesischen Kommission bringt Professor Wolfgang Thomassen einschlägige Erfahrungen ein.

Die Kooperation mit den Stuttgartern bringt die Softwerker aus Tianjin übrigens auch in puncto Betriebssystem westlichem Standard näher: Seit 1987 ist die auf Fertigungsautomation spezialisierte Ikoss "vorsichtig, aber konsequent" auf dem Weg ins Unix-Lager. Die alte Serie/Hardware wird durch Rechner des von Stratus hergestellten Typs IBM /88 und durch Unix-Computer verschiedener Hersteller ersetzt, die der IBM-nahen Open Software Foundation angehören.

Nicht nur die Verjüngung des Hardwareparks, sondern vor allem die Ausbildung vieler neuer Mitarbeiter belastet derzeit den Ertrag der Ikoss GmbH. Das Unternehmen, dessen Belegschaft inzwischen auf über 400 Mitarbeiter angewachsen ist (Jahresdurchschnitt 1987: 350), erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr bei einem um 17 Prozent auf 73 Millionen Mark gestiegenen Umsatz lediglich 800 000 Mark Gewinn nach Steuern. Und das ist, wie Geschäftsführer Peter Beyer zugibt, "nicht zufriedenstellend".