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Thomas Knorr im CW-Interview


20.10.2000 - 

"Im Moment spricht jeder mit jedem"

MÜNCHEN - Seit der deutsche Venture-Capital-Markt 1998 in eine neue Blütezeit gekommen ist, sind Wagniskapitalgeber wie Pilze aus dem Boden geschossen. Nun scheint jedoch eher wieder eine Konsoliderung angesagt zu sein. Auch die Münchner Knorr Capital Partner AG wurde von Fusionsgelüsten gepackt. Sie schloss sich kürzlich mit der Value Management & Research (VMR) AG zusammen. Über die Beweggründe und die allgemeine Situation in der VC-Szene unterhielt sich Beate Kneuse* mit Vorstandschef Thomas Knorr.

CW: Im Februar hat die britische 3i-Gruppe die deutsche Technologieholding GmbH übernommen, jetzt schließen Sie sich mit VMR zusammen. Was machte den Merger so attraktiv?

Knorr: Zum einen ist VMR im Fondsgeschäft erfolgreich, während Knorr Capital bislang nur mit Eigenkapital gearbeitet hat. Das ist zwar einerseits schön, weil man sich mit keinem Dritten auseinandersetzen muss, andererseits aber sind wir mit rund 250 Millionen Mark an Beteiligungen zu klein, um in dem Geschäft eine Rolle zu spielen. Nun haben wir eine gute Basis, um in der Zukunft gezielt Fonds für Anlegergruppen auflegen zu können. Zum anderen verfügt VMR über ein eigenes virtuelles Emissionshaus, das mit bislang 50 Börsengängen zu den führenden in Deutschland gehört. Das eröffnet uns hervorragende Platzierungsmöglichkeiten.

CW: Die neue Gesellschaft soll als Knorr Capital Value Management AG firmieren. Welche Position wird sie im Markt haben?

Knorr: In Bezug auf die börsennotierten VC-Gesellschaften stehen wir dann an erster Stelle - und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Wir sind sowohl in Sachen Börsenwert als auch hinsichtlich des investierten Kapitals die Nummer eins. Immerhin haben wir zusammen bislang mehr als 400 Millionen Mark Eigenkapital investiert. Dazu kommen noch beträchtliche Volumina über die Fonds. Und wir sind die Nummer eins bei der Anzahl der Mitarbeiter - ein Faktor, der im VC-Geschäft immer wichtiger wird.

CW: Aktiv werden Sie dann in 22 Ländern sein. Was bedeutet internationale Präsenz im VC-Geschäft?

Knorr: Der Trend im Markt geht eindeutig dahin, dass der VC-Geber die Unternehmen, die ein gewisses Wertsteigerungspotenzial aufweisen, in die Internationalität aktiv begleitet, ihnen Brücken baut. Geografisch ergänzen sich Knorr Capital und VMR da gut. Wir sind im asiatischen und nordamerikanischen Markt breiter aufgestellt, VRM in Europa.

CW: Gibt es neben dem Trend zur Internationalisierung noch andere Entwicklungen in der VC-Szene?

Knorr: Das bisherige VC-Geschäftsmodell wird in der Zukunft so nicht mehr funktionieren. Dieses bestand darin, mit möglichst wenig Menschen ein möglichst großes Rad zu drehen, also einen möglichst großen Fonds mit wenig Leuten zu managen. Zur Beurteilung von VC-Gesellschaften werden jetzt allerdings zunehmend andere Faktoren herangezogen. Unter anderem fragen die Kunden, wie viele Berater für wie viele Beteiligungsunternehmen zur Verfügung stehen?

CW: Mit anderen Worten: Junge Startups wollen wissen, wie es um die Referenzen des VC-Gebers, vor allem um dessen Beratungskompetenz, das Know-how und die Kontakte steht.

