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22.02.1980

Immobilität der Datenverarbeiter treibt Gehälter nach oben

Glaubt man den Statistiken der Arbeitsämter, so sind Deutschlands Datenverarbeiter wenig mobil. "Die Pionierzeit der EDV ist vorbei", erklärt Alois Hunglinger von der Byk Gulden GmbH in Konstanz, "und über Traumjobs, Blitzkarrieren oder Bombengehälter wagt heute kaum noch jemand zu diskutieren." Was die Einschätzung der Veränderungsmöglichkeiten betreffe, sei auch inzwischen bei den DV-Leuten eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Anders hingegen Jörg M. Mirus vom Ehapa Verlag in Leinfelden: "Als Folge fehlender Wechselbereitschaft gehen einige Personal-Päpste bereits dazu über, DV-Spezialisten mit fetten Gehältern zu ködern " Konsequenz laut Wolfgang Werner, Lingenbrink GmbH, (Frankfurt): Viele Unternehmen versuchten ihre DV-Mitarbeiter durch langfristige Verträge zu einem langen Firmenaufenthalt zu bewegen.

Karl-Jürgen Ebert

Leiter EDV-Organisation GUMMI-MAYER KG, Landau/Pfalz

Zunächst eine allgemeine Feststellung: Wer nicht mobil (beweglich) ist, sollte sich von der EDV fernhalten oder- anders gesagt - wer nicht mobil ist, hat keine Zukunft in der EDV.

Ich meine damit, daß wir bereit sein müssen, uns der ständig wechselnden Herausforderung seitens Technik und Auftraggeber zu stellen und auf einen "ruhigen Job" zu verzichten. Diese Grundeinstellung schließt des Talent zum Wechsel ein .

Die Mobilität der EDV-Leute drückt sich nicht in Fluktuation aus, wenn die "Umweltbedingungen" stimmen (Ausbildungsmöglichkeit, Berufsaussichten, Einkommen, Betriebsklima). Das war der Fall in den Aufbaujahren, Erst mit der negativen Konjunkturentwicklung kam es zu Störungen: Es wurde auch in der EDV gespart, weil das Vertrauen in die EDV als Sparinstrument fehlte. Die Folge war eine sich ausbreitende Verunsicherung. Zwar bremste die allgemeine Lage die ungeplante Fluktuation, aber die Aufgaben für die EDV stauten sich überall - und jetzt erleben wir den Umschwung.

Jetzt werden Veränderungschancen wahrgenommen, wenn es Gründe gibt für Zweifel, am richtigen Platz zu sein.

Aus mangelnder Resonanz auf Anzeigen - zu bestimmten Zeiten - zu schließen, EDV-Organisatoren und Programmierer seien nicht mobil, halte ich für einen Irrglauben. Sie sind es.

Alois Hunglinger

EDV-Leiter, Byk Gulden GmbH, Konstanz

Ich sehe die Beantwortung der Frage nach der Mobilität der EDV-Spezialisten unter zwei Aspekten:

1. Wechsel der Stelle

2. Wechsel der Tätigkeit.

Was den Wechsel der Stelle betrifft, ist meiner Meinung nach eine zunehmende Immobilität zu verzeichnen Die Ursachen hierfür sind zwar vielfältig. Aber als sehr wesentlich für diesen Trend gelten vor allem zwei Fakten, welche nicht unbedingt auf die EDV-Berufsgruppe zu beschränken sind.

Der private Lebensbereich gewinnt gegenüber dem Beruf zunehmend an Bedeutung. Punkte, wie Aufgabe des Freundeskreises, Probleme beim Schulwechsel der Kinder, Trennung von der Familie bei Wechsel in einen anderen geographischen Raum, spielen eine entscheidende Rolle. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes mit einer relativ hohen Arbeitslosenzahl hat als psychologische Wirkung, daß ein Wechsel inzwischen wesentlich kritischer beurteilt wird.

