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17.08.1979

Immer mehr Sparkassen geben ihre DV-Selbständigkeit auf

- Herr Rüdinger, die Vereinigte Sparkasse Weißenburg hat sich vor kurzem von der eigenen Anlage getrennt und sich dem Bayerischen Sparkassen-Rechenzentrum in Nürnberg angeschlossen. Warum flüchten Sie ins Rechenzentrum?

Das ist für uns keine Flucht. Wir haben uns überlegt, daß wir nur durch diesen Schritt sicherstellen können, daß wir auch ein modernes und leistungsfähiges Kreditinstitut bleiben. Das waren wir in der Vergangenheit, und das wollen wir auch in der Zukunft sein.

- Ist daraus der Rückschluß zulässig, daß Ihre Erfahrungen mit der eigenen Anlage negativ waren?

Nein, unsere Erfahrungen waren positiv. Wir hatten unsere Anlage, eine Honeywell H 125, seit September 1969, die arbeitete also gut zehn Jahre bei uns. Nur hätte sie jetzt ersetzt werden müssen.

- Aber sie wurde nicht ersetzt. Warum?

Die Systementwicklung ist gerade in den letzten Jahren immer teurer geworden, und wir standen vor der Notwendigkeit, unsere derzeitigen Programme umzustellen. Die hätten wir sicherlich noch eins zu eins übernehmen können, aber für die Zukunft wären sie irgendwann nicht mehr brauchbar gewesen. Denn wir müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, den Online-Verkehr einführen - das kommt jetzt in den nächsten Wochen. Wir brauchen die Echtzeitverarbeitung, wir brauchen ein Kundeninformationssystem, wir brauchen ein Kalkulationssystem sowohl für den Kundenbereich als auch für unseren Betriebsbereich. All das sind Dinge, die wir bislang noch nicht haben, die wir selber hätten schaffen müssen, wenn wir auf eine größere Anlage im Haus gegangen wären. Wir hatten zum Zeitpunkt unserer Entscheidung einen Stab von einem Organisator und einem Programmierer. Es wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, mit diesem Mitarbeiterstab alle diese neuen Sachen anzugehen.

- Heißt das, Ihr Personal war mit dieser Aufgabe überfordert?

Unsere Mitarbeiter wären ganz bestimmt nicht überfordert gewesen, denn wir haben mit ihnen die Umstellung auf die RZ-Programme über die Bühne gebracht sehr gut über die Bühne gebracht, wie uns vom Verband bescheinigt wurde. Nur: Wir hätten aufstocken müssen - und qualifiziertes Personal zu bekommen, wäre wahrscheinlich schwierig gewesen. Überdies wären die Kosten ja dann auch entsprechend höher gewesen, so daß der Kostenvergleich dann schon eher zugunsten der gemeinsamen Verbandslösung ausging.

- Ist denn die Rechenzentrumslösung wirklich billiger?

Im Augenblick ist sie noch nicht billiger. Wir zahlen in den ersten zwei Jahren bestimmt drauf, wir wissen auch genau, wieviel wir draufzahlen. Nur kommen eben in der Zukunft, insbesondere auf die Kreditinstitute, neue Entwicklungen zu, beispielsweise der elektronische Zahlungsverkehr. Ich hatte schon genannt, was wir allein in unserem Haus einführen müssen - was übrigens andere Institute schon längst getan haben. All das kostet Geld in der Entwicklung. Unsere Software-Kosten wären, wie gesagt, entscheidend höher geworden, so daß wir in der Zukunft mit der eigenen Anlage ganz bestimmt nicht mehr kostengünstiger hätten arbeiten können.

- Nun wird bekanntlich die Hardware laufend billiger, während die Personal- und Software-Kosten steigen. Hier wäre doch vorstellbar, daß man die Software in einem Anwenderverbund entwickelt und dann doch wirtschaftlich auf der eigenen Anlage fährt.

