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Fertigungssteuerung mit EDV


20.06.1975 - 

Im Mittelpunkt steht die Stammdatei

Im Mittelpunkt jedes Industriebetriebes steht die Fertigung mit ihren vielfältigen Aufgaben in den Gebieten der Planung, Entscheidung, Durchführung und Kontrolle. Dieser zentralen Rolle entsprechend, bestehen seit Anfang der EDV Bestrebungen, die komplexen Probleme der Fertigungssteuerung mit Hilfe von Computern zu lösen.

Von John Wojak Exklusiv für CW

MÜNCHEN - Im Komplex Fertigungsvorbereitung und -steuerung gibt es vier Hauptgebiete, die sich für den Einsatz der EDV besonders eignen.

- Lagerbestandsverwaltung

- Arbeitsplan- und Stücklistenverwaltung

- Material- und Auftragsplanung

- Fertigungssteuerung mit Kapazitätsplanung und Auftragsverfolgung.

Eine Reihe von weiteren Arbeitsgebieten der Fertigungssteuerung sind zwar in vielen individuellen Lösungen ebenfalls in das EDV-Verfahren integriert worden, eignen sich aber weniger für eine Standard-Darstellung.

Wie das Schema zeigt, steht die Anlage und Verwaltung der Datenbank, mit den für alle Arbeitsgebiete notwendigen Stammdateien, im Mittelpunkt der Fertigungssteuerung mittels EDV, eine sehr umfangreiche Aufgabe. Die Erfassung, Verschlüsselung und Eingabe der notwendigen Unterlagen ist zwar durch vorhandene Schemen, moderne Sammelsysteme und Online-Möglichkeiten vereinfacht worden, stellt aber dennoch eine aufwendige Tätigkeit dar. Dabei ist zu schätzen, daß ein Mannjahr für je 2000 Teile-Nummern erforderlich ist, wenn etwa 1500 Bytes je Teil eingegeben und verwaltet werden müssen.

Zunächst Arbeitspläne und Stücklisten

Die maschinelle Verwaltung von Arbeitsplänen und Stücklisten bringt bereits große Vorteile für die Arbeitsvorbereitung und ermöglicht schnelle Auswertung und den Ersatz von schwerfälligen Karteien. Sie sollte daher immer als erster Schritt bei der Umstellung der Fertigungssteuerung auf EDV betrachtet werden. Materialplanung und Lagerbestandsverwaltung sind weitere sich logisch anschließende Aufgaben in der Fertigungsvorbereitung, die eng miteinander verbunden sind. Für die Automatisierung dieser Arbeitsgebiete müssen jedoch Stücklisten und Arbeitspläne bereits gespeichert sein.

Fertigungssteuerung als nächster Schritt

Wenn die Grundlagen der Fertigungsvorbereitung mit EDV-Stücklisten, Arbeitspläne und Lagerbestandsführung realisiert sind, kann mit der Einrichtung der Fertigungssteuerung begonnen werden. Es soll dabei gleich betont werden, daß Fertigungssteuerung mit EDV auf absehbare Zeit das menschliche Element im Betrieb nicht ersetzen wird. Meister, Einsteller, Terminüberwacher werden nach wie vor benötigt um die Durchführung betrieblicher Aufgaben sicherzustellen. Fertigungssteuerung mit EDV bietet jedoch der Betriebsleitung eine Menge von Unterlagen und Hilfen an, mit denen:

- Aufträge genau verfolgt und gesteuert werden,

- frühzeitige Erkennung und Beseitigung von Engpässen (Material, Maschinen, Menschen) möglich ist und

- eine zusammenhängende und übersichtliche Aufzeichnung aller betrieblichen Vorgänge erhältlich wird.

Grenzen für manuelle Verfahren

Fertigungssteuerung mit dem Computer hat besonders wegen der Vielzahl der technischen "Einflußkomponenten" ihre Daseinsberechtigung. Nehmen wir an, daß in einem mittleren Industriebetrieb oft bereits mit 5000 Arbeitsplätzen und 50 000 Arbeitsgängen gerechnet werden muß, dann wird klar, daß die Speicherung der Vorgaben und Erfassung der erledigten beziehungsweise teil- oder nichterledigten Arbeitsvorgänge für größere Aufträge manuell unmöglich wird. Der EDV-Einsatz bringt der Betriebsleitung hier die dringend notwendige Entlastung und die Möglichkeit, die Fertigung bei Planung, Durchführung und Kontrolle wirksan zu unterstützen.

Rückmeldeverfahren

Die errechneten Fertigungsunterlagen (Aufträge, Belegungspläne, Arbeitsvorgaben) werden dem Betrieb zur Verfügung gestellt. Die Ist-Daten sind dann über ein Rückmeldesystem der zentralen Datenbank oder den Einzeldateien für Korrektur der neuen Soll-Werte, oder für die Lohn- und Materialabrechnung zurückzuführen, so daß der Kreis geschlossen wird.

Die Einführung der Fertigungssteuerung mittels EDV sollte genau auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Zwar stehen dem Systemplaner eine Menge gutbewährter Lösungen individueller Art und auch Programmpakete zur Verfügung, der Arbeits- und Kostenaufwand ist jedoch beträchtlich.

Beispiel für eine Kalkulation

Die Kalkulationen über die Kosten von Systementwicklung, Testzeit, Datenerfassung bei Einführung der Fertigungssteuerung mit EDV gehen weit auseinander. Für ein System, das den heutigen Ansprüchen (zentrale Datenbank, Online Rückmeldung von Ist-Daten undsoweiter) entspricht, sollte man mit dem folgenden Aufwand rechnen: Systems-Entwicklung, Programmierung und Austesten eines Komplexes für 5000 Arbeitsplätze und 50 000 Arbeitsgänge erfordert etwa 25 Mannjahre.

Für die Datenerfassung für 50 000 Arbeitsgänge (je 1500 Bytes) bei 5000 Anschlägen/ Stunde werden etwa 10 Mannjahre benötigt. Für die Einführung des Systems mit Parallellauf und für die Schulung von Arbeitskräften sind weitere etwa 10 Mannjahre in Ansatz zu bringen. Faßt man diese Zahlen tabellarisch zusammen, ergibt sich etwa folgendes Bild (s. Tabelle).

Ein Projekt von solcher Kostengröße und derartigem zeitlichen Umfang bedarf genauester Planung und Überwachung. Den Kosten muß dabei ein entsprechend höherer Betrag in meßbaren Einsparungen gegenüberstehen, aber die lassen sich nicht immer leicht errechnen. So wird dann auch verständlich, warum der einst so verbreitete Optimismus bei der Planung von Fertigungssteuerung mit EDV einer viel vorsichtigeren Haltung bei der Verwirklichung von Totallösungen Platz gemacht hat.

John Wojak ist freier Unternehmensberater.