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25.03.1988 - 

21 Millionen Bürger müssen betreut werden:

Im Mittelpunkt die BfA-Versichertendatei

* Jürgen Below ist Abteilungsleiter der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte

Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) setzte als erste öffentliche Verwaltung in der Bundesrepublik Deutschland bereits 1956 Anlagen der Datenverarbeitung zur Erfüllung ihrer Aufgaben ein. Seither ist die Entwicklung in jeder Hinsicht und immer schneller vorangeschritten, so daß heute die Datenverarbeitung aus der Ablauforganisation der BfA nicht mehr wegzudenken ist.

Die BfA ist der zentrale Träger der Rentenversicherung der Angestellten. In dieser Eigenschaft führt sie für jeden Versicherten und Rentenempfänger ein Versicherungs- beziehungsweise Rentenkonto, verwaltet die eingehenden Beiträge, sichert die Zahlungsfähigkeit, gewährt Maßnahmen der Rehabilitation und Renten aus den verschiedensten Anlässen. Der zu betreuende Personenkreis steigt ständig. Das mögen einige Zahlen verdeutlichen:

Von 1956 bis 1986 stieg die Zahl der Versicherten von 7,5 auf 16,5 Millionen Personen, der Rentenbestand von 1,6 auf 4,7 Millionen. Somit werden derzeit über 21 Millionen Bürger (Versicherte oder Rentner) in der Bundesrepublik Deutschland einschließlich Berlin-West von der BfA betreut. Der dafür erforderliche Aufgabenumfang ist gewaltig. 1986 wurden 593000 Renten erstmalig oder erneut festgesetzt, 410000 Anträge auf Maßnahmen der Rehabilitation bearbeitet und in rund vier Millionen

Fällen Versicherungskonten aus den verschiedensten Anlässen ergänzt, geändert oder geklärt.

Schon seit Anfang der sechziger Jahre geht der Gesetzgeber bei seinen Vorhaben im Bereich der gesetzlichen Rentenversicherung davon aus, daß die Rentenversicherungsträger Anlagen der Datenverarbeitung zur Realisierung der Gesetzesvorhaben einsetzen. Das soll hier stichwortartig erläutert werden:

1964: Vergabe von Versicherungsnummern an jeden Versicherten mit Eröffnung eines Versicherungskontos

1972/73: Speicherung aller rechtlichrelevanten Daten für jeden Versicherten mit jährlicher Aktualisierung

1974: Erteilung von Rentenauskünften an Versicherte rentennaher Jahrgänge

1978: Versorgungsausgleich nach dem neuen Scheidungsrecht

1981: Kontoauszüge an 45jährige Versicherte

1986: Einkommensanrechnung im Rahmen der Hinterbliebenenrentenreform

Ohne eine leistungsfähige Datenverarbeitung wären diese Gesetzesvorhaben nicht realisierbar gewesen.

Die Aufbauorganisation der Datenverarbeitung

Seit 1973 sind sämtliche Aktivitäten der Datenverarbeitung in der BfA - angefangen von der Systementwicklung bis zur zentralen Verarbeitung - in einer Fachabteilung gleichberechtigt neben den anderen Fachabteilungen zusammengefaßt. Diese Abteilung "Organisation und Datenverarbeitung" umfaßt neben der Abteilungsleitung sieben Dezernate mit insgesamt 530 Mitarbeitern, darunter 230 DV-Organisatoren und Programmierer für die verschiedensten Aufgaben.

Neben dieser Aufbauorganisation im klassischen Sinne besteht eine Projektorganisation für die Entwicklung der Anwenderverfahren in Abstimmung mit den übrigen Fachabteilungen unter der Leitung der Geschäftsführung. Alle maßgeblichen Entscheidungen, wie Projekteröffnung, -realisierung und -einführung werden im Programmausschuß unter Beteiligung des Personalrats getroffen, während die Programmleitung den Projektfortschritt überwacht und die verschiedenen gleichzeitig laufenden Projekte koordiniert.

