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19.03.1993 - 

Sinkende Hardwarepreise bereiten den Boden

Imaging-Systeme gewinnen schnell an Akzeptanz im Markt

Viele Unternehmen machen den Fehler, Imaging nur als einen Weg zur Speicherung und Abfrage von Dokumenten zu sehen, als Ersatz fuer Mikrofilm oder Ordner fuer Papierdokumente. Sie koennen aber nur dann das volle Potential von Imaging ausnutzen, wenn sie dessen strategischen Wert erkennen und beispielsweise Anwendungsfelder entlang der Wertkette identifizieren. Durch entsprechende organisatorische Massnahmen (Business Process Redesign) sollte die Einfuehrung derartiger Systeme vorbereitet werden.

Fuer die Entscheidung, Imaging-Systeme in einer Organisation einzusetzen, ist die Beruecksichtigung zukuenftiger Technologien wichtig. Dies ist jedoch aufgrund der rasanten Entwicklung sehr schwierig. War es beispielsweise auf der CeBIT in Hannover im Maerz 1992 kaum moeglich, Hersteller zu finden, die Geraete anboten, mit denen eine Digitalisierung von Mikrofilmen moeglich war, gehoerten diese Geraete auf der Industrieausstellung des IMC-Kongresses in Berlin im September 1992 fast zum Standardangebot.

Ich moechte im folgenden einige wichtige Trends aufzeigen:

- Technologische und preisliche Entwicklung: Imaging-Systeme werden bis 1995 stark im Preis sinken. Hersteller duerften versuchen, durch zusaetzliche Funktionalitaeten bestimmte Preisebenen zu erhalten. Der technologische Fortschritt wird insbesondere Retrieval- und Datenbankfunktionalitaeten, objektorientierte Workflow-Sprachen, Wide Area Networks (WAN) und die Intelligent Character Recognition betreffen. Ausserdem wird der Fortschritt bei PC-Workstations bessere Hardwaremoeglichkeiten bieten.

Lagen 1985 die Kosten pro Benutzer bei einem Imaging-System mit 20 Endanwendern noch bei etwa 100 000 Dollar, so fiel der Preis ueber 20 000 Dollar (1990) auf nunmehr 12 000 Dollar (1993). In zwei Jahren wird er bei etwa 9500 Dollar liegen. Aufgrund des Preisverfalls und der vielen Vorteile gegenueber aelteren Imaging- Systemen wird deren Praesenz in den IT-Architekturen vieler Unternehmen zunehmen.

- Entwicklung des Imaging-Marktes: In den USA wird diesen Systemen ein besonders grosses Wachstumspotential vorhergesagt. BIS Strategic Decisions, ein auf Beratung und Marktforschung spezialisiertes Unternehmen, prognostiziert eine Verachtfachung des Marktvolumens von 1991 bis 1995. Ein besonders grosses Interesse soll die Dienstleistungsbranche zeigen, gefolgt von der Fertigungsindustrie. Die Nachfrage oeffentlicher Unternehmen waechst dagegen unterproportional, sie steigert sich "nur" um knapp das Sechsfache.

Besonders bemerkenswert ist die explosionsartige Entwicklung im US-Gesundheitswesen. Hier soll sich das Marktvolumen bis 1995 um das 17fache steigern. Die rasante Entwicklung des Imaging-Marktes wird unterstuetzt durch den extremen Wettbewerb der Hersteller von Imaging-Systemen untereinander und den weiteren Verfall der Hardwarepreise.

Client-Server oder Grossrechner-Architektur?

Laut BIS ist der europaeische Markt fuer Imaging-Systeme, gemessen am Umsatz, nur etwa ein Drittel so gross wie der amerikanische. Das Volumen wird aber bis 1995 auf fast die Haelfte angewachsen sein.

- Imaging und Downsizing: Weniger zu einer theoretischen Option als zu einer praktikablen Handlungsalternative entwickelt sich das Downsizing. Imaging-Systeme haben diese Entwicklung von Anfang an unterstuetzt. Viele preisguenstiger werdende Imaging-Systeme sind auf Client-Server-Technologien ausgelegt. Hersteller von Grossrechner-Systemen wie IBM und Amdahl boten erst spaeter Imaging- Systeme an.

Interessenten, die bisher Mainframe-Anwender sind, muessen eine grundsaetzliche Entscheidung darueber faellen, ob sie ein Imaging-System in Client-Server- Architekturen einsetzen oder weiter bei ihrem Grossrechner bleiben wollen. Faktoren fuer diese Entscheidung sind etwa Synergien mit existierenden Anwendungen, Entwicklungskapazitaeten und -Know-how, Nutzung von Groessenvorteilen, IT-Budget-Restriktionen, Anforderungen an die Produktverfuegbarkeit, Herstellerunterstuetzung und Produktvorteile.

