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15.04.1988 - 

Umsatteln auf das optische Übertragungsmedium bewährt sich, aber:

Immer noch Know-how Defizit bei Glasfaser-Technik

MÜNCHEN - Zögerlich im Vergleich zum Ausland tasten sich deutsche Anwender und Hersteller an private Glasfasernetze heran. "Momentan gibt es nur relativ wenige Anbieter, die qualifiziert mit diesen Techniken umgehen können", konstatiert Erwin Kopper, Leiter der Hauptabteilung Informationsverarbeitung in der Total Walter Feuerschutz GmbH, Köln. Probleme tauchen, so der Feuerschutz-Fachmann, derzeit in erster Linie noch bei der Adapter-Anbindung an die Leitungsführung auf. Hat sich jedoch ein Unternehmen erst einmal für den Einsatz des neuen Übertragungsmediums entschlossen, so fährt es in der Regel durchaus gut damit. Gelobt wird neben der schnellen Datenübertragung insbesondere die geringe Störanfälligkeit der optischen Leiter.

Anwender, die bereits über mehrjährige Erfahrung mit Lichtwellenleitern verfügen, sind auf deutschem Boden noch dünn gesät. Zu den Pionieren auf diesem Gebiet gehört die Universität Stuttgart. An der badenwürttembergischen Hochschule kristallisierte sich nach einer Koaxialkabel-Durststrecke bereits 1983 heraus, daß für die dort benötigten Übertragungsgeschwindigkeiten und den installierten, Supercomputer eigentlich nur Glasfaser in Frage kam. Zum damaligen Zeitpunkt fand sich allerdings lediglich ein Anbieter, nämlich das Esslinger Unternehmen Hirschmann dazu bereit, an der angestrebten Lösung "mitzustricken". Inzwischen verfügen die Stuttgarter über je ein LAN auf dem Campusgelände in Vaihingen und in der Stadt selbst sowie über Glasfaserschienen zwischen den beiden Standorten, inbegriffen eine gemeinschaftliche Pilotinstallation mit der Bundespost.

Zum Teil liegen die Kabel in der unmittelbaren Nähe von S-Bahn-Schächten und anderen Störfeldern. Den Glasfasern hat das bisher aber nichts ausgemacht". Resümiert Karl-Gottfried Reinsch, Direktor des Rechenzentrums auf dem Campusgelände in Stuttgart-Vaihingen: "Von 1983 bis 1988 ist das. Setz nur einmal ausgefallen. Und dies auch bloß deshalb, weil ein sparsamer Hausmeister zwischen Weihnachten und Neujahr die Stromversorgung für den aktiven Strom abgeschaltet hat."

Kopfzerbrechen bereitet Reinsch dagegen die Tatsache, daß die Institute versuchen, ihre einzelnen Geräte in das Universitätsnetz zu hängen, anstatt eigene Subnetze zu konzipieren. Die dafür notwendigen Bridges kommen derzeit mit 20000 bis 25000 Mark aber noch "zu teuer". Die RZ- und DV-Verantwortlichen tragen sich deshalb mit dem Gedanken, eine eigene Brücke zu entwickeln, die dann zu Selbstkosten gefertigt und weiterverkauft werden soll.

Wenn es um die Gründe für eine Glasfaser-Vernetzung geht, ist der Tenor bei Anbietern und Anwendern einhellig. Neben der schnellen Datenübertragung wird besonders die Sicherheit des Mediums ins Feld geführt. Man kann zwar auch - so Lothar Ulsamer aus der Abteilung Publizistik, Presse und Kultur bei Hirschmann - die Kupferkabel "desensibilisieren", aber die Abschirmung oder das Ziehen neuer Kabelkanäle sei mit erheblichen Kosten verbunden. Außerdem sei ein Netz auf Kupferbasis nach 2,5 Kilometern "erschöpft".

Allerdings kommt man bei Verkabelungen innerhalb eines Gebäudekomplexes laut Ulsamer mit der herkömmlichen Verkabelungsmethode billiger weg. "Wenn ich keine Störungen habe und keine Entfernungen, dann wäre es natürlich falsch zu behaupten, die Glasfaser sei kostengünstiger. Und in so ein Kupferkabel macht man im Prinzip ein Loch rein und schließt den nächsten PC an." Bei Glasfaser hingegen bedürfe es eines sachgerechten Anschlusses in Form eines Transceivers. Sobald man jedoch größere Distanzen überwinden müsse und zusätzliche Probleme auftauchen, plädiere er für den Einsatz von Lichtwellenleitern. Der Hirschmann-Experte empfiehlt in diesem Zusammenhang die Verwendung von Sternkopplern, um Kabelkosten zu sparen.

