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31.03.2000 - 

Netzzugangstechniken/Internet und Multimedia-Anwendungen erfordern schnelle Netzzugänge

Im TV-Breitbandkabel stecken wertvolle Zukunfts-Ressourcen

Eine Möglichkeit, den ständig steigenden Wunsch nach mehr Bandbreite im Ortsnetz zu befriedigen, bietet das defizitäre Fernsehkabelnetz der Telekom. Gerhard Kafka* zeigt auf, welches Potenzial der Oldie hat und wo die Knackpunkte bei der Nutzung als Internet-Zugangsmedium liegen.

Unter den alternativen Zugangstechnologien wie Powerline, xDSL, Richtfunk etc. befindet sich seit langem auch das deutsche TV-Kabelnetz. Das Netz, an das heute etwa 60 Prozent der deutschen Haushalte angeschlossen sind, wurde bereits vor knapp 20 Jahren konzipiert. Nach den ersten Pilotversuchen zwischen 1979 und 1982 erfolgte ab 1982 der zügige Auf- und Ausbau der Infrastruktur. Allerdings dachte zum damaligen Zeitpunkt noch niemand an interaktive Dienste wie Internet oder Voice over IP, weshalb das Netz als reines TV-Verteilnetz ausgelegt wurde. Schließlich sah die inoffizielle Zielsetzung auch nur die Förderung von privaten Fernsehsendern vor.

In Westdeutschland waren 1990 bereits 80 Prozent des heutigen Ausbauzustands erreicht, danach konzentrierten sich die Kabelaktivitäten auf die neuen Bundesländer. Ingesamt besitzt Deutschland heute ein nahezu einmalig großes Breitband-Kabelnetz mit einer Länge von 460000 Kilometern. Lediglich die Benelux-Staaten glänzen durch eine höhere Anschlussdichte.

Neben den historischen Voraussetzungen des Kabelnetzes und dem durch die ursprüngliche Bestimmung als Fernsehverteilnetz bedingten Einbahnstraßencharakter des Netzes ist bei der Diskussion um dessen Zukunft noch ein weiterer Aspekt von Bedeutung: die Aufteilung der Infrastruktur in vier Netzebenen (NE). Die erste Ebene umfasst die Produktion der Inhalte sowie die Studiotechnik. In der NE2 erfolgt die Übertragung der Signale vom Produktionsort zum Sender (terrestrisch oder via Satellit) und von dort weiter zur Kabelkopfstelle. Die wichtige Netzebene 3, auch als Zuführungsnetz bezeichnet, verläuft von der Kopfstation zu den einzelnen Häusern. Sie ist als Verteilnetz ausgelegt und gehört zu 95 Prozent der Telekom. Unter der NE4, die ein nicht zusammenhängendes Inselnetz darstellt, versteht man die Verkabelung in den Häusern (Inhouse-Verkabelung).

Neben der Telekom, die Hauptträger des Netzes auf den Ebenen 1, 2 und 3 ist, ist auf der NE4 eine Vielzahl von Wettbewerbern aktiv, die über dieses Hausanschlussnetz den Zugang zu den Kunden findet. Letztlich wird nur ein Drittel der angeschlossenen Haushalte direkt von der Deutschen Telekom versorgt. Den überwiegenden Teil der Wohnungseinheiten übernehmen kleinere und mittelständische Unternehmen.

Neben der Verteilung von Fernsehprogrammen offerieren die Kabelnetze ein enormes Potenzial für zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten. Von interaktiven Multimedia-Diensten bis hin zum schnellen Internet-Zugang mit Datenraten von einigen Megabit pro Sekunde ist eine breite Palette an Services denkbar. Technologisch betrachtet, stellt das TV-Breitbandkabel grundsätzlich ein leitungsgebundenes Übertragungssystem dar, das über eine Transferrate von mehr als 2 Mbit/s verfügt. Um das Breitbandkabelnetz für die angesprochenen Zusatzdienste zu nutzen, sind einige Vorarbeiten erforderlich. So fehlt in der heutigen Ausbaustufe etwa der Rückkanal, um Daten vom Anwender ins Netz zu transportieren. Entsprechend nutzen die ersten Internet-Angebote via Kabel dazu noch das Telefonnetz. Darüber hinaus muss der Frequenzbereich von 450 auf 862 Megahertz erweitert werden, um die Kapazität des Netzes zu erhöhen. Weitere Problempunkte stellen die Inselstruktur des Netzes sowie die Eigentümersituation dar, hier insbesondere auf der NE4.

Zudem wartet die NE4 noch mit anderen Schwierigkeiten auf: Schlampige Handwerker und in Eigenregie arbeitende Kabelkunden, die Mitte der 80er Jahre nicht ordnungsgemäß abgeschirmte Koaxialkabel installierten, sind für mögliche Störungen des Flugfunks verantwortlich. Deren Ausmaß dürfte noch zunehmen, wenn die Frequenz in den Netzen wie geplant erhöht wird.

In Anbetracht dieser Probleme sind sich eigentlich alle Experten einig, dass in das Netz hohe Summen zu investieren sind, bevor es eine echte Alternative zu den herkömmlichen Internet-Zugängen bildet. Allein für die Netzebene 4 schätzen Branchenkenner den Bedarf auf etwa sieben Milliarden Mark. Die Aufrüstung der Ebenen 2 und 3 verschlingt dann weitere zehn bis 15 Milliarden Mark.

