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15.05.2006

Im Visier der Fahnder

In den nächsten Tagen wird so manchem Händler ein attraktiver Auftrag ins Haus flattern. Was die Betroffenen nicht wissen: Es handelt sich um Testkäufe von Microsoft. Der Konzern hat seit März bundesweit mehr als 1.000 Angebote eingeholt, die auffälligen werden jetzt genau geprüft.

Von Marzena Fiok

Wie es Händlern ergeht, die beim Vertrieb von illegaler Software erwischt werden, kann man auf der Microsoft-Hompepage unter "aktuelle Pirateriefälle" nachlesen: "Softwarehändler Z. aus Bayern muss Schadensersatz an Microsoft zahlen", "Softwarehändler S. aus Baden-Württemberg unterzeichnet Unterlassungserklärung", heißt es da. Mehr als 80 Urteile aus den letzten zwei Jahren sind hier zu finden, darunter sind auch Freiheitsstrafen. Einer der spektakulärsten Fälle ist hochaktuell: Der Bundesgerichtshof bestätigte im April das Urteil gegen den Softwarehändler Oliver W.: Der Mann muss wegen Vertriebs von Raubkopien für drei Jahre ins Gefängnis.

Schwerpunkt liegt auf auffälligen Regionen

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Liste in diesem Jahr noch länger wird, ist groß. Seit Mitte März läuft die bundesweite "Mystery Shopping"-Kampagne von Microsoft, bei der die schwarzen Schafe mit Hilfe von Testkäufen aufgespürt werden sollen.

Grundlage der Aktion sind die Ergebnisse des "Windows Genuine Advantage" (WGA): Mit dem vom TÜV-IT zertifizierten Prozess wird online die Authentizität der verwendeten Windows-Version überprüft (weitere Details siehe ComputerPartner 17/06, Seite 11). Fast neun Millionen Rechner wurden seitdem schon getestet. 20 Prozent waren auffällig.

"Die Zahlen überraschen uns nicht", erklärt Olaf Uchtmann, Unit Manager System Builder und Anti-Piracy bei Microsoft Deutschland. "Was uns viel mehr beschäftigt, ist die Frage: Setzt der Nutzer die illegale Software wissentlich oder unwissentlich ein?"

Nicht Verbraucher, sondern Händler werden geprüft

Verbraucher oder Firmen, bei denen die Echtheitsprüfung fehlschlägt, müssen allerdings nicht damit rechnen, dass am folgenden Tag Microsoft-Mitarbeiter und Polizisten vor der Tür stehen. Die Prüfung erfolgt anonym, lediglich die Region fließt in die Auswertung ein: In solchen Gegenden mit auffällig schlechten Ergebnissen sind die Testkäufer besonders häufig unterwegs - derzeit jeden Tag in rund 20 Städten. Und dort überprüfen sie nicht die Verbraucher, sondern die Händler: Microsoft will nicht die Junkies, sondern die Dealer vor Gericht bringen. "Eines muss jedem Betroffenen klar sein: Wenn wir abmahnen, sind wir auch bereit zu klagen", erklärt Uchtmann. "Wir scheuen selbst bei kleinen Beträgen nicht davor zurück, vor Gericht zu gehen".

Seit Beginn der Aktion wurden zahlreiche Testkäufe durchgeführt. Diese werden derzeit überprüft. Keiner der Betroffenen wird merken, dass ihn Microsoft auf dem Radar hat: Die Tarnung der "Fahnder" ist bis ins letzte Detail durchdacht. Welche Kriterien einen Händler verdächtig machen und welcher Aufwand für die perfekte Tarnung der Testkäufer betrieben wird, möchte Uchtmann aus Rücksicht auf die laufende Aktion derzeit noch nicht veröffentlichen. Wer die Details erfährt, wundert sich eigentlich nur noch darüber, dass es überhaupt noch "schwarze Schafe" gibt, die noch nicht erwischt wurden.

Der Händler erfährt jedenfalls erst, wenn das Verfahren abgeschlossen ist, dass er geprüft wurde. Ist die Ware in Ordnung, folgt ein Schreiben, das ihn über den Testkauf und das für beide Seiten erfreuliche Ergebnis informiert. Wurde illegale Software verkauft, bekommt der Händler ebenfalls Post: Dann ist allerdings eine Abmahnung von Microsoft oder die Benachrichtigung der Polizei, dass ein Strafverfahren eingeleitet worden ist, im Umschlag.

Perfekte Tarnung der Testkäufer

Oft versuchen sich Händler, die beim Verkauf illegaler Software erwischt wurden, mit angeblicher Unwissenheit herauszureden. Damit kommen sie allerdings nicht weit: Zu den Sorgfaltspflichten des Handels gehört es, sicherzustellen, dass es sich bei der angebotenen Ware nicht um raubkopierte oder manipulierte Produkte handelt.

Wer sich nicht sicher ist, saubere Ware vom Lieferanten erhalten zu haben, kann dies ebenfalls von Microsoft prüfen lassen. Allerdings scheuen mache Händler davor zurück, weil sie Angst haben, auf ihrem Schaden sitzen zu bleiben. "Wir wollen natürlich nicht zur ‚Produktwäsche‘ verführen, deswegen übergeben wir dem Einsender von Produkten aus Kulanz maximal ein Produkt", bestätigt Uchtmann. Bei Verdacht sollten Betroffene dennoch nicht zögern und möglichst schnell reagieren. Der Microsoft PID Service (Kontaktdaten und weitere Informationen siehe "Surftipps") prüft die eingesandten Produkte innerhalb von 24 Stunden. Der Einsender hat daher innerhalb kürzester Zeit Klarheit über die Beschaffenheit der Ware und dann auch Zeit, sich weitere Schritte zu überlegen.