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13.04.1990 - 

Als Softwarehaus mit vorne dabei, aber

Im Europamarkt benötigt die Software AG härtere Bandagen

Im Europäischen Binnenmarkt bläst der Wind für die bundesdeutschen Software-Anbieter schärfer. Einer kann von sich sagen, er fahre mit vollen Segeln voraus: die Software AG. Seit Gründung vor zwanzig Jahren richtet das unabhängige Darmstädter Softwarehaus seine Geschäftsaktivitäten am Weltmarkt aus.

Bei der Frage, was die Software AG mit Europa '92 verbinde, zuckt es Wolfgang Mudter in den Mundwinkeln: "Steuerharmonisierung", meint er lapidar. Nach dieser Aussage starren ihn seine Gesprächspartner meist ungläubig an. Schließlich pfeifen es bereits die Spatzen von den Dächern, daß die deutsche Software-Industrie am EG-Binnenmarkt erheblich unter Druck stehen wird. Weithin beklagen Marktforscher, daß die bundesdeutschen Hersteller der weichen Ware den Gemeinschaftsmarkt tendenziell unterschätzen und sich sputen müssen, wollen sie am internationalen Geschehen überhaupt partizipieren. Die Software AG trifft dennoch keine besonderen Vorbereitungen. "Wir reden seit 1972 von der Internationalisierung unseres Geschäfts", begründet Mudter, als Vertriebs- und Marketing-Manager für die europäischen Aktivitäten zuständig, seine Gelassenheit.

Damals war die Software AG gerade drei Jahre alt und gründete ihre erste ausländische Vertriebsgesellschaft, die Software AG of North America. Zwei Jahre später folgte die britische Gesellschaft, dann die Ausdehnung in den Fernen Osten, nach Südamerika, Australien, Arabien. Heute hat das Darmstädter Unternehmen Niederlassungen in mehr als 50 Ländern und ist - mit Ausnahme von Griechenland - in ganz Europa vertreten. Als vorerst letzte Dependancen haben die Hessen im Frühjahr diesen Jahres Büros in Instanbul und Ankara eingeweiht. Erste Fühler hat das Management sogar gen Osten ausgestreckt, in die Sowjetunion.

Da die deutsche Software-Branche insgesamt und bezogen auf ihre internationale Ausrichtung eher einen schlechten Ruf hat, wird selten zur Kenntnis genommen, daß die Software AG der erfolgreichste europäische Software-Hersteller schlechthin ist. Jahr um Jahr kletterten die Erlöse des Darmstädter Softwarehauses im zweistelligen Prozentbereich, teilweise um die 50 Prozent. Im Geschäftsjahr 1988 konnte die Unternehmensgruppe einen Umsatz von 426 Millionen Mark einfahren. Davon erwirtschaftete das Mutterhaus mehr als die Hälfte.

Für 1989 (das Geschäftsjahr endete am 31. Dezember) erwarten die Hessen erneut ein Umsatzplus von 25 bis 30 Prozent, womit die 500-Millionen-Mark-Schwelle überschritten wäre. Damit sind die Einkünfte der Software AG deutlich höher als die der anderen "Großen" der bundesdeutschen Software-Szene, die bis auf die mit Standard-Anwendungspaketen äußerst erfolgreiche Walldorfer SAP AG alle unter der 200-Millionen-Mark-Grenze operieren.

Adabas brachte den Durchbruch

Die Gründungsgeschichte des Pioniers unterscheidet sich allenfalls marginal von der anderer Software-Häuser. Als sich die IBM 1969 zum "Unbundling", zur Trennung von Hardware und Software, bekannte, war die Grundlage für eine unabhängige Software-Industrie geschaffen. Im selben Jahr noch ging die Software AG als Tochter aus dem kleinen AIV-Institut hervor, das seit 1964 mit Beratungs- und Programmierdienstleistungen im EDV-Markt tätig war. In dieser Zeit brachen die meisten Software-Pioniere mit eigenen Unternehmen zu neuen Ufern auf.

