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26.09.1980 - 

Sparkassen-Datenverarbeitungsgesellschaft in Hannover besteht seit 10 Jahren:

IMS steuert 13 Aktionen je Sekunde

Vor zehn Jahren, im März 1970, gründeten der Niedersächsische Sparkassen- und Giroverband, die Norddeutsche Landesbank Girozentrale und die Bremer Landesbank die Datenverarbeitungsgesellschaft der niedersächsischen Sparkassenorganisation (dvg) mbH & Co. oHG in Hannover. Dahinter stand die Erkenntnis, daß die gemeinsame Entwicklung eines Datenverarbeitungskonzeptes wirtschaftlicher Ist als eine zersplitterte Entwicklung in den einzelnen Instituten. Inzwischen sind bei den Gesellschaftern rund 1700 Datenstationen Installiert, die mit dem zentralen Rechenzentrum in Hannover über ein DFV-Netzwerk verbunden sind. Die Institute nutzen diese Einrichtung sowohl für die Abwicklung der Geschäftsvorfälle als auch für Kundeninformation sowie für betriebsinterne und statistische Zwecke.

Die Vielzahl der aktuellen und historischen Daten, die für die Sofortverarbeitung der Geschäftsvorfälle im direkten Zugriff verfügbar zu halten sind, verlangen eine entsprechende Strukturierung und Speicherung der Daten. Diese geforderte Datenorganisation wird durch den Einsatz von Datenbanken erreicht; sie ermöglichen gleichzeitig bei der online-Abwicklung der Geschäftsvorfälle durch entsprechende Datenverknüpfung in jedem Geschäftsbereich den direkten Zugriff auf eine Vielzahl von Daten in allen anderen Geschäftsbereichen. Dieses ist in Praxis vielfach realisiert und eine der Grundlagen für die angebotene DV-Lösung.

Zugriff auf alle Bestände

Im Gesamtkonzept haben die eingesetzten Terminalsysteme einen besonderen Stellenwert. Jeder Terminalarbeitsplatz kann unabhängig von der Geräteausstattung alle Geschäftsvorfälle entsprechend der dvg-Konzeption im Dialog durchführen und hat Zugriff auf alle Datenbestände.

Alle im zentralen Rechner ablaufenden Programmsysteme sind unabhängig von den Gerätebedingungen bestimmter Terminaltypen realisiert worden. Damit ist gewährleistet, daß die mit einem online-Dialogsystem verbundenen Aufwendungen in zentrale Programmentwicklung nicht durch die Hard- und Software-Entwicklung im Terminalsektor gefährdet werden.

Auf- und Ausbau der Informationsverarbeitung erfordert einen hohen personellen und zeitlichen Aufwand. Deshalb dürfen neue Anwendungen für die Sparkassen und Landesbanken die EDV-Gesamtkonzeption nicht wesentlich beeinflussen. Voraussetzung dafür ist, daß das Gesamtsystem aus sich ergänzenden Bausteinen aufgebaut wird. Dies wird durch die Definition einheitlicher Schnittstellen zwischen den zentralen Anwendungsprogrammen und den Datenbanken sowie den Terminalprogrammen erreicht. In zwischengeschalteten, eigenentwickelten Programmroutinen erfolgt daher einerseits eine Transformation der Nachrichten entsprechend den Erfordernissen der Datenendgeräte; andererseits werden die Zugriffsmechanismen zu den Datenbanken durch eigene Standardroutinen neutralisiert. Die Grundfunktionen im Datenbankbereich wie für die Datenfernverarbeitung werden aus Gründen den des Wartungsaufwandes, der Systemstabilität und der Zukunftssicherung des Gesamtsystems durch Standardsoftware unterstützt.

Diese Entscheidung wurde bereits 1971 getroffen, zumal ausreichend Erkenntnisse aus eigener Erfahrung vorlagen, welchen Aufwand es bedeutet, einen eigenen online-Monitor ständig weiterzuentwickeln, den Veränderungen der Basis-Software und den wechselnden Anforderungen beim Terminaleinsatz anzupassen sowie sicherzustellen, daß ein geeignetes, anwendungsunabhängiges Restartverfahren verfügbar und die absolute Datenintegrität komplexer Datenbanken gewährleistet ist.

Auch Erfahrungen beim Einsatz eines in der Sparkassenorganisation entwickelten Standardverfahrens und Erkenntnisse über die sogenannte Kompatibilität unterschiedlicher Betriebssysteme selbst bei demselben Hersteller konnten bereits im Anfangsjahr der dvg gesammelt werden. Die erwähnten grundsätzlichen Überlegungen und die Erfahrungen führten dazu, daß die dvg mit zu den ersten Anwendern des IMS (Information Management System) der IBM zählt und die DB-/DC-Funktionen bei den ersten Anwenderinstituten seit 1971 in Praxis einsetzt. Heute ist das IMS/ VS mit Version 1, Release 1.4 im Einsatz und Release 1.5 für 1980 in Vorbereitung.

