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10.03.2000 - 

Wichtiges Argument: Die Entwickler-Community im Internet

Im Internet setzt die Advance Bank auf Linux

Die Advance Bank gehörte zu den ersten Finanzdienstleistern, die sich intensiv mit dem Thema Online-Banking auseinandergesetzt haben. Diana Schmidt* beschreibt, warum sich das Geldhaus beim Redesign seines Internet-Auftritts für Linux-Server entschieden hat.

Haben Sie schon einmal online ein Depot eröffnet? Oft ist das eine ziemlich umständliche Sache. Die Advance Bank will diesen Service für ihre Kunden einfacher und unkomplizierter gestalten. 1998 fasste sie den Entschluss, Konto- und Depoteröffnung via Web dadurch zu vereinfachen, dass sie die statische durch eine dynamische Generierung von HTML-Seiten (HTML = Hypertext Markup Language) ersetzte und eine neue, sicherere Online-Umgebung schuf.

Das bedeutete aber auch, dass neue Hard- und Software für den Internet-Auftritt angeschafft werden mussten. Hohe Leistungs- und Ausbaufähigkeit sowie Ausfallsicherheit waren die Bedingungen, die das neue System zu erfüllen hatte.

Die IT-Experten der Direktbank entschieden, zusätzlich zu den Unix-Rechnern mit Solaris von Sun Microsystems Intel-basierte "Primergy"-Server vonFujitsu-Siemens mit dem Open-Source-System Linux zu installieren. Skalierbarkeit, Kosteneinsparungen und nicht zuletzt der Reiz, mit Linux technisches Neuland zu betreten, waren die Gründe für diese Wahl.

Linux wurde im Internet "geboren" und wird dort ständig weiterentwickelt. Deshalb schien das Betriebssystem prädestiniert für die Internet-Anwendungen der Advance Bank. Zudem bilden Web-Server eine der ureigensten Linux-Domänen; zahlreiche Werkzeuge und Anwendungen des WWW wurden speziell für Linux entwickelt. Auch als Server für Netzfunktionen wie Firewall oder Router eignet sich das Betriebssystem. Außerdem empfiehlt die renommierte Gartner Group das System ausdrücklich für Umgebungen, in denen eine Vielzahl von Protokollen überbrückt werden muss.

Um das Projekt zu realisieren, suchte die Advance Bank geeignete Partner: Fujitsu-Siemens Computers, damals noch Siemens Computer Systems, konnte - in Zusammenarbeit mit den Unix-Spezialisten der Bytec GmbH, Tettlingen, - die von der Advance Bank geforderte Leistungsfähigkeit und Sicherheit zusagen. Sowohl die IT-Manager der Advance Bank als auch die Siemens-Experten ließen sich mit diesem Vorhaben auf ihr erstes großes Linux-Projekt ein.

Den zuverlässigen Dauerbetrieb der Architektur sollte ein Mehrprozessor-System mit Redundanz der wichtigsten Komponenten, doppelten Netzteilen und hoher Skalierbarkeit gewährleisten. Die Testphase im Siemens Competence Center, Frankfurt, die im November 1998 gestartet wurde, verlief ohne größere Probleme.

"Bei unserem Linux-Projekt zeigten sich die Vorteile des Open-Source-Betriebssystems deutlich: Zuverlässigkeit, Stabilität und einfache Pflege", schwärmt Stefan Majer, verantwortlich für Organisation und Informatik der Advance Bank.

"Wir wollten und konnten sogar Kernel-Modifikationen vornehmen, die anschließend in die allgemeine Linux-Entwicklung eingeflossen sind." Mit Hilfe der Experten von Bytec war die Bank in der Lage, sich ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Betriebssystem aus dem Internet zusammenzustellen.

Die Linux-Konfiguration bei der Advance Bank ist mittlerweile für einen Web-Auftritt mit dynamischer Seitengenerierung und interaktiven Pages ausgerichtet. Rund 5000 HTML-Seiten werden angeboten (mit interaktiven Elementen wie Online-Konto- und -Depot-Eröffnung). Allerdings geht es nicht ganz ohne Papierkrieg ab. Majer: "Ein kurzes Papier-Ident genügt, und die ersten Transaktionen lassen sich bewegen."