Die wichtigsten Anwenderverfahren

Neben den üblichen für jede Verwaltung notwendigen Anwendungen, wie zum Beispiel für das Personalwesen, die Berechnung der Bezüge, Gehälter und Löhne, die Buchungs-, Kassen- und Abrechnungsverfahren sowie für statistische Aufgaben mußten für die BfA die Abläufe im Vordergrund stehen, die für die spezifische Aufgabenerledigung erforderlich waren. Dabei handelt es sich um

- die Führung der Versicherungs- und Rentenkonten,

- die Bearbeitung der Anträge auf Maßnahmen der Rehabilitation,

- die Beratung und Auskunfterteilung an die Versicherten und Rentner.

Für die Erledigung dieser BfA-spezifischen Aufgaben wurden komplexe Verfahren entwickelt, die jeden Arbeitsablauf unterstützen und miteinander korrespondieren können.

IDS - das integrierte Datenverarbeitungssystem

Im Mittelpunkt dieses Systems stehen die Versichertendatei mit insgesamt 21,8 Millionen eingerichteten Konten, von denen 16,5 Millionen aktuell von der BfA geführt werden, und die Rentendatei mit derzeit etwa 4,7 Millionen Konten. Um diese Datei wurde ein Netz von Programmen entwickelt, mit deren Hilfe alle dafür geeigneten Arbeitsvorfälle mit Unterstützung der Datenverarbeitung erledigt werden können. Dazu gehört zum Beispiel die Verarbeitung der rund 50 Millionen Datensätze, die jährlich auf Datenträgern zur maschinellen Kontoführung der BfA übermittelt werden. Das System erledigt in Spitzenzeiten (März bis Mai) bis zu 500000 Arbeitsaufträge täglich.

Das Reha-Gesamtsystem

Daneben und bewußt getrennt von der Versicherten- und Rentenkontenführung wurde ein sogenanntes Reha-Gesamtsystem entwickelt (vgl. Schaubild 1).

Im Mittelpunkt dieses Systems steht eine Datenbank, die sämtliche für die Bearbeitung von Anträgen der medizinischen und beruflichen Rehabilitation erforderlichen Dateien enthält. Auch hier unterstützt ein Netz von Programmen die Sachbearbeitung. Da in sämtlichen diesen Verfahren medizinische Daten eine wichtige Rolle spielen, wurde streng darauf geachtet, daß eine Verknüpfung der Reha-Datenbank mit der Versicherten- und Rentenkontoführung grundsätzlich ausgeschlossen und der Zugriff zu medizinischen Daten nur in genau kontrollierbaren Fällen möglich ist.

Die Dialog-Verarbeitung

Mit der Bereitstellung von Programmen und leistungsfähiger Hardware bleibt jedoch die Unterstützung der Sachbearbeitung nur Stückwerk. Eine bürgerorientierte Verwaltung muß daher bestrebt sein, die Sachbearbeitung zusätzlich durch moderne Abläufe zu unterstützen, um auf diese Weise die Bearbeitungszeiten von Begehren und Anträgen so kurz wie möglich zu halten. Dafür hat die BfA seit 1973 insgesamt zehn Dialog-Verfahren eingerichtet. Beispielhaft seien hier zwei dieser Verfahren vorgestellt:

Der Sachbearbeiter-Dialog

Nach einer umfangreichen Vorprüfungs- und Testphase hat die BfA 1980 mit der stufenweisen Einführung des Sachbearbeiter-Dialogs in allen Leistungsabteilungen begonnen.

Organisatorisch läßt sich die Verfügbarkeit der Computerleistung am Arbeitsplatz wie folgt charakterisieren:

- Die Mitarbeiter wickeln ihre Aufgaben an einem mit Datensichtstation und Drucker ausgestatteten Mischarbeitsplatz ab.

