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29.01.1982 - 

US-Halbleiterhersteller befinden sich auf Talfahrt:

Im Silicon Valley herrscht Frost-Wetter

MÜNCHEN (nw) - Das vergangene Jahr brachte nichts Gutes für die US-amerikanische Halbleiter-Industrie. Im Silicon Valley herrscht auch für das laufende Jahr Pessimismus vor. Die Branche befindet sich auf Talfahrt, die nicht vor Mitte 1982 zum Halten kommt.

Die Situation ist brenzlig. So hat National Semiconductor im vergangenen Jahr kaum noch Gewinn gemacht (siehe auch Seite 25 der laufenden Ausgabe). Intel berichtet von einem 72prozentigem Gewinneinbruch in 1981 auf 27,4 Millionen Dollar und erstmals auch von Umsatzrückgängen. Sie fielen um acht Prozent auf 789 Millionen Dollar. Nicht viel besser schaut es bei der Advanced Micro Devices aus: Hier gingen die Gewinne in den vergangenen neun Monaten um 70 Prozent zurück. Diese Zahlen sind für eine Industrie, gewöhnt an Wachstumsraten von 25 Prozent, ein schwerer Schlag.

Insgesamt beträgt laut Financial Times die Auslieferung von US-Halbleiter-Produkten in 1981 rund 9,2 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr waren es noch zehn Milliarden. Allgemein erwarten Wirtschaftsforscher zwar, daß es in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres wieder aufwärtsgeht. Aber es gebe wenig Anhaltspunkte, die diese positive Vorhersage stützten. Tatsächlich mache in der Industrie ein geflügeltes Wort die Runde: "Der Aufschwung ist immer sechs Monate entfernt."

Schon 1975/76 wurden die Chip-Hersteller von einer Flaute betroffen. Ursache war damals die mangelnde Nachfrage nach elektronischen Komponenten. Heute ist der Grund eine Kombination aus einer gesunkenen Nachfrage und einem dramatischen Preisverfall. Letzteres gilt vor allem im Speicherbereich, der 50 Prozent des gesamten Chip-Marktes stellt.

Ein weiteres Problem stellen die japanischen Hersteller dar, die entschlossen seien, einen größeren Anteil am amerikanischen und europäischen Markt zu erobern. So halten die japanischen Konkurrenten Angaben der britischen Wirtschaftszeitung zufolge mittlerweile 70 Prozent Anteil am Schlüsselmarkt für 64-K-dynamische RAMs. "Die Japaner können soviel 64-K-RAMs absetzen, wie sie wollen", erklärte Advances-Micro-Devices-President Jerry Sanders neulich. Sanders Meinung wird dabei durch Branchenkenner unterstützt, die zwar einen permanenten Nachfrageüberhang für japanische Speicher feststellen, aber keinerlei Preiserhöhungen.

Durch die Erfahrungen mit der 76er Rezession fühlten sich die US-Gesellschaften im vergangenen Jahr noch verpflichtet, ihre Kapazitäten auszubauen. Damals waren sie dazu nicht schnell genug in der Lage, wodurch den Japanern der Einstieg gelang. Aber die Lage ändert sich. So wurden Intels Investitionsausgaben beispielsweise in 1981 nicht erhöht. Zudem liegen Produktionskapazitäten still, die schon im vergangenen Jahr in Betrieb genommen werden sollten. Baustopp heißt es auch bei National Semiconductor für ihre neue Fabrik in Texas. Das 30-Millionen-Dollar-Projekt wurde erst einmal bis frühestens Mitte September verschoben - wahrscheinlich aber für ein ganzes Jahr.

Ihre größten Umsatzeinbußen verbuchte Intel 1981 in Europa und vor allem in der Bundesrepublik Deutschland, die nach wie vor Absatzmarkt Nummer eins sei. Hier hat das Unternehmen eine Vertriebstochter, die Intel Semiconductor GmbH, München.

Insgesamt bringt der europäische Markt laut Intel-Europe Generalmanager Barry L. Cox 30 Prozent des Geschäfts. Im vergangenen Jahr dürften hier immerhin an die 200 Millionen Mark umgesetzt worden sein.

Für 1982 gibt sich das Unternehmen schon wieder zuversichtlicher: Die Umsätze sollen wieder steigen - wenn auch bescheiden.

Bereits 1985 aber will Cox weltweit ein Umsatzvolumen von 2,5 Millionen Dollar erreichen. Bis dahin hofft die Intel-Geschäftsführung, wieder auf durchschnittliche Zuwachsraten von 30 bis 35 Prozent zu kommen.

Ins gleiche Horn bläst die VLSI-Research Inc., London. Sie sieht eine "dramatische Erholung" für die Halbleiter-lndustrie voraus: Zwischen 1981 und 1985 rechnen die Londoner Marktforscher ebenfalls mit Wachstumsraten zwischen 30 und 35 Prozent.

Vorausgegangen sind laut VLSI enorme Anstrengungen der Unternehmen, sich das nötige Kapital zu besorgen, um mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Dadurch seien auch einige Unternehmenszusammenschlüsse bedingt gewesen. All dies habe es für europäische Halbleiter-Produzenten schwierig gemacht, mit den US-amerikanischen und japanischen Konkurrenten mitzuhalten.

Intel und Motorola hätten sich beispielsweise unabhängig voneinander besorgt darüber gezeigt, wie die Investitionen - auch für Land und Gebäude - in den vergangenen zwei Jahrzehnten gestiegen sind. 1965 wären noch acht Prozent vom Umsatz ausgegeben worden, 1980 seien es schon 15 Prozent gewesen. Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht abzusehen: So rechnen Branchenkenner damit, daß 1985 die Investitionen 25 Prozent der Einnahmen verschlingen werden.