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05.02.1988

Im Überlebenskampf ist jedes Mittel recht: Fusion oder Konfusion?

Die Zeit der Singles in der DV-Branche scheint vorbei zu sein. Gemeinsam mit einem Partner demonstrieren Hersteller wie zum Beispiel Apple und Digital Equipment strategische Allianzen gegen die Konkurrenz. Die Meinungen zur Fusionitis gehen auseinander, wie Stellungnahmen aus den Unternehmen zeigen. "Langfristig werden DV-Unternehmen eine gewisse Mindestgröße haben", ist aus dem Hause Unisys zu hören. Außerdem sei es unnötig, bereits vorhandene "Räder" noch einmal neu zu erfinden. Gegen Elefantenhochzeiten spricht sich das Unternehmen Nixdorf aus: Dinosaurier hätten auch nicht überlebt, ist die Begründung des deutschen Rechnerherstellers.

Fragen an Die Hersteller:

.: Haben DV-Unternehmen ohne Partner langfristig keine Chance mehr?

2.: Zeichnet sich für die Zukunft ein "Shake-out" in der Branche ab?

3.: Führt diese Tendenz nicht zu einem eingeschränkten Angebot für die Kunden?

4.: Welchen Nutzen beziehungsweise Nachteil hat der Kunde von Hersteller-Zusammenschlüssen?

5.: Haben zwei Unternehmen, die ihr Produktspektrum gemeinsam anbieten, größere Chancen gegenüber der Konkurrenz?

6.: Ist in Ihrem Unternehmen eine Zusammenarbeit mit anderen Herstellern geplant?

Unisys Deutschland GmbH, Sulzbach

Zu 1.: Langfristig werden DV-Unternehmen eine gewisse Mindestgröße haben müssen, um im Mitbewerbermarkt auf Dauer ohne große Einbußen bestehen zu können. Um eine geschlossene Produktpalette bieten zu können, erscheint uns in vielen Fällen die Kooperation mit einem entsprechenden Partner sinnvoll. Es ist oft von der Kostenseite her sinnlos, am Markt bereits vorhandene "Räder" noch einmal selber erfinden zu wollen.

Zu 2.: Mit Sicherheit werden viele der kleinen Anbieter in einigen Jahren nicht mehr am Markt sein, andere - spezialisierte - Anbieter werden dafür hinzukommen. Wie unter 1. bereits ausgeführt, wird zum "Überleben" eine Mindestgröße notwendig sein, es sei denn, ein Unternehmen spezialisiert sich auf einen Teilbereich und tut sich dort als Marktführer oder zumindest als hochqualifizierter Partner hervor. Die großen Unternehmen haben mit Sicherheit die besseren "Polster", um auch Krisenzeiten zu überstehen.

Zu 3.: Wie die Fusion zwischen Burroughs und Sperry zum neuen Unternehmen Unisys deutlich zeigt, hat sich das Angebot reicht eingeschränkt: Es ist für den Kunden oder Interessenten aber mit Sicherheit übersichtlicher geworden, weil noch gezielter Lösungen mit der gesteigerten Produktpalette angegangen werden können. Der Trend zu Industriestandards zeigt doch deutlich, daß der Anwender gern einen Markt haben möchte, der übersichtlicher ist. Kurzfristig werden doch bei einer Fusion nur Produkte aus dem Markt genommen, die in ihrer Anwendungsmöglichkeit und Funktion baugleich mit Produkten des Partners sind. Auch das fährt zu einer besseren Übersichtlichkeit.

Zu 4.: Zunächst sehen wir den Punkt der größeren Sicherheit für die Investitionen des Anwenders. Die Chancen am Markt sind für das größere Unternehmen in der Regel besser (siehe auch Punkt 5).

Wesentlich sind aber die höheren Synergie-Effekte, die insbesondere aus den zentralisierten Funktionen der gesamten Verwaltung sowie aus der gegenseitigen Ergänzung der Produktlinien entstehen. Es kann Doppelarbeit vermieden werden, das heißt, es werden mehr Mittel frei für die Entwicklung von neuen Systemen und Lösungen, was für den Anwender mit Sicherheit positiv zu werten ist.

Zu 5.: Die Vergangenheit hat gezeigt, daß solche Zusammenschlüsse nicht unbedingt grundsätzlich positive Auswirkungen haben müssen.

