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25.05.2001 - 

Uneinheitliche Regelungen der IHKs verunsichern Auszubildende

Im Zweifelsfall droht Wiederholung

MÜNCHEN (CW) - Eine böse Überraschung ereilte die IT-Auszubildenden, die am 15. Mai ihre schriftlichen Prüfungen schreiben wollten. Die Aufgaben waren bereits zuvor von Unbekannten im Internet veröffentlicht worden. Um sich abzusichern, ließen die Industrie- und Handelskammern die Klausuren unter Vorbehalt schreiben oder brachen sie völlig ab. Nun beginnt für die meisten Kandidaten erneut der Prüfungsstress.

Knapp eine Woche, nachdem die Abschlussprüfungen für bundesweit 9000 IT-Auszubildende zum Teil abgebrochen oder ausgefallen waren, tappen die zuständigen Industrie- und Handelskammern (IHK) immer noch im Dunkeln. Wer die Prüfungsaufgaben ins Internet gestellt haben könnte, ist den Verantwortlichen weiterhin ein Rätsel. "Wir haben zwar einige Spuren gefunden, wollen damit aber noch nicht an die Öffentlichkeit gehen", erklärte Christine Scholles von der IHK Köln. Schließlich sei Dritten ein Zugriff auf die Prüfungsunterlagen nicht völlig unmöglich, denn allein die Auslieferung der Umschläge gehe an über 100 Zweigstellen und anschließend weiter an die einzel-nen Schulen. "Hier könnte es dem Täter am leichtesten gefallen sein, sich zu den geheimen Daten Zugang zu beschaffen", meint Scholles.

Nachdem am Sonntag, 13. Mai gegen 13 Uhr eine umfassende und zutreffende Auflistung aller Prüfungsinhalte für den Beruf Fachinformatiker/-in, Fachrichtung Systemintegration, im Internet erschienen war, sagten die Handelskammern die schriftlichen Prüfungen für den kommenden Dienstag ab. Betroffen waren nach Angaben der IHKs Auszubildende der Berufe Fachinformatiker mit Fachrichtung Anwendungsentwicklung, IT-Systemelektroniker, IT-Systemkaufleute und Informatikkaufleute.

Scharfe Kritik an KammernViele Prüfungskandidaten reagierten mit Unverständnis auf das organisatorische Desaster der Kammern. In zahlreichen Foren wurde anschließend gegen die bestehenden Sicherheitslücken und die Ausbildung im Allgemeinen gewettert, die von einigen als unzureichend und schlecht charakterisiert wurde. So schreibt unter anderem ein Diskutant im ZDNet-Forum: "Der Ausbildungsrahmenplan ist so schwammig und allgemein gehalten, dass Berufsschulen und Betriebe nicht oder nicht ausreichend alle Themen ausbilden können."

Drohende RechtsstreitigkeitenDurch das Prüfungschaos ist den 82 IHKs ein derzeitiger Schaden von 500000 Mark entstanden, der sich mit Folgekosten auf über eine Million Mark belaufen könnte. Zudem müssen die Kammern mit möglichen Schadenersatzansprüche der Unternehmen rechnen. Denn diese sind verpflichtet, den betroffenen Auszubildenden einen freien Tag für die Teilnahme an der Wiederholungsprüfung zu gewähren.

Aber auch den IHKs von Bayern und Hannover, die die Prüfung unter Vorbehalt geschrieben haben, könnten Rechtsstreitigkeiten drohen. Sollten die unter Vorbehalt geschriebenen Prüfungssätze gewertet werden, könnte für die Auszubildenden, die durchgefallen sind, ein Anfechtungsgrund bestehen.

Einen weiteren Minuspunkt dürften sich die Kammern bei Festlegung des Nachschreibetermins eingehandelt haben. Der soll laut IHK-Pressemitteilung am 6. Juni, während der Pfingstferien, stattfinden. Nur das Bundesland Bayern legte den neuen Prüfungstermin für die 1500 Auszubildenden, auf den Donnerstag, 21. Juni, also nach den Ferien. Einen Sonderweg beschritt dabei die Kammer Würzburg-Schweinfurt. Wie Hauptgeschäftsführer Lando Lotter mitteilte, entschied sich diese IHK, die Prüfung wie vorgesehen und ohne Vorbehalt anzunehmen. Danach sind die schriftlichen Prüfungen in Mainfranken ordnungsgemäß vollzogen worden und werden auch vollständig bewertet.

Da die IHK in ihrem Bezirk Prüfungshoheit besitzt, kann sie autonom die Gültigkeit einer Prüfung anerkennen. Dass diese Entscheidung zugunsten der Prüflinge ausfiel, verdanken diese der Anlehnung an den Grundsatz der Unschuldsvermutung. Danach gingen die Kommissionsmitglieder davon aus, dass sich "keiner der Prüflinge in rechtswidriger Weise vorab Kenntnis von Inhalten der Abschlussprüfungen verschafft" habe.