Im Rückblick Vorteile

Sicher hat jedes Standard-Softwareprodukt Nachteile und besonders Anfang der 70er Jahre war es schwierig, mit den sogenannten Produktschwächen zu leben; aus der inzwischen beinahe 10jährigen praktischen Erfahrung überwiegen im Rückblick jedoch eindeutig die Vor þteile, die sich vor allem in der Minimierung des Entwicklungsaufwandes und in der Zukunftssicherung darstellen. Darüber hinaus muß man sich kritisch fragen, ob ständig ausreichend fachqualifizierte und erfahrene Mitarbeiter verfügbar gemacht werden können und sollen, um diese Software-Grundlagen bei der Entwicklung von Informationssystemen durch eigene Entwicklungsarbeit sicherzustellen.

Aus den ersten Datenbanken der Anfangsjahre sind 30 verschiedene Datenbanken der unterschiedlichsten Organisationsformen (HIDAM, HISAM, HDAM, SHISAM) geworden, in denen die Daten der Geschäftsarten gespeichert sind. Durch das Datenvolumen wurde die zulässige Grenze der Datenadressierung erreicht, so daß die Datenbanken inzwischen nach Institutsgruppen getrennt sind und die Gesamtzahl 60 erreicht haben.

Damit wird die Speichermöglichkeit von zur Zeit 50 Laufwerken des Magnetplattensystems IBM 3350 ausgeschöpft und damit die Hälfte der derzeit installierten 50 Platteneinheiten mit 100 Laufwerken. Diese Datenmenge verlangt eine ständige Optimierung der Magnetplattennutzung und der Verteilung der Datenbestände über die installierte Plattenperipherie; sie hat entscheidenden Einfluß das Gesamtverhalten des Systems und entsprechende Bedeutung bei Tuning-Maßnahmen.

Zwei Hierarchiestufen

Obwohl in den Anfangsjahren noch nicht die heutigen Software-Tools für ein Datenbank-Design zur Verfügung standen, haben eigene Erfahrungen und der Blick auf das zu erwartende Datenvolumen die dvg dazu gebracht, keine logischen Datenbanken aufzubauen und nur Datenstrukturen mit maximal zwei Hierarchiestufen (oft auch nur root only) einzusetzen sowie auf Sekundär-Indizes zu verzichten.

Neben den Datenbanken sind die Terminalsysteme der zweite Eckpfeiler bei der Informationsverarbeitung im online-Betrieb. Die dvg setzt in Randbereichen nicht programmierbare Bildschirmsysteme und für die Sonderfunktion der dezentralen Massendruckausgabe Schnelldrucksysteme ein. Kernstück sind jedoch die programmierbaren Terminalsysteme, deren Anforderungen und Aufgabenstellung in Abgrenzung zu den zentralen Programmverfahren 1974/75 festgelegt wurden.

Um einen wirtschaftlichen Einsatz zu sichern, war die hauptsächliche Zielsetzung, mit einer einzigen Systemfamilie alle Geschäftsvorfälle universell abwickeln zu können und dabei das Leistungspotential der Programmierern Datenendgeräte soweit wie möglich zu nutzen.

Die Verarbeitungsziele der Anwendungs-Gesamtkonzeption bedingen eine zentralisierte Datenbankverwaltung. Eine Verlagerung von Datenbeständen in dezentrale, programmierbare Systeme würde zwangsläufig das Erreichen dieser Ziele aus Sicht der dvg auch heute noch erschweren und zusätzliche Kosten bedeuten.

Die Terminalfunktionen sind daher in der Informationsverarbeitung, bei Abfragen und Änderungen, auf eine komfortable Bedienerführung, auf die Datenvermittlung und Optimierung der Datenübertragung zum zentralen Rechner und auf die Steuerung der Datenausgabe und Anpassung an die Arbeitsplatzausstattung beschränkt.

Datensammelsysteme ersetzt

Dagegen werden Funktionen die keinen Zugriff zu zentral geführten Beständen verlangen, ausschließlich m Terminalsystem abgewickelt. So wird die Schalterabwicklung der Sparkassen durch eine Vielzahl von Funktionen (von der Belegquittung bis zum Datensammeln im offline-Betrieb) unterstützt und die Belegerfassung in Primanoten (Stapelumsatzerfassung) kann unabhängig vom zentralen System abgewickelt werden; sie ersetzt damit für die Anwenderinstitute separate Datensammelsysteme.

Umfeld bereinigt

Für die Unterstützung der Institute mit flächendeckenden Terminalnetzen ist auch von Bedeutung, das als integrierter Bestandteil des Gesamtsystems ein Verfahren zur online(Überwachung der Terminalarbeitsplätze und der Kontrollhierachie angeboten wird, daß die Steuerung des Tagesablaufes erleichtert sowie die Zugriffsberechtigung kontrollieren läßt.

