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07.07.1989 - 

CADCAM-Lösung auf Apple-Basis als Alternative:

Im Macintosh steckt auch die Leistung einer Workstation

Beim Kampf der Systemgiganten ist der Anwender, aber oft auch der Softwarelieferant der Verlierer. Der Markt für CAD/CAM-Systemlösungen ist einer der aktuellen Krisenherde. Dramatische Leistungssteigerungen bei kurzen Entwicklungszeiten, täglich fallende Preise und eine Flut von Absichtserklärungen bezüglich Standards machen eine langfristige Entscheidung für eine Systemplattform fast unmöglich.

Was nutzt die Flucht in die Welt der konstant propagierten Standards? Die Antwort ist klar: derzeit nichts, außer einem Gefühl, für die Zukunft gerüstet zu sein. Für wessen Zukunft? Für die Zukunft der Hardwarehersteller? Lösungen werden gesucht, die heute für den Anwender nutzbar sind. In der Diskussion muß die Anwendung im Vordergrund stehen. Der Systemerwerber sollte seine Anforderungen exakt formulieren, Lösungen damit vergleichen und nicht zum emotionalen Verfechter einer Systemphilosophie werden

PCs mit Workstationleistung und Workstations zu PC-nahen Preisen: Für welche Systemgattung soll man sich entscheiden? CAD/CAM-Lösungen benötigen Workstationleistung. PC-nahe Preise fördern den Einsatz computergestützter Lösungen. So eindimensional kann die Aufgabenstellung betrachtet werden - weder von den Anwendern, und erst recht nicht von den Softwarelieferanten. CAD/CAM-Lösungen werden immer umfangreicher, bieten über Abteilungen hinausreichende Funktionalitäten und werden immer komplexer bei der Einführung und Pflege.

CAD/CAM - Die klassische Anwendung für Workstations

Als Softwarehersteller mit 20 Jahren Erfahrung im CAD/CAM-Markt kennen wir die Diskussion nur zu gut. In den siebziger Jahren lieferten wir unseren Kunden sogenannte Turn-Key-Systeme aus, CAD/CAM-Systeme, die ganz gezielte Anwendungen abdeckten und dem Stand der Technik entsprechende Hard und Softwaretechnologien beinhalteten. Mitte der achtziger Jahre waren die Kämpfe der Plattformproduzenten soweit fortgeschritten, daß es kaum ein CAD/CAM-Hersteller riskieren konnte, nicht auf den Standardsystemen der großen Hersteller anzubieten. Zwar verkaufte sich fortan der Kunde eine scheinbare Sicherheit und Integrationsfähigkeit, oft aber zum Preis einer nicht optimalen Lösung für die konkrete Anwendung.

CAD/CAM ist eine klassische Anwendung für Workstations. Getreu des bereits in den sechziger Jahren ausgesprochenen Ziels von Ken Olsen, Gründer und noch heute Kopf von Digital Equipment, "Jedem Ingenieur einen Rechner am Arbeitsplatz", werden CAD/CAM-Systeme heute fast ausschließlich auf Workstations verkauft. Super-PCs sind derzeit jedoch schon sehr erfolgreich im CAD/CAM-Markt. Experten sehen in dieser Maschinenklasse den Gewinner der 90er Jahre. Damit werden die Positionierungskämpfe zwischen Workstation- und PC-Hersteller immer heftiger. Und tatsächlich beabsichtigt nun der eigenwilligste Hersteller von Computersystemen, Apple Computer, mit der Macintosh-Systemfamilie in dem dynamischsten Marktsegment ein deutliches Wort mitzureden.

Der Macintosh ist nicht kompatibel. Er beinhaltet keine Standards. Das Betriebssystem kennt keiner außer Apple. Er ist viel langsamer als eine mit 33 MHz getaktete 386er Maschine. All diese Einwände mußten wir uns anhören, als wir dieses Jahr unsere CAD/CAM-Software "Macbravo!" für den Macintosh II vorstellten. Man begriff nicht, daß wir nicht in die Schlacht der Taktraten und Prozessorphilosophien eingriffen, sondern Anwenderlösungen präsentierten. Lösungen, die heute dem Anwender die Nutzung des Systems ermöglichen und gleichzeitig auch für die Zukunft konzipiert wurden.

Die Anwendung muß im Vordergrund stehen

Unsere CAD/CAM-Division liefert ihre auf über 16 000 Arbeitsplätzen weltweit installierten Softwarelösungen für Workstations ausschließlich auf VAX-Systemen von Digital Equipment aus. Zusammen mit dem Systemlieferanten werden wichtige Projekte gemeinsam angegangen und Entwicklungen gegenseitig forciert. Workstations entwickeln sich zu echten 3D-Maschinen mit paralleler Bearbeitung von 3D-Volumenapplikationen. Im stark wachsenden Markt für PC-Lösungen müssen zukünftig ganz andere Kriterien im Vordergrund stehen. Die Zeit der Kistenverkäufe und Taktfrequenz-Argumentationen ist vorüber.

PC-CAD kontra Hochleistungssysteme, Macintosh-Betriebsystem gegen OS/2 oder 68030- gegen 80386-Prozessor sind nicht das Thema. Benutzerfreundlichen der Anwendung, Tiefe des Befehlsumfangs, Reifegrad der Software und volle Integrations- und Kommunikationsfähigkeit mit mainframe- und workstation- basierenden CAD/CAM-Systemen sind die wichtigsten technischen Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Nur ein spezialisierter und sauber organisierter Vertriebskanal kann PC-Systeme an den Mann bringen. Die entscheidende Rolle spielt das Beratungs- und Betreuungs-Know-how der Händler. Daß man mit Anwendungsberatung, Schulung und individueller Programmierung ordentliche Deckungsbeiträge erwirtschaften kann, haben die klassischen Systemhäuser vorgemacht. Mit der explosionsartigen Entwicklung der Leistungsmerkmale der PCs und den immer umfangreicheren Kommunikations- und Vernetzungsoptionen liegt die Zukunft im hoch spezialisierten Handel für die, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, in der Dienstleistung.

