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29.09.2000 - 

Internet-Sicherheit/Schattenseiten des Internet

Illegale Sites und Piraterie bremsen E-Business

118 Millionen Dollar Schadensersatz - so lautete kürzlich das erste Urteil gegen mp3.com. Der Grund: Urheberrechtsverletzung. Das verdeutlicht die Dimension, die Diebstahl von geistigem Eigentum via Internet angenommen hat, sagt Georg Herrnleben*. Dagegen stehen Millionenverluste in der Industrie. Ganz zu schweigen von freien Autoren und Fotografen, deren Existenz auf dem Spiel steht.

Die Softwareindustrie spielt eine entscheidende Rolle im Kontext Internet. Sie liefert die Produkte, die Basis für das globale Netz sind. Gleichzeitig ist Software aber auch ein begehrter Content - und das nicht immer legal.

Jedes urheberrechtlich geschützte Werk lässt sich heute digitalisieren, auf eine Website laden und als perfektes Duplikat auf jeden Rechner der Welt kopieren. Die Anzahl raubkopierter und gefälschter Produkte im Internet ist in den vergangenen 18 Monaten drastisch gestiegen - und das Angebot ist reichhaltig. Wer im Internet zum Beispiel nach dem Begriff "warez" - dem Codewort für illegale Software - sucht, bekommt schnell mehrere Tausend Hinweise allein auf deutsche Sites angezeigt. Innerhalb Europas landet der "Suchende" ohne Probleme bei mehreren Zehntausend Angeboten, weltweit leicht im Millionenbereich. Gleichzeitig planen die Softwarehersteller, das Internet zunehmend für die Softwaredistribution zu nutzen: Laut einer Umfrage der Business Software Alliance (BSA) werden im Jahr 2005 rund 66 Prozent der Software via Internet verkauft und geliefert - aktuell sind es gerade einmal zwölf Prozent. Damit ist klar: Eine der größten Gefahren für den elektronischen Handel ist die Internet-Piraterie - nicht nur bei Software.

Der Schaden, den InternetPiraterie den betroffenen Industrien zufügt, ist kaum zu beziffern. Allein die "traditionelle" Softwarepiraterie, also der klassische Handel mit Fälschungen sowie der Einsatz unlizenzierter Software in Unternehmen, verursachte 1999 in Deutschland einen Umsatzausfall von 1,25 Mrd. Mark. Derzeit finden sich im deutschen Teil des Internet durchschnittlich 20000 Links zu illegalen Sites oder "Warez" zum Download. Wird der Wert eines illegalen Download mit nur 100 Mark angesetzt, mit der Anzahl der illegalen Sites multipliziert und auf 365 Tage Internet-Zugang hochgerechnet, ist eine ähnliche Schadenssumme schnell zusammen. Aber das sind Rechenexempel - fundierte Zahlen gibt es nicht.

Anonymität im CyberspaceDer Cyberspace öffnet der Online-Piraterie Tür und Tor. Hier können Kriminelle in einem Umfeld agieren, in dem Standort, Platz und Kapazität praktisch keine Rolle spielen. Cyber-Diebe sind kreativ und technisch versiert genug, um von neuester E-Commerce-Technologie zu profitieren. Die Chance, einen weltweiten Händler- und Anwenderkreis zu erreichen und gefälschte als scheinbar legale Ware weiterzugeben, ohne dass größere rechtliche Konsequenzen drohen, machen diesen digitalen Marktplatz besonders attraktiv.

Bei ihren Aktivitäten setzen Cyber-Kriminelle bewusst auf die Unwissenheit der Anwender. Außerdem glauben erstaunlich viele User, das Kopieren von Daten aus dem Cyberspace sei jederzeit legal. Die wohl größte Gefahr geht von Online-Auktionshäusern aus. Die führenden Internet-Auktionen bieten in erster Linie legale Produkte an, doch bei Software sieht es anders aus: Im März untersuchte der Softwareverband SIIA die Auktionsseiten von Ebay, Yahoo, Amazon.com sowie Excite At Home und stellte fest, dass bei rund 1500 Verkäufen 91 Prozent der angebotenen Software illegal war. Die scheinbare Legalität und zunehmende Beliebtheit der Internet-Auktionen bei preisbewussten Verbrauchern liefern den Softwarepiraten eine ideale Plattform. Hier erreichen sie einen großen Anwenderkreis, von denen die meisten wissentlich keine illegale Software kaufen würden. Typischerweise geben Internet-Piraten vor, bei der Software handele es sich um Originalware, die vom Großhandel günstiger abgegeben wurde. Viele Online-Piraten nutzen die Auktionsseiten auch als Werbefläche, um potenzielle Kunden und Händler zu gewinnen, die sie anschließend offline kontaktieren. Dabei geht es weniger um erfolgreiche Verkäufe, sondern vielmehr um den Aufbau von Vertriebskanälen.

