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20.10.1989 - 

Französische Jung-DVler müssen nur der Erstanstellung nachlaufen

Im zweiten Job beginnt das richtige Geldverdienen

PARIS - Jungen französischen Informatikern weht nach ihrem Diplom zum Karrierebeginn ein relativ frösteliger Wind ins Gesicht. Die Kosten für die "Praxis-Einordung" der Berufsanfänger läßt viele Unternehmen von einer Anstellung zurückschrecken; eher gefragt sind Spezialisten mit zumindest der Erfahrung von einem Arbeitsplatz. Dennoch, gesucht sind sie, die Informatiker.

Ähnlich wie bei uns ist auch in Frankreich der bezahlbare Spezialist ein begehrter Mitarbeiter. Dabei beschränken sich die heutigen Probleme französischer Unternehmen im Personalbereich der Datenverarbeitung nicht allein auf die Berufsgruppe der Informatiker im engeren Sinne. Rund zehn Prozent der Angestellten, die in diesem Bereich tätig sind, gelten bereits als Netzwerkspezialisten, denn auch die interne Kommunikation muß stimmen.

Es ist sicherlich eine gute Berufsbasis, heute in Frankreich eine Informatikausbildung absolviert zu haben. Wie die APEC (Association francaise pour emploi des cadres), die französische Arbeitsvermittlung für Angestellte, errechnet hat, richten sich mehr als ein Viertel aller Offerten an Mitglieder der Informatiker-Berufsgruppe. Unter den mehr als 90 000 Angestellten, die in Frankreich im vergangenen Jahr eingestellt wurden, sind 17 Prozent Informatiker - mehr als doppelt so viele immerhin wie im restlichen Europa mit durchschnittlich sieben Prozent.

In den vergangenen Jahren hat sich in dieser Richtung auch die Zahl der Stellenangebote für Informatiker mehr als verdreifacht: von 6000 im Jahre 1978 überschritt diese Zahl die 21000er Marke im Dezember 1988. Auch auf Seiten der Berufseinsteiger tut sich ähnlich Positives: Hier erhöhte sich die Zahl rapide auf 19 000 Angebote.

DV-Spezialisten liegen immer besser im Rennen

Für das laufende Jahr sind die gemeldeten Zahlen des gallischen Nachbarlandes von ähnlichem Optimismus getragen. Von einer Verbesserung der Nachfrage profitieren speziell System- und Netzspezialisten, die in diesem Februar im Verhältnis zum Vorjahr aus der dreifachen Zahl von Anzeigen aussuchen konnten. Eine Entwicklung, die, folgt man der APEC, sich weiter zu akzentuieren scheint.

Der Grund für diese Entwicklung ist, so meint Le Monde Informatique aus Paris, einleuchtend. Wenn sich die Datenverarbeitung positiv entwickelt, dann deshalb, weil sich auch die nationale und internationale Ökonomie konjunkturell positiv darstellt. Auch kleine und mittlere Unternehmen zählen inzwischen zu den Nachfragern im Bereich Datenverarbeitung. Im Jahr 1988 hatten bereits mehr als 35 Prozent der Unternehmen dieser Größenordnung einen Mini in ihr Systemumfeld integriert - diese Zahl belief sich 1987 noch auf 19 Prozent. Bereits 71 vom Hundert Klein- und Mittelbetrieben Frankreichs sind inzwischen mit mindestens einem PC ausgerüstet.

Was die großen Unternehmen angeht, so liegt die Präferenz der Investitionsentscheidungen im Bereich der Produktion (33 Prozent) sowie Forschung und Entwicklung (37 Prozent). Auch hier verzeichnet die Statistik eine bemerkenswerte Zunahme der Stellenangebote: Nach einer Steigerung von 30 Prozent im Jahr 1987 bereits 55 Prozent im vergangenen Jahr. Da zählt die 13 prozentige Steigerung der Anzeigen der allgemeinen Datenverarbeitung fast nicht mehr viel, aber es darf nicht übersehen werden, daß dieser Bereich schon immer grundsätzlich die Hälfte aller Stellenangebote auf sich vereinnahmte.

Hauptarbeitgeber sind die sogenannten SSII (Societes de services en informatique et ingenierie), die Dienstleister im Bereich der Informatik und des Ingenieurwesens. Zwei Drittel der 15 600 Angestellten, die von dieser Wirtschaftsgruppe im letzten Jahr eingestellt wurden, sind Informatiker - und eines von zwei SSII-Unternehmen beabsichtigt, 1989 das Personal weiter aufzustocken.

Aber neben diesen positiven Aussagen darf nicht vergessen werden, daß auch negative Aspekte in dem Bild zu finden sind. Arbeitslosigkeit im Bereich der Informatik in Frankreich existiert durchaus. Obwohl sich die Arbeitslosenzahl in diesem Bereich mit nur 6 Prozent als niedrig im Vergleich zu anderen Bereichen erweist, zählt die Statistik 24 000 arbeitslose Informatiker.

