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26.02.1999 - 

Auch Compaq-Aussage half nur wenig

Im Monopolprozeß: Die Aussichten stehen schlecht für Microsoft

MÜNCHEN (CW) - Nur wenige Prozeßbeobachter glauben noch an einen Sieg von Microsoft im US-amerikanischen Monopolismusprozeß. Selbst Zeugen der Verteidigung, wie jetzt einem Compaq-Manager, fiel es schwer, die Gates-Company in einem guten Licht erscheinen zu lassen.

Sogar Robert Levy, Senior Fellow in der wirtschaftsliberalen Denkfabrik Cato Institute, die eindeutig auf der Seite von Microsoft steht, rechnet mit einer Verurteilung, obwohl der Software-Anbieter den Prozeß durchaus für sich hätte entscheiden können. Viele Juristen führen die mißliche Lage von Microsoft vor allem auf das ungeschickte und teilweise arrogante Auftreten im Gerichtssaal zurück, das in den verbleibenden vier Verhandlungstagen kaum mehr wirksam zu korrigieren sei.

Immer mehr Prozeßbeobachter sprechen jedoch auch über eine mögliche Voreingenommenheit des vorsitzenden Richters Thomas Jackson. Darin könnte sich die Hoffnung ausdrücken, eine Verurteilung durch ein Berufungsverfahren auszuhebeln. Schon einmal gelang es, eine gegen Microsoft gerichtete einstweilige Verfügung von Jackson in der nächsten Instanz aufheben zu lassen.

Geschadet hat Microsoft neben der Vorführung offenbar manipulierter Videobeweise, daß es den Prozeßgegnern immer gelungen ist, Aussagen zugunsten des Unternehmens durch anderslautende E-Mail-Dokumente zu erschüttern. Das war auch bei der Befragung von Compaqs Vice-President John Rose kaum anders, der bezeugen sollte, daß sein Unternehmen von Microsoft nie unter Druck gesetzt wurde.

Vor zwei Jahren hat laut Rose ein Compaq-Manager unwissentlich gegen eine mit Microsoft mündlich abgesprochene Richtlinie verstoßen, die das Entfernen von Microsoft-Icons am Bildschirm untersagte. Der Mitarbeiter habe daher Verträge mit AOL und Netscape abgeschlossen und deren Software-Buttons anstelle zweier Microsoft-Icons auf der Betriebssystem-Oberfläche installieren lassen. Nachdem Microsoft das Versehen reklamiert habe, sei der Fehler natürlich behoben worden. Diese Maßnahme habe nichts mit Druck von Microsoft zu tun gehabt, verteidigte Rose die Gates-Company.

Laut Chefankläger David Boies hat Microsoft jedoch wegen des Netscape-Icons mit der Drohung reagiert, Compaq die Windows-Lizenz zu entziehen. Eine solche Maßnahme hätte auf dem Windows-dominierten Desktop-Markt eine massive Beeinträchtigung für den PC-Hersteller bedeutet.

Als Beleg für Druck von seiten Microsofts präsentierte Boies eine E-Mail vom November 1996. "Microsoft erwartet einen exklusiven Vertrag, der uns verbietet, Netscape auf dem Desktop zu plazieren", faßte dort ein Compaq-Manager eine Diskussion mit Microsoft-Manager Joe Williams zusammen. "Das ist die Interpretation eines einzelnen Mitarbeiters", versuchten die Microsoft-Anwälte jetzt den Inhalt der E-Mail herunterzuspielen.