Multiplikatoren: Dienste und DatenträgerIm Internet zeigen auch zunehmend File Hosting Services und Online Information Broker Präsenz. File Hosting Services stellen freien Platz auf ihren Servern bereit. Hier können die Piraten illegale Kopien von Software, Musik, Filmen und anderen digitalen Inhalten speichern und austauschen. Normalerweise erfolgt die Speicherung anonym und macht den Zugriff für Tausende von Benutzern denkbar einfach. Sie werden meist über Chat-Netzwerke, Links, Community-Einträge, E-Mail oder andere Online-Kommunikationsformen zur Site geführt. In einer relativ kurzen Zeitspanne sind viele Tausend Downloads möglich. Nach einem vergleichbaren Prinzip arbeiten die Online Information Broker. Sie sammeln und verbreiten kostenlos aktuelle Listen über verfügbare Online-Inhalte mit entsprechenden Links. Das Spektrum reicht von Musik und Filmen bis zu Billig-Software oder anderen Online-Listen.

Softwarepiraten nutzen gerne neue Trends für ihren Profit. Das gilt auch für das Geschäftsmodell der Application Service Provider (ASP). Nicht autorisierte Service Provider firmieren dabei als legale Unternehmen, obwohl sie ihre Dienstleistungen auf der Grundlage raubkopierter Software erbringen. Kunden, die diese Services unwissentlich nutzen, gehen dabei hohe rechtliche und wirtschaftliche Risiken ein.

Eine Kombination aus "klassischer" und Internet-Piraterie stellen die so genannten Compilation-CDs - auch auch DVDs - dar: Dabei kann sich der Kunde aus einem reichhaltigen Angebot an Software, Filmen oder Musik seine Wünsche erfüllen, oder er bekommt eine fertige CD angeboten. Den Datenträger erhält er üblicherweise gegen eine Gebühr auf dem Postweg. Da diese meistens via Kreditkarte abgerechnet wird, kommt der Cyber-Dieb auch noch in den Genuss von Kreditkarten- und Bankdaten seines Kunden, die er gern und beliebig verwertet. Für derartige Internet-Shops muss kein Laden angemietet werden und sie lassen sich so gestalten, dass dem Kunden die Illegalität gar nicht auffällt.

Initiativen gegen Internet-KriminalitätAber der Diebstahl geistigen Eigentums ist nur die wirtschaftliche Form der Internet-Kriminalität. Bekanntermaßen wird die Anonymität des globalen Netzes auch für Kinderpornographie, Rechtsextremismus und jede Form organisierten Verbrechens genutzt. Damit rückt das Problem in den Blick einer breiteren Öffentlichkeit. Der Schutz der Gesellschaft und die Sicherheit der Verbraucher haben die Regierungen auf den Plan gerufen.

In zahlreichen nationalen und internationalen Inititaiven wird daran gearbeitet, das Internet sicherer zu machen. So verabschiedete das Europa-Parlament im Mai in Rekordzeit die EU-Direktive zu E-Commerce, die nun innerhalb von 18 Monaten in nationale Gesetze einfließen wird. Sie regelt insbesondere den Verbraucherschutz im Internet. Vorangetrieben wird außerdem das Copyright-Grünbuch der Europäischen Kommission, das eine Verschärfung und Harmonisierung der Urhebergesetze in der EU zum Ziel hat. Auch auf dem G8-Gipfel im Mai in Paris war das Thema Gegenstand intensiver Diskussionen. Doch bereits die aktuellen Gesetze bieten Raum für die Verfolgung von Internet-Kriminalität, den nationale Behörden auch zunehmend nutzen.

Im Kontext Internet-Piraterie sind darüber hinaus die Industrieverbände aktiv, darunter die BSA, die Motion Picture Association (MPA), die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), die Interactive Software Federation of Europe (ISFE), die International Federation of Film Producers'' Association (IFFPA) und die International Video Federation (IVF), um das geistige Eigentum ihrer Industrien zu schützen.

Im Rahmen ihrer Internet Enforcement Initiative hat die BSA ihre Aktivitäten gegen Internet-Piraterie in den vergangenen zwölf Monaten erheblich ausgeweitet: So durchsuchen verdeckte Ermittler der BSA das Internet täglich nach illegalen Sites und Angeboten, die in Kooperation mit Behörden, Internet Service Providern oder Online-Auktionshäusern vom Netz genommen werden. Darüber hinaus erhält die BSA über ihre Websites zahlreiche Hinweise auf illegale Inhalte: Im ersten Halbjahr gingen allein in Europa 2028 Hinweise auf Internet-Piraterie ein, 713 illegale Sites wurden bereits geschlossen.

Mit ihrer Initiative Online-Auktionen strebt die BSA eine aktive Selbstkontrolle der Online-Auktionshäuser an. Sie soll das Vertrauen der Verbraucher in diese neue Einkaufsplattform stärken. Im Dialog mit den Auktionsbetreibern werden Mechanismen entwickelt, mit denen die Unmengen von illegaler Software, die sich derzeit im Auktionsangebot finden, drastisch reduziert werden sollen.

*Georg Herrnleben ist Regional Manager der Business Software Alliance für Deutschland.