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20.04.1990 - 

Im Großunternehmen erprobte Einsatzmöglichkeiten neuesten IuK-Techniken

Im Binnenmarkt-Wettbewerb Mehrwertdienste unabdingbar

"Wie Sand am Meer" gibt es Checklisten, Hochglanz-Broschüren und Fachbücher, die den Segen der modernen Informations- und Kommunikationsmittel als Wettbewerbsinstrument preisen. Die meisten haben den Nachteil, diese Techniken hochzujubeln, "wie Blinde die Farbe". Die Autoren dieser CW-Artikelserie sind Leute aus der Praxis. Sie haben das, was sie hier systematisch darstellen, im eigenen Hause realisiert oder projektiert.

Im Zusammenhang mit der Sprachkommunikation ist die mögliche Komprimierung hervorzuheben. Die Abwicklung der Sprachkommunikation im Carrier-Netz ist nur dann sinnvoll, wenn für ein Gespräch nicht 64 Kilobit pro Sekunde benötigt werden, sondern mittels Datenkomprimierung nur ein Bruchteil der Bandbreite gebunden ist. Technische Voraussetzung dafür sind Datamizer.

Der Idee liegt die Auffassung zugrunde, daß die Sprachqualität, die mit 64 Kilobit pro Sekunde Sprachübertragung gewährleistet wird, nicht notwendig ist und eine kleinere Bandbreite ausreichen könnte.

Im Zusammenhang mit Mehrwertdiensten der Sprachkommunikation im weiteren Sinne, die im Gegensatz zu dem privaten Sprachnetzwerk-Konzept auf PABX-Basis bereits erlaubt sind, ist der PABX-Clearin-House-Dienst anzufahren.

Zur Darstellung wird unterstellt, daß ein Unternehmen mit mehreren Niederlassungen über unterschiedliche Generationen von PABX-Systemen verfügt. Ziel ist, die verschiedenen Anlagen und Techniken zu einer logischen Anlage zu vernetzen und so die gesamte unternehmensweite Sprachkommunikation abzuwickeln. Ein Telefonat zwischen den Anlagen wird zu einem Hausgespräch und ist zum Nulltarif zu haben. Darüber hinaus stehen allen Teilnehmern am Netz "Sprach-Mehrwertdienste" wie zum Beispiel Voice-Mail oder Fax-Serving zur Verfügung, die ebenfalls nur an einem Standort lokalisiert sein müssen.

Die Clearing-Aufgabe erfüllt eine ISDN-PABX. Über nur je eine Querverbindung werden die PA-BX-Systeme mit der "Über-Anlage" gekoppelt (Bild 12). Ohne die zentrale PA.BX wäre sonst eine Vielzahl von Querverbindungen nötig und damit eine Vernetzung wirtschaftlich nicht sinnvoll. Zu hoch wäre der Aufwand für die Querverbindungs-Ausgleichsabgabe.

Über Kennziffern lassen sich die zentral angebotenen Services Voice-Mail und Fax-Serving nutzen. Auch Verbindungen zwischen den Kommunikationspartnern verschiedener Anlagen im Netz werden über Kennziffern aufgebaut. Je nach Anlagengeneration läßt sich auch ein zentrales Netzwerk-Management realisieren.

Bedingt durch das Postmonopol in der Sprachkommunikation läßt sich dieser Service nur innerhalb eines Unternehmens realisieren. Sollte das Sprachmonopol aufgehoben werden, kann diese Clearing-Anwendung auch von Netzbetreibern zahlreichen Nutzern zur Verfügung gestellt werden.

Der elektronische Datenaustausch ist eigentlich nichts Neues. Neu ist lediglich der Versuch, branchenspezifische und -übergreifende genormte Dokumente auszutauschen und im "processable" Format durch unternehmensspezifische Anwendungen weiterzuverarbeiten, die ihrerseits wiederum genormte Kommunikations-Schnittstellen bedienen können.

