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25.05.1990 - 

Im Großunternehmen erprobte Einsatzmöglichkeiten neuester IuK-Techniken

Im Binnenmarkt-Wettbewerb Mehrwertdienste unabdingbar

Serie

Mehrwertdienste der Bürokommunikation Folge 11

"Wie Sand am Meer" gibt es Checklisten, Hochglanz-Broschüren und Fachbücher, die den Segen der modernen Informations- und Kommunikationsmittel als Wettbewerbsinstrument preisen. Die meisten haben den, Nachteil, diese Techniken hochzujubeln, "wie Blinde die Farbe", Die Autoren dieser, CW-Artikelserie sind Leute aus der Praxis. Sie haben das, was sie hier systematisch darstellen, im eigenen Hause realisiert oder projektiert.

Zusammenfassend läßt sich folgendes Message-Handling-System-Szenario aufzeigen. Die Nutzer greifen über eine bestimmte Klasse von kooperierenden User Agents auf das Nachrichten-Ubermittluiigssystem zu. Spezielle Gateways erlauben Telex- und Teletex-Anwendern, mit dem User Agent zu kommunizieren wie auch umgekehrt. Die Anbindung physischer Verteilsysteme ermöglicht es, Nachrichten an Kommunikationspartner außerhalb des Systems zu versenden. Der Nachrichtenspeicher kann der Zwischenspeicherung dienen.

An diesem abstrakten Modell lassen sich Möglichkeiten demonstrieren, die sich einem Netzwerkbetreiber durch X.400 erschließen. Dabei kann es sich um die Trennung des User Agents von der Nachrichtenübermittlung handeln.

Es wird Unternehmen unter den Nutzern eines Corporate Networks geben, die als Inhouse-Anwendung bereits (unterschiedliche) Electronic-Mail-Systeme installiert haben; hier dürfte die Bereitschaft relativ gering sein, diese Systeme gegen ein anderes auszutauschen (Akzeptanz, Umschulungsaufwand etc.).

Generell ist davon auszugehen, daß fast alle Electronic-Mail-Pakete mit der X.400-Schnittstelle ausgestattet werden, so daß sich hier interessante Varianten eröffnen.

Aus Gründen wachsender Ressourcenbindung ist zunächst die Entkoppelungsmöglichkeit von User Agent und Nachrichten-Übermittlungseinheit anzuführen. Dies bedeutet, daß innerhalb eines Unternehmens die Anwender von Electronic Mail nicht auf ihre gewohnte Oberfläche verzichten müssen, die Übertragung jedoch dem Netzwerkbetreiber überlassen, das heißt, der User Agent verbleibt im Unternehmen, die Nachrichtenübermittlung ist im Corporate Network lokalisiert.

Gleiche oder gleichartige Dialoge, die für unterschiedliche Anwendungen Verwendung finden, erlauben es, die Dialoge (User Agent) von dem Verarbeitungsteil (Nachrichten-Übermittlungseinheit) zu trennen. So ist ein Dialog denkbar, in dein der Anwender ein Formular ausfüllt, korrigiert, überprüft und freigibt. Die Tätigkeiten beim Bearbeiten des Formulars haben sehr wenig mit der nach. gelagerten Funktion der Übertragung zu tun. Dialog und Benutzer sind frei von den Funktionen des Verarbeitungsteils.

Der User Agent gibt nach Freigabe durch den Benutzer einen Datensatz in Form einer Message an das Anwendungsprogramm weiter, das seinerseits die Daten überträgt. Bei X.400 wird bei einem Dialog auf dem Bildschirm ein Brief mit Adressat und Absender editiert, der nach Fertigstellung an einen Rechner des Netzwerkbetreibers (Nachrichten-Übermittlungseinheit) gesendet wird. Dieser leitet ihn anhand der Adresse weiter, bis die Nachricht gegebenenfalls über mehrere Rechner das System des Empfängers erreicht.

Maximum an Variabilität

Bei unterschiedlichen Mail-Paketen oder einer DDP-Struktur können zahlreiche: Nachrichten-Übermittlungseinheiten innerhalb eines Corporate Networks Sinn machen. Für die Anwendung sind hier entscheiden. de Vorteile festzustellen. So braucht man beispielsweise für einen Anwender-PC nicht die gesamte komplexe X.400-Software, die sehr viel Ressourcen beansprucht, sondern ausschließlich die des User Agents, und greift über ihn auf die Nachrichten-Übermittlungseinheit der Postbox, die auf dem Rechner des Netzwerkbetreibers resident ist, zu. So ergibt sich unter Beibehaltung einer gewohnten Benutzeroberfläche ein Maximum an Variabilität. Der User Agent ist in eine Bürooberfläche eingebunden, und die Kommunikation wird durch den Carrier bedient. Umfassend gesehen bilden der Netzwerkbetreiber und dieser Agents der angebundenen Unternehmen einen privaten Versorgungsbereich.