Häufig versuchen die Unternehmen sich aus Kostengründen damit zu behelfen, über weitere Distanzen mit Glasfasern zu arbeiten und innerhalb eines Gebäudes oder speziell zum Anschluß verschiedener Endgeräte mit Kupfer weiterzuverkabeln. Diese Lösung bringt aber unter Umständen Risiken mit sich. So kann das Münchner Unternehmen Knorr Bremse AG, das heute CAD-Arbeitsplätze, Plotter sowie einen Prime-Rechner über optische Leiter miteinander verbindet und zur Zeit darüber hinaus ein Glasfaser-Backbone für die 3270-Welt im Firmengelände verlegt, von Störungen "in nächster Nähe" ein Lied singen. CAD-Systembetreuer Adalbert Schuster: "Wir haben festgestellt, daß die Störungen schon ab 20 Metern beginnen, weil sich die Glasfaserknoten nicht an jedem Arbeitsplatz befinden, sondern wir im Büro mit Kupferkabeln teilweise bis ans Endgerät gehen." Finanziell sei es nicht tragbar, mit Lichtwellenleitern jede Workstation "anzufahren".

Ein anderer Minuspunkt, der im Zusammenhang mit Kupfer unisono ins Feld geführt wird: Es gibt kaum Schutz vor einem Blitzeinschlag. Die Kupferkabel sammelten Überspannungen ein und könnten somit Rechnerdefekte bewirken. Dazu Hartmut Bischoni von der Otto Junker GmbH aus Simmerath-Lammersdorf: Bei uns hat man viel mit Gewitter zu tun. Da können auf einen Schlag plötzlich zehn Terminals und drei bis vier Drucker ausfallen. Das macht eine Versicherung ein bis zweimal mit, dann aber bekommt man die Auflage, mehr Sicherheit einzubauen."

Junker setzt auf die Glasfaser ganz besonders im Bereich der kommerziellen und büroorientierten Anwendungen, die auf einem Prime-Rechner laufen - und dies nicht nur aus Sicherheitsgründen. Kupferstrecken waren hier einfach zu langsam und darüber hinaus zu schnell "zu". Nochmals Bischoni: "Wenn man schneller tippt, als der Bildschirm nachkommt, dann sieht das so aus, als hätte man irgend etwas nicht geschrieben." Das sei natürlich störend und verwirrend. Jetzt könnte man theoretisch 19200 Baud fahren. Es genügten jedoch 9600 Baud, "weil die Masken und Terminals von Haus aus nicht schneller nachkommen".

Auch bei der Krupp-Tochter Walter Feuerschutz GmbH in Köln gaben die im Rahmen von Glasfaserlösungen realisierbaren Geschwindigkeiten den Ausschlag für die Entscheidung zugunsten des optischen Mediums. Dazu Abteilungsleiter Erwin Kopper, der ein derartiges Netz für V.24-Ankopplungen mit 19200 Baud einsetzt: "Die Gebäude liegen bei uns sehr weit auseinander. Verstärker zur Überwindung dieser Strecken würden uns eine Menge Geld kosten." Bei Lichtwellenleiter-Verkabelung könne man jedoch auf diese Repeater ebenso wie auf separate Kabelzuführungen verzichten. Außerdem hätten die optischen Leiter beim Back-up Vorteile: "Wir haben hier eine Glasfaserschnittstelle geschaffen, über die innerhalb kürzester Zeit sämtliche Endstellen mit einem anderen Rechenzentrum verbunden werden können."

Ein anderer CW-Interview-Partner bei den Deutschen Gelatine-Fabriken aus Eberbach am Neckar wurde vor dem Glasfasereinsatz von spannungsbedingten Netzfehlern geplagt. Die Suche nach einem geeigneten Produkt war für RZ-Leiter Günter Glessman nicht einfach, denn "es werden zwar mehrere schöne Konfigurationen angeboten aber die Preise liegen jenseits von Gut und Böse." Das Rennen machte schließlich ein Netz der in Eschborn bei Frankfurt ansässigen IPS Information Product Services GmbH. Glessmann: "Wir haben die Möglichkeit genutzt, eine Ringbildung zu machen, bestehend aus einem Master-Multiplexer und bis zu fünf Clustern innerhalb eines Ringes. Auf diese fünf Cluster können wir mit insgesamt 31 Anschlüssen zugreifen." So ließen sich ohne allzu hohen Kostenaufwand viele Terminals über Glasfaser anschließen.

