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11.09.1992

Im Hardwaresektor Wettbewerb bei nahezu allen Produkten

Totgesagte leben länger - diese Aussage trifft auf den IBM Mainframe-Markt immer noch zu. Gilt sie auch für die mitanbietenden PCMer? Die Wachstumsraten auf dem gesamten Mainframe-Gebiet stagnieren oder fallen deutlich geringer aus, als noch vor einigen Jahren prognostiziert; primär finden Upgrade-Geschäfte statt, und das bei schrumpfenden Margen.

Ein sich derart verändernder Markt birgt für alle Beteiligten große Risiken, insbesondere jedoch für diejenigen, die nur über geringe Marktanteile verfügen oder in der Wertschöpfungskette zwischen Produktion und Distribution geringe Optimierungsmöglichkeiten haben.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der Preiskampf im Mainframe-Geschäft an Härte. Weiterhin sind offene Systeme mit ihren flexiblen Systemplattformen insbesondere in Deutschland und Europa auf dem Vormarsch, aber auch in außereuropäischen Regionen gewinnen diese Systemwelten Marktanteile.

Für viele Anwender kann die Veränderung der Systemlandschaft wieder in neue Abhängigkeiten münden, zum Beispiel bei Software-Entwicklungsumgebungen, Datenbanken, Grafik- Tools und Kommunikationssystemen. Die Vielfalt der neuen Hardware- und Softwaresysteme erfordert von den Nutzern eine neue Entscheidungskompetenz und ausgeprägten Mut.

Gänzlich anders sah und sieht der IBM-Mainframe-Markt aus: Hier dominiert eine kleine Gruppe von Anbietern, allen voran die IBM. Wie stellt sich dieser oligarchisch organisierte Markt nun weltweit und insbesondere aus Sicht der Europäer dar? Gibt es einen Käufer- oder einen Verkäufermarkt? Viele Symptome deuten noch auf den von Herstellern so geliebten Verkäufermarkt hin. Die Betriebssystem-Plattformen stellt ausschließlich die IBM bereit, nachgeschaltete Subsysteme wie Datenbanken, zum Beispiel DB2 oder IMS, oder gar Kommunikationssysteme, wie SNA, werden eindeutig von der IBM dominiert, bei einer Reihe von Software-Basissystemen haben sich jedoch auch andere Anbieter etabliert.

PCMer hatten die Aufgabe von Kopisten

Insgesamt ist das Software-Angebot stark proprietär, Mainframe-Unix-Systeme haben sich noch nicht breitflächig durchgesetzt, andere Tools sind nur selten austauschbar. Eine Veränderung des Status in dieser Umgebung ist nicht zu erwarten.

Auf dem Hardwaresektor gibt es noch den von den Käufern gewünschten Wettbewerb bei nahezu allen relevanten Produkten. In der Vergangenheit hat der Marktführer IBM die sogenannten Industriestandards für Zentral-und Peripheriesysteme eingeführt und definiert. PCMer hatten die Aufgabe sich als Kopisten zu betätigen; oft waren die Kopien besser als das Original, das heißt: das Preis- Leistungs-Verhältnis von CPUs, Platten und Bändern etc. war bei den PCMern günstiger.

Was in den vergangenen Jahren Gültigkeit besaß, verliert jedoch zunehmend an Bedeutung. Nicht nur, daß Big Blue die Produktzyklen verkürzt und damit den PCMern den Nachbau erschwert,

man übergibt das Preisterrain auch nicht mehr kampflos den Mitbewerbern, Preisnachlässe von 30 oder gar 50 Prozent sind nicht mehr außergewöhnlich. Die in Preislisten angegebenen Endkundenpreise haben nur noch deskriptiven Charakter.

Zumeist bestimmte die IBM, welche Produkte am Mainframe-Markt angeboten wurden. Zunehmend stellt man jedoch fest, daß sich auch andere potente Anbieter bemühen, in dieser Welt neue Maßstäbe zu setzen, also Teilmärkte zu definieren. Ein besonders augenfälliges Beispiel sind robotergesteuerte Kassetten-Handling-Systeme; hier bestimmt eindeutig Storagetek das Marktgeschehen, Features wurden festgelegt, zum Beispiel Kassettenkapazität und Mount-Dismount-Häufigkeit. Alle anderen Anbieter, die auf dem Markt agieren wollten, hatten sich diesen Kriterien anzupassen.