Zu den EDV-Berufsgruppen-spezifisch zuzuordnenden Ursachen sehe ich die Tatsache, daß die EDV ihre Pionierzeit hinter sich gebracht hat. Traumjobs, Blitzkarrieren und Bombengehälter sind nicht mehr in der Diskussion. Es gibt inzwischen klar umrissene Berufsbilder mit genauer Vorstellung von den gestellten Anforderungen sowie auch detaillierte Gehaltsvergleiche. Das Durchschnittsalter der: EDV-Fachleute ist angestiegen und damit auch in gewissem Umfang die Immobilität, Hinsichtlich Tätigkeitswechsel bin ich der Auffassung, daß hier die Bereitschaft der Mitarbeiter mehr zu als abnimmt. Ich sehe hierin einerseits eine gewisse Ernüchterungsphase, was speziell die Einschätzung der beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im EDV-Bereich betrifft. Andererseits aber auch die Sorge der älteren DV-Generation um die berufliche Zukunft.

Die Chancen, irgendwo eine gleichwertige Position mit anderer Tätigkeitsstruktur zu bekommen, sind relativ gering geworden. Es bleibt für mich selbst die Frage, ob diese Entwicklung positiv oder negativ zu bewerten ist.

Jörg M. Mirus

Leiter Org/DV Ehapa VerlagGmbH, Leinfelden

Wenn beispielsweise ein Programmierer je ein Jahr in Folge in München, Düsseldorf und Hamburg wirkt, erweitert das seinen Horizont bezüglich bundesdeutscher Großstädte nicht aber komplexer DV-Anwendungen.

Womit gesagt sein soll, daß sowohl die eigene Karriere, als auch der Nutzen für das Unternehmen bei längerfristiger Zusammenarbeit eher gewährleistet ist, als wenn jeder Programmierer von Job zu Job hastet unter dem Motto: Mobil um jeden Preis.

Ist der Preis, sprich das Einkommen, ein Motiv für Beweglichkeit auf dem Stellenmarkt?

Obwohl einige Personal-Päpste aus Prinzip einen Stellenwechsel nicht durch fette Gehaltssteigerungen vorhonorieren, sondern diese den de facto gezeigten Leistungen angleichen, tendiert man vielerorts dazu, Wechselbereitschaft, gerade über weitere Distanz, entsprechend zu honorieren.

Das ist nicht zuletzt eine Folge des mageren Angebotes an qualifizierten DV-Fachleuten.

Wo aber ein Überangebot an lukrativen Positionen vorliegt, kann Mobilität für das Finden eines passenden, gut dotierten Arbeitsplatzes nicht entscheidend sein. Dem steht das Beispiel des kaufmännischen Angestellten in der einzigen Fabrik einer Kleinstadt entgegen. Er, mehr oder minder zufällig in die DV hineingewachsen, ist es überdrüssig, seinem Ein-Mann-Betrieb vorzustehen.

In diesem Falle erfordert es sicher ein großes Maß an Mobilität, sich ideell wie materiell nicht nur zu verändern, sondern auch zu verbessern.

Hat der DV-Mitarbeiter die Karrieremöglichkeiten in seiner Firma ausgeschöpft, sollte er auf jeden Fall mobil werden, wenn es eine aussichtsreiche Position verlangt. Dabei kommt es vor allem darauf an, durch mehrjährigen Einsatz ein fundiertes Wissen der jeweiligen Branche erworben und firmenspezifische DV-Abläufe von Anfang bis Ende mitentwickelt zu haben oder zumindest genau zu kennen. Dadurch hinterläßt man keine Halbheiten und bringt für die zukünftige Stelle umfangreiches Know-how mit.

Letzteres Beispiel steht, wie ich meine, für ein günstiges Mittelmaß an Veränderungsfreude.

Im übrigen gelten für die Beweglichkeit der Beschäftigten aus dem Datenverarbeitungsbereich dieselben Maßstäbe wie für andere Sparten.

Ein Familienvorstand nahe Vierzig mit Kindern wird sich weniger mobil zeigen, als ein Lediger Mitte Zwanzig Junge Paare, deren Arbeitsplätze eine Tagesreise voneinander entfernt liegen, sind bestrebt, sich in die Nähe des Partners zu verändern. Bodenständige Leute mit großem heimatlichen Freundeskreis zieht es nach dem Aufenthalt in der Fremde ungeachtet beruflicher Umstände nach Hause, zumal, wenn ein Eigenheim vorhanden oder in Aussicht ist.

Aus der Sicht des Arbeitgebers kann es eine recht zweideutige Angelegenheit sein, den Mitarbeiter in spe auf seine Veränderungsbereitschaft hin einzustellen oder abzuweisen. Handelt es sich um einen dringend benötigten Spezialisten, lockt man diesen mit Umzugserstattung, Wohnungsbeschaffung sowie "hohem Freizeitwert" über jede Entfernung heran Hat er sich erst einmal etabliert, werden seine Wandergelüste schon einschlaten, so hofft man.