Bei Clearing-House-Anwendungen wird von dem Modell ausgegangen, daß n Unternehmen mit m Unternehmen elektronischen Datenaustausch praktizieren. Außerdem wird zugrundegelegt, daß alle Unternehmen untereinander eine Datenverbindung unterhalten. Je nach Übertragungsvolumen wird es sich dabei um Wähl- oder um Standleitungen handeln, die sehr teuer sein können. Der Sinn von Clearing-House-Anwendungen ist die Installation eines Rechners, dessen Aufgabe in der Sammlung und Weiterleitung der für ein Unternehmen bestimmten Datenbestände liegt.

Der Clearing-House-Service verarbeitet die Informationen transaktionsweise, das heißt, die Informationen werden im Servicezentrum beispielsweise eines Carriers zwischengespeichert, bevor sie an den Empfänger weitergeleitet (,store and forward") beziehungsweise von ihm abgerufen ("store and retrieve") werden (Bild 13).

Hier liegt ein großes Betätigungsfeld fÜr Serviceanbieter, die als ein VAS ein derartiges Clearing-Center betreiben können. Dabei ist es unerheblich, ob das empfangende oder das sendende Unternehmen Anwender des Corporate Networks ist.

Für das Versicherungswesen beispielsweise läßt sich vorstellen, daß Makler über das Clearing-Center Verträge an die einzelnen Versicherungsunternehmen weiterleiten können. Ähnlich wird in der Automobilindustrie verfahren, wo im Rahmen der "Just-in-time-Produktion" das Bestell- und Zahlungswesen mit den Zulieferindustrien auf elektronischem Weg abgewikkelt wird.

Eines der zukünftig wesentlichen Anwendungsgebiete von Clearing-House-Anwendungen ist EDI (Electronic Document Interchange). EDI bezieht sich auf den Austausch von Daten zwischen Geschäftspartnern auf elektronischer Basis ohne manuellen Eingriff. Der wirtschaftliche Aspekt liegt insbesondere darin, daß die Geschäftsabwicklung beschleunigt und die Sicherheit erhöht wird, weil manuelle Doppelerfassung und die damit verbundene Fehleranfälligkeit entfallen. Darüber hinaus wird die Papierflut eingedämmt und die Kommunikation durch einheitliche Schnittstellen erleichtert.

EDI ist ein international genormtes Regelwerk für die einheitliche Darstellung von Geschäfts- und Handelsdaten im elektronischen Datenaustausch. Es handelt sich um eine Anwendung im Sinne der siebten Ebene des ISO-Modells. Die Frage ist gegenwärtig noch, welche Anwendung der siebten Ebene als Vehikel genutzt wird: FileTransfer (FTAM) oder X.400. Ungeachtet dessen scheint es vor allem eine Frage des Volumens zu sein. Während große Datenmengen wohl über den File-Transfer abgewickelt werden, lassen sich kleine Mengen eher Über X.400 übertragen.

Die Standardisierung von X.400 bezog sich bis 1988 nur auf die Übermittlung von Kurztexten. Im 88er-Standard ist nun auch die Übermittlung formatierter Dateien, beispielsweise von Dokumenten (Rechnungen), vorgesehen. Voraussetzung ist eine einheitlich normierte Dokumentarchitektur, die von allen Bürokommunikations-Systemen der Benutzer von X.400-Systemen unterstützt werden müßte (IPM -Service in X.400).

Als Standard für eine solche einheitliche Dokumentenarchitektur ist ODA (Office

Document Architecture) entwickelt worden. Der Vorteil von ODA liegt in der konzeptionellen Abdeckung aller Kommunikationsformen, also Daten, Sprache, Text und Bild.

Mit ODA erschließen sich somit zukünftig eine Reihe von weiteren VAS, wie etwa die Übertragung von Bildern, auch Bewegtbildern (Videoclips), die zugegebenermaßen erst im IBFN, dem integrierten Breitbandverteilnetz, sinnvoll sind oder die Übertragung von "Sprechblasen"-Dokumenten mit verbalen Erläuterungen (Voice Annotation).

(wird fortgesetzt)