Offenkundig aber verfolgte die Software AG ein anderes Konzept. Wolfgang Mudter: "Unsere Produkte eignen sich zur Internationalisierung wie keine anderen. Unverändert können sie hierzulande ebenso eingesetzt werden wie in den USA, in Frankreich, Japan oder in der Türkei."

Der Durchbruch kam für die Software AG bereits mit dem ersten Produkt, der Datenbank-Software Adabas. Was sehr viel später von anderen unter dem Begriff "Relationale Datenbanktechnologie" aufgegriffen wurde, haben die Darmstädter 1971 als marktreifes Produkt verkauft: Mit Adabas ließ sich erstmals flexibel auf die Daten zugreifen, unabhängig von der Art ihrer Speicherung und der Reihenfolge der Eingabe. Mit diesem und dem Nachfolgeprodukt Natural, mit der die Software AG die Ära der Anwendungsentwicklung mit einer Sprache der 4. Generation einleitete, wird das Unternehmen bis heute identifiziert, auch wenn es mittlerweile mehr als 50 Produkte führt.

Gerade die Identifikation über Produkte unterscheidet die Software AG von anderen Branchen-Unternehmen. Kein Softwarehaus in Europa entwickelt derart zielgerichtet Basis-Systeme und Endbenutzersoftware, um sie den Kunden als globale Lösung anbieten zu können. Die beiden Klassiker Adabas und Natural bleiben stets als Fundament, auf dem sich mit jeder Neuentwicklung dem Kunden mehr Funktionalität erschließt. So stellten die Darmstädter Ende letzten Jahres mit Adabas Entire eine Produkterweiterung zur Verfügung, mit der komplexer strukturierte Datenobjekte verändert werden können. Grundlage ist auch hier das Datenbankverwaltungssystem Adabas aus den 70er Jahren.

In Spanien läuft das Geschäft besonders gut

Darüber hinaus sind die Produkte portabel auf jede Systemumgebung und binden alles ein, was es an Datenverwaltung von anderen Herstellern gibt. Selbst ein Haus wie die französische Cap Gemini Sesa, von der Belegschaft und ihrem Umsatz her ungefähr dreimal so groß wie die Software AG, kann hier nicht konkurrieren. Denn ein Großteil von deren Geschäftstätigkeit fällt in die Bereiche Beratung, Services und Body-Leasing, die Überlassung von Durchschnitts-Programmierern.

Im originären Geschäftsfeld "Software-Herstellung" sind die Darmstädter europaweit ohne ernsthafte Mitbewerber. Konkurrenzlos schließen sie in Spanien einen Vertrag nach dem anderen ab und haben die dortige Tochter innerhalb von fünf Jahren zu einem florierenden Haus mit 300 Beschäftigten ausgebaut. "Für die Software AG ist der Binnenmarkt längst Realität", betont der Vertriebschef Europa, der streng darauf achtet, daß die Leistungen des Unternehmens überall gleich sind.

Ob das glänzende Bild der Software AG indes auch nach 1992 ohne Kratzer bleiben wird, ist heute noch ungewiß. Der Trend geht zu kompletten lnformatik-Dienstleistungen, zur strategischen Beratung beim Informationsmanagement, zur qualifizierten Unterstützung bei der unternehmensweiten wie grenzüberschreitenden Integration, zur soliden Ausstattung mit Systemen. Dies bedeutet für die Software AG: Datenbank-Technologie plus anwenderfreundliche Lösungen plus Dienstleistungen.

Mehr Mitarbeiter für den Service

Damit aber ist die Kollision mit den mächtigen, international bestens organisierten Service-Häusern programmiert, also mit Arthur Andersen, Arthur D. Little, mit Cap Gemini und auch mit EDS, der Software-Division von General Motors.

Hinzu kommen die Hardware-Hersteller, deren Bestreben ebenfalls unverkennbar ist, ihre Wertschöpfung stärker auf Software und Dienstleistungen zu verlagern. Bei der Software AG weiß man das: "Vor allem im Dienstleistungsbereich", so Mudter, "werden wir in Zukunft mehr Mitarbeiter einstellen."