- Imaging und Mikrofilm: Opto-elektronische Speicher und Mikrofilme werden zunehmend in sogenannten hybriden Systemen integriert. Mikrofilm-Scanner-Kameras der neuesten Generation verfuegen ueber die Leistungsmerkmale klassischer Durchlaufkameras, bieten jedoch zusaetzliche Funktionen, die sie fuer den Netzeinsatz praedestinieren. Mit diesem Kameratyp hat der Anwender die Moeglichkeit, seine Vorlagen gleichzeitig zu verfilmen und zu scannen. Dabei haelt er die digitalisierten Belege im direkten Zugriff und nutzt gleichzeitig den preiswerten Massenspeicher Mikrofilm fuer die Dokumentenarchivierung.

Die digitalen Daten koennen auf WORM- wie auf MO-Platten gespeichert werden. Ebenso lassen sich Mikrofilmscanner, mit denen man den Inhalt existierender Mikrofilme mit verschieden hohen Aufloesungen digitalisieren und ueber einen Laserdrucker oder Fax versenden kann, inzwischen auch online in ein Netz einbinden. Hier koennen dann die Dokumente als Images am Bildschirm computerunterstuetzt angefordert und bearbeitet werden. Das Originalmanuskript bleibt als Mikrofilm-Backup erhalten.

Als wesentliches Argument fuer die Integration der Technologien in hybride Systeme gilt der hohe Aufwand fuer die Ablage von Daten auf opto-elektronischen Speichern gegenueber geringeren Mikrofilm- kosten. Ausserdem besteht Unsicherheit wegen des kuenftigen Zugriffs auf opto-elektronische Speicher aufgrund der rasanten technologischen Entwicklung und der fehlenden Industriestandards. Demgegenueber garantiert ein standardisiertes Mikrofilmverfahren die Lesbarkeit von Dokumenten ueber 100 Jahre und mehr.

Hersteller von hybriden Systemen wie etwa Eastman Kodak, Agfa oder Bell & Howell behaupten, Imaging sei die beste Alternative zur Speicherung von Dokumenten in fruehen Stadien ihres Lebenszyklusses. In diesen fruehen Stadien wuerden Dokumente oft und sehr rasch zur Bearbeitung gebraucht. Nach einer gewissen Zeit nehme das Interesse ab, ein unmittelbarer Zugriff sei wirtschaftlich nicht mehr erforderlich. Hybride Systeme sollen die Vorteile beider Systeme vereinbaren, nach dem Motto: Digital is quick, film is cheap.

Der Film ist noch nicht tot

Die Entscheidung, ob Mikroverfilmung, Imaging oder hybride Systeme eingesetzt werden sollen, bleibt abhaengig von der jeweiligen Situation der Organisation. Sie ist derzeit nicht pauschal zu beantworten. Als Resuemee laesst sich feststellen, dass mit der Verfuegbarkeit von Imaging-Systemen fuer die Archivierung nicht unbedingt der Niedergang der Mikroverfilmung verbunden ist.

- Imaging und EDI: Imaging-Systeme werden manchmal als nur taktische Loesung fuer die Realisierung des papierlosen Bueros bezeichnet. In fuenf bis acht Jahren seien die Moeglichkeiten zum digitalen Dokumentenaustausch (EDI) ueberall gegeben, die Image- Verarbeitung daher nicht mehr notwendig. Auch wenn dieser Trend sicher schwer zu prognostizieren ist, sollten sich Investitionen in Imaging-Systeme in weniger als fuenf Jahren amortisiert haben. Heutige Entscheidungen sollten die Moeglichkeit eines Migrationspfades zum digitalen Dokumenten-Management unter Einschluss von EDI bieten.

- Imaging und Groupware: Groupware-Systeme sind Softwareprodukte, die es Arbeitsgruppen ermoeglichen, effizient und effektiv im Rahmen gemeinsamer Aufgabenstellungen zu kooperieren, und die gleichzeitig dazu beitragen, Informationen im Rahmen von Arbeitsprozessen besser zu erschliessen und zu verwerten. Groupware oder Workgroup-Computing umfasst fuenf typische Einsatzgebiete:

- Zeit-Management,

- Arbeitsablaufsteuerung,

- Konferenzsysteme,

- verteilte Editoren sowie

- gemeinsame Nutzung von Informationen.

