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10.04.1992

Im Namen der Freiheit: jede Menge Standards

Es scheint vordergründig paradox zu sein, wie sich ausgerechnet die Welt der offenen Systeme darstellt: Nirgendwo sonst in der DV-Szene gibt es dermaßen viele Reglementierungen, Spezifikationen, Vorschriften und Einschränkungen. Und davon gibt es offenbar noch zu wenige; denn Entwickler wie Anwender kritisieren beispielsweise, daß X/Open, die Herstellerinitiative für Unix-Konventionen, nicht schnell genug mehr Definitionen und Vorschriften verabschiedet. Dabei wird die vierte Ausgabe des X/Open Portability Guide (XPG4) mit einem Regalmaß von fast 135 Metern selbst hartgesottenen Bürokraten Respekt einflößen. Das Ergebnis fällt erwartungsgemäß aus. Die Anwender blicken nicht mehr durch, und bei Ausschreibungen gibt es regelmäßig Unklarheiten und Mißverständnisse. Eine Ausschreibung für ein mittelgroßes Behördenprojekt füllt gut und gerne 1 000 Seiten Papier mit einer Aufzählung zu beachtender Spezifikationen. Einstige proprietäre Zwänge drohen durch bürokratische abgelöst zu werden.

Nicht, weil sie dumm sind, sondern weil es wirtschaftlicher ist, wollen die Anwender Hard- und Softwarekomponenten zu einem System zusammenstöpseln, wie sie es von der Stereoanlage kennen. Vom "Plug and play " ist man aber in der D V- Welt der offenen Systeme weit entfernt. Denn aus einer herstellerdominierten DV-Geschichte haben wir Verfahren geerbt, die Geheimniskrämerei um jede Codezeile oder Pin-Belegung sowie die sklavische Abhängigkeit der Anwender vom Hersteller zur Maxime erhoben haben. User wollen das exakte Gegenteil: Alles soll allgemein zugänglich sein, und niemand soll proprietäre Rechte geltend machen können - eine Art Posix als informationstechnische Gesamtidylle. Bloß, was ist Posix? Ein Wust fertiger und halbfertiger Normen, den nur noch Spezialisten durchblicken. Aber außerdem gibt es ja noch Dutzende andere Organisationen, die uns die Begrenzungspfähle am Weg zu offenen Systemen setzen. Die Arbeit wird uns noch auf Jahre erhalten bleiben,- ein deutsches Normiererherz darf freudig hüpfen. Es sei ihm ein erfolgreiches Leben gegönnt, damit uns die Normen einmal egal sein können, weil alles so wunderbar einfach zusammenpaßt wie bei der Stereoanlage. ls