Das haben wir uns auch überlegt. Wir haben uns schon mit den Programmen einer Großsparkasse beschäftigt. Diese Programme hätten wir übernehmen können, das wurde uns von der Firma Siemens angeboten, die die Software für diesen Kunden entwickelt hatte. Nur hätten wir bei diesen Programmen nicht viel ändern können.

- Das trifft doch aber auf die Programme des Verbandes in gleichem Maße zu.

Diese Siemens-Programme waren nicht so flexibel wie die des Verbandes, die ja originär für den Einsatz bei verschiedenen Sparkassen ausgelegt sind. Wir hätten also die Programme einer bestimmten Sparkasse ohne Änderung übernehmen müssen. Wir hätten zwar eine eigene Anlage hier stehen gehabt, aber das wäre eine fiktive Selbständigkeit gewesen - wir hätten uns damit mehr oder weniger etwas vorgemacht, denn wir wären - was die Probleme anbelangt - immer auf die befreundete Sparkasse angewiesen.

- Warum halten eigentlich einige andere Sparkassen so eisern an der eigenen Anlage fest?

Wahrscheinlich deshalb, weil es in der Vergangenheit so war, daß die eigene Anlage in der Regel kostengünstiger gearbeitet hat. Außerdem war der Komfort größer. Das ist immer so, daß einem der Maßanzug besser paßt als der Anzug von der Stange. Man war flexibler mit der eigenen Anlage, und man war schneller.

- Das gilt jetzt nicht mehr?

Die Programme der Buchungsgemeinschaften sind auch komfortabler geworden - auch die haben ja an ihrem Programm gearbeitet. Das Angebot ist umfangreicher geworden, die Programme bieten mehr Möglichkeiten. Auf der anderen Seite sind die Software-Kosten bei den Sparkassen immer größer geworden. Sogar Großsparkassen überlegen mittlerweile, fremde Anwendungsprogramme zu übernehmen, weil ihre Programmkapazität immer stärker durch die Änderung der eigenen Anwenderprogramme blockiert wird und nur noch geringe Kapazitäten für neue Entwicklungen frei bleiben. Der Break-even-point, der Punkt, an dem die eigene Anlage günstiger ist, wird immer mehr nach oben geschoben, und insofern haben immer mehr Sparkassen ihre Selbständigkeit aufgegeben. Daß auf der anderen Seite so lange wie möglich an der eigenen Anlage festgehalten wird, ist meines Erachtens auch wieder verständlich, denn man ist ganz einfach freier, und wer gibt schon gerne seine Freiheit auf?

- Nun argumentieren die Hersteller, Datenverarbeitung werde immer wirtschaftlicher, so daß sich immer mehr Betriebe eine eigene Anlage leisten können. Bewegen Sie sich nicht in einem Antitrend?

Das kann ich nicht sagen. Die Hardware ist zwar immer billiger, aber die Systementwicklung ist immer teurer geworden, und dieser Trend geht weiter. Das Entscheidende ist doch der Personalmehraufwand, speziell für die Erstellung neuer Programme.

- Die Software kann aber doch auch der Verband nicht umsonst machen?

Die macht der Verband auch nicht kostenlos. Nur ist es ein Unterschied, ob sich beispielsweise 200 Sparkassen getrennt mit dem gleichen Problem beschäftigen und 200 Programme für das gleiche Problem erarbeiten oder ob der Verband mit seinen Organisatoren und seinem Programmiererstab für 200 Sparkassen das Problem löst. Die umgelegten Kosten sind bestimmt geringer als die Kosten, die jede einzelne Sparkasse hat, wenn sie ihre Programme selbst erarbeitet.

- Haben denn alle Sparkassen das gleiche Organisationsproblem?

Im großen und ganzen ja. Das Geschäft ist das gleiche, und die Bewältigung dieses Geschäftes ist demzufolge im großen und ganzen auch gleich.

