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07.06.2002 - 

Interview mit Sergio Giacoletto und Rene Bonvanie, Oracle

"Im ERP-Markt bleiben nur drei Player übrig"

Schwere Zeiten für Oracle: Die finanzielle Situation ist nicht so rosig, mit der Übernahme von Navision durch Microsoft zeichnet sich starke Konkurrenz bei der Anwendungssoftware ab, und einer Gartner-Studie zum Datenbankmarkt zufolge verliert das Unternehmen Marktanteile an IBM und Microsoft. Sergio Giacoletto (rechts), Executive Vice President Emea bei Oracle, und Rene Bonvanie (links), Vice President of Oracle 9i Application Server Marketing, erklären CW-Redakteur Martin Ottomeier, warum sich das Unternehmen trotzdem keine Sorgen macht.

CW: Wie sehen Sie die neue Gartner-Studie?

BONVANIE: Das Problem ist, dass IBM und Microsoft keine Zahlen zum Datenbankgeschäft herausgeben, die von unabhängiger Stelle bestätigt sind. Darüber hinaus verbucht IBM auch Geschäft mit Produkten wie ISAM und IMS als Datenbankumsätze - das sind eigentlich gar keine Datenbank-Management-Systeme. Microsoft rechnet die PC-Datenbank Access mit hinein und behandelt daher einen Teil der Umsätze mit MS-Office als Datenbankumsatz. Wenn man sich nur den Markt für relationale Datenbanksysteme oder solche anschaut, die auf modernen Betriebssystemen laufen, steht Oracle viel besser da als IBM und Microsoft. Oracle wächst weiter, und zwar auf Kosten von Sybase und auch von Informix, also von IBM. Unabhängige Studien zeigen, dass drei von vier Informix-Nutzern zu Oracle wechseln wollen, statt bei IBM zu bleiben.

CW: IBMs Vice President für das Softwaregeschäft in Europa, Maurizio Carli, behauptet, in den vergangenen 19 Monaten im Datenbankmarkt stärker als Oracle gewachsen zu sein.

BONVANIE: In Analystengesprächen sagt IBM, sie würden im Datenbankgeschäft 30 bis 50 Prozent wachsen. Das sieht in der Gartner-Studie ganz anders aus. Dort ist ein Umsatzanstieg von 5,9 Prozent ausgewiesen. Ich frage mich, wie diese Zahlen zusammenpassen.

GIACOLETTO: Nicht dass Sie uns falsch verstehen: Natürlich konkurrieren wir mit Microsoft und IBM. Aber in den meisten Fällen, in denen wir auf IBM treffen, gewinnen wir. Und der Grund liegt in der Technik: Wegen der einfachen Bedienbarkeit, wegen des System-Managements, wegen der Sicherheitsfunktionen. So lange das so bleibt, bin ich beruhigt.

CW: Aber Sie kämpfen mit der Kundenzufriedenheit. Anwender kritisieren die Produktqualität, vor allem, dass die Fehlerbehebung zu lange dauert und Patches neue Fehler mit sich bringen.

GIACOLETTO: Nach unseren Erfahrungen mit den Kunden ist deren Zufriedenheit mit dem Produkt sehr hoch. Die Datenbank ist sehr stabil. Wir haben 80000 Kunden in Europa. Pro Monat beschweren sich vielleicht ein oder zwei. Das ist nicht so viel. Uns ist nicht bekannt, dass es die von Ihnen genannte Kritik gibt.

CW: Für unabhängige Softwarehäuser könnte es ein Problem sein, dass Oracle auch Anwendungssoftware anbietet und damit mit ihnen konkurriert.

BONVANIE: IBM hat große Anstrengungen unternommen, um mit SAP, Siebel und vielen anderen zusammenzuarbeiten. Noch immer haben wir einen Marktanteil von 70 Prozent bei diesen Softwareinstallationen. Außer IBMs Bemühen passiert in diesem Bereich gar nichts.