Knorr: Korrekt, wobei vermutlich vor allem die Kontakte ausschlaggebend sein dürften.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn eine VC-Gesellschaft wirklich ein Markt- und Sektorspezialist ist - so wie wir uns jedenfalls mit unserem Schwerpunkt im IT- und TK-Bereich definieren - und in ein Unternehmen investiert, das ein internationales Produkt auf die Beine gestellt hat, kommt sie nicht umhin, über den US-Markt oder andere ausländische Märkte Bescheid zu wissen. Das bedeutet, man muss dort die einschlägigen Implementierungspartner sowie Vertriebs- und Supportkräfte kennen und diese dann mit dem Unternehmen zusammenzubringen.

CW: Der Markt für Venture Capitalists scheint sich abzukühlen. Es sind zu viele Anbieter im Geschäft, gleichzeitig hat der Internet-Hype auch hierzulande an Schwung verloren. Experten rechnen vor allem in Deutschland mit weiteren Zusammenschlüssen. Teilen Sie diese Meinung?

Knorr: Eindeutig ja. Im Moment redet jeder mit jedem.

CW: Wie verhält es sich mit den US-Wettbewerbern? Werden die auch über Zukäufe in den deutschen Markt drängen?

Knorr: Damit muss man rechnen. Ich glaube aber nicht, dass die großen VC-Gesellschaften in den USA ihr Geschäft hierzulande nach dem Motto "Stück für Stück Knabberglück" aufbauen werden. Für gute Deals braucht man vielfältige Marktkontakte.

CW: Zirka 80 Prozent ihrer Investitionen fließen in den IuK-Sektor. Gibt es hier nach den jüngsten Pleiten und Fast-Pleiten in den USA, aber auch am Neuen Markt keinen Anlass zur Überprüfung?

Knorr: Wir waren bei unseren entsprechenden Investments immer sehr vorsichtig. Es hat sich wiederholt gezeigt, dass zu viele Business-Modelle, die auf Internet-Plattformen aufgesetzt wurden, zu wenig durchdacht waren. Wir haben uns deshalb vor allem auf Enabling-Technologien für das Internet fokussiert.

CW: Lag das auch daran, dass Sie bislang ausschließlich mit Eigenkapital operierten und sich eine Pleite nicht leisten konnten?

Knorr: Wir haben ein doppeltes Risiko. Wenn wir ein Projekt in den Sand setzen, verlieren wir Eigenkapital, haften also mit unserem eigenen Vermögen. Zudem hätten wir, um es vorsichtig auszudrücken, als börsennotierte Gesellschaft nach einer oder mehreren solcher Fehlinvestitionen Probleme mit unserem Aktienkurs. Deshalb müssen wir da einfach sensibler sein.

CW: Mit dem VMR-Fonds im Rücken könnten Sie künftig aber risikofreudiger agieren?

Knorr: Mit dem Fonds haben wir uns zunächst einer anderen großen Herausforderung zu stellen. Wir müssen wesentlich mehr und schneller wachsen, weil das Kapital, das wir einsammeln, investiert werden muss - und das sinnvoll. Was, ich wiederhole mich, eine entsprechende Betreuung der Investments voraussetzt. Sicher werden wir aber in Zukunft das eine oder andere Risiko mehr eingehen können.

CW: Zuletzt häuften sich die Klagen, dass es immer schwerer wird, gute Gründer zu finden. Haben Sie auch dieses Problem?

Knorr: Das sind die typischen Klagen, die aufkommen, wenn ein Goldrausch vorbei ist. Darüber kann ich nur schmunzeln. Gute Gründungsideen wird es immer geben. Ich glaube vielmehr, dass zweit- und drittklassige VC-Gesellschaften spüren, dass ihr Know-how und ihre Kompetenzen für die Beurteilung eines Unternehmens nur dazu ausgereicht haben, im Goldrausch mitzuschürfen, und ihnen jetzt die Felle davonschwimmen.

CW: Sie planen, mit der neuen Gesellschaft noch in diesem Jahr an den Neuen Markt zu gehen. Ist das angesichts der derzeitigen Talfahrt dieses Börsensegments sinnvoll?

