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11.03.1977

Im Normalfall werden Rechnerressourcen verschwendet

Mit Dr.-Ing. Kornel Terplan, Systemplaner im zentralen Rechenzentrum der ungarischen nachrichtentechnischen Industrie, sprach Dr. Gerhard Maurer

- Sie arbeiten als Systemplaner bei der Vereinigung der ungarischen nachrichtentechnischen Industrie, die zentral die Datenverarbeitungsaktivitäten in den Branchen Unterhaltungselektronik, Meßtechnik und Prozeßsteuerung koordiniert. Wird in Ungarn generell an zentraler Stelle Standardsoftware für einzelne Industriezweige entwickelt?

Wir bemühen uns um Standardsoftwarepakete, aber zur Zeit überwiegen noch individuelle Lösungen, die zentral gesteuert werden.

- Bereiten auch in Ihrem Lande betriebsspezifische Eigentümlichkeiten Schwierigkeiten bei der Erstellung von Standardlösungen?

Betriebsspezifische Dinge gibt es überall - aber da in unserem Land die Struktur der Betriebe zentral geplant ist, sind die Chancen für Standardlösungen doch wohl besser als in den kapitalistischen Ländern.

- Sie leiten eine Gruppe von fünf Spezialisten für Effizienzmessung und Leistungssteigerung von Rechnersystemen. Sind Leistung und Effizienz Kriterien, die in einer nicht gewinnorientierten Wirtschaft möglicherweise vernachlässigt werden?

Da die Rechenkapazität in unserem Lande - wenngleich sie in jüngster Zeit sehr stark gestiegen ist - immer noch begrenzt und knapp ist, sind wir gezwungen, alle Möglichkeiten zu nutzen, aus den Systemen möglichst viel herauszuholen. Ich glaube, daß es bei uns mehr Problembewußtsein in dieser Frage gibt als bei privatwirtschaftlichen Unternehmen, wo große Rechnersysteme stehen, die ihren kalkulatorischen Nutzen bereits bewiesen haben.

- Wollen Sie damit sagen, daß es um die Effizienz der Computersysteme in den restlichen Ländern schlecht bestellt ist?

Ich habe in der Bundesrepublik und in den USA verschiedene Rechenzentren kennengelernt, in denen eine hervorragende Rechnerauslastung erzielt wird, andererseits (ich habe ja gerade mit Praktikern zusammen ein Seminar zum Thema Effizienzsteigerung in Tübingen abgehalten) glaube ich, daß im Normalfall mit Rechnerresourcen eine Verschwendung betrieben wird, die wir uns in unserem Lande nicht leisten würden. Jedoch muß man feststellen, daß auch in Ihrem Land das Problem erkannt wird - Indizien dafür sind beispielsweise die Gründung der European Computer Measurement Association (ECOMA) und auch ein zunehmendes Angebot von Hardware und Software-Monitoren auf dem Markt, für die sich auch mehr und mehr Käufer finden.

- Sie haben ein Jahr lang an verschiedenen amerikanischen Universitäten studiert, wie die Amerikaner das Problem angehen. Ist man dort weiter als in der BRD? Ist man gar in Ihrem Lande weiter als hierzulande?

Ganz erheblich viel weiter ist man in den USA, wo für Fragen der Leistungsmessung und Durchsatzverbesserung spezielle Studiengänge eingerichtet wurden und wo es für den Performance-Spezialisten ein präzises Berufsbild gibt. Wie es in den USA ja ohnehin mehr Datenverarbeitungsberufe gibt - man denke an den Data Base Administrator oder an Datensicherungsspezialisten, die jeweils wie auch die Performance-Spezialisten bei größeren Systemen Fulltime an nur diesen Aufgaben arbeiten. Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Bei uns in Ungarn sind wir doch wohl schon über die Aufbauphase hinaus, aber wir streben sachliche Kontakte an, und ich glaube, beide Seiten könnten voneinander lernen.

- In diesem Sinne die Frage, wie beginnt man ein systematisches Projekt zur Verbesserung der Rechnerleistung?

Ob man je nach Größe der Rechnerkonfiguration und der Aufgaben ein Team oder einen einzelnen Spezialisten beauftragt, in jedem Fall muß zunächst Klarheit über die Definitionen geschaffen werden. Es gibt etwa 40 Parameter zu beachten, und da diese systemabhängig und individuell sehr unterschiedlich interpretierbar sind, ist Voraussetzung Nummer eins, daß klare Definitionen geschaffen werden. Der zweite Punkt wäre das Festlegen klarer Projektziele. Es genügt nicht, daß man mehr Wirtschaftlichkeit oder mehr Throughput erzielen will - man muß schon präziser wissen, ob es um die Laufzeitverkürzung bei kritischen Anwendungen, um die Verbesserung des Antwortzeitverhaltens von Systemen, um die Reduzierung der Hardwareressourcen oder um den Austausch ineffizienter Software-Module gehen soll.

