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17.07.1998 - 

Preise für Rechenleistungen divergieren stark

Im Markt für IV-Dienste ist Transparenz ein Fremdwort

Anbieter und Kunden tun sich schwer, für die Dienstleistung DV einen angemessenen Preis zu finden. Ein Vergleich von Outsour- cing-Verträgen zeigt, daß die CPU-Preise teilweise um das Zwanzigfache divergieren (zur Methodik der Marktuntersuchung siehe Kasten "IV-Benchmarking", Seite 26). Während der eine Anbieter etwa die MIPS-Stunde mit 4,75 Mark berechnete, verlangen andere bis zu 100 Mark. Ein Dienstleister veranschlagt den MB-Preis mit 0,07 Mark, ein anderer mit 0,70 Mark. Für den Laserdruck einer Seite gibt der eine sechs Pfennig an, der andere das Hundertfache. Vermutet man nun, daß nicht der Einzelpreis, sondern der Gesamtvertrag maßgebend ist, so klaffen die Preise ebenfalls auseinander. Viele Outsourcing-Anbieter behalten sich nämlich vor, ein Gesamtpaket anzubieten. Die Beträge reichen dann beispielsweise von 500000 Mark bis acht und mehr Millionen Mark für die ganze Jahresleistung, wohlgemerkt bei gleichen Mengen.

Die großen Differenzen sind auf unterschiedliche Preismodelle der Outsourcing-Anbieter zurückzuführen. Denn bei diesen fixiert sich einer auf den Bereitstellungspreis für die Kapazität - egal ob genutzt oder im Leerlauf. Der andere bemüht sich um eine verbrauchsgerechte Preisbildung. Statt hier Glaubenskriege auszutragen, wäre es transparenter, wenn alle eine Kombination aus Grund- und Verbrauchspreis anwenden würden.

Erstaunlich ist es, wenn weltbekannte Anbieter meinen, Computerarbeit könne man nur über MIPS verkaufen, während andere selbstverständlich die MIPS-Stunde als Basis nehmen. MIPS ist eine Leistungsgröße für die Schnelligkeit eines Prozessors, die mit der Menge der beanspruchten Arbeitsleistung (beispielsweise MIPS-Stunden, Service Units) nur soviel zu tun hat wie die Stärke eines Motors mit der Jahresfahrleistung. Bei einer solchen Pauschalregelung nutzen Anwender nur einen Bruchteil der verfügbaren Rechnerkapazität.

Ein Beispiel soll erläutern, wie sich unterschiedliche Preismodelle auswirken. Verlangt wird eine Jahresmenge von 150000 MIPS-Stunden bei einer Kapazität von 200 MIPS in der Spitze. Da man mit 200 MIPS in 365 Tagen ê 24 Stunden maximal 1752000 MIPS-Stunden produzieren kann, ist ersichtlich, daß der Kunde noch nicht einmal zehn Prozent der installierten Kapazität benötigt. Zwar produziert kein Rechner das ganze Jahr über ohne Unterbrechung, insofern ist diese Größe theoretisch. Doch die Kennzahl hat den Vorteil, leicht errechenbar und direkt vergleichbar zu sein. Für die wirtschaftliche Seite ist ohnehin nur die verkaufte Menge interessant, die unter Umständen weit unter der produzierten Menge liegt. Die Angabe 200 MIPS ist dennoch wichtig, zeigt sie doch, mit welcher Rechnerstärke der Anwender in den Spitzenstunden rechnen kann.

Verkauft ein Anbieter dagegen einfach nur die vorgehaltene Kapazität in MIPS als Anteil am installierten Rechner, so hat der Kunde zwar Anspruch auf jederzeitige Nutzung seines Anteils.

Aber jeder Verkäufer weiß, daß dies kein Kunde tut. Fast alle Marktteilnehmer nutzen DV-Dienste entsprechend der Höckerkurve, die zweimal am Tage Spitzenlast zeigt und sich sonst eher im unteren Bereich bewegt. So können Outsourcing-Unternehmen die gleiche Kapazität mit einem verringerten Risiko mehrmals verkaufen. Überlappen sich Spitzenlasten in der Praxis doch um einige Sekunden, sinkt die dem Anwender zur Verfügung stehende Performance in diesem Zeitraum. In einigen Verträgen sind für solche Fälle Strafen vorgesehen, die die DV-Dienstleister allerdings in Kauf nehmen.

In der Praxis haben sich Mittelpreise für DV-Dienste bewährt (siehe Tabelle "IV-Marktpreisanalyse"). Diese Preise sind in den vergangenen Jahren fast immer gesunken. Ausnahmen sind bei stark personalbeeinflußten Diensten festzustellen. Gewichtig sind vor allem die Preise für CPU-Zeit, Speicher und Zugriffe. Server werden dabei im CPU-Preis berücksichtigt. Diese drei Sparten bringen den IV-Anbietern bis zu 70 Prozent der Erlöse. Deswegen werden hier zwei Mittelwerte errechnet. Der einfache arithmetische ist fast immer deutlich höher als der gewichtete, der sich aus der Division des Gesamtumsatzes durch die Menge der verkauften Einheiten ergibt. Je nachdem, wie man zu wirtschaftlichen und technischen Fragen steht, wählt man den einen oder den anderen Mittelpreis. Marktwirtschaftlich gibt der gewichtete das richtige Bild ab. Neben die genannten Leistungen tritt heute immer mehr der PC-Arbeitsplatz als Erlösbringer für DV-Dienstleister in den Vordergrund. Vom Marktgewicht her hat er bereits alle anderen Einheiten außer der CPU-Zeit überholt.