In der Gesamtperipherie der Terminalsysteme wird bei der dvg seit etwa drei Jahren das Umfeld bereinigt. Einzelne restliche Geräte mit S/S- und BSC-Übertragungstechniken werden 1980 abgelöst, so daß danach ausschließlich die SDLC-Prozedur genutzt wird. Softwarebasis ist das ACF-VTAM, Release 2 und auf der Ebene der DFV-Steuereinheit ACF-NCP, Release 2.

95 Standleitungen

An die für die Produktion eingesetzten drei DFV-Steuereinheiten sind dezentral über Niedersachsen 160 Terminal-Controller verteilt und daran wiederum rund 1700 Terminal-Arbeitsplätze angeschlossen. Ein Arbeitsplatz besteht jeweils aus mehreren Terminalkomponenten wie alphanumerische Tastatur, Display, Magnetkartenleser/-codierer, Sparbuch-/Beleg-/Journaldrucker. Mit den zur Zeit beteiligten Instituten ist die dvg über 95 Standleitungen, überwiegend mit 4800 und 2400 bps Leitungsgeschwindigkeit, verbunden, die in einem weitverzweigten Netzwerk zu etwa 1299 Zweigstellen der Institute weiterführen. Überwiegenden Anteil an den installierten Terminalsystemen hat das Bankenterminal IBM 3600. In einem umfangreichen Projekt werden bis Mitte nächsten Jahres auch die Voraussetzungen für den Anschluß des Systems Nixdorf 8864 endgültig zu schaffen sein. Die erwähnte standardisierte Schnittstelle zwischen den dvg-Anwendungen und den Terminalsystemen bietet die grundsätzlichen Voraussetzungen für den Anschluß von Datenendgeräten verschiedener Hersteller.

Der Online-Betrieb unter Steuerung des IMS wird täglich in der Zeit von 7 bis 19 Uhr abgewickelt. Zur Bewältigung des Transaktionsvolumens bei rund 200 unterschiedlichen Transaktions-Codes werden zehn Regions für die Nachrichtenverarbeitung (Message Processing Regions) und daneben ein bis fünf Regions parallel für die Batch-Datenbankverarbeitung (Batch Message Processing Regions) eingesetzt. Bei Systemmessungen sind derzeit durchschnittlich 13 Transaktionen je Sekunde im Stundenmittel festgestellt worden. Als Folge der komplexen Anwendungsprogramme werden dabei durchschnittlich 15 Datenbankzugriffe (DL1-Calls) je Transaktion erforderlich.

Grenzen noch nicht erreicht

Die Grenzen des zentralen IBM 3033 - Multiprozessorsystems mit je 8 MB-Speicher sind damit jedoch keineswegs erreicht. Neben der IMS-Verarbeitung werden zwei weitere online-Monitorprogramme zur Steuerung von Beleglesern und für einen online-Verbund mit den deutschen Girozentralen eingesetzt; ein weiteres online-Paket unter Nutzung von IMS-Komponenten und mit Einsatz des DSL (Data Swift Link) ist in 1980 für den Auslandszahlungsverkehr in Vorbereitung.

Neben dem Produktions-IMS ist darüber hinaus ein zweites IMS ständig im Einsatz, daß die dvg-internen Terminalsysteme für den Produktions-Endtest und für die Anwenderschulung steuert und den Softwaretest erleichtert.

Als Back-up-System steht neben dem 3033 Multiprozessor ein Einzelrechner IBM 3033 mit 12 MB Speicher zur Verfügung. Er sichert den online-Notbetrieb in Ausfallsituationen, erleichtert den Produktionsablauf bei zeitkritischen Batch-Arbeiten, übernimmt im wesentlichen auch die Steuerung des internen TSO-Betriebes und wickelt Testarbeiten für Software-Einsatz und Anwendungen sowie Sonderverfahren ab.

Die Anwendungsentwicklung wird dadurch gekennzeichnet sein, daß der Zahlungsverkehr weiter automatisiert wird, die Informationsverarbeitung zur Unterstützung der Betriebsführung ausgebaut werden muß und die Erweiterung des Terminalnetzes durch den Einsatz und die Anschlußmöglichkeit von kundenbedienten Datenstationen vorzusehen ist.

Die Softwareentwicklung wird sich vorrangig auf den Einsatz von Verfahren zur maschinellen Unterstützung des Produktionsablaufes, zur Dezentralisierung der Netzwerkverwaltung und zur Überwachung des flächendeckenden Terminalnetzes sowie auf die Definition von Ausweichverfahren m Notsituationen und Rechnerverbundsysteme konzentrieren.

Axel Roemer ist stellvertretender Geschäftsführer und Prokurist der dvg, Hannover