- Der direkte Zugriff der Sachbearbeitung auf alle relevanten Daten reicht, für sich allein genommen, zu einer optimalen Vorgangsbearbeitung nicht aus. Vielmehr beinhaltet der Sachbearbeiter-Dialog der BfA erstmalig in der gesetzlichen Rentenversicherung - außer dem Direktzugriff auch die Bestandsaktualisierung und sofortige Ergebnisausgabe am Arbeitsplatz.

Der Sachbearbeiter-Dialog ist damit im Rahmen des integrierten Datenverarbeitungssystems der BfA ein Teilsystem zur umfassenden und komplexen Echtzeitverarbeitung aller Vorgänge am Sachbearbeiterplatz, deren Abwicklung nur mit Hilfe von Daten des zentralen Kontenbestandes durchgeführt werden kann.

Daß mit der Echtzeitverarbeitung eine Beschleunigung einhergeht und Qualität und Aktualität der Vorgangsbearbeitung gesteigert werden, damit also ein entscheidender Beitrag zu versichertennahem Verwaltungshandeln geleistet wird, ist sicher der erfreulichste Aspekt bei der Einführung des Sachbearbeiter-Dialogs in der BfA.

Das Teleprocessing-Auskunfts-System (TAS)

Ein vordringliches fiel des Einsatzes der Informationstechnik in der BfA besteht im Erreichen größtmöglicher Versichertennähe. Die BfA ist gesetzlich zu umfassender Auskunft, Beratung und Betreuung verpflichtet. Bekanntlich verfügt die BfA bereits seit Mitte der 70er Jahre - übrigens als einziger Rentenversicherungsträger - über ein bundesweites Datenfernverarbeitungsnetz zur ortsnahen Betreuung ihrer Versicherten und Rentner. Mit diesem sogenannten Teleprocessing-Auskunftssystem (TAS) - einem Teilsystem des IDS - kann von den örtlich festen Auskunfts- und Beratungsstellen im Bundesgebiet sowie von Informationsbussen über das Datex- beziehungsweise Fernsprechnetz auf den zentralen Datenbestand in Berlin direkt zugegriffen werden.

Es liegt auf der Hand, daß die Möglichkeiten des direkten Zugriffs auf den zentralen Datenbestand in Berlin auch für die nicht ständig besetzten rund 360 Beratungsstellen und Orte mit Sprechtagen nutzbar gemacht werden sollten. Mit Hilfe mobiler Terminals - von den Mitarbeitern im Außendienst im Pkw transportierbar - kann dann auch bei den jeweils örtlich wechselnden Sprechtagen in Mittel- und Kleinstädten sowie zum Beispiel in Groß- und Mittelbetrieben der Außendienst-Mitarbeiter auf das volle Funktionsspektrum des Teleprocessing-Auskunftssystems zurückgreifen. Auf diese Weise ist eine besonders ortsnahe, schnelle und verzögerungsfreie Betreuung Ratsuchender sichergestellt.

Die Software

Die Struktur des Softwaresystems der BfA unter BS2000 und - soweit es sich um Echtzeitanwendungen handelt - unter Transdata PDN läßt sich als partiell distribuiertes System in einem Schalenmodell veranschaulichen. Von besonderer Bedeutung ist dabei auf der Ebene der Verarbeitungsrechner die Schale der betriebssystemnahen Programmsysteme. Sie überwachen und steuern den Ablauf des Produktionsbetriebs aller Anwendungs(teil-)systemen der BfA, sorgen für ordnungsgemäße Verwendung der von den Anwendungs(teil-)systemen benötigten Dateien- und Datenträgern, führen den Dateizugriff auf alle Bestände durch und bewerkstelligen die Transaktionsverarbeitung bei Echtzeitanwendungen. Es handelt sich im einzelnen dabei um

- den Transaktionsmonitor UTM (Herstellerprodukt),

- die BfA-Eigenentwicklung MAESTRO, ein System zur automatischen Steuerung der BfA-Anwendungs(teil-)systeme,

- die BfA-Eigenentwicklung AIDA, ein automatisches Informations-, Dateien- und Archivverwaltungssystem,

- die BfA-Eigenentwicklung PACKZU, ein mehrfach nutzbares Datenzugriffs- und -sicherungssystem und - die BfA-Eigenentwicklung AVUS, ein automatisches System zur Produktions- und Anlagenbelegungsplanung.

