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04.11.1983 - 

MITI- Projekt für die Entwicklung von Rechnern der fünften Generation:

In den 90ern hundertmal mehr Nachfrage nach DV

In Japan soll mit staatlicher Unterstützung bis 1990 das Projekt der Entwicklung von Computern der fünften Generation realisiert sein. Ziel dieses Projektes des japanischen Wirtschaftsministeriums MITI ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes insgesamt zu stärken. Gerhard Reckel, Geschäftsführer des Fachverbandes Datenverarbeitung Im ZVEI, Frankfurt, berichtet über die Aktivitäten der staatlichen Wirtschaftslenker.

Bereits 1978 hatte das japanische Wirtschaftsministerium (MITI) dem Japan Information Processing Development Center (JIPDEC) den Auftrag gegeben ein Projekt "Fifth Generation Computer Systems (FGCS)" vorzubereiten.

Anfang 1980 hat ein interdisziplinärer Ausschuß, dem neben Informatikern und Mathematikern Philologen, Futurologen und Nutzer fortgeschrittener Computersysteme angehörten, eine Studie über Computer der fünften Generation vorgelegt. Der Ausschuß gab zunächst eine ausführliche Beschreibung der Verknüpfung gesellschaftlicher und staatlicher Abläufe und Zielsetzungen mit Informationsprozessen.

Unbestimmte Geschehensabläufe

Die Grundanforderungen sowie die Charakteristika, die an die Computergeneration der 90er Jahre zu stellen sind, lauteten hier:

- höheres und schnelleres Informationsangebot

- präzisere Darstellung von Information und Entscheidungen durch requirement analysis, CAD, computergestützte Entscheidungssysteme - Simulationen von unbestimmten Geschehensabläufen durch Einsatz eines höchstleistungsfähigen Großcomputers

- Verbesserung der Kommunikation Mensch/Maschine; höhere Intelligenz (Lernfähigkeit, logisches Denken) von Computern und verbessertes Interface Mensch/Maschine, (Erkennen von Sprachen, Figuren, Bildern, dreidimensionaler Objekte etc.)

- Ersatz von Arbeitskräften, Entwicklung bislang neuartiger Maschinenfähigkeiten.

Die Entwicklung deutet auf einen Nicht-von-Neumann-Typ hin, der als knowledge information processing system (KIP) beschrieben werden kann und unter anderem folgende zwei Markmale aufweist: hochentwickeltes Interface zwischen Mensch/Maschine, Eingabe sämtlicher Bilder, Daten, Sprache etc. im Konversationsverkehr, Bedeutungserkennung, Dialogfähigkeit sowie Problemerkennung.

Der Ausschuß, unterstellte weiterhin, daß sich in den 90er Jahren die Nachfrage nach der Datenverarbeitung um fast den Faktor 100 erhöhen dürfte beziehungsweise erhöhen läßt. Dieses Wachstum ist nur über die Erschließung neuer Anwendungsformen der Datentechnik möglich. Hierzu gehören unter anderem benutzerfreundliche Dateninformationssysteme, Großsimulationsanlagen und Arbeitsroboter.

Im einzelnen geht es bei der Diskussion um Computer der fünften Generation um die Erschließung und Entwicklung folgender Bereiche:

1. Benutzerfreundliche Systeme

Unter dem Gesichtspunkt der Systemarchitektur ist ein leichter Zugriff auf Terminals, hohe Zuverlässigkeit, Flexibilität, einfache Wartung und Anpassung zwischen der Architektur des Computer- und Nutzersystems zu realisieren.

Als Idealzustand des Interface zwischen Mensch und Maschine sind Lösungen anzustreben, die eine freie Kommunikation zwischen Mensch und Maschine über Sprech- , Zeichen- und Bilderinputs und -outputs erlauben.

2. Einsatz von Computern in nichtstandardisierten Berufen

Stichwort sind hier lernfähige Datenbasen, die über dasselbe Wissen wie der Bediener verfügen, reibungsfreie Mensch/Maschine-Interfaces, grafisches dreidimensionales Display, Speicherung grafischer Informationen und die Entwicklungsmethoden des Informationsaustausches zwischen Designern.

3. Entwicklung von intelligenten Systemen mit nichtnumerischer Datenverarbeitungsfähigkeit.

Intelligente Systeme eröffnen eine Fülle von Anwendungsmöglichkeiten, etwa maschinelle Übersetzung natürlicher Sprache, Vermessung, grafische Verarbeitung für medizinische Anwendung etc.

4. Informationssysteme, die auf der Anlegung von hochleistungsfähigen dezentralen Datenbasen basieren.

Anfangsaufgaben sind hier die Ressourcenverteilung durch Softwaresharing (zum Beispiel portable language) und Datensharing.

5. Supercomputer für Simulationen.

In drei Stufen soll die Abwicklung des Projektes zur Entwicklung von Computern der fünften Generation bis 1990 erfolgen. Die Dauer der Initialphase wird mit drei Jahren eingeplant, die Zwischenphase mit einem Jahr und die Endphase schätzen Experten auf drei bis vier Jahre. Für die erste Phase sind rund 100 Millionen Mark an staatlichen Mitteln vorgesehen, für das Gesamtprojekt ein bis eineinhalb Milliarden-Mark.

Für das FGCS-Programm ist bereits die erste der drei vorgesehenen Realisierungsphasen eingeläutet worden, nachdem MITI am 18. April 1982 der Gründung des "Institute of New Generation Computer-Technology (ICOT)" zugestimmt hat. Zu den Gründern des Instituts, das am 1. Juni 1982 seine Arbeit aufgenommen hat, gehören die Firmen Fujitsu, NEC, Hitachi, Toshiba, Mitsubishi Electric, OKI Electric sowie Matsushita Electric und Sharp. Unter Koordinierung von MITI werden vorgenannte Firmen aktive Forschungs- und Entwicklungsaufgaben im Rahmen des Gesamtprojektes übernehmen.

Zur Sicherung der Existenz

Das Institut ist mit einem Gründungskapital von 50 Millionen Yen und 400 Millionen Yen Betriebskapital für die Anfangsphase ausgestattet worden. Vorsitzer des Instituts ist der Fujitsu-Präsident Tokuma Yamamotu. Dem Institut steht ein Team von rund 30 hauptamtlich beschäftigten Forschern zur Verfügung, die von den Gründungsfirmen sowie NTT delegiert und freigestellt wurden.

Das Programm für die Entwicklung von Computern der fünften Generation ist nur eine von vielen Aktivitäten der Japaner im Bereich der Informations- und Kommunikationstechniken auf Basis fortschrittlichster Entwicklungen der Mikroelektronik. Die Informations- und Kommunikationstechnologien werden in Japan als Sprungbrett zu einer neuen gesellschaftlichen Qualität der "informierten Gesellschaft" angesehen. Erklärtes Ziel des japanischen Wirtschaftsministeriums ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch die Entwicklung moderner Technologien. Sollte Japan einen wesentlichen Teil der Weltproduktion im Bereich der Informations- und Kommunikationstechniken für sich erobern können, wird dies zu einer weiteren Konsolidierung seiner wirtschaftlichen Spitzenposition und Verbesserung der Leistungsbilanz führen. Für die deutsche Situation kann es deshalb nicht nur um die Frage gehen, inwieweit die amerikanische Abhängigkeit durch die japanische ersetzt wird, sondern um die Gefahr, von einem Markt ausgeschlossen zu werden, der wachstumsintensiv und aus energie- und industriepolitischen Gründen wie kaum ein anderer zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz geeignet ist.