Lange Zeit ignorierte die IBM dieses Segment, bis sie nach mehrjähriger Verspätung 1992 schließlich ein vergleichbares Produkt anbot.

Die Systemeigenschaften sind jedoch eher durchschnittlich ausgefallen, nur die Einbettung in das softwaregesteuerte Speicher-Management DFSMS stellt eine Besonderheit dar. Eine ähnliche Tendenz deutet sich in der Plattenperipherie an; Storagetek versucht derzeit mit aller Kraft, die neue Raid-Technologie im Mainframe-Markt zu etablieren.

Die ersten Ankündigungen des Iceberg-Systems ließen einen ähnlichen Erfolg für Storagetek erwarten wie bei den Tape-Library-Systemen.

Durch die - aufgrund technischer Schwierigkeiten - gegebenen Lieferverzögerungen werden andere Anbieter mit gleichartigen Konzepten jedoch mit nur geringer Zeitverschiebung auf dem Markt erscheinen, so daß die Produktkriterien für dieses Marktsegment noch nicht fixiert sind.

Was haben nun europäische Anbieter auf dem PCM-Markt zu bieten? Um die Antwort vorwegzunehmen: zu wenig! Eine Betrachtung von Teilmärkten wird diese Aussage verdeutlichen. Die wenigen europäischen Anbieter vertreiben oft nur japanische oder amerikanische Produkte, dieses jedoch oft mit gutem Erfolg, Produzenten sind jedoch rar gesäht.

Eine Reihe von Anbietern IBM-kompatibler Hardwareprodukte operiert am europäischen Mainframe-Markt. Comparex ist der umsatzstärkste PCMer, gefolgt von Amdahl und Hitachi Data Systems HDS; Tabelle 1 verdeutlicht die Umsätze der relevanten Anbieter, wobei nicht nach Produkten und Dienstleistungen unterschieden wird. (1)

Eine genauere Analyse der Umsätze verdeutlicht, daß bei allen Anbietern erhebliche Umsatzanteile nicht nur aus den PCM - Kerngebieten, etwa CPUs, Platten und Bändern, stammen, sondern mit Dienstleistungen und dedizierten Software-Hardware-Lösungen erzielt werden. Einige Unternehmen sind dabei sich von reinen PCMern zu Systemintegratoren oder Netzwerk-beziehungsweise Lösungsanbietern zu entwickeln; beispielsweise erzielt Memorex zwischenzeitlich einen erheblichen Umsatz auf diesen Gebieten.

Der CPU-Umsatz in Europa 1991 betrug etwa 4600 Millionen Mark. Mit 72 Prozent Marktanteil bestimmte die IBM eindeutig das Marktgeschehen 28 Prozent oder zirka 1300 Millionen Mark entfallen europäische Distributoren (siehe Tabelle 2). Hergestellt werden die Gerätschaften jedoch ausschließlich in den USA oder in Japan!

Gravierende technologische Sprünge oder gänzlich neue Architekturen sind in der nächsten Zukunft nicht zu erwarten, es ist eher mit einer kontinuierlichen Leistungssteigerung der einzelnen Subkomponenten zu rechnen. Einschneidende Änderungen dürfte es aufgrund der breitgestreuten Anwendungspalette und der generellen Zielsetzung der Aufwärtskompatibilität auch nicht geben.

Die letzte substantielle Veränderung der Systemarchitektur ist die Einführung des Escon-Konzeptes durch die IBM im Jahre 1990. Mit dieser neuen Kanaltechnlogie wurden die bisherigen Grenzen in der Übertragungsgeschwindigkeit und insbesondere in der Vernetzung der Systemkomponenten deutlich erweitert. Mainframe-Topologien lassen sich jetzt räumlich über mehrere Kilometer ausdehnen und mit

Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 20 MB/s betreiben.