CW: Konkurrenz haben Sie nicht nur bei Datenbanken, sondern auch im Bereich Anwendungssoftware. Mit der Navision-Übernahme strebt nun auch Microsoft in die Reihe der ERP-Anbieter - und das im Mittelstand, der attraktivsten Zielgruppe, da der Markt für Großkunden ja praktisch gesättigt ist. Was denken Sie über die neue Konkurrenz?

GIACOLETTO: Zunächst stimme ich Ihnen nicht zu, dass der ERP-Markt im Highend gesättigt ist. Europaweit haben wir in diesem Segment mehr ERP-Projekte als im vergangenen Jahr - allerdings nicht in den traditionellen deutschen Industrieunternehmen, sondern in der Serviceindustrie und der öffentlichen Verwaltung. Trotzdem ist es richtig, dass der Mittelstand den größeren Markt darstellt. Dort stehen wir sehr gut da. So führt uns Gartner als Nummer eins im gehobenen Mittelstand. Hier treffen wir auch SAP und das Highend-Produkt von Navision, also die Damgaard-Lösung. Die Mehrheit der rund 230000 Navision-Kunden ist aber im Lowend angesiedelt. Langfristig erwarten wir, dass es nur drei Anbieter im Markt für Unternehmenssoftware geben wird: Oracle, SAP und einen Dritten, von dem wir bisher dachten, es sei vielleicht so etwas wie eine Kombination aus Siebel, Peoplesoft und Sage. Aber vielleicht ist es auch Microsoft.

CW: Verglichen mit dem Jahr 2000 ist Ihr Umsatz mit der E-Business-Suite enttäuschend. Was ist der Grund dafür?

GIACOLETTO: 2000 hatten wir eine Sonderkonjunktur mit einigen großen, mehrere Millionen Dollar schweren Abschlüssen in der Hightech- und Telecom-Industrie. Zum anderen ist es so, dass wir aus den großen Abschlüssen, die wir zurzeit tätigen, noch keinen Umsatz generiert haben. Hier hat sich etwas im Kaufverhalten unserer Kunden geändert. Früher haben sie umfangreiche Lizenzen gekauft und über die Folgejahre die Software installiert. Heute kaufen sie einige 100 Plätze, implementieren die Software und schreiten dann voran und kaufen weitere Lizenzen.

CW: Verglichen mit den USA sehen die Verkaufszahlen in Europa nicht so schlecht aus. Gibt es dafür Oracle-spezifische Gründe, oder ist das ein allgemeiner Markteffekt?

GIACOLETTO: Das hat zum einen wirtschaftliche Gründe. So war die Sonderkonjunktur durch die Hightech- und Telecom-Industrie in den USA ausgeprägter. Zum zweiten haben wir in Europa Märkte, die noch immer schnell wachsen, wie Russland, Polen und den Nahen Osten. In Europa hilft uns auch das Geschäft mit der öffentlichen Verwaltung.

CW: Ihre Middleware, der Application Server 9iAS, ist eines Ihrer strategischen Produkte. Neben den traditionellen Mitbewerbern wie IBM und Bea haben nun auch SAP und Siebel Technologieprodukte im Portfolio. Besorgt Sie das?

GIACOLETTO: Die Toptier-Technik, die SAP gekauft hat, bündeln sie nun mit ihren eigenen Anwendungen. Für loyale SAP-Kunden, die nichts anderes als deren Software einsetzen, ist das vielleicht eine Alternative. Aber selbst SAP-Kunden haben häufig auch andere Software im Einsatz. Wer mit Kunden und Zulieferern zusammenarbeiten will, braucht eine bessere, offenere Technologie.

BONVANIE: Diese Initiative ist ja nicht der erste Versuch von SAP, in das Technologiegeschäft einzusteigen. Mit dem Kauf von Adabas D haben sie versucht, im Datenbankgeschäft Fuß zu fassen. Das Produkt kommt aber nur zusammen mit einigen SAP-Anwendungen zum Einsatz. Ich mache mir daher überhaupt keine Sorgen wegen SAPs Einstieg.