Desktop-Engineering - neues Marktsegment für PC-Systeme

Apples strategische Ausrichtung auf das neu geschaffene Marktsegment Desktop-Engineering ist eine Ergänzung der Workstationmärkte. Nicht die Verdrängung der Workstation ist das Ziel, sondern die Nutzung der Workstations und der Workstation-Infrastruktur (Server, Netzwerke usw.) am Arbeitsplatz des Ingenieurs. Höchstens 50 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt der Ingenieur mit Konstruktionsaufgaben. Einen großen Teil der anderen Hälfte seiner Produktivkraft setzt er für Budgetplanungen, Präsentationen, Schriftverkehr und andere Dokumentationsarbeiten ein. Mit dem Macintosh steht ihm ein System zur Verfügung, das alle diese Anwendungen mit einer Benutzerfreundlichkeit anbietet, die ihresgleichen sucht. Was interessiert ihn der Prozessor, der in dem Kasten steckt? Zugriff auf CAD/CAM-Datenbestände, Kommunikation mit den Electronic-Mail-Funktionen der Workstationsysteme und die Ausnutzung der im Netzwerk verteilten Peripheriegeräte erhöhen seine Produktivität.

Die gesamte Funktionalität und der PC-nahe Preis des Macintosh ergänzen die Leistungsfähigkeit von Workstationsystemen, ohne diese verdrängen zu wollen. Seit 1984 ist die Macintosh-Systemfamilie auf dem Markt und mit ihr inzwischen ein ganzes Bündel von ausgereiften Anwendungen Im Marktsegment Desktop-Publishing und -Presentation ist der Macintosh zweifelsfrei der Marktführer. Das Ziel des Desktop-Engineering-Konzepts ist es, diese Anwendungen mit den klassischen Workstationlösungen zu verbinden. Die Basis für die Einbindung des Macintosh in eine Workstationinfrastruktur ist schon seit langem verfügbar. Die vor kurzem vorgestellte Phase II des Appletalk-Protokolls ermöglicht die Einbindung von Macintoshs in große Netzwerkstrukturen, weitere intelligente Interfacekarten verbessern die Kommunikation zu IBM-Großrechnersystemen.

Der Mac läßt sich in diverse Netzwerke einbinden

X.25-Karten öffnen die Tür zur Welt der Paketvermittlungsnetze. Excelans Implementation des Apple-talk-Filing-Protokolls unter Suns Unix und Digitals Ultrix ermöglicht dem Macintosh den Zugang zu NFS und damit zu dem am weitesten verbreiteten Netzwerkprotokoll der Workstationwelt. In Kürze werden aus der Zusammenarbeit von Digital und Apple richtungsweisende Kommunikationsprodukte erwartet.

Als Softwarehersteller setzen wir die Verfügbarkeit dieser Basiselemente voraus. Zusätzlich benötigen wir ausgereifte Software-Entwicklungswerkzeuge und Implementationsrichtlinien und -unterstützung. Erst unter diesen Gegebenheiten können wir CAD/CAM-Anwendungen so entwickeln, daß der Benutzer wirklich etwas damit anfangen kann und nicht zum Testfeld der Marktpositionierung wird. Genau dies ist ein weiterer Vorteil des Macintosh. MS-DOS hat zu viele Limitationen, und die Verfügbarkeit einer zuverlässigen OS/2-Umgebung war nicht gegeben. OS/2 bietet derzeit kaum Anwendungen, die unsere Software sinnvoll ergänzen und damit zu einem Zusatznutzen zu unserer Workstation-Produktlinie führen könnten. Das Macintosh-Betriebssystem verfügt über eine hervorragende Entwicklungsumgebung. Während unserer zwölfmonatigen Portierungsarbeit erhielten wir von Apple eine beispielhafte Unterstützung bei der Implementation der Macintosh-Benutzeroberfläche .

CAD auf Macintosh - ideal für den Einsteiger

Nochmal: Es kann nicht das Ziel sein, reine CAD/CAM-Funktionalität auf einem PC anzubieten. Da muß mehr passieren. Wir sehen unseren Markt im Bereich der CAD/CAM-Einsteiger, die eine kurze Einarbeitungszeit und eine auf die Aufgabe abgestimmte Funktionalität erwarten. Anwendungsspezifische Schulungen und Dienstleistungen führen zu einer höheren Produktivität und damit zu der angestrebten Kundenzufriedenheit. Die Einbindung in Workstationkonzepte schafft Vertrauen für das zukünftige Wachstum bei Erstanwendern und bietet Workstationanwendern eine kostengünstige Erweiterung der existierenden Installationen. Vergleiche des Macintosh auf Bit-Ebene mit 386er PCs und der Versuch, mit PC-Systemen Workstations zu ersetzen, sind einfach der falsche Ansatzpunkt. Benutzerfunktionalität und Einbindbarkeit sind im CAD/CAM-Markt die Latte, an der sich die Hersteller messen lassen müssen.

Hans Bauer ist Geschäftsführer der CAD/CAM Division der Schlumberger Technologies GmbH, Frankfurt