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08.10.1999 - 

Der Preiskrieg spitzt sich zu

Im Festplattenmarkt tobt ein Überlebenskampf

MÜNCHEN (CW) - Im Festplattenmarkt hat der Kampf ums Überleben begonnen. Trotz wachsender Nachfrage können viele Hersteller im mörderischen Preiswettbewerb kaum noch mithalten. Restrukturierungen und Entlassungen sind die Folge. Anwender hingegen erhalten immer mehr Leistung fürs Geld.

Als Marktanalysten Anfang dieses Jahres Bilanz zogen, schien sich für die finanziell angeschlagenen Festplattenhersteller eine Trendwende abzuzeichnen. Überkapazitäten seien weitgehend abgebaut worden, Auslieferungen und Umsatzerlöse würden wieder anziehen, so der Tenor. Doch nach dem ersten Halbjahr 1999 stellt sich in der Branche Ernüchterung ein.

Das Wachstum nach Stückzahlen hat sich im Festplattenmarkt weltweit verlangsamt, berichtet Robert Peyton, Director European Storage Research beim Marktforscher IDC. In Europa habe man Ende 1998 im Schnitt noch ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr errechnet. In der ersten Jahreshälfte 1999 betrug der Zuwachs nur noch 15 Prozent. Im gleichen Zeitraum fiel aber der durchschnittliche Preis für ein Festplattenlaufwerk von 175 Dollar auf 112 Dollar. 40 Prozent der im zweiten Quartal 1999 ausgelieferten Hard Disks gingen für weniger als 90 Dollar über den Ladentisch. Peyton: "Das ist Wahnsinn."

Diese Entwicklung spiegelt sich in den Finanzergebnissen der Hersteller wider. Ein Beispiel liefert der kalifornische Anbieter Western Digital. Nach einem verlustreichen letzten Geschäftsjahr (Ende 3. Juli 1999) mußte das Unternehmen für das erste Quartal 1999 erneut einen Fehlbetrag melden. Im August kündigte Western Digital an, am Fertigungsstandort Singapur rund 2500 Stellen zu streichen. Das entspricht 60 Prozent der dortigen Belegschaft.

In der letzten Septemberwoche mußten die Kalifornier zu allem Überfluß 400 000 Festplatten vom Typ Caviar wegen eines fehlerhaften Chips zurückrufen.

Dem Konkurrenten Quantum erging es nicht besser. Im ersten Quartal des laufenden Jahres (Ende: 27. Juni) mußte seine Hard Disk Drive Group einen Nettoverlust von 43 Millionen Dollar verbuchen. Mit einem Restrukturierungsplan will der Hersteller Abhilfe schaffen. Das Sanierungskonzept sieht unter anderem vor, an den Standorten in Milpitas, Kalifornien, und im irischen County Louth rund 800 Mitarbeiter zu entlassen. Das sind 13 Prozent der Belegschaft.

Quantums CEO Michael Brown macht vor allem "die verrückten Preissenkungen" der Konkurrenten für die Probleme verantwortlich. Insbesondere dem Erzivalen Seagate wirft Brown vor, um jeden Preis Marktanteile erringen zu wollen und dabei hohe Verluste in Kauf zu nehmen. Hans-Dieter Blaser, Vice-President Sales Central Eu- rope bei Seagate, wehrt sich gegen solche Anschuldigungen: "Das ist eine Frechheit. Quantum soll sich an die eigene Nase fassen." Im vergangenen Jahr habe der Hersteller am stärksten die Preise gesenkt.

Doch auch Seagate selbst macht momentan nicht den Eindruck eines gesunden Unternehmens. Erst kürzlich kündigte der Hersteller die Entlassung von 8000 Angestellten weltweit an.

Das entspricht zehn Prozent der gesamten Belegschaft. Im August hatte Seagate bereits mitgeteilt, 1600 Beschäftigte in Singapur zu entlassen, ein Zehntel der in dieser Region Beschäftigten.

Blaser will von Problemen nichts wissen: "Wir können gar nicht genug Ware liefern. Wir bauen Leute ab, weil wir es geschafft haben, die Produkte mit weniger Aufwand zu fertigen." (siehe auch nebenstehendes Interview). Seagate werde im nächsten Jahr rund neun Millionen Festplatten bauen und damit deutlich mehr als im Vorjahr. Auch die Marktanteilsgewinne asiatischer Hersteller wie Maxtor, Fujitsu oder Samsung versucht Blaser zu relativieren. "Wenn deren Erfolge wirklich auf Produktivitätsfortschritte zurückzuführen wären, würden sie ja keine Verluste ausweisen."