- Ist das nicht bereits der Maßnahmenkatalog als Ergebnis einer Analyse?

Das wird so sein, wenn man nur mehr Wirtschaftlichkeit in den Mittelpunkt stellt, aber die Arbeit des Performance-Spezialisten wird wesentlich erleichtert, wenn die Ziele so detailliert wie möglich definiert werden. In der Regel weiß man ja auch, wo einem der Schuh drückt.

- Welche Schritte kommen dann in der eigentlichen Untersuchungsphase?

Voraussetzung für jede Analyse ist zunächst eine systematische Erfassung der Performance-Daten. Dabei soll man auch kurz- und langfristige Ziele im Auge behalten - zweckmäßigerweise baut man dafür eine Effizienzdatenbank auf.

- Was bringt solch ein Datenfriedhof denn die meisten Anwender nutzen diese von den Betriebssystemen gelieferten Daten ja gar nicht?

Wenn das so ist, dann sollte sich das möglichst bald ändern. Nur so kann man Trendverschiebungen und Schwachstellen aufdecken.

- Da man im Vorhinein nicht wissen kann, welche Einsparungen ein aufwendiges Performance-Steigerungsprogramm bringen wird, ist es sehr schwierig, a priori die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projektes zu beweisen.

Zugegeben, Feasibility-Studies für solche Vorhaben sind nicht so sicher wie für andere DV-Anwendungen, aber irgendwo muß man ja anfangen, wenn sich die Dinge ändern sollen.

- Welche Methoden stehen dem Performance-Spezialisten für seine Aufgabe zur Verfügung?

Da gibt es zunächst die Daten des Job-Accounting, dann kann man Benchmarks mit produktiven Programmen fahren, desweiteren gibt es synthetische Programme, die verschiedene Lastsituationen simulieren können, ferner gibt es bekanntlich Hardware- und Software-Monitore sowie letztendlich die Simulation unterschiedlicher Systemkonfigurationen.

-Sind diese Methoden alle für den Anwender geeignet?

Man wird als Anwender nicht alles machen, was eigentlich der Hersteller zu tun hätte. Die wichtigsten Werkzeuge in der Hand des Anwenders sind wohl Job-Accounting-Auswertung, Benchmarks mit unterschiedlichen Parametern und natürlich Software-Monitore. Je größer eine Installation ist, desto mehr wird man sich der sonstigen Instrumente wie beispielsweise der Hardware-Monitore bedienen.

- Wie reagieren EDV-Manager in beiden Gesellschaftsordnungen, wenn Sie ihnen zunächst Zusatzkosten empfehlen, um auf diesem Weg zu Einsparungen zu kommen?

Generell sind sie nicht begeistert - aber das ist keine Frage der Gesellschaftsordnung. Für die Entscheidung, was letztlich von den Empfehlungen in die Tat umgesetzt wird, zählt nur, ob man als Spezialist fachlich überzeugen konnte.

Dr.-Ing. Kornel Terplan (33)

arbeitete in Ost und West auf dem Gebiet Effektivitätsmessung und Leistungssteigerung von Computersystemen. Der drei Sprachen fließend beherrschende Ungar studierte

Elektrotechnik und später Datenverarbeitung an der Technischen Universität Dresden, wo er 1971 zum Dr.-Ing mit einer Arbeit über dynamische Optimierung in der Fertigungssteuerung promovierte. Seitdem ist er Systemplaner im zentralen Rechenzentrum der ungarischen nachrichtentechnischen Industrie, wo hauptsächlich Systeme für die Produktions- und Fertigungssteuerung entwickelt werden 1974 und 1975 war Herr Terplan Stipendiat der US-Regierung an den Universitäten Stanford und Brukley, wo er Vorarbeiten auf dem Gebiet der Effizienzmessung von Rechnersystemen vertiefe. Ergebnis sind zahlreiche Artikel in englischer, deutscher und ungarischer Fachliteratur, ebenso verschiedene Referate auf internationalen Kongressen. Im Januar 1977 erschien sein erstes deutschsprachiges Buch "Leistungsfähigkeit der Datenverarbeitung" (etwa 300 Seiten).

Ständige Kontakte mit Datenverarbeitern in der BRD hat Terplan aus einer Nebenfunktion bei der ungarischen Import-Export-Organisation Interagag, deren Aufgabe unter anderem ist, in kapitalistischen Ländern Anwendungs- und Systemprogrammierungsleistungen zu verkaufen.