Sicherlich sind viele dieser Arbeitslosen in - aussterbenden - Bereichen der Informatik zu Hause, Operatoren zum Beispiel; aber auch viele junge, diplomierte Informatiker haben Probleme, einen Anfangsjob zu ergattern. Für sie ist die Arbeitslosigkeit allerdings im Normalfall von nur kurzer Dauer. Aber auch hier öffnet sich langsam eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage im Bereich diplomierter Informatiker. Die Ausbildung, die die 9000 fertigen Informatiker erhalten, die pro Jahr die französischen Hochschulen und Universitäten verlassen, scheint den Anforderungen und Bedürfnissen der Praxis nicht mehr in vollem Umfang gerecht zu werden.

Ausbildung liegt auf generalisiertem Niveau

Nun ist es durchaus nicht so, daß das Ausbildungsangebot in Frankreich mangelhaft wäre, im Gegenteil. Die Wahlmöglichkeiten reichen von Technischen Universitäten mit Kurzlehrgängen von zwei Jahren (BAC + 2) über die sogenannten Grandes Ecoles, die auf hohem generalisiertem Niveau ausbilden (BAC + 5) bis hin zu spezialisierten wissenschaftlichen Forschungsausbildungen - nicht zu vergessen die Sonderformen der Ausbildung, die sich in den letzten Jahren am Markt entwickelt haben.

Die Mittelständler rekrutieren ihr junges Personal gerne aus den Grandes Ecoles, die generalisiert ausbilden - nicht zuletzt, da diese Angestellten befähigt sind, auch Managementaufgaben wahrzunehmen. Ihnen zur Seite stehen die spezialisierenden Ausbildungsstätten - aber auch in Frankreich gehen die Unternehmen langsam dazu über, erstens die Anforderungen immer höher zu schrauben und zweitens die grundsätzliche Erstausbildung in der Praxis lieber einem anderen Unternehmen zu überlassen. Hier unterscheiden sich die französischen Entscheider von ihren britischen und deutschen Kollegen. In der BRD beispielsweise hält sich das Verhältnis von Neueinstellungen und Rekrutierungen aus dem eigenen Unternehmen mit 52 zu 48 Prozent durchaus die Waage.

Da dieses Verhalten und die daraus resultierenden Probleme für junge Berufsanfänger von den verantwortlichen Stellen in Frankreich erkannt worden sind, bemühen sich die Ausbildungsstätten, für Diplomanden zusätzliche Kurse in Management, BWL, Finanzwesen und Englisch anzubieten. Hierbei ist nach Berichten aus Frankreich ein eindeutiger Trend zu erkennen, diese Zusatzausbildung in Niveau und Ausrichtung zu europäisieren.

In diesem Bemühen stehen auch die Universitäten nicht abseits. So bietet beispielsweise die Ecole Centrale in ihrem Programm TIME (Top Industrial Managers for Europe) eine zweijährigen Studienaufenthalt an europäischen Partneruniversitäten an - auch andere Universitäten stoßen hier auf Interesse der Studierenden. Mit einem interessanten Aspekt: Je kürzer der Auslandsaufenthalt oder Kursus, desto beliebter.

Netzwerkspezialist mit Breitenwissen gesucht

Neben Englisch, das einen wichtigen Schwerpunkt in dieser Nach-Diplomausbildung einnimmt, leiden aber auch die rein informatikorientierten Fachbereiche unter personellen Mangelerscheinungen. So existieren besondere Probleme bei unseren Nachbarn im Bereich der Telekommunikation.

Diese Spezialisierung wird durch die Ausbildungsquantitäten noch nicht in einem Maße abgedeckt, daß die Anforderungen der Wirtschaft deckt. Dementsprechend kommen auf einen fertigen Jung-Spezialisten im Schnitt fünf Stellenangebote. Auch hier geht der Trend der Anforderungen in Richtung "Breitenwissen" - der ideale Netzwerkspezialist kann nicht nur technisch ein Netz betreuen, sondern zeichnet auch verantwortlich für die strategische Planung und Gestaltung der Informationskanäle und -inhalte eines Unternehmens.

In einem Bereich, so stellen französische Beobachter fest, haben Berufsanfänger trotz allen Bedarfes allerdings besonders schlechte Karten - im Bereich übergreifender Bedienung und Verwaltung heterogener Anlagen. Hier haben Praxisprofis mit ihrem Erfahrungsvorsprung ein Gebiet besetzt, in dem sie keinerlei Konkurrenz von Newcomern zu fürchten brauchen. Die Gehälter sind - abhängig von Unternehmensgröße und Anlage - dementsprechend, aber auch das letztlich ist wieder Anreiz für die Jüngeren, spezialisierte Erfahrung zu sammeln. +