Die japanischen und amerikanischen Wettbewerber pilotieren derzeitig kompatible Zentralsysteme; die Serienlieferung wird jedoch erst 1993 erfolgen. Der Umsatz mit Platten und Steuereinheiten in Europa betrug 1991 zirka 3000 Millionen Mark. Der IBM-Anteil fällt hier etwas geringer als bei den CPUs aus, ist aber mit 65 Prozent noch signifikant dominierend, 24 Prozent Marktanteil (720 Millionen Mark) werden von Comparex sowie HDS gehalten und von Hitachi in Japan produziert, alle anderen Verkäufer halten nur minimale Marktanteile.

Die IBM produziert ihre Systeme für den europäischen Markt in Deutschland und Schweden. Die anderen Produzenten fertigen in Japan und den USA.

Auf dem Plattensektor waren in der jüngsten Vergangenheit keine herausragenden technischen Neuigkeiten festzustellen, wenn man von den systematischen Kapazitätssteigerungen und der höheren Packungsdichte absieht. Einen technologisch neuen Weg bietet die Raid-Technologie (Raid = Redundant Arrays of Inexpensive Disks). Es weden preiswerte Platten fehlertolerant kombiniert, dadurch lassen sich preiswerte Plattensubsysteme mit hoher Kapazität und hohen Übertragungsraten erreichen.

In der IBM-Mainframe-Welt übernahm Storagetek die Rolle des technischen Vorreiters, andere Anbieter folgten diesem Weg, zum Beispiel Comparex mit dem Entwicklungspartner Amperif aus USA.

Ein besonderer Effekt in dieser Technik zur Kapazitätssteigerung wird durch Datenkompression erzielt. Bei geeignetem Datenmaterial lassen sich hiermit deutliche Kapazitätssteigerugen aus Anwendersicht erreichen. Storagetek integriert Emulation und Kompression in seine Steuer- und Platteneinheiten .IBM wird ebenfalls Plattensysteme mit Raid-Technik anbieten, legt aber die Datenkompression nach aktuellen Ankündigungen in dedizierte Koprozessoren. Vermutlich wird sich dieser Weg aufgrund der höheren Flexibilität durchsetzen.

Bei Drucksystemen Vielfalt sehr groß

Drucker stellen wie Terminalsysteme oft ein direktes Interface zum Anwender dar, deshalb befindet sich ein erheblicher Teil in direkter Arbeitsumgebung als Remote-Drucker. Aufgrund spezifischer Anforderungen ist die Vielfalt hier sehr groß. Das Vordringen von PC- und Netzwerkperipherie erlaubt zusätzlich die Einbindung nahezu der ganzen PC -Druckerpalette. Auf der Kanalseite der Mainframes werden in der Regel große Druckaufträge abgewickelt, hier ist das Angebot vergleichsweise beschränkt.

Auf dem angesprochenen Kanaldrucker-Sektor mit einem Volumen im Jahr 1991 von zirka 875 Millionen Mark ist IBM zwar Marktführer, doch wird der überwiegende Marktanteil von PCMern gehalten (Tabelle 4).

Siemens hat einen hohen Marktanteil in Europa und im nicht europäischen Ausland. Hier treffen wir das erste Mal auf einen europäischen Produzenten mit einer bemerkenswerten Marktposition. Der nächste Anbieter ist bereits wieder ein amerikanisches Unternehmen. In der Regel stammen die Druckwerke der Drucker aus japanischer und amerikanischer Produktion.

Inwieweit die neue Liaison von IBM und Hitachi den Druckermarkt technisch und distributionsmäßig verändern wird, läßt sich derzeitig nicht absehen.

Der Markt für Kassettenbänder ist durch die Einführung der robotergesteuerten Handling-Systeme deutlich beeinflußt worden. Der überwiegende Anteil von Bandstationen wird nur noch in dieser Umgebung verkauft.

IBM ist auch hier Marktführer, hält in Europa aber nur etwa ein Drittel des Marktes (siehe auch Tabelle 5). Die Produktion der Geräte erfolgt nahezu ausschließlich in den USA und Japan.

Kleinserien von 3480-kompatiblen Systemen auf der Basis eigener Controller werden auch von europäischen Produzenten angeboten, jedoch ohne großen Marktanteil.

