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23.05.1975

Immer über die Köpfe der Anwender hinweg

IBM-Anwender werden sich nicht betroffen fühlen, wahrscheinlich denken sie ein wenig schadenfroh: "Ein Glück, daß uns dergleichen nicht passieren kann."

Honeywell Bull-Kunden hat die Nachricht über die CHB/CII-Fusion schon eher erschreckt. Sie sind in solchem Sachen leidgeprüft. Honeywell's Fusionen mit Olivetti, Bull und General Electric und die damit verbundenen Kompatibilitätsprobleme haben sie gerade eben überstanden. Nun müssen sie befürchten, daß es neuen Ärger bei der Integration der CII-Produktlinie geben wird. Auf jeden Fall kostet dergleichen Manpower, die sonst für die Bereitstellung anderer Dinge zur Verfügung gestanden hätte. Ob Honeywell Bull-Kunden ihre Lieferanten jetzt als gestärkt betrachten?

Die Folgen für Siemens

Siemens-Anwender sind wohl ebenfalls verärgert. Waren sie gestern noch Kunden des ersten, des offiziellen, des europäischen Firmenverbundes, der sehr zum Nutzen des Preis/Leistungs-Verhältnisses und damit zum Nutzen der Kunden mit erheblichen Staatszuschüssen rechnen konnte, so ist der Lieferant vom internationalen Parkett in die Provinzialität bundesrepublikanisch-niederländischer Zweisamkeit verstoßen worden. Statt echtem Unidata-Flair jetzt holländische Holzpantinen und bayerischen Filzhut, - nicht gerade ein Computer-Image. Zudem, wie soll es mit dem oberen Unidata-Produktspektrum jetzt weitergehen? Dis Großrechner der 7000-Serie sollten von CII kommen. Wahrscheinlich wird die CII-Fabrik in Toulouse die Modelle "X 5" und "X 6" auch liefern, - aber um wieviel verzögert und mit wieviel Engagement?

CII-Kunden gibt es hierzulande kaum. In Frankreich sind sie entsetzt. Sie befürchten, daß CII zur Vertriebsgesellschaft für Honeywell-Produkte umfunktioniert wird. Nicht umsonst hat das CII-Management bis zum Schluß gegen die Fusionspläne opponiert. CII-Chef Michel-Barré zog es vor, zurückzutreten.

Die Unidata ist bis auf weiteres nicht verhandlungsfähig. Es wird langwierige, schwierige Konferenzen geben, bis man weiß, wie es weitergehen soll. Ist das wirklich so schlimm? Sicherlich, was die Pläne angeht. Nicht, was die Realitäten betrifft. Bei nüchterner Betrachtung hat Siemens kaum Schaden erlitten. Unidata-Partner CII war ohnehin der kranke Mann im Dreier-Verbund. Eine Hochrechnung der Geschäftsergebnisse der ersten vier Monate läßt auf einen katastrophal niedrigen Jahresumsatz für 1975 von rund 100 Millionen Mark schließen, - das bei 8000 Beschäftigten. Nicht umsonst ist die Firma mit dem symbolischen Wert von 1 Franc in die Fusion einbezogen worden, - obwohl der französische Staat seit 1967 über eine halbe Milliarde Mark Subventionen zur Verfügung stellte, abgesehen von stattlichen staatlichen Aufträgen.

Realitätsfremde Statistik

Übrigens wurde ja nur die halbe CII fusioniert, - nämlich Vertrieb, Stäbe und Labors. Die Fabrik wurde dem zweiten CII-Aktionär, dem Thomson-Konzern als autonome Firma belassen, denn die Thomson-Gruppe weigerte sich, den Fusionsplänen der Compagnie Générale d'Electricité zu folgen.

So muß wohl auch die Zahlenakrobatik der französischen Regierung belächelt werden, die CII-Marktanteile in Frankreich - überwiegend "politische" Verträge - stolz Honeywells weltweitem Umsatz zurechnet. Aber man braucht wohl solche Statistiken (Marktanteil in Frankreich: 32 Prozent), um den Steuerzahlern die erforderlichen staatlichen Subventionen und Abnahmegarantien schmackhaft zu machen, zumal die jetzt einer Firma zufließen, die nahezu zur Hälfte amerikanisch ist.

Hier wurde ein Stück Europa zerschlagen, um "Hohe Französische Politik" zu machen. Der Sachverstand bleibt wieder einmal auf der Strecke.