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07.04.2000 - 

Hochverfügbarkeit/Professionelle Datenrettung kann Kosten sparen

Im Katastrophenfall bietet Data Recovery eine letzte Chance

Wenn trotz aller Maßnahmen zur Hochverfügbarkeit der Katastrophenfall eintritt, heißt die Devise für IT-Verantwortliche Schadensbegrenzung. Professionelle Methoden zum Data Recovery bieten oft eine letzte Chance. Jürgen Kupfrian* beschreibt Möglichkeiten und Grenzen der Datenwiederherstellung.

Bei einer größeren Hausverwaltungsgesellschaft in Frankfurt am Main setzte eine glimmende Zigarette nach Feierabend einen Papierkorb in Brand. Das Feuer dehnte sich kaum aus. Trotzdem war die Büroetage komplett verrußt und der neben dem Papierkorb stehende Rechner stark in Mitleidenschaft gezogen. Fatal: Die letzte Datensicherung war vier Wochen alt, und die Daten auf der Festplatte hatten für die Hausverwaltungsgesellschaft einen unschätzbaren Wert. In diesem Fall gab es nur eine Möglichkeit, die Daten auf der Festplatte wieder verfügbar zu machen: den Versuch einer professionellen Datenrettung (Data Recovery).

Auch im Katastrophenfall gilt zuerst das Prinzip: Ruhe bewahren. Denn Unternehmen, die hektisch versuchen, die Daten mit eigenen Mitteln wiederherzustellen, können leicht weiteren Schaden anrichten. Deshalb dürfen zunächst keine Funktionstests der beschädigten Systeme vorgenommen werden. Stattdessen sollten Anwender die Geräte von der Stromversorgung trennen und die Datenspeicher so weit wie möglich aus dem Gefahrenbereich bringen.

Wenn sich die Datenträger in einem trockenen Zustand befinden, muss die relative Luftfeuchtigkeit so schnell wie möglich unter 40 Prozent gesenkt werden, um Korrosionsfortschritte zu verhindern. Nasse oder feuchte Disketten, Bänder und Bandkassetten dürfen nicht zwangsgetrocknet, sondern sollten in diesem Zustand aufbewahrt werden. Hier kann es sogar sinnvoll sein, sie mit destilliertem Wasser abzuspülen und dann kurzfristig feucht zu lagern.

Je wertvoller die Daten, desto sinnvoller ist es, professionelle Data-Recovery-Unternehmen mit Rettungsversuchen zu beauftragen. Denn schon beim Ausbau der Datenträger ist Vorsicht geboten, damit eine weitere Beeinträchtigung der Speichermedien vermieden wird. Nach der Demontage erfolgt ein umfangreiches Analyseverfahren, bei dem zunächst der äußere, optische Zustand des Datenträgers begutachtet wird.

In einem zweiten Analyseschritt wird die Elektronik des Speichermediums untersucht. Mit unterschiedlichen Messverfahren lassen sich Kabelverbindungen und Bordelektronik auf ihre Funktionalität überprüfen. Manchmal ist es auch notwendig, die elektronischen Bauteile von der Festplatte zu trennen und für einen weiteren Test an einer Laborfestplatte anzuschließen.

Erst danach wird das Speichermedium im Clean-Bereich geöffnet. Dieser Schritt ist auch dann erforderlich, wenn die Bordelektronik intakt ist.

Würde man in dieser Phase die Festplatte ohne eine Prüfung des inneren Zustands hochfahren, könnte damit jede weitere Chance einer Datenwiederherstellung zunichte gemacht werden. Der Grund: Durch den Membranfilter, der für den Druckausgleich zwischen Umgebung und Platteninnerem sorgt, können korrosive Rauchgase in das Innere der Festplatten eindringen und dort zu Beaufschlagungen in Teilbereichen der Datenoberflächen führen. Kommt ein solcher Datenträger unbearbeitet zum Einsatz, besteht die Gefahr eines Head-Crashs, also einer Zerstörung der Schreib-Lese-Köpfe und der Datenoberflächen.

Häufig tritt dieser Schaden sofort ein, manchmal aber auch erst nach ein paar Wochen. Die Ursache: Im Fall von Beaufschlagungen kommt es zu unerwünschten Landungen der Schreib-Lese-Köpfe. Meist ist dabei ein sehr leises zirpendes Geräusch zu hören, weil die Köpfe ihre stabile Fluglage nicht erreichen und immer wieder die Datenoberfläche berühren. Jede Berührung bedeutet eine kleine Schadstelle mehr und kommt dem Head-Crash einen Schritt näher.

Die Prüfung des inneren Zustands ist also unabdingbar. Dies geschieht zunächst optisch, aber auch mit Hilfe von Endoskopie und Mikroskopie, bei der die Datenoberflächen und Schreib-Lese-Köpfe sowie die Mechanik geprüft werden.

Spätestens nach dem Öffnen des Speichermediums lässt sich einschätzen, ob die Festplatte und die darauf befindlichen Daten überhaupt zu retten sind. Meist klappt das: Trotz innerer Beaufschlagung, leichten thermischen Schäden im Inneren, abgebrannten Kabelverbindungen und defekter Bordelektronik lassen sich die Datenträger wieder in Stand setzen. Dazu müssen Kabel ausgetauscht, neue Bauteile eingebaut sowie weitere vorsichtige Reinigungs- und Sanierungsmaßnahmen vorgenommen werden.

