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06.11.1992 - 

Selbstmitleidiges Jammern verhindert nur strategische Entscheidungen

Im Konjunkturloch ist es Zeit für wegweisende Investitionen

Die derzeitige konjunkturelle Baisse gäbe nicht nur Anlaß zum Jammern, sondern ließe sich sinnvoller nutzen. Denn sie böte eine Gelegenheit, neue technische Konzeptionen zu überdenken und einzuführen, meint Thomas Tosse*. Bei einem zukünftigen wirtschaftlichen Aufschwung wären Unternehmen, die in der Krise schon gehandelt haben, in der günstigeren Startposition.

Seit einiger Zeit werden die Aussichten für Maschinenbau-Betriebe und ihre Zulieferer Grau in Grau gezeichnet. Von Exportverfall und Auftragsrückgang, Kurzarbeit und Entlassungen künden die Schreckensmeldungen. Und die konjunkturelle Gesamtwetterlage verspricht vorerst wenig Besserung.

Wer sich nicht mit Schwarzmalerei und Klagen zufrieden gibt, der sucht nach Möglichkeiten, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen. Aufträge lassen sich nicht aus dem Hut zaubern. Aber die wohl doch längere Zeit, in der die Branche nicht unter Auslastung und Überstunden ächzt, läßt sich anderweitig sinnvoll nutzen: zum Beispiel zur Einführung neuer Fertigungsverfahren und neuer Technologien in der Produktion.

Selbstquälerische Nabelschau fehl am Platz

Natürlich werden diese Maßnahmen in Zeiten der konjunkturellen Flaute nicht der Erweiterung der Produktionsanlagen dienen. Aber zur Erledigung anstehender Rationalisierungsaufgaben gibt es kaum einen günstigeren Moment.

Denn nun findet sich die Zeit, die Situation des Betriebes einmal grundsätzlich zu überdenken und auf Zukunftsfähigkeit zu überprüfen. Diese Prüfung muß zwei Extreme vermeiden: Einerseits ist die selbstquälerische Nabelschau verfehlt, die immer wieder den internen Ursachen für Auftragsschwund und Kostensteigerung gilt. Andererseits ist es auch nicht sinnvoll, gebannt nach Fernost zu blicken mit dem Bestreben, nun alles zu adaptieren, was (bei uns!) Lean Production heißt.

Daß Organisationsstrukturen veränderten Marktbedingungen anzupassen sind, ist einsichtig. Und daß Mitarbeiter sowohl in der häufig vergessenen Konstruktion wie in der Fertigung stärker an die wirtschaftlichen Ergebnisse ihrer Tätigkeit, gebunden werden müssen, liegt auf der Hand.

Daß man dazu aber auf Werkzeuge zur Informationsverarbeitung verzichten könnte, ist widersinnig. Denn gerade der "Mitarbeiter als Unternehmer" muß über wesentlich mehr und schnellere Informationen verfügen als sein tayloristisch eingesetzter Kollege. Entscheidungen ohne Informationen gibt es nicht. Folglich muß mit einer Reform der Organisation, mit der Delegation von mehr Verantwortung an die Mitarbeiter, die Einführung geeigneter Informationstechnologie einhergehen.

Die vorherige Änderung der Organisation bildet eine Grundlage für Lastenhefte mit Bestand. Die Zeit der Flaute reicht nun auch für eine gründliche Analyse der ins Auge gefaßten Anbieter. Ausführliche Information der Betroffenen, Probeinstallationen und Praxistests lassen sich durchführen. Nach der Auswahl besteht genügend Zeit für notwendige Schulungen und die Weiterqualifikation der Mitarbeiter.

Diese sind durch die Hiobsbotschaften aus allen Ecken der Branche verunsichert und nicht gerade aufgeschlossen für Zukunftsfragen und Neuerungen. Das Anpacken notwendiger Veränderungen, die Festlegung zukunftsträchtiger und klarer Ziele helfen in dieser Situation jedoch weiter als Lethargie.

Neue Verfahren können die Motivation fördern

Die Planung und Einführung neuer Technologien und Verfahren kann sich in einer Zeit von Zukunftsangst und Kurzarbeit sogar als Motivationsschub auswirken.

Würden mehr Betriebe so denken, würde das volkswirtschaftlich gesehen das Konjunktursignal bedeuten, auf das so viele warten. Denn viele kleine Investitionen ergeben zusammen den Anlauf für den Aufschwung. Warum werden dann gerade jetzt notwendige Ausgaben hinausgeschoben oder ganz gestrichen, mag man einwerfen. Weil unter unsicheren Zukunftsaussichten eine mutige Investitionsentscheidung schwerfällt. Weil die Verantwortlichen häufig nicht zwischen Rationalisierungs- und Erweiterungsinvestitionen unterscheiden. Und in ganz wenigen Fällen nur, weil wirklich das Geld fehlt.

Der Investierende kann nur gewinnen

Dabei läßt sich ein ähnliches Verhalten beobachten, wie im Umgang mit dem Werbeetat: Wenn er am dringendsten nötig wäre, weil der Absatz rückläufig ist, wird er drastisch gekürzt.

Dabei kann der Investierende am Ende nur gewinnen. Denn erholt sich die Konjunktur und stellt sich der Aufschwung ein ist er für den neuen Boom bestens gerüstet. Dauert die Durststrecke jedoch an, so arbeitet er mit schlankerer Produktion wirtschaftlicher denn je. Schließlich lassen sich bei Einsatz modernster Verfahren höhere Qualitätsstufen erklimmen und Aufträge gewinnen, an die bislang nicht zu denken war.