- Können die Sparkassen davon ausgehen, daß sie vom Verband optimal beraten werden?

Ich glaube, eine optimale Beratung ist fast nie möglich. Ich glaube aber, daß uns der Verband, wie man so schön sagt, nach bestem Wissen und Gewissen beraten hat.

- Man kann annehmen, daß das Transaktionsvolumen bei den einzelnen Sparkassen mit zunehmender Dialogverarbeitung steigen wird. Sind denn die Sparkassenrechenzentren gerüstet, dieses steigende Mengenvolumen zu bewältigen, oder müssen Sie nicht befürchten, später doch wieder beider eigenen Anlage zu landen, weil Sie vom RZ schlecht bedient werden?

Gerade in den letzten Wochen haben die beiden Rechenzentren der Buchungsgemeinschaft der Bayerischen Sparkassen ihre Anlagen aufgerüstet beziehungsweise zwei neue Anlagen installiert, die ganz bestimmt in der nächsten Zukunft die Aufgaben bewältigen werden. Wir haben das auch an unseren Verarbeitungszeiten gemerkt, die entschieden zurückgegangen sind. Ich kann sagen, daß wir, was die Verarbeitungszeit anbelangt, gegenüber unserer eigenen Anlage, keine nennenswerte Verschlechterung hinnehmen mußten. Wir haben den mittäglichen Buchungsschnitt und können nach wie vor in der Mittagspause buchen, so daß die Kontoauszüge schon nachmittags für den Kunden vorliegen. Das war bei unserer eigenen Anlage möglich, und das ist auch jetzt nach dem Beitritt zur Buchungsgemeinschaft möglich.

- Werden andere Sparkassen diesen Schritt nachvollziehen?

Ich glaube, daß das eine oder andere Institut, wenn ich jetzt speziell den bayerischen Sparkassenbereich sehe, nachkommen wird, und es könnte sein, daß Weißenburg zur Entscheidungsfindung bei anderen Instituten mit einen kleinen Anstoß gegeben hat. Aber daß wir großartige Überlegungen auslösen werden, das glaube ich nicht, denn dafür haben schon viel zu viele vor uns diesen Schritt getan, und zudem ist die Entwicklung im Bereich der Software-Kosten schon seit längerer Zeit bekannt, nicht erst seit Monaten.

- Herr Rüdinger, Sie geben, was die EDV angeht, Ihre Unabhängigkeit auf. Schmerzt Sie das?

Das ist für uns nicht ganz unschmerzlich gewesen. Das tut auch jetzt noch hin und wieder ein bißchen weh. Wer gibt schon gerne seine Freiheit auf? Und das dann hin und wieder mal zu fühlen, daß man jetzt gebunden ist, daß man nicht, mehr so frei ist, wie man mal war, das schmerzt doch manchmal, aber die Einsicht siegt dann immer wieder.

- Hat jetzt der EDV-Mann oder der Vorstand der Sparkasse gesprochen?

Wenn die Einsicht siegt, dann muß der Vorstand sprechen. Denn der Vorstand muß ganz klar sehen, wo die Kostenentwicklung hingeht und kann sich hier einfach nicht leisten, unwirtschaftlich zu denken.

- Die Frage zielte dahin, daß der EDV-Mann durch den Schritt zum Rechenzentrum ja doch einen attraktiven Arbeitsplatz verliert.

Sicher, für unseren Programmierer, unseren Organisationsleiter ist es schmerzlich; denn die Probleme, die sie in der Vergangenheit zu bewältigen hatten, die waren unzweifelhaft nicht uninteressant. Und mit diesen interessanten Problemen werden sie künftig nicht mehr konfrontiert. Andererseits liegen, was die Betriebsorganisation anbelangt, noch so viele interessante Aufgaben vor uns, daß dieses Abgehen der eigenen EDV-Anlage mit der Zeit nicht mehr so schmerzt.