Für IPS hat sich im übrigen auch die Knorr Bremse AG entschieden, ist jedoch hinsichtlich des installierten Fonets nicht hundertprozentig zufrieden. Adalbert Schuster: "Fonet kann keine Redundanz aufweisen. Wenn ein Gerät an einer Stelle im Ring ausfällt, dann fällt der gesamte Ring aus. Außerdem fehlt die Netzanalyse." Diesen Problemen will der CAD-Experte nun zumindest "streckenweise" aus dem Wege gehen und zwar mit dem neuerdings verlegten "Magnum", ebenfalls ein IPS-Produkt.

Kostenvorteile können beim Einsatz von Glasfasern durchaus herausspringen, wenn dies auf den ersten Blick auch nicht unbedingt so aussieht, weil - so Lothar Ulsamer von Hirschmann - ein Meter Kupfer natürlich billiger ist als ein Meter Lichtwellenleiter. In erster Linie entscheiden die unternehmensspezifischen Anforderungen und Gegebenheiten darüber, ob ein Anwender bei der Verlegung von Glasfasern vergleichsweise mehr zur Kasse gebeten wird oder weniger.

Heinz Georg Müller, bei Adcomp in München für den technischen Support bei Glasfasertechnik zuständig: "Habe ich eine Anwendung, die sich mit Kupfertechnik nur unter großem Aufwand realisieren läßt, dann ist Glasfaser billiger, das muß einmal ganz klar gesagt werden. Auch die Handhabung des Kabels sei eng an die jeweilige Applikation geknüpft. Bei Glasfaser könne man beispielsweise im Gegensatz zu Koaxialkabel die bisherigen Kabelschächte für die Stromleitungen "hernehmen" und damit einiges einsparen.

Zunehmend interessant wird die Glasfaser nicht nur für die Vernetzung von Rechnern untereinander und die Einbindung von Workstations, sondern in Gestalt von Kanalverlängerungen auch für das Anbinden von elektronischen Speichermedien. Einige Erfahrungen hat die Nürnberger DATEV auf diesem Gebiet gemacht und zwar mit dem Comparex-Produkt 6044. Über eine passive Glasleitung von 4,8 Kilometern werden neben Bildschirmsteuereinheiten Magnetband-Stationen mit den Großrechnern 3090 60E und 3090 30E verbunden.

Alois Scheurer, Hauptabteilungsleiter der Systemtechnik hebt hervor, daß man durch diese Anbindung auf den physischen Transport des Magnetbandes und Software-Änderungen verzichten könne. "Für die Verarbeitungssoftware sieht es ja so aus, als würde die Magnetband-Station direkt am Rechner hängen." Er bemängelt aber, daß die 6044 in Kombination mit heutigen Plattensteuerungen noch nicht in der Lage ist, auf eine Entfernung von rund fünf Kilometern einen Zugriff auf die Platte zu realisieren, und somit die Voraussetzung für eine sinnvolle Back-up-Rechenzentrums-Konfiguration nicht gegeben sei.

Wer sich heute für Glasfasern entscheidet, stellt sehr schnell fest, daß das Angebot auf dem Markt nicht allzu üppig ist. Nach Worten von Thomas F.D. Wagner, Berater bei dem Unternehmen Informatik-System-Technik, das seit zwei Jahren verstärkt Institutionen im Land Baden-Württemberg mit Rat und Tat zur Seite steht überwiegen derzeit die auf die Glasfasernetze der Deutschen Bundespost zugeschnittenen Offerten.

Ebenso wie Kopper geht er mit den Herstellern ins Gericht. Sein Ergebnis: Bei den Herstellern sind erst wenige wirklich kompetente Leute in der Lage, ein Netz durchzuplanen. Mit der Realisierung von einzelnen Strecken sei es aber nicht getan. Vielmehr komme es auf eine flächendeckende Verkabelung an. Wagner: "Wenn man die Hersteller auf ein flächendeckendes Netz anspricht, suchen sie gerne nach Ausflüchten, warum man das besser nicht machen sollte." Andere Länder, beispielsweise Japan oder England, seien auf dem Glasfasersektor schon wesentlich weiter als die Bundesrepublik.