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04.04.1976 - 

Computer verwalten das Lager für Computer

Im ersten Jahr 922000 Packstücke

NIEDER-RODEN - "Selbst Delegationen aus China und der UdSSR waren unter den 1500 Besuchern, die wir seit September 1975 hier durchgeschleust haben", erläuterte Wolfgang Rosenstock, Leiter des IBM Verkehrs- und Lagerwesens. IBM hat in Zusammenarbeit mit der DEMAG-Systemtechnik (Hagen) als Generalunternehmer für Lagertechnik mit dem Warenverteilzentrum (WVZ) in Nieder-Roden das Ziel der Zentralisierung und Automatisierung aller Lager- und Verkehrsaktivitäten verwirklicht. Das dafür geschaffene "Integrierte Lagerinformationssystem" wurde sogar schon einige Male an IBM-Kunden verkauft.

Die Aufgabe des Warenverteilzentrums (sein europäisches Gegenstück steht in Orly bei Paris): Die weltweit entwickelten, gefertigten und vertriebenen Produkte bis zum Versand zu lagern, zu kompletten Systemen zusammenzustellen und termingerecht an die Kunden auszuliefern.

Es arbeiten etwa 500 Mitarbeiter in Nieder-Roden, das gleichzeitig zentraler Umschlagspunkt für die gesamten In- und Exporte, für Transitverkehr oll Kundenauslieferungen sowie zentrales Lager für DV- und Textverarbeitungsgeräte, für Wartungsteile und das gesamte Zubehör ist.

Mit Verschrottungszentrale

Die wichtigsten Teile sind: Ein 109 Meter langes Palettenlager, das in Hochregalen bis 10 570 Paletten aufnehmen kann, ein Kartonlager, das maximal 15 500 elektrische Schreibmaschinen faßt, und ein 5000 qm großes Kleinteilelager.

Außerdem ist eine Werkstatt für zurückgenommene Systeme vorhanden. Geräte, deren Ausarbeitung nicht lohnt oder die möglicherweise zum Ladenhüter zu werden drohen, kommen ins Untergeschoß, wo kein Besucher hingeführt wird. Hier hat IBM-Deutschland ihre Verschrottungszentrale.

Übergangslösung mit Lochkarten

Die Daten der mit einer Ladung ankommenden Begleitpapiere werden im Lagerbüro über Bildschirmterminals 4 der zentralen Datenbank eingegeben; jedem Packstück wird eine Identifikationsnummer zugeordnet. Außerdem wird ein Begleitdatenträger mit Zielbereichsinformation ausgedruckt, der mit einer Plastiktasche an das Packstück geheftet wird. Teile für die Zielbereiche Paletten-Kartonlager erhalten noch eine Identifikationslochkarte zur Prozeßrechner -Steuerung. Für das Karton- und Palettenlager können über die vier Aufgabestationen Einlagerungen vorgenommen bzw. die ausgelagerten Güter abgenommen werden. Sie laufen von hier automatisch zum "Identifikationspunkt" am zentralen Lagerleitstand, wo zwei Prozeßrechner /7 stehen. Die Identifikationsnummer wird (über einen Lochkartenleser) vom Prozeßrechner zur Lagerortsfestlegung verwendet. Der Rechner übernimmt außerdem die Wegesteuerung und -verfolgung bis zum Lagerfach sowie die Kontrolle der richtigen Einlagerung und speichert diesen Lagerort zur Identifikationsnummer. Er protokolliert jede Lagerbewegung und gibt außerdem auf Lochkarte eine Vollzugsmeldung für die Datenbank aus.

Um das Erstellen der Einlagerungskarte einzusparen, ist vorgesehen, an den einzelnen Aufgabestationen Terminals aufzustellen. In einem weiteren Sehritt ist außerdem geplant, den Prozeßrechner direkt mit dem zentralen System zu koppeln.

DOCS und ATLAS

Das zur Inbetriebnahme des WVZ. fertiggestellte Informationssystem DOCS (Distribution Online Control System) besteht aus acht modular aufgebauten Subsystemen, die über die Datenbanken zu einem komplexen Lager-Informationssystem integriert sind.

Es erlaubt bis zu 60 verschiedenen Sachbearbeitern gleichzeitig, unterschiedliche Dialoge nebeneinander zu führen, die eine ständige Veränderung des Informationsstandes auf den Datenbanken bewirken (Echtzeitverarbeitung).

Die automatische Transport- und Lagersteuerung übernimmt ATLAS (Automatisches Transport- und Lagersystem), das auf den Prozeßrechnern /7 lauft.

2 X 370/155

Das Online-System mit 55 Dialogprogrammen, 50 Stapelverarbeitunsprogrammen und 25 physischen Datenbanken läuft auf einer 370-155 (2MB) mit 60 Bildschirmen 3277 und 40 Druckern 3286 (Betriebssystem OS/MVT Datenbanksoftware IMS). 14 000 Transaktionen werden ungefähr pro Tag ausgeführt bei Antwortzeiten zwischen 3 und 10 Sekunden. Die Prozeßsteuerung mit 60 Online-Moduln und 27 Batch-Programmen läuft auf zwei Prozeßrechnern /7 (32 KB) und Lese/Stanzereinheit 0129. Weiterhin sind installiert: ein zweites System /370-155 für Batchanwendungen (z. B. Zollabwicklung) und als Ausweichsystem für DOCS, ein dritter Prozeßrechner 7 für die Überwachung und Steuermanns des Stromverbrauchs sowie für die Telefon-Vermittlung ein System 3750.

10 Prozent Kostenersparnis

"Im ersten Betriebsjahr wurden 922 000 Packstücke umgeschlagen. 10,4 Prozent Transport- und 11,5 Prozent Personalkosten sowie eine ganze Menge Ladefläche sparen wir", begründete Wolfgang Rosenstock die Wirtschaftlichkeit des 70-Millionen-Projektes. Trotz dieses Aufwands sind immer noch Nebenläger nötig: Systeme und Belegleser, die Palettenmaße überschreiten, werden in "Mietpuffern" untergebracht.