Groupware ist als Weiterentwicklung von E-Mail-Systemen zu betrachten. Einer der fuehrenden Hersteller ist Lotus mit dem Produkt Lotus Notes. Als Ergaenzung wurde die Verfuegbarkeit einer Imaging-Komponente mit der Bezeichnung "Document Imaging" angekuendigt. Die Zielgruppen fuer dieses Produkt sind Teams, die Bildmaterial zu ihren Workgroup-Anwendungen, zum Beispiel im Kundenservice, hinzufuegen wollen.

Sind die Imaging-Funktionalitaeten zur Zeit noch beschraenkt, so erscheinen insbesondere die kostenguenstigen Erweiterungen - der Preis pro Benutzer inklusive der Workgroup-Software liegt bei etwa 1000 Dollar - fuer viele Groupware-Anwendungen interessant.

- Imaging und Weitverkehrsnetze: Durch die Verknuepfung von LANs zu einem standortuebergreifenden Rechnerverbund sowie durch die unternehmensinterne beziehungsweise externe Buendelung von einzelnen Informationsadern zu Sammelinformations-Stroemen koennen zwischenbetriebliche Informationsnetze entstehen. Sie bringen gleichermassen Kosten- und Wettbewerbsvorteile hervor, die zuvor fuer kaum erreichbar gehalten wurden.

Die Deutsche Bundespost Telekom prueft seit Ende der 70er Jahre die Einsatzmoeglichkeit von Glasfaserkabel-Systemen in oeffentlichen Fernmeldenetzen, unter anderem durch sogenannte Bigfon- Betriebsversuche in mehreren Ortsnetzen. 1987 fuehrte sie einen Systemstandard fuer die Integration der verschiedenen bestehenden Netze in einem ISDN-Universalnetz ein. Deren Anteil am allgemeinen Netzausbau in Deutschland stieg rasch an. Das seither in Deutschland aufgebaute Glasfaser- Fernnetz zur Breitbanduebertragung mit 140 Mbit/s gilt als Vorlaeufer fuer ein geplantes, das gesamte nationale Territorium ueberspannendes Breitband-ISDN-Netz.

In 29 Staedten wurde ein "vermittelndes Breitbandnetz" (VBN) fuer die Durchfuehrung von Videokonferenzen und andere Spezialaufgaben installiert. Die 1986 unter dem Dach der Detecon GmbH in Berlin begonnenen Berkom-Projekte (Berliner Kommunikationssystem) gestatteten die anwendungsorientierte Erprobung beliebiger Dienste und Endgeraete-Systeme sowie die Entwicklung von Standards fuer zukuenftige Netzkonzepte bis hin zum Breitband-ISDN und zum Integrierten Breitband-Fernmeldenetz (IBFN).

Ziel der Berkom-Projekte "Zentrale Archive" war es, die hochratigen Uebertragungswege des Netzes zu nutzen, um neuartige Anwendungen zu testen und ihren Sinn sowie die Anwenderakzeptanz zu pruefen. Hierzu wurden an zentraler Stelle Server eingerichtet, die den Anwendern verschiedene Dienstleistungen zur Verfuegung stellen. Damit konnten den relativ kostenguenstigen Anwendungsrechnern ueber den Kommunikationsweg Berkom-Netz speicherintensive und komplexe Arbeitsmoeglichkeiten ueber groessere Distanzen eroeffnet werden.

Die Dresdner Bank AG nutzt beispielsweise das zentrale Archiv fuer das Angebot von Immobilien, indem an einer zentralen Stelle hochaufgeloeste farbige Bilder der Immobilie gespeichert werden, die in allen Filialen gleichermassen unterstuetzend zur Kundenberatung abrufbar sind. Ein Softwarehaus mit zwei Standorten in Berlin speichert projektbegleitende Dokumentationen in diesem Archiv, damit die Informationen ueber das Berkom-Netz allen Beteiligten in gleicher Weise zur Verfuegung stehen.

Der Erfolg dieser Anwendungen deutet darauf hin, dass Imaging- Anwendungen zu den haeufigsten Nutzern von Breitbandkommunikation zaehlen werden. Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts fuer Systemtechnik und Innovationsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2000 in den alten Bundeslaendern mindestens 100 000 Erwerbstaetige Breitbandkommunikation nutzen werden. Unter guenstigen Bedingungen rechnet das Institut sogar mit 900 000 Anwendern beziehungsweise 3,6 Prozent der arbeitenden Bevoelkerung.

*Andreas Boelscher ist Berater der KPMG Unternehmensberatung GmbH, Muenchen. Sein Beitrag ist dem Buch "Imaging - Der Einsatz optischer Speicher in Wirtschaft und Verwaltung" entnommen, das er Ende April 1993 im Oldenbourg Verlag herausgeben wird.