Vor anderthalb Jahren waren noch keine verlässlichen Middleware-Komponenten für Linux verfügbar. Deshalb entschloss sich die Advance Bank, den transaktionsbasierten Anwendungsbereich, beispielsweise die Online-Kontoführung, auf Sun Solaris weiterlaufen zu lassen. Für die Schnittstellen zum Kunden hingegen kommt Linux zur Anwendung.

Die Forderung nach Datensicherheit ist bei einem Finanzunternehmen von besonderer Bedeutung. Auch unter diesem Gesichtspunkt kommen die Vorteile des Betriebssystems zum Tragen: Sollte es Sicherheitslücken oder Fehler im Sourcecode des Betriebssystems geben, so können die Linux-Experten der Advance Bank sie innerhalb weniger Stunden selbst beheben. In einer NT-Umgebung würde dieser Vorgang viel mehr Zeit in Anspruch nehmen. Tausende von online kommunizierenden Linux-Testern und -Benutzern in aller Welt können etwaige Sicherheitsprobleme bis auf die Anwendungsebene hinunter nicht nur erkennen, sondern auch analysieren und beheben. Die Problemlösung wird als Patch stundenaktuell über das Internet verbreitet.

Dank der Offenheit des Systems sind zudem weltweit nutzbare Kryptoverfahren verfügbar. Das spielt für eine Bank eine besonders wichtige Rolle, weil alle vertraulichen Informationen - beispielsweise bei einer Kontoeröffnung - verschlüsselt werden müssen. Dank des Sicherheitsprotokolls Secure Sockety Layer (SSL) erhalten die Online-Kunden die Gewähr, optimal abgesichert zu sein.

Mit dem Ergebnis des Linux-Projekts sind die Beteiligten zufrieden. Das ist nicht ganz selbstverständlich, weil die Experten von Bytec und der Advance Bank mit der Installation des Open-Source-Betriebssystems Neuland betraten. "Wir haben alle gesteckten Ziele erreicht", freut sich Majer. "Mit der neuen Lösung gehört das statische HTML der Vergangenheit an." Nach dem Redesign verfüge der Internet-Auftritt jetzt über viele interaktive Komponenten, die im Rechenzentrum der Bank verankert und skalierbar seien.

Dem Endkunden springt die Arbeit des Rechenzentrums womöglich nicht einmal ins Auge, wenn er die neuen Advance-Bank-Seiten betrachtet. Doch die IT-Fachleute zehren von den Früchten ihrer Arbeit: "Die gesamte Konfiguration wurde wesentlich transparenter: Eventuell auftretende Probleme können wir nun schneller erkennen und beheben", lautet Majers Bilanz.

Die BANK IM NETZSeit März 1996 operiert die Advance Bank als beratende Direktbank im deutschen Markt - zunächst als Tochter der Vereinsbank, die sie nach ihrer Fusion mit der Hypobank an die Dresdner Bank AG verkaufte. Seine Kernkompetenz sieht der Finanzdienstleister in der konzernunabhängigen Vermögensberatung. Gleichzeitig bietet er mit seinem Cash-Management-Konto volle Girofunktion und geldmarktnahe Verzinsung sowie Baufinanzierungs- und Vorsorgeberatung, also das gesamte Leistungsspektrum einer Erstbankverbindung. Er beschäftigt deutschlandweit 470 Mitarbeiter.

Die Advance Bank will rund um die Uhr erreichbar sein: telefonisch, per Fax oder via Internet. Über 60 Prozent der 130 000 Kunden nutzen das Web für ihre Bankangelegenheiten. Das bedeutet:

-Mehr als zwei Drittel aller Kontobewegungen laufen über das Internet - Tendenz steigend.

-Pro Tag erfolgen 600 000 Internet-Zugriffe; davon läuft etwa jeder zweite auf den Linux-Servern.

-Es gibt derzeit 90 000 Online-Kunden.

-Jeden Monat werden 200 Konten online eröffnet.

KONFIGURATIONFür ihren Internet-Auftritt setzt die Advance Bank insgesamt zwölf Server ein; drei davon sind Linux-Server mit der Open-Source-Software "Apache". Im Einzelnen handelt es sich um zwei redundant ausgelegte Web-Server und einen Proxy-Server, auf den knapp 500 Mitarbeiter zugreifen, inklusive Sicherheitskonzept und Firewall. Die Lastverteilung erfolgt im Round-Robin-Verfahren. Das Datenvolumen von insgesamt 40 GB wird täglich auf DLT-4000Magnetbändern gesichert.