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05.02.2007

Im Krankenhaus fürs Leben lernen

Lieber Dr. T., durch Intrigen und Ellbogeneinsatz habe ich es schnell zum Geschäftsführer gebracht. Nun fehlt mir noch ein wenig Führungskompetenz. Bitte geben Sie mir doch ein paar Tipps, wie ich meine Untergebenen in den Griff bekomme.

Ich habe gerade einige Tage im Krankenhaus verbracht. Die dort angewandten Strategien zur optimalen Patientenversorgung bei gleichzeitiger Kostenminimierung sind auch im alltäglichen Geschäftsleben sehr empfehlenswert. Hier die drei wichtigsten:

1. Warten lassen

Um fünf knallt mir die Nachtschwester den feuchten Waschlappen ins Gesicht. Das ist prima, denn so habe ich jede Menge Zeit, die Decke anzustarren - und zu warten: aufs Frühstück, aufs Mittagessen, aufs Abendessen, aufs Zäpfchen. Warten kann auch das Leben Ihrer Mitarbeiter bereichern. Rufen Sie am Freitagnachmittag den aufmüpfigen Müller an und sagen: "Müller, ich muss ein ernstes Wörtchen mit Ihnen reden, Montag um zehn in meinem Büro." Das freut den Müller, und Sie haben beide ein prima Wochenende. Wenn Sie am Montag um zwölf gut gelaunt zum Lunch Ihr Büro verlassen und der Müller steht immer noch vor der Tür, sagen Sie einfach: "Mensch Müller, was machen Sie denn hier, haben Sie nix zu tun? Jetzt aber Marsch an die Arbeit!" Vor dem Müller haben Sie damit erst mal Ruhe.

2. Leere Versprechungen

"Das merken Sie gar nicht", sagt die Krankenschwester, bevor sie mir zehn Zentimeter fein geschliffenen Stahl in den Hintern rammt.

Leere Versprechungen ("Gleich gehts besser", "Alles halb so schlimm", "Tut gar nicht weh") sind das Salz im Krankenhausalltag, das man in der dort servierten Kost häufig vermisst. Auch für Sie sind leere Versprechungen ein ideales Führungselement. Sätze wie "Mensch Müller, sobald es uns wieder besser geht, kriegen Sie eine dicke Gehaltserhöhung", kosten nichts und machen viel Freude. Sollte ein Mitarbeiter dies missverstehen und wirklich mehr Geld fordern, können Sie Strategie 1 anwenden oder gleich zu Strategie 3 übergehen:

3. Ängste schüren

"Ts, ts", "Hm", oder "Oh ho", macht die Schwester beim Anblick von Werten und Wunden. Auf die bange Frage, ob denn etwas nicht stimme, sagt sie nur: "Da müssen Sie mit dem Arzt drüber reden." Bis der wieder zur Visite kommt, ist der Patient beschäftigt und wird sich sicher nicht über das frühe Wecken oder das fehlende Salz in der Suppe beschweren. Auch Mitarbeiter lassen sich leichter führen, wenn sie ein bisschen Angst haben. Setzen Sie sich mit Ihrem Prokuristen in die Kantine, möglichst so, dass die größten Tratschbasen des Unternehmens in Hörweite sind. Murmeln Sie verschwörerisch, aber laut genug etwas von "Kosten runter", "stilllegen" und "schließen". Überprüfen Sie den Erfolg dieser Maßnahme, indem Sie sich vom Admin die internen Mails aller Mitarbeiter geben lassen.

So, ich denke, das reicht für den Anfang. Meine Rechnung nach GOÄ-Nr. 3 (eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung - auch mittels Fernsprecher) mit achtfachem Hebesatz und CP-Zuschlag geht Ihnen in den nächsten Tagen zu.

Ihr Dr. T.

Dr. T.’s Sprechstunde finden Sie alle 14 Tage in ChannelPartner und online im CP forum. Sind Sie privat versichert? Dann senden Sie schnell eine Frage an Dr. T. (thafen@channelpartner.de)!