Knorr: Unsere Pläne sind unabhängig von irgendwelchen Talfahrten und Stimmungsbarometern. Und ob es letztlich der Neue Markt ist, wird sich noch herausstellen. Wir haben auch Optionen im Hinblick auf die Nasdaq und prüfen zudem noch andere Alternativen. Außerdem gehören VC-Gesellschaften nach Ansicht der Deutschen Börse nicht an den Neuen Markt.

CW: Wieso nicht?

Knorr: Das können wir auch nicht nachvollziehen. Leasingunternehmen sind ja ebenfalls notiert. Allerdings haben wir bislang noch nicht versucht, für den Neuen Markt die Zulassung zu bekommen. Dies haben jedoch andere VC-Gesellschaften getan und sind abgelehnt worden. Damit geben wir uns aber keineswegs zufrieden.

CW: Aber Fakt ist, dass es noch in diesem Jahr zu einem Wechsel des Börsensegments kommen wird?

Knorr: Es gibt viele Unwägbarkeiten. Deshalb kann man das so definitiv nicht sagen. Außerdem muss vor dem Börsengang der juristische Zusammenschluss von Knorr Capital und VMR erfolgen, den wir noch in diesem Jahr anstreben.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.

KRÄFTE BÜNDELN

Größe wird zunehmend auch bei den Venture Capitalists zu einem Schlüsselfaktor. Diesem Trend tragen nun Knorr Capital und Value Management & Research Rechnung und schließen sich zusammen. Entstehen wird eine VC-Gesellschaft, die eine Börsenkapitalisierung von 800 Millionen Euro aufweist und über ein Beteiligungsportfolio von 90 Unternehmen mit einem Investitionswert von rund 420 Millionen Euro verfügt. Gemanagt wird ein Fondsvermögen von rund 1,2 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will die neue Knorr Capital Value Management AG (KCVM) einen Umsatz von 146,2 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Steuern von 62,3 Millionen Euro erzielen. Für 2003 sind Einnahmen von 373 Millionen Euro geplant. Die Mehrheit an KCVM werden mit 55 Prozent die Knorr-Aktionäre halten. Das Amt des Vorstandschefs übernimmt Thomas Knorr, VMR-Chef Florian Homm steht ihm als Stellvertreter zur Seite. Mit von der Partie in der Führungsetage sind auch die bisherigen Vorstandsmitglieder Manfred Frey, Kevin Devine und David Cairns.

Die Branche und vor allem die Börse reagierten zurückhaltend auf die Nachricht. Der Kurs der Knorr-Capital-Aktie verlor nach der Fusionsmeldung knapp sieben Prozent. Einige der Ankündigungen schienen den Experten dann doch zu dick aufgetragen zu sein. "Größte börsennotierte VC-Gesellschaft in Europa" heißt eben nicht viel, wenn mehr als 90 Prozent der ernst zu nehmenden Konkurrenten nicht börsennotiert sind. Und in Sachen Anzahl der Beteiligungen, dem eigentlichen Gradmesser der Branche, ist auch die neue KCVM AG nur Mittelmaß.

Die weitere Entwicklung dürfte jedenfalls spannend werden. Vor allem der deutsche VC-Markt wird mit mehr als 300 Anbietern in Zukunft hart umkämpft sein. Der Begriff Konsolidierung ist vermutlich nur eine zurückhaltende Umschreibung für den bevorstehenden gnadenlosen Shakeout - trotz der Tatsache, dass die deutsche VC-Branche erst vor kurzem für das erste Halbjahr 2000 weitere Rekordzahlen meldete. Größe gilt (neben Qualität) als künftiger Trumpf im Business! Nicht umsonst gab es bereits vor rund einem Jahr "Annäherungen" des Düsseldorfer Emissionshauses Gold Zack. Sowohl Knorr Capital als Value Management wollten zunächst aber weiter eigene Wege gehen. Jetzt kam es zumindest zum "Bündnis zu zweit".