Nimmt man die wichtigsten Leistungseinheiten einzeln unter die Lupe, so kann man folgendes feststellen:

CPU-Zeit, gemessen in 1-MIPS-Stunden

Von 206 Mark hat sich der gewichtete Preis von 1991 auf 1997 auf etwa 35 Mark reduziert. Obgleich in einzelnen Fällen deutlich niedrigere Preise als im Vorjahr genannt werden, sind im Durchschnitt auch gegenteilige Einflüsse wirksam geworden, so daß noch kein niedrigerer Preis entstanden ist. Der Anteil der verkauften Leistung an der Gesamtkapazität (Verrechnungsgrad) liegt unverändert bei lediglich 22 Prozent. Damit ergibt sich ein hohes Potential für die Größendegression, beispielsweise durch Zentralisierung und differenzierte Preise.

Plattenplatz, gemessen in verrechneten MB-Monaten

Hier ist der Preis drastisch von 13,11 Mark auf 0,84 Mark gefallen. Das geht mit Mengensteigerungen einher, zuletzt um mehr als 20 Prozent. Der Verrechnungsgrad ist auf 60 Prozent gestiegen.

Plattenzugriffe in 1000 Stück

Hier haben sich die Preise von über einer Mark auf etwa 0,50 Mark reduziert. Unverständlich ist, daß diese Leistungsart nur zurückhaltend zur Abrechnung verwendet wird, fließen doch nennenswerte Investitionen genau in die Verbesserung dieser Techniken.

Datenlagerung in Kassetten-Lagermonaten

Bei den Kassetten-Lagermonaten sank der Preis von 8,18 Mark auf gut sechs Mark. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß viele Teilnehmer die Aufgaben automatisiert und neu bepreist haben.

Laserdruck in 1000 Seiten

Beim Laserdruck ist der Preis von früher 130 Mark auf nunmehr 90 Mark gefallen. Gegenüber dem Vorjahr ist der Betrag leicht gestiegen, wohl weil der Rohstoff Papier teurer geworden ist. Weiter ist zu beobachten, daß Druckpreise auch aus "Erziehungsgründen" ansteigen. Interessanterweise nehmen die zentral gedruckten Mengen weiter zu. So ist der Verrechnungsgrad jetzt von etwa zehn auf 22 Prozent gestiegen.

PC oder Workstation, gemessen am Monatspreis für den kompletten Arbeitsplatz

Für diese Einheit sank der Preis im Zeitraum der letzten fünf Jahre von zirka 491 Mark auf etwa 300 Mark. Dieser Preisverfall entspricht nicht der Berechnung von Marktforschungsunternehmen wie der Gartner Group, die über eine ständig steigende Total Cost of Ownership berichten. Allerdings berechnen nicht alle Teilnehmer der Marktuntersuchung nach der gleichen Methode. Weiterhin werden die verborgenen Kosten, vor allem der personellen Betreuung, nicht immer voll mit einbezogen. Daher kann es auch zu einem unberechtigt niedrigen Mittelpreis gekommen sein. Denkbar ist auch, daß der eine oder andere Teilnehmer schon durch den Einsatz von System-Management-Werkzeugen oder restriktive organisatorische und technische Maßnahmen diese Kosten gedrückt hat.

DFÜ-Netz, gemessen in 1-Kbit/s-Bandbreite der Anschlüsse

Wirklich praktische Berechnungseinheiten für die Netzdienste werden immer noch gesucht. Dazu trägt nach wie vor bei, daß effiziente Meßwerkzeuge hierfür kaum verfügbar sind. Lediglich die installierte Bandbreite wird problemlos als Verrechnungsbasis genutzt und erfreut sich steigender Verbreitung bei gleichzeitigem Anstieg der Kapazitäten (mehr als 25 Prozent). Die Libe- ralisierung des TK-Marktes hat diese Entwicklung beeinflußt. Der Preis ist nach einem Ausreißer von über 500 Mark je Kbit/s Bandbreite, genutzt über ein Jahr, nun wieder deutlich niedriger. Diese Ausschläge sind typische Zeichen einer "jungen", noch nicht etablierten Recheneinheit.

Datentransport, gemessen in übertragenen GB

Beim Datentransport ist der Preis dieses Jahr deutlich gestiegen, ein Absurdum im Jahr der Deregulierung. Es gibt dafür nur die Erklärung, daß die noch wenigen Angaben zu solch erratischen Ausschlägen führen.

Aus diesen Marktmittelpreisen und -Indikatoren lassen sich zuverlässige Schlüsse für die IV-Infrastruktur ableiten. Damit sind die Leistungen des RZ- und Server-Betriebs gemeint, die inzwischen schon einen Commodity-Charakter angenommen haben. Die Elemente der Infrastruktur sind auch überbetrieblich gut zu vergleichen. Deshalb sind die angegebenen Preise ohne weiteres als Marktpreise anzusehen. Es gibt Angebot und Nachfrage, und eine - mäßige - Transparenz.

IV-Benchmarking

Die angegebenen Marktpreise werden aufgrund eines einfachen Fragebogens ermittelt. An diesem Benchmarking haben sich seit 1985 über 250 Unternehmen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland beteiligt. In 30 Arbeitskreisen, Seminaren und den Fachkonferenzen "Fin DV" der Firma Computas wird die Methodik erörtert und begleitet. Monatlich kommen neue Angaben hinzu, veraltete scheiden aus und sämtliche Preise werden neu berechnet. Jährlich erscheint die Marktpreisanalyse mit rund 300 Seiten in fünf Bänden. Der Kostenbeitrag für die Teilnehmer ist gestaffelt, je nach Mitwirkung von unter 1000 Mark bis über 10000 Mark Weitere Informationen sind zu finden unter www.jomi. com und www.computas.de.