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22.07.1977

In den USA gehen die Software-Uhren anders

CW sprach mit Jack Martin, Geschäftsführer des amerikanischen Softwarehauses Datachron, New York

CW: Worin besteht beim Software-Marketing der größte Unterschied zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik?

Wir haben einen sehr viel breiteren Markt. Dann gibt es bei uns etwas, das in Europa nahezu unbekannt ist: Der Telefonverkauf. Wir rufen von New York aus einen Interessenten in Kalifornien an und verkaufen ihm ein Softwareprodukt. Dabei brauchen wir das Rechenzentrum gar nicht zu sehen. Wir schicken das Programm per Luftpost. Der Kunde installiert es und ruft, wenn er Probleme hat, bei uns an. Hier scheinen die Leute den persönlichen Kontakt zu bevorzugen. Sie wollen, daß der Spezialist eines Softwarehauses zu ihnen kommt, das System installiert und ihnen zeigt, wie es benutzt wird.

CW: Gibt es Unterschiede in der Struktur der Anwender, was beispielsweise die Größe der Rechenzentren angeht oder die Betriebsweise?

In den Staaten beschäftigt man sich bereits intensiver mit interaktiven Systemen. So wird mehr und mehr CICS installiert. Manche Installationen haben 60 bis 70 Terminals, die von CICS unterstützt werden. Ein anderer Aspekt ist, daß der typische US-Anwender wesentlich mehr Peripheriegeräte fährt als der europäische Benutzer. Ich bin hier in zehn oder zwölf Rechenzentren gewesen und habe festgestellt, daß die Anlagenkonfigurationen weniger Platteneinheiten und Bandstationen haben. Das dürfte ganz generell zu Durchsatzproblemen führen.

CW: Können Sie das konkretisieren?

Dazu habe ich noch nicht genug Auslastungs-Analysen gesehen.

CW: Wie beantwortet der amerikanische Anwender die Frage "make or buy"?

Vor einigen Jahren wurden auch bei uns die meisten Programme vom Anwender geschrieben. Und entsprechend groß waren die Programmierstäbe in den Rechenzentren. Man probierte verschiedene Programmiersprachen aus, um möglichst effektiv zu sein. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß es sich nicht auszahlt, beispielsweise ein Anwendungsprogramm Lohn und Gehalt oder Fakturierung selbst zu schreiben. Zumal die Wartung individueller Programme eine harte Sache ist.

CW: Unabhängige Software-Spezialisten behaupten, daß Programmierer im Durchschnitt 70 Prozent ihrer Arbeitszeit für Programmwartung verwenden.

Das ist das große Problem. Die genannte Prozentzahl dürfte stimmen. Anzumerken ist, daß Wartung in diesem Zusammenhang auch zu verstehen ist als Fehlersuche in Programmen, die aus irgendeinem Grund nicht zum Laufen gekommen sind.

CW: Heißt das, die amerikanischen Anwender sehen den größten Vorteil von Fremdsoftware darin, daß der Verkäufer die Wartung übernehmen muß?

Genau. Denn die Wartung von Programmen ist sehr teuer. Ganz abgesehen davon, daß die verkleinerten Programmierstäbe heute kaum noch Zeit haben, alte Programme zu pflegen. Wenn man also ein Programm findet, das die betrieblichen Aufgaben erfüllt, sollte es gekauft werden. Und wenn es nicht exakt alle Bedürfnisse abdeckt, können ja Änderungen eingefügt werden.

CW: Sie werfen demnach europäischen Anwendern vor...

... noch zu sehr an der Idee des Selbermachens festzuhalten. "Schließlich haben wir Programmierer, warum sollen die nicht programmieren", ist so ein Einwand, den ich hier des öfteren gehört habe.

CW: Hat sich in den USA die strukturierte Programmierung durchgesetzt?

Sicherlich werden die neuen Techniken bei uns schon häufiger eingesetzt, aber die Meinung, daß in den Staaten durchwegs strukturiert gearbeitet wird, ist falsch.

CW: Wo liegen in Zukunft die Schwerpunkte der Software-Entwicklung?

Online-Datenerfassung und -verarbeitung erzwingen den Einsatz komfortablerer Datenbanksysteme, verbesserter Speicherungs- und Zugriffsmethoden. Das sind die Bereiche, die stark im Kommen sind. Jack Martin (38) ist Geschäftsführer der Firma Datachron, die sich mit der Entwicklung von Systemprogrammen, insbesondere Optimierungswerkzeugen, beschäftigt.

Datachron-Produkte wie COSY und Jasper werden in der Bundesrepublik von Hübner & Mergard, Frankfurt, vertrieben.