Die vielfach angekündigten neuen Technologien, etwa Videotapes und DAT, konnten in dieses Segment nicht vordringen, da ihnen die Kompatibilität zu IBM-Produkten fehlte und die Kapazitätsausweitung bei den 3480/90-Systemen durch Spurverdoppelung, Bandverlängerung und Datenkompression bei preiswerten Medien derzeit nicht überschreiben Hürden vorgibt.

Storagetek dominierte in einer IBM-Domäne

Bei Kassetten-Handling-Systemen ergibt sich erstmalig eine völlig andere Marktsituation. Storagetek konnte mit seinem Produkt einen Markt definieren und dominieren, ein vergleichsweise einmaliger Vorgang in dieser IBM-Domäne.

Storagetek als weltweiter Marktführer hält auch in Europa einen Anteil von zirka 76 Prozent. Dieser hohe Anteil ist für den Mainframe-Markt ein nicht untypisches Symptom, auch wenn vergleichbare Wettbewerbsprodukte existieren. Die Zusammenstellung wurde hier zweckmäßigerweise auf der Basis von Kassetten, nicht der Systeme gemacht (Tabelle 6), da die Systeme technisch stark unterschiedlich sind. Beispielsweise ist die Standardkapazität eines Storagetek-Systems 6000 Kassetten, während sich beim Comparex-System die Kapazität beim Einsatz eines Roboters von 1080 bis 24 000 Kassetten stufenweise vergrößern läßt, ähnlich stellt sich das Stufenkonzept bei Grau oder Memorex dar.

Bei Kassetten-Handling-Systemen handelt es sich um Lösungen, die große Erfahrung auf dem Gebiet der Software-Entwicklung in Mainframe-Umgebungen und der Robotik in Verbindung mit Know-how aus dem Maschinenbau erfordern. Es ist nicht überraschend, daß neben Storagetek zwei deutsche Unternehmen, nämlich Comstar und Grau, mit leistungsfähigen Produkten mittlerweile in diesem interdisziplinären Segment arbeiten. Japanische Produkte sind in Europa nicht maßgeblich vertreten. Comparex als Mitinitiator der Comstar-Enwicklung vertreibt dieses Produkt in Europa. Das Grau-System wird im IBM-Markt noch von der IBM und HDS an den Markt gebracht.

Neben den genannten Hauptkomponenten gibt es noch eine Reihe von Produkten, die nicht im Vordergrund stehen und bei denen auch nur wenige Produzenten und Anbieter existieren. Der Kanaladapter-Markt hatte in Europa im Jahr 1991 ein Volumen von zirka 35 bis 40 Millionen Mark. IBM, Comparex und Dataswitch/T-Bar halten nahezu gleiche Anteile. Andere Anbieter europäischen Ursprungs wie die Siemens-Tochter CGK oder Interkom verfügen über keine nennenswerte Marktdurchdringung.

Die Escon-Technologie der IBM hat ein neues Geschäftsfeld eröffnet und das alte der Kanalverlängerungen und Kanalschalter deutlich verändert, wenn nicht überflüssig gemacht. 1991 gab es nur Produkte mit dem IBM-Logo. Zwischenzeitlich sind andere Anbieter zumindest auf dem Konverter-Sektor 9034 hinzugekommen. Dataswitch bietet eine eigene Lösung auf der Basis von IBM-Konvertern an. Comparex wird Konverter eines deutschen Herstellers vertreiben.

Der Markt der Terminal-Cluster-Peripherie wird zur Zeit sehr stark durch das Vordringen von PCs und Netzwerken bestimmt. Reine Terminals verlieren als Endgeräte zunehmend an Bedeutung. Die zeichen- oder grafikorientierten Bildschirme werden verstärkt durch PC-Emulatoren verdrängt. Es handelt sich hierbei primär um Softwarelösungen, europäische Entwicklungen sind ebenfalls verfügbar.

Tendenzen:

Mainframes befinden sich heute in einem Geflecht von lokaler und entfernter Peripherie. Die Escon-Kanaltechnologie wird diesen Trend noch verstärken. Dabei ist es eine Frage des Abstraktionsgrades oder der Philosophie, ob ein weitgefächertes "Master-Slave-Escon-Netzwerk" ein LAN darstellt oder ob ein Escon-Mainframe nur ein proprietäres Subnetz in einem LAN ist. Mit der Einführung der SAA-Philosophie hat die IBM ein Konzept vorgestellt, wie sich ihre eigenen DV-Welten sowohl hardware- als auch softwareseitig verbinden lassen. Damit wurde der Grundstein zur prinzipiellen Verschmelzung beziehungsweise Öffnung unterschiedlicher Architekturen gelegt. Der Verlagerung von Verarbeitungsleistung an die Peripherie wurde hiermit Vorschub geleistet.