Pflege und Wartung der Anwendersoftware sowie der betriebssystemnahen Systeme erfordern ständig die Bereitstellung hoher Entwicklungskapazitäten. Die Anforderungen an die Softwareentwicklung steigen aber ununterbrochen. Hier muß Abhilfe geschaffen werden, weil sich der Gesetzgeber darauf verläßt, daß die Rentenversicherungsträger alle neuen Vorhaben umgehend in Verfahren umsetzen, die von der Datenverarbeitung unterstützt werden. Deshalb hat die BfA ein Interesse daran, die Software-Entwicklung, -Pflege und -Wartung mit Hilfe geeigneter Verfahren mehr als bisher durch eine Software-Produktionsumgebung zu unterstützen. Diesem Ziel dient die Entwicklung des Produkts DOMINO, das derzeitig gemeinsam mit der Firma Siemens AG realisiert wird.

Die zentrale Datenverarbeitung

Das zentrale Rechenzentrum der BfA verfügt gegenwärtig über drei Verarbeitungsrechner des oberen Leistungsbereichs (vgl. Schaubild 2). Es handelt sich um zwei Modelle Siemens 7.570 P mit je 24 MB Arbeitsspeicherkapazität und ein Modell 7.570 G, ebenfalls mit 24 MB Arbeitsspeicherkapazität. Im Rahmen des integrierten Datenverarbeitungssystems (IDS) wird dabei die große 7.570 P als sogenannte kontoführende Anlage für alle Verfahren genutzt, die direkten Zugriff auf die Versichertenbestände erfordern. Auf der kleineren 7.570 G werden alle übrigen Verfahren des IDS und der Verwaltung abgewickelt. Die dritte Anlage 7.570 P dient der Entwicklung der Anwenderverfahren und als Testanlage für alle betriebssystemnahen Entwicklungen. Alle Modelle 7.570 sind untereinander durch programmgesteuerte und manuelle Umschaltbarkeit vernetzt, so daß bei Ausfallsituationen eine Umverteilung der Arbeitslast auf betriebsbereit verbliebene Anlagen innerhalb kurzer Zeit gewährleistet ist.

Ausblick

Die Entwicklung der Datenverarbeitung kennt keinen Stillstand, denn dies wäre schon Rückschritt. So werden in der BfA die drei zentralen Rechner Anfang 1988 durch zwei neue Modelle der Baureihen 7.580 S sowie einmal 7.580 I ersetzt. Dadurch erhöht sich die Verarbeitungsleistung auf insgesamt 28 Mips. Die Arbeitsspeicherkapazität wird mit zweimal 64 MB und einmal 48 MB erheblich ausgeweitet. Der Sachbearbeiter-Dialog wird in weiteren Schritten ausgebaut, so daß nur für diesen Zweck Ende 1988 über 800 Dialog-Arbeitsplätze verfügbar sein werden. Die Druckerleistung wird auf sechs Laserdrucker erhöht.

Die Software-Produktionsumgebung "DOMINO" wird im Laufe des Jahres 1988 auf weitere Anwendungen, insbesondere im Programmierbereich ausgedehnt.

Das Informationssystem der BfA soll auch zukünftig einen ausgewogenen Grad von Zentralisierung und Dezentralisierung in einem Rechnernetz aufweisen. Qualitativ hochwertige Aufgabenerfüllung zum Nutzen der Versicherten und mitarbeitergerechte Gestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation bei wirtschaftlichem und effizientem Mitteleinsatz bleiben oberstes Ziel.