Die Große des EDV-Teams entscheidet letztlich mit darüber, ob die Firma häufigen Wechsel verkraftet oder gar wünscht. Im Ehapa Verlag besteht die ORG/DV-Abteilung aus elf Leuten. Jeder einzelne in dieser kleinen Mannschaft besitzt aus durchschnittlich fünfjähriger Zugehörigkeit zwangsläufig einen so umfassenden System-Überblick und reichlich Fachwissen, daß wir Fluktuation in jedem Fall vermeiden müssen.

Außerdem hat es sich gezeigt, daß wir bei Neubesetzung einer Stelle, insbesondere bei den Operatoren, mit in Firmennähe ansässigen Bewerbern die beste Wahl getroffen haben.

Es bleibt zu wünschen, daß ein ausgewogener Stellenmarkt in der Datenverarbeitung übersteigerte Mobilität ausschließt und dem Arbeitssuchenden genügend Spielraum läßt, je nach Wunsch in die Ferne zu schweifen oder das Gute in der Nähe zu sehen.

Wolfgang Werner

Leiter der EDV und Organisation, Georg Lingenbrink GmbH, Frankfurt

EDV-Spezialisten können in zwei Gruppen eingeteilt werden.

Erste Gruppe: Der EDV-Spezialist mit sehr guter EDV-technischer Ausbildung, der branchen- beziehungsweise firmenbezogene Spezialkenntnisse hat. Diese Spezialisten sind oftmals seit Bestehen der EDV in nur einem Unternehmen tätig Sie sind absolute Praktiker, die alle Feinheiten der EDV in ihrem Betrieb kennen.

Die zweite Gruppe beinhaltet zwar ebenfalls EDV-Fachleute mit sehr gutem technischen Ausbildungsstand, die aber in der Regel einen Hochschulabschluß haben. Die praktische Erfahrung dieser Leute beruht meistens auf Tätigkeiten in der Unternehmensberatung.

Erstgenannte Gruppe von EDV-Spezialisten stellt für die meisten Unternehmen die Mitarbeiter dar, die die gesamte EDV-Anwendung im Betrieb tragen. Kaum eine Firma laßt sich solche Mitarbeiter in irgendeiner Form ausspannen, denn durch die detaillierten Firmen- und Branchenkenntnisse kann die Konkurrenz sicherlich profitieren. Es handelt sich also beim Ausscheiden eines Mitarbeiters vorrangig um zwei Faktoren:

1. Schwächung der eigenen EDV

2. Stärkung der Konkurrenz.

Daraus folgt, daß die meisten Firmen diese Spezialisten durch langfristige Verträge binden und entsprechend hohe Gehälter zahlen.

Das heißt wiederum, daß diese Mitarbeiter auch eine in der Regel sehr lange Betriebsangehörigkeit aufweisen. Dadurch sind sie allerdings stärker auf ein Unternehmen fixiert und werden allmählich unflexibel. Nach einer gewissen Zeit beziehen sie ihr meist hohes Gehalt im absoluten Zusammenhang zu einer firmenspezifischen Problematik.

In einem anderen Unternehmen oder unter Umständen auch in einer anderen Branche werden sie Gehälter in der bisherigen Größenordnung kaum noch beziehen können. Dies sind oftmals die Gründe, warum EDV-Spezialisten der erstgenannten Gruppe nur noch selten wechseln. Hier ist eine Symbiose zwischen Unternehmen und EDV-Spezialistentum entstanden.

Die zweite Gruppe deckt eigentlich mehr den Bedarf an mobilen Arbeitskräften. Sie werden heute vom Markt gebraucht, der bekannterweise momentan leergefegt ist.

Personalwechsel findet aus den bereits geschilderten Gründen also nicht statt, so daß für größere Projekte immer häufiger Mitarbeiter von "draußen" herangezogen werden, die nur kurze Zeit an Projekten mitarbeiten. Für speziell diese Mitarbeiter, die von Softwarehäusern oder Unternehmensberatungen kommen, ist also ein Markt geschaffen, der für meine Begriffe in der Zukunft noch weiter wachsen wird.