Das Vordringen offener Systemarchitekuren trug weiter dazu bei, daß auch diese Konzepte, wenn auch zögerlich, von der IBM übernommen wurden. Neben den spektakulären Aussagen einiger renommierter IBM-Mainframe- Anwender, zukünftig verstärkt auf offene Systeme zu setzen, läßt sich in allen Branchen ein eindeutiger Trend zum Downsizing feststellen. Hier ist der entscheidende Ansatz für europäische Anbieter zu sehen; es können neue kompatible Netzwerklösungen mit dedizierten Servern in die Mainframe-Welt eingebracht werden, wobei das Augenmerk mehr auf der Software als auf der Hardware liegen wird.

Die Integration der verschiedenen Techniken stellt eine neue Herausforderung für alle Mainframe-Anbieter der, sie könne sie jedoch aufgrund ihrer begrenzten technischen Kompetenz nur in Teilbereichen abdecken.

Auf dem Escon-Markt wie auch bei neuen (optischen) Speichermedien, die auf WORM- oder MOD-Techniken beruhen, eröffnen sich neue Teilmärkte. Durch die 3995-Ankündigung der IBM sind bereits die Weichen für Preise und Leistungen gestellt. Hier existieren neue, interessante Geschäftsfelder, die technisch und produktionsseitig noch nicht besetzt sind. Das ist eine erneute Chance für flexible, europäische Unternehmen.

Dr. Winfried Materna ist geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Materna GmbH, Dortmund.

Stabwechsel im Mainframe-Markt

Im PCM-Markt spiegelt sich besser als irgendwo sonst die Entwicklung der Computerei der vergangenen Jahre. Angetreten als (Aus-) Putzerfische der IBM, emanzipierten sich die Anbieter steckerkompatibler Hardware bald zu ernst zu nehmenden Konkurrenten, die - was die Preise und die Technologie anbelangte - attraktive Alternativen zu bieten hatten, allerdings nur in der einflußlosen Rolle von "Boxenschiebern" (siehe Seite 59: "Performance versus Produktspektrum versus Dienstleistung").

Indes konnte dieser wichtige Markt, weil Per definitionem ins Fahrwasser von Big Blue gezwungen, noch nie eine Eigendynamik entwickeln. Und so ist es bis heute geblieben.

Nur dort, wo sich bereits mit einer Parallelität von alter MVS-Welt und neuer Unix-Welt die Strategiewende von der Betriebssystem-Abhängigkeit zur Hardware-Unabhängigkeit vollziehen kann, ist in dem immer noch vom Großrechner dominierten PCM-Markt mit höheren Wachstumsraten zu rechnen, als sie der an Fahrt beträchtlich verlierende- Mainframe-Marktführer vorgibt (siehe Seite 62: "Mainframe-Unix ist heute mehr als nur eine Vision").

Alle anderen Pluspunkte, die sich die alternativen Mainframer noch zugute halten, wie bessere Serviceleistung, höhere Beratungsqualität, aktuellste High-Technologie, breiteres Produktspektrum und innovativste Dienstleistungen (was immer das ist), zählen im Zukunftsmarkt höchstens nach Stellen hinter dem Komma.

Wirklich Vorspung verschaffendes Potential, also Hard- und Software-Know-how und das Durchhaltevermögen, um der IBM ihre Vormachtstellung in ihrem Markt, dem Mainframe-Markt, zu nehmen, ist in der Tat nur von demjenigen Hardwarehersteller zu erhoffen, der mit seinen Maschinen den eleganten Stabwechsel oder - in anderen Worten - den Paradigmenwechsel von der proprietären zur offenen Welt garantiert.

Doch wer kann das schon? Und: Lohnt eine derartige Anstrengung eigentlich in einer Welt, die sich aufs Downsizing verlegt hat? bi