Entscheidend ist, daß nach dem Zusammenschluß von zwei oder auch mehreren Unternehmen ein klarer Plan für die weitere Arbeit am Markt besteht, daß dieser Plan schnell und zügig realisiert wird und daß ab sofort nur noch das neue Unternehmen am Markt auftritt und nicht über einen längeren Zeitraum noch die Einzelpartner. Nur in schnellen und klaren Aussagen über die Zukunft des Produktspektrums und damit auch in die Zukunft der getätigten Investitionen der Kunden liegt eine wesentliche Voraussetzung für größere Chancen am Markt. Unklare Verhältnisse hingegen können eher zu einer Verschlechterung der Chancen führen.

Zu 6.: Die Fusion zwischen Burroughs und Sperry zu "Unisys" ist gerade erst ein Jahr alt, ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr wurde abgeschlossen. Eine Fusion in diesem großen Stil wird mit Sicherheit nicht so schnell wiederholt werden, aber wie die Kooperation mit Timeplex in letzter Zeit gezeigt hat, ist eine Zusammenarbeit auf Teilgebieten zur Abrundung oder Verbesserung unseres Angebots jederzeit möglich.

Nixdorf Computer AG, Paderborn

Zu 1.: Das ist vor allem eine Frage der Definition von Partnerschaft. Nixdorf realisiert beispielsweise eine Vielzahl von Partnerschaften mit in- und ausländischen Unternehmen, die das eigene Tätigkeitsfeld in speziellen Bereichen ergänzen. Im Kern unseres Geschäftes setzen wir jedoch langfristig auf unsere eigene Leistungsfähigkeit, zumal wir bereits frühzeitig dem Zusammenwachsen von Computer und Nachrichten durch den Aufbau eigenen Know-hows in beiden Bereichen Rechnung getragen haben.

Zu 2.: Dinosaurier haben auch nicht überlebt. Große allein ist keine Überlebensgarantie.

Zu 3.: Die Gefahr besteht, falls es zu einem Shake-out in der Branche käme.

Zu 4. und 5.: Diese Fragen können (wollen) wir mangels eigener Erfahrung nicht beantworten.

Zu 6.: Keine "Elefantenhochzeit". Wie schon immer praktiziert, wird Nixdorf auch künftig Kooperationen, zum Beispiel mit Softwarehäusern, oder die Zusammenarbeit mit Technologiepartnern, die unsere eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sinnvoll ergänzen, realisieren.

Lotus Development GmbH, München

Zusammenschlüsse und Kooperationen von EDV-Firmen sind in der letzten Zeit normal geworden. War es bisher in der Softwarebranche üblich, daß ein Softwarehersteller einen anderen aufkaufte, weil es meist effektiver war, als neue Programmentwicklungen selbst durchzuführen, so ist es neuerdings interessant, mit anderen Firmen zu kooperieren.

Die Lotus Development GmbH, München, tut dies zum Beispiel mit dem Softwarehaus Enfin Software Corporation. Mit dem Produkt von Enfin, dem Business Planner, sollen zusätzlich Anwender für das Produkt 1-2-3 erreicht werden.

Aber nicht nur Softwarefirmen unter sich, sondern auch Soft- und Hardwarehersteller arbeiten zusammen. So wurde zwischen Lotus und IBM ein Kooperationsvertrag geschlossen.

Weitere gemeinsame Vorgehen wurden für den Datenbankbereich angekündigt, und Lotus Development und IBM entwickeln darüber hinaus Lotus l-2-3/M, eine Großrechner-Version von Lotus 1-2-3, die gemeinsam vermarktet werden soll.

Eine Partnerschaft zwischen führenden Unternehmen ist aber nur dann sinnvoll, wenn sich die Partner in ihren Stärken ergänzen, da diese zusammen dem Kunden zum Vorteil angeboten werden können. Weiterhin ist es natürlich für große Firmen leichter, ein umfassendes Servicepaket anzubieten (Hotline, Kundenunterstützung, Trainings etc.).

Die Perspektive für die Zukunft: Da das große Motto für die kommenden Jahre Integration heißt, setzt sich dieser Gedanke auch in der DV-Industrie durch. Neue große Aufgaben verlangen nach entsprechend ausgestatteten Anbietern. Sich gegenseitig ergänzende Partner bieten hierfür die entsprechenden Voraussetzungen.

Da alle Systeme künftig miteinander verknüpft sein werden, sind alle gezwungen, die Komponenten für ein solches System anzubieten, damit ein reibungsloses Zusammenspiel gewährleistet ist.