Schließlich folgt der spannendste Schritt des Data Recovery - die Festplatte wird zum ersten Mal wieder hochgefahren. In dieser Phase ist eine weitere Prüfung denkbar: Mit einer Schall- und Vibrationsmessvorrichtung lassen sich innere Schäden an der Festplatte wie Höhen- oder Seitenschläge oder Lagerdefekte nachweisen.

Wenn die Festplatte einwandfrei läuft, erfolgt die logische Prüfung: Der Data-Recovery-Experte sichtet gespeicherte Inhalte und überträgt die Daten auf eine andere Festplatte zur Weiterverarbeitung. Der Vorteil dieses Verfahrens: Die Qualität der Datenstrukturen und gespeicherten Inhalte lässt sich auch bei einer Störung der Physis oder der Elektronik bewerten.

Nach der gründlichen Analyse folgt die Wiederherstellung der gelöschten und beschädigten Daten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Daten versehentlich gelöscht oder durch Einwirkungen von außen beschädigt wurden.

Das Data Recovery muss nicht kompliziert sein. Denn jeder Löschvorgang markiert die Dateien lediglich als freien Speicherplatz und signalisiert der Verzeichnistabelle: Dieser Bereich darf wieder beschrieben werden. Problematisch wird es nur, wenn nach einer unbeabsichtigten Löschung Speicherprozesse vorgenommen werden, bei denen die zuvor freigegebenen Bereiche überschrieben wurden. In diesem Fall sind die gelöschten Dateien kaum zu retten.

Anders verhält es sich, wenn Anwender die Datenträger aus Versehen formatieren (High-Level-Formatierung). Dabei bleiben die Daten in der Regel erhalten, lediglich die Verzeichniseintragungen werden auf null gesetzt. Konkret heißt das: Das Hauptverzeichnis ist komplett weg, Unterverzeichnisse und Dateien sind jedoch immer noch vorhanden - allerdings nicht mehr auffindbar.

Solche "verlorenen" Dateien lassen sich mit Hilfe spezieller Tools retten. Manchmal muss eine individuelle Software geschrieben werden, die sich den Verzeichnisstrukturen anpasst und sie repariert. Nicht selten helfen auch die intelligentesten Programme nicht weiter. Dann müssen in mühevoller Kleinarbeit Bit-Informationen eingegeben oder korrigiert und so die ursprünglichen Datenstrukturen wiederhergestellt werden.

Sind die Daten restauriert, erfolgen zum Abschluss eine qualitätssichernde Prüfung und die Übertragung auf Sicherungsmedien, die dann dem Auftraggeber übergeben werden.

Bei der betroffenen Frankfurter Hausverwaltungsgesellschaft konnten die Daten zu 100 Prozent zurückgeholt werden. Das ist aber nicht immer möglich. Doch nach Brandfällen lassen sich erfahrungsgemäß bis zu 80 Prozent aller beschädigten Dateien retten.

* Jürgen Kupfrian ist Sachverständiger für rotierende Datenträgertechnik in Lüdenscheid.

Das kostet Data RecoveryDie Anbieter von Dienstleistungen zur Datenrettung rechnen die Arbeitseinheiten Analyse und Wiederherstellung in der Regel getrennt ab. Die Analysephase kostet im Standardtarif zwischen 280 und 800 Mark pro Datenträger. Schwierigere Abwicklungsformen werden zum Teil mit erheblichen Aufschlägen versehen. Die Kosten für die Wiederherstellung von Daten sind nur im Einzelfall abschätzbar, sie liegen in einem marktüblichen Mittel zwischen 2500 und 5000 Mark. Sobald der Schwierigkeitsgrad eines Recovery ein leichtes bis mittleres Niveau überschreitet, entstehen hier Kosten, die schnell einen Betrag von 6000 bis 10000 Mark pro Datenträger überschreiten.

Eines steht jedoch fest: Data Recovery ist immer noch günstiger als die manuelle Erfassung der verlorenen Daten. Die beleglose Datenverarbeitung nimmt immer mehr zu. Damit kann im Fall eines Datenverlusts nicht mehr auf einen Urbeleg oder eine vergleichbare Vorlage zurückgegriffen werden. Das macht die Recherche nach benötigten Informationen besonders schwierig. Die Kosten derartiger Wiederherstellungsmaßnahmen können bereits bei kleinen Unternehmen schnell Dimensionen von mehreren hunderttausend Mark erreichen.

Datenrettung als DienstleistungSchon seit vielen Jahren gibt es Unternehmen, die Datenrettung als professionelle Dienstleistung anbieten. Die namhaftesten: Ibas Deutschland (www.datenrettung.de), Ontrack Data Recovery (www.ontrack.de), Vogon International (www.vogon.de), Convar Systeme Deutschland (www.convar.de) und MSS-Media (www.mss-media.com). Diese Unternehmen verfügen durchgehend über hochwertiges Recovery-Equipment. Dazu zählen unter anderem auch Clean Areas und vergleichbare Einrichtungen.