Während die Experten noch über die Ausbaukosten des Netzes nachdenken, stellt sich dem Anwender eine ganz andere Frage: Kabelmodem oder Settop-Box? Mit deren Beantwortung legt er sich gleichzeitig auf das Endgerät fest. Entscheidet der Benutzer sich für eine Settop-Box, ist der Ferseher die erste Wahl. Das Kabelmodem macht dagegen nur in Verbindung mit einem PC Sinn. Branchenkenner vermuten, dass die Telekom aufgrund ihrer Beteiligung an der Kirch-Gruppe die Settop-Boxen favorisiert und diese künftigen Kabelpartnern gern vorschreiben wird. Im Fall des Kabelnetzverkaufs an Callahn hat der Carrier dies bereits erfolgreich praktiziert. Das wäre in Zeiten, in denen die Deutsche Bundespost jedem Teilnehmer lediglich ein Einheitstelefon zubilligt ein Rückschritt, zumal bereits leistungsfähigere Settop-Boxen von anderen Anbietern existieren. Und selbst bei den Kabelmodems zeichnet sich nach dem anfänglichen Spezifikationswirrwarr mit dem Euro-Doscis-Standard eine einheitliche Technologie ab.

Ungeachtet der vielen offenen Fragen hat die Zukunft für einige Berliner bereits begonnen. Im August 1999 stellte die Telekom auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin die neue Vermarktungsplattform "Mediavision" für das digitale Breitbandkabelnetz vor. Mediavision bietet eine breite Angebotspalette digitaler Fernseh- und Radioprogramme, aus der sich künftig jeder Abonnent sein individuelles Programmpaket zusammenstellen wird. Darüber hinaus können die 5000 ausgewählten Berliner Haushalte ihren Kabelanschluss interaktiv nutzen und per Fast-Internet die gesamte Multimedia-Welt des globalen Netzes genießen.

Gemeinsam mit dem Berliner Senat, privaten Kabelnetzbetreibern und Unternehmen der Wohnungswirtschaft baute die Telekom hierzu das Breitbandkabelnetz für rund 600 000 Wohnungseinheiten von 450 auf 862 Megahertz aus. Die zusätzlichen Frequenzen erlauben weitere 13 analoge Programme sowie 25 Kanäle für digitale Programmpakete und Multimedia-Dienste.

Das Potenzial des Kabels ganz ausschöpfen können 20 000 Kunden. Ihr aufgerüsteter Kabelanschluss erhält zusätzlich einen Rückkanal. Damit lassen sich Dienste vom Telefon über TV bis hin zu sämtlichen Multimedia-Angeboten wie schnellem Internet-Zugang, Near-Video-on-Demand, interaktive Dienste wie Home-Shopping oder Online-Banking oder auch E-Mail über das Kabel vermarkten.

Telefonieren via TV-Kabelnetz gehört seit Januar 2000 auch für die Mieter der Viterra in Bochum-Weitmar zum guten Ton. Hier hat die zur Tele-Columbus-Gruppe gehörende Concepta Kommunikationstechnik GmbH das Netz entsprechend ausgebaut. Erfahrungen in Sachen Kabelnetzausbau hat Tele Columbus bereits gesammelt, denn das Unternehmen vermarktet den schnellen Internet-Zugang via TV-Kabel bereits seit April 1999 an verschiedenen Standorten in Deutschland unter dem Produktnamen Infocity. Dabei setzt Tele Columbus das Kabeltelefoniesystem "Cornerstone Voice" von Nortel Dasa ein, das dem Anwender im Fernsehnetz Leistungsmerkmale bietet, für die sonst ISDN-Anschlüsse benötigt werden.

Beide Beispiele vermitteln einen ersten Eindruck, wohin die Reise im Kabelnetz gehen kann, wenn Fragen wie Netzausbau und -verkauf geklärt sind. Weiter in Sachen Internet via TV-Kabel sind bereits unsere Nachbarn in Österreich. In Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Wien und Wiener Neustadt vermarktet die Chello Broadband n.v. den schnellen Netzzugang. Das Unternehmen gehört zur United Pan Europe Communications, dem größten paneuropäischen Kabelbesitzer. Ebenfalls weiter in puncto Kabelnetznutzung sind die Schweizer. Während hierzulande noch über den Verkauf des Netzes diskutiert wird, will Swiss Online, der Internet-Provider der Cablecom, bis Jahresende flächendeckend im Cablecom-Netz den schnellen Internet-Zugang offerieren. Die 1994 gegründete Cablecom gehört mit mehr als 1,3 Millionen Abonnenten zu den führenden Kabelfernseh-Netzbetreibern der Schweiz.

*Gerhard Kafka ist freier Journalist und TK-Berater in Egling bei München.

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Im Reigen der Zugangstechniken gehört das TV-Kabelnetz bereits zu den Oldies. Konzipiert in einer Zeit, als die Datenübertragung für ein breites Massenpublikum noch ein Fremdwort war, ist das Netz per se nur bedingt als Internet-Zugang geeignet: Schließlich sah die offizielle Zielsetzung nur eine Übertragung von Rundfunk und Fernsehen vor. Entsprechend kostspielig ist die Aufrüstung des Mediums für interaktive Dienste wie Internet oder Voice over IP. Die Schätzungen über die Investitionskosten schwanken zwischen 17 und 23 Milliarden Marki. Dafür lockt das Netz aber mit einem Potenzial von über 25 Millionen anschließbaren Haushalten.

Abb. 1: TV-Kabelanschlüsse Ende 1999

Im internationalen Vergleich hat Deutschland nach den USA die dichteste Kabelversorgung. Quelle: EITO

Abb. 2: Potenzial des Kabelnetzes in Deutschland

Mehr als 25 Millionen Haushalte könnte ein Internet-Service-Provider über das TV-Kabel erreichen. Quelle: Deutsche Telekom

Abb. 3: Untergliederung des Netzes

Vor allem die Netzebenen 3 und 4 erfordern beim Ausbau für den bidirektionalen Datentransfer hohe Investitionen. Quelle: VATM