BASF, Ludwigshafen

Zu 1.: DV-Unternehmen haben auch ohne Partner eine Zukunftschance. Die immer stärkere Verbindung von früher selbständigen Organisations- und Kommunikationshilfsmitteln zu integrierten Systemen legt Kooperation immer mehr nahe. Auch im Forschungs- und Produktionsbereich macht man längst nicht mehr alles selbst.

Zu 2.: Der Shake-out der schwächeren Marktteilnehmer ist ein normaler Vorgang; daran wird sich auch in Zukunft nichts andern.

Zu 3.: Es bleiben jedoch genügend erfolgreiche Wettbewerber übrig. Der Kunde muß gegebenenfalls mit kleinerer Typenvielfalt leben, was aber für ihn kein Nachteil sein muß.

Zu 4.: Der Nutzen ist die tendenziell höhere Standardisierung der Komponenten. Ein Zusammenschluß stärkt die Partner durch Wahrnehmung von Synergie-Effekten.

Zu 5.: Wenn zwei Unternehmen ihre Produkte gemeinsam anbieten, steigt ihre Wettbewerbsfähigkeit, vorausgesetzt, ihre Produktspektren sind aufeinander abgestimmt.

Zu 6.: Die BASF ist bereits Kooperationen eingegangen: So hat sie gemeinsam mit Siemens ihre PCM-Marketing-Aktivitäten in einem Joint-venture, der Comparex Informationssysteme GmbH, zusammengefaßt. Zu erwähnen ist auch die BASF/Agfa-Forschungskooperation auf dem Gebiet Videobänder und Metallpigmentbänder für digitale Aufzeichnungsverfahren.

Intergraph GmbH, Haar bei München

Zu 1.: Wenn man die diversen "Allianzen", von denen in der Branche derzeit die Rede ist, miteinander vergleicht, dann fallen doch zunächst einmal gravierende Unterschiede auf:

- DEC und Apple entwickeln Schnittstellen zwischen ihren Systemen, damit Macintosh-Rechner in Decnet-Umgebungen eingebunden werden können.

- AT&T wird den Prozessor Sparc von Sun zur Entwicklung eigener Rechnersysteme einsetzen und zirka 20 Prozent der Sun-Aktienkapitals erwerben. Beide Unternehmen bleiben aber im wesentlichen unabhängig.

- Prime will sich durch Erwerb des gesamten Aktienpaketes die Firma Computervision einverleiben. Nur in diesem Falle kann wohl von Fusion gesprochen werden.

Ziel dieser Partnerschaften ist im allgemeinen die Schaffung gemeinsamer Schnittstellen oder die Erweiterung des eigenen Produktspektrums in bestimmten vertikalen Bereichen. Das bringt natürlich Marktvorteile. Auf der anderen Seite werden aber auch Standardschnittstellen immer weiter vorangetrieben, so daß auch einzelne Anbieter weiterhin eine Chance haben, soweit sie nur "offene" Systeme anbieten.

Zu 2.: Ein "Shake-out" in der Branche wird unseres Wissens schon seit Jahren (oder Jahrzehnten)) prophezeit. Bis heute ist das jedoch nicht eingetroffen, wie ein Blick auf die derzeitige DV-Landschaft zeigt. Kleine und mittlere Unternehmen mit hohem technologischen Potential sind besser als Großunternehmen in der Lage, sich schnell und flexibel dem technologischen Wandel auf diesem Markt anzupassen.

Die Großunternehmen müssen sich - über Fusionen und Allianzen - diese Flexibilität und das nötige Know-how häufig extern einkaufen. Auf absehbare Zeit wird die gewohnte Vielfalt in der DV-Welt bestehen bleiben.

Zu 4.: Der Kunde profitiert jedoch davon, daß die unterschiedlichen Stärken der einzelnen Partner zusammengebracht und zusätzlich verstärkt werden. Auf der anderen Seite wird die Abhängigkeit großer.

Zu 5.: Siehe 1. bis 4.

Zu 6.: Auch Intergraph hat in der Vergangenheit immer wieder - und wird es wohl auch in Zukunft immer wieder tun - sich durch Zusammenarbeit oder Zusammenschluß oder Erwerb mit externen Anbietern spezielles vertikales Know-how erworben und so die eigene Produktpalette erweitert, so zum Beispiel:

- Erwerb der Firma Optronics für hochauflösende Scanner und Photoplotter,

- Erwerb der Firma Rand (Finite-Elemente-Analyse-Programme),

- Beteiligung an Tangent Systems (Standard-Zellen, Asic-Entwicklungswerkzeuge),

- Beteiligung an Bentley Systems (3D-CAD-Paket für Workstations und PCs).