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17.12.1976 - 

Informationssystem bei CWH

In 20 Minuten optimiert

KÖLN - Ein "Informationssystem zur administrativen Steuerung" (ISAS) läuft seit knapp einem Jahr bei den Chemischen Werken Hüls (CWH). Dreieinhalb Jahre arbeiteten der Anwender, der Mathematische Beratungs- und Programmierdienst (mbp), Dortmund, und das Betriebswirtschaftliche Institut für Organisation und Automation an der Universität Köln (BIFOA) an dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt. Ergebnis: 234 Programme mit zusammen rund 55 000 Lines of Code.

Entwickelt und implementiert wurden mit einem Aufwand von über 60 Mannjahren drei Teilsysteme zur kurzfristigen, quartalsweise rollierenden Unternehmensplanung und -kontrolle (jeweils 12 Monate im voraus) für

a)Absatz auf der Basis einer Kombination von personellen Schätzungen mit automatisch erzeugten Analysen und Prognosen.

b)Produktion auf der Basis der linearen Programmierung (Mengenoptimierung unter Berücksichtigung der komplexen Kuppelproduktion und unter Verwendung der IBM-Software MPSX.

c)Betriebsergebnis auf Basis ein Teilkosten-Deckungsrechnung.

Außerdem wurde ein Vorschlag für die organisatorische Integration dieser Teilsysteme und ein Verfahren für die Investitionsplanung entwickelt.

Schätzungen für 250 Produkte

Für die Absatzplanung geben Verkaufsbüros und Auslandsvertretungen halbjährlich Schätzungen über den Jahresabsatz von rund 250 Produkten ab. Parallel erzeugt das Analyse- und Prognose-System Vorhersagen, die dem Produktbetreuer zusammen mit den Absatzdaten der letzten zwölf Monate zur Verfügung gestellt werden. Der Betreuer stellt mit diesem Material den "marktmöglichen" Umsatz fest - die daraus resultierenden Absatzmengen und Nettoerlöse gehen in das Optimierungs- und Abstimmverfahren ein.

Mengenoptimierung für Beschaffung, Produktion und Absatz

Ziel des Teilsystems Produktions-Planung ist die Ermittlung der Beschaffungs-, Produktions- und Absatzmengen, die das Gesamtbetriebsergebnis optimieren. Pro Quartal werden im Durchschnitt zwei bis drei Optimierungsläufe durchgeführt, die auf einer IBM 370/158 jeweils 20 bis 25 Minuten CPU-Zeit erfordern.

Die Betriebsergebnisplanung dient im wesentlichen der Errechnung von variablen, Fix.- und Gemeinkosten sowie Deckungsbeiträgen. Die Planempfehlungen werden von einer "Abstimmungsgruppe" überprüft, die aus den sechs Geschäftsbereichsleitern sowie den Leitern der Zentralbereiche Verkauf und Finanzen und des Zentralbüros besteht. Sie erklären die Empfehlungen für verbindlich oder veranlassen Modifikationen. Das System zur Investitionsplanung läuft gesondert von den drei anderen Teilbereichen.

CWH verzichtete sowohl auf die Entwicklung eines allumfassenden Informationssystems - ein solches Projekt wäre zu komplex gewesen als auch auf ein Datenbanksystem, das man für unwirtschaftlich hielt. Prinzip: Kein System, das Entscheidungen produziert, sondern ein Verfahren, das Entscheidungen unterstützt.

Zehn Jahre hinter der Theorie her

Weder als Software-Lösung noch als betriebswirtschaftliche Anwendung wird das System Fachleute vom Stuhl reißen.Interessant ist aber der praktische Einsatz. Dr. D. Seibt (BIFOA): "Es gilt, Verfahren anwendbar zu machen, die in der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie schon vor zehn Jahren abgegrast waren. Erst heute gehen beispielsweise die Firmen in breiter Front zur Deckungsbeitragsrechnung über. Beim Einsatz der Prognoserechnung scheitern viele Unternehmen immer noch daran, daß die erforderlichen Ausgangs-Daten nicht mit der nötigen Sauberkeit geführt wurden." -py

Wem nützt ISAS?