Ein Netzwerkbetreiber kann durch die Bereitstellung eines oder mehrerer Nachrichtenspeicher (Zwischen-)Speicherdienstleistungen anbieten, ohne daß die Anwender entsprechende Ressourcen vorhalten müßten. Dieser Service ist vor allem in den Fällen von Interesse, wo die Nutzer aus RZ-organisatorischen Gründen nicht in der Lage und bereit sind, trotz weltweiter Mail-Kommunikation ihre jeweilige Electronic-Mail-Anwendung rund um die Uhr aufrecht zu erhalten, trotzdem aber empfangsbereit sein müssen.

Gateway zur Telematikwelt

Mit dem Einsatz von Message-Handling-Systemen dürfte aus organisatorisch-betriebswirtschaftlichen Gründen der Versand von Telex, Teletex und Fax aus der Mailbox kein Thema mehr sein. Schrittweise können alle Telex-Nebenstellen abgelöst werden. Mit der Option der Einrichtung von Zugriffs-Übergabepunkten in X.400 wird ein Gateway zu anderen Telematikdiensten geschaffen. Dadurch kann der Netzwerkbetreiber seinen Clienten den zentralen Service anbieten, die externe Textkommunikation zu realisieren, etwa durch Anschluß eines Servers an der Carrier-PABX. Unter ökonomischen Aspekten entfallen die monatlichen Gebühren für Telex- und Teletex-Anschlüsse (für Telex betragen sie beispielsweise 335 Mark pro Monat). Unter organisatorischen Aspekten wird ein Beitrag zur Gesamtvorgangs-bezogenen Sachbearbeitung vom Terminal am Arbeitsplatz gewährleistet. Als Gateway-Hardware wird ein Telexserver sowie der eingangs dargestellte Fax-Server vorgeschlagen, die an die PABX angeschlossen werden.

Desweiteren könnte durch die Installation der Nachrichten-Übermittlungseinheiten im Corporate Network die Anbindung an die öffentlichen Versorgungsbereiche viel wirtschaftlicher durchgeführt werden, als wenn jedes einzelne Unternehmen eigene Verbindungsbrücken schafft.

Indem die Nachrichten-Übermittlungseinheiten des Netzwerkbetreibers die allgemeinen Konventionen des öffentlichen Versorgungsunternehmens, hierzulande der Deutschen Bundespost Telekom, gewährleisten, insbesondere hinsichtlich Accounting, Logging, Servicequalität und Adressierung (X.500), erübrigen sich Anstrengungen in den einzelnen Unternehmen.

Wenn auch die internationale Kommunikation der angebundenen Unternehmen unterstützt werden soll, ist ein derartiger durch den Carrier angebotener Service sehr effizient, da nicht davon auszugehen ist, daß im zwischenstaatlichen Mailing-Verkehr durchgehend die gleichen-Adreßkonventionen eingehalten werden.

Vorteil: nur ein Vertragspartner

Der Servicebetreiber kann so durch entsprechende Anpassungen einen Dienst für alle angebundenen Unternehmen betrieitstellen, der sonst individuell entwickelt und gepflegt werden mußte.

Der Netzwerkbetreiber kann darüber hinaus den privaten Versorgungsbereich erweitern, indem er auf den häufigsten nationalen und internationalen Verkehrsverbindungen Kommunikation ermöglicht und Absprachen hinsichtlich der Aufteilung der Übertragungskosten für seine Clienten trifft. Da eine Vermittlung durch den öffentlichen Versorgungsträger in jedem Fall kostenintensiv sein wird, ist im Einzelfall zu prüfen, ob der Netzwerkbetreiber dies nicht wirtschaftlicher anbieten kann.

Die Nutzer eines Corporate Networks haben in jedem Fall den Vorteil, daß sie es nur mit einem einzigen Vertragspartner zu tun haben und nur eine einzige Verbindung benötigen, die auch nur einmal ausgetestet werden muß.

(wird fortgesetzt)

*Dirk Nouvortne ist Leiter "Bürokommunikation", Reiner Pliefke Gruppenleiter "Nachrichtentechnik" und Michael Schmidt Projektleiter "Electronic Mail" im Gerling-Konzern, Köln.