Daß die Nerven bei so manchem Hersteller blank liegen, zeigt auch der schärfere Ton, den Unternehmensvertreter mittlerweile gegenüber Konkurrenten anschlagen. Blaser, ohnehin für markige Sprüche bekannt, nahm im Gespräch mit der CW kein Blatt vor den Mund: "Wenn es Maxtor und Western Digital nicht mehr gäbe, ginge es der Branche wahrscheinlich besser." Tatsache sei, daß einige Hersteller ihre Produkte unterhalb der Kosten verkauften.

IDC-Analyst Peyton kommt zu einer objektiveren Einschätzung. Hersteller wie Seagate, die sich in verschiedenen Marktsegmenten tummelten, seien gegenüber Anbietern wie Maxtor oder Western Digital, die vornehmlich Desktop-Laufwerke verkaufen, im Vorteil. Verluste in einem Bereich ließen sich durch Erträge in einem anderen Segment ausgleichen. In jedem Fall sei es schwierig, einem Hersteller wie Seagate Dumping-Preise nachzuweisen.

"Der Preiskrieg dauert nun schon zweieinhalb Jahre", beschreibt Peyton die Lage. Das Problem dabei für die Hersteller: Die Kosten sind langsamer gesunken als die Verkaufserlöse. Als Folge davon operierten im hart umkämpften Segment der Desktop-Laufwerke nahezu alle Hersteller mit roten Zahlen oder erreichten nur mit viel Mühe die Gewinnschwelle. IBM sei eine Ausnahme, da sich das Unternehmen ausschließlich auf das obere Preissegment konzentriere. Auch bei Seagate stelle sich die Situation anders dar, weil der Hersteller einen großen Teil der Einnahmen mit höherwertigen Disk Drives erziele.

Speicherdichte verdoppelt sich jährlich

Angesichts dieser Schwierigkeiten sind die Hersteller gezwungen, ihre Produktionsabläufe effizienter zu gestalten. Eine wichtige Rolle beim Preis- und Kostenwettlauf spielen dabei auch technische Fortschritte, insbesondere hinsichtlich der Speicherdichte. Diese gibt an, wieviel Speicherplatz auf einer bestimmten Fläche auf einem Speichermedium zur Verfügung gestellt werden kann. Zehn bis zwölf Jahre lang habe sich laut Peyton die Speicherdichte einer Platte etwa alle 18 Monate verdoppelt. Darauf habe man zählen können. Inzwische sei damit schon alle zwölf bis 13 Monate zu rechnen.

Die Entwicklung im PC-Markt halte mit dieser Innovationsgeschwindigkeit nicht mehr Schritt, so der Analyst. "Die erreichbaren Speicherkapazitäten übersteigen die Anforderungen normaler PCs bei weitem." Andererseits liege die Preisdifferenz zwischen einer 4-GB- und einer 10-GB-Platte gerade noch bei zehn bis zwanzig Dollar. Kunden kümmern sich deshalb beim PC-Kauf kaum noch um den Unterschied zwischen einer zu hohen und der tatsächlich benötigten Plattenkapazität.

Laut Peyton führte dies unter anderem dazu, daß das Upgrade-Geschäft im Festplattenmarkt stark nachgelassen hat - ein weiterer Grund für das schwächere Stückzahlenwachstum. Wer heute einen sogenannten Billig-PC mit einer 10-GB-Platte kauft, braucht in absehbarer Zeit keine größere Disk.

Die Hersteller versuchen mittlerweile, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Einen Ausweg verspricht der Eintritt in neue Märkte. Maxtor, Quantum und Seagate bemühen sich daher, im Markt für Network Attached Storage (NAS) Fuß zu fassen. Dazu zählen etwa File Server oder CD-Server. Auch die Videobranche mit speziellen Anforderungen an Festplattenlaufwerke ist für einige Unternehmen interessant geworden.

Trotz dieser Bemühungen zeichnet Peyton ein eher düsteres Bild der Zukunft. Der Tenor in der Branche laute derzeit eindeutig: "Es können nicht alle überleben." Zumindest ein Anbieter werde sterben. Erst dann gehe das Überangebot zurück. In der Folge zögen die Preise wieder an. "Vielleicht gibt es eines Tages nur noch zwei oder drei Anbieter".