Zum Abschluß des Projektes wurden in einem Resümee Erwartungen der Beteiligten und bisher eingetretener Nutzen gegenübergestellt.

Die wünsche des Anwenders (CWH):

1.Entwicklung von Teilsystemen, die den speziellen Bedingungen des Unternehmens Rechnung tragen und Informationen generieren, die beim Anwender mit Priorität nachgefragt werden. Ergebnis: Im Prinzip erfüllt - die Prioritäten haben sich allerdings während der Projektlaufzeit verschoben.

2.Verbesserung der Unternehmenssteuerung mit Hilfe der neuen, bisher nicht verfügbaren Informationen.

Ergebnis: Das System befindet sich noch in der Konsolidierungsphase - verschiedene Verbesserungen sind geplant. In Teilbereichen ist die Wirksamkeit bereits klar erkennbar - ob sich eine pauschale Steigerung etwa ... Betriebsergebnisses erreichen oder nachweisen lassen wird, erscheint fraglich.

3.Verkürzung der Entwicklungsdauer für derartige Systeme.

Ergebnis: Mit dem verfügbaren CWH-Mitarbeiterstab hätte das Projekt wahrscheinlich überhaupt nicht verwirklicht werden können. Nicht eingeplanter Zusatznutzen: Das sehr komplexe Projekt regte ganzheitliches Denken an, machte die Abläufe im Unternehmen für viele Mitarbeiter transparenter und lieferte damit eine Motivation, die Abläufe effizienter zu gestalten.

Die Erwartungen des Softwarehauses (mbp).

1. Entwicklung wiederverwendbarer Programme oder Softwarekonzeptionen.

Ergebnis: Analyse- und Prognosesystem APS mit Benutzersprache und Steuerungsprogramm.

2. Gewinnung von Know-how.

Ergebnis: Erwartungen voll erfüllt.

Der Nutzen für das Forschungsinstitut (BIFOA):

Erwartet wurde die Gelegenheit, die Bedeutung realer Problemstellungen und die Vielfalt der dabei zu beachtenden Faktoren kennenzulernen, das exemplarische Wissen zu verbreitern und die Strategie "Forschung durch Entwicklung" anzuwenden.

Ergebnis: Obwohl die wissenschaftliche Auswertung noch nicht abgeschlossen ist, haben sich die Erwartungen bisher erfüllt.

70 Prozent CPU-Zeit gespart

Von 550 auf 170 Minuten sank die CPU-Zeit für das Programm "Differenznachweis von Fertigungszeiten zum Vormonat", das jeden Monat gleichartig in drei Daimler-Benz_Rechenzentren läuft. Arbeitsaufwand für die Optimierung: 3 Tage. Dabei wurden das Tabellensuchen von der Subskriptmethode auf binärs Suchen mit dem Search-All-Befehl umgestellt, die Ausgabesätze von 400 auf 190 Bytes und von 31 auf 8 Felder verkürzt sowie die Subskripte binär und auf Doppelwortgrenze ausgerichtet definiert. Durch Anwenden der Suchtechnik mit Festindizes soll nochmals eine Verringerung der CPU-Zeit erzielt werden.

Ebenfalls rund 70 Prozent CPU-Zeit konnte - mit einem Arbeitsaufwand von zwei Tagen - bei "Auftragsrechnung der Hausteilesteuerung DB" gespart werden. Das Programm, das wöchentlich bis monatlich in sieben verschiedenen Werken läuft, wurde durch Umstellen von Cobol F auf ANS-Cobol, Eibauen der Optimize-Option und Einführen des Tabellenlöschens mit vordefiniertem Lösch-Speicher so viel schneller gemacht, daß es statt 116 nur noch 33 Minuten läuft.

Jedes Optimierungsprojekt wird einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen: Der Test- und Änderungsaufwand wird den im Lauf eines Jahres eingesparten SRT-Stunden (bei einer IBM 370/158 beträgt der DB-Stundensatz 600 Mark) gegenübergestellt - bei Daimler-Benz geht man davon aus, daß ein Programm durchschnittlich ein Jahr unverändert läuft. -py