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12.07.1991 - 

Zunehmende Marktanteile der Japaner durch Kooperationen und Übernahmen

In der /370-Welt dominiert IBM - aber PCMer wachsen schneller

Seit Anfang der achtziger Jahre wandelt sich der Markt für große Mehrplatz-Systeme, einst die unangefochtene Domäne des Marktführers IBM. Wachstum, dies ergeben die Neuankündigungen des Jahres 1990, erfolgt immer mehr nach "innen": Die Systeme werden leistungsfähiger. Ein weiteres Menetekel für die Hersteller verbirgt sich hinter dem Technologie-Schlagwort "Downsizing".

Nicht nur die technologische Komponente erforderte eine Revision des einst unerschütterlichen Wachstumsoptimismus der Mainframe-Hersteller. Neben den Trends weg vom Zentralismus und hin zur Regionalisierung der DV-Landschaften sowie zum Upgrading innerhalb bestehender Systeme müssen sich die Platzhirsche weltweit mit neuen Mitbewerbern auseinandersetzen, die sich in die zum Industriestandard gewordene Soft- und Hardware-Architektur eingeklinkt haben, mit den Herstellern der sogenannten steckerkompatiblen Großrechner (PCMer). Dadurch ist ein verstärkter Wettbewerb im Heimmarkt der IBM entstanden, der seither die Anteile von Big Blue zurückgehen läßt.

In Westeuropa wird der Markt für große Mehrplatz-Systeme gleichwohl nach wie vor von der IBM dominiert. Auch die neu installierten Systeme haben an der Position der größten Mainframe-Company bislang nichts geändert: Der Anteil der PCMer Amdahl, Hitachi, Comparex und Fujitsu au den Gesamtinstallationen betrug 15 Prozent im Jahr 1989; der restliche Markt, verbleibende 39 Prozent, verteilte sich auf die häufig nationalen Hersteller nicht kompatibler Großrechner. Bei den Neuinstallationen hat sich deren Anteil auf 30 Prozent verringert.

Während die IBM mit 46 Prozent jedoch lediglich einen ihrem Marktanteil entsprechenden Zuwachs verzeichnen konnte, wuchsen die Neuinstallations-Anteile der PCMer überproportional auf 24 Prozent. Davon profitierten alle Kompatiblen-Hersteller, besonders jedoch Amdahl und Comparex

In der alten Bundesrepublik haben sich 1989 die Anteile an neu installierten Systeme zugunsten der PCMer und zu Lasten aller anderen Wettbewerber auf dem Markt für große Mehrplatz-Systeme verschoben.

Durch die Bedeutung von Siemens auf dem deutschen Markt ist der Anteil der IBM-39 Prozent im Jahre 1989 -traditionell kleiner als in den übrigen westeuropäischen Ländern und auf dem Weltmarkt. Auch der Anteil der PCMer in Deutschland war zum entsprechenden Zeitpunkt mit 13 Prozent geringer als im europäischen Rahmen.

Die Neuinstallationen im Jahre 1989 deuten jedoch Veränderungen an. Die PCMer hielten mit 26 Prozent einen doppelt so hohen Anteil an den neu aufgestellten Systemen wie an den bestehenden Installationen insgesamt. Zum Vergleich: IBM installierte 1989 mit 34 Prozent um fünf Prozent weniger neue Systeme, als zur Erhaltung des vormaligen Marktanteils von 39 Prozent notwendig gewesen wäre (siehe Abbildungen 1 und 2). Für die Hersteller nicht-industriekompatibler DV-Systeme entwickelt sich der Markt noch ungünstiger: Diese konnten nämlich 1989 bei einem gesamten Installationsanteil von 49 Prozent nur 40 Prozent der neu in Betrieb genommenen Rechner beisteuern.

Die Verschiebungen der Installationsanteile zu Lasten der IBM und zugunsten der PCMer entsprechen nicht nur bezüglich der Anzahl der Systeme, sondern auch bei wertmäßiger Betrachtung einem weltweiten langfristigen Trend. Während die Neuinstallationen von 19,7 Milliarden Dollar im Jahre 1985 auf 29 Milliarden Dollar vier Jahre später angestiegen sind (plus 47 Prozent), hat sich der Anteil des Marktführers im gleichen Zeitraum von 64,4 auf 53,5 Prozent kontinuierlich verringert. Ebenso kontinuierlich sind die Marktanteile der PCMer, insbesondere die von Amdahl und Hitachi, in der fraglichen Zeit von bescheidenen 5,3 Prozent auf - gleichwohl immer noch bescheidene - 8,1 Prozent angestiegen.

Nachdem die PCM-Marktanteile bisher weltweit und auch in der Bundesrepublik im wesentlichen durch Amdahl und Hitachi getragen wurden, ergibt sich für die Zukunft Anlaß zu interessanten Spekulationen, speziell vor dem Hintergrund der Ereignisse bei der britischen ICL in Verbindung mit der Aktivität von Fujitsu in Deutschland.

Die Wettbewerbssituation auf dem europäischen Großrechnermarkt läßt sich vereinfacht so beschreiben: In jedem Land ringt ein einheimischer Anbieter (ICL, Siemens, Bull, Olivetti) mit der jeweiligen IBM-Niederlassung um die Aufteilung des Marktes. Hinter dem einheimischen Unternehmen verbirgt sich jedoch häufig ein japanischer Hersteller. Die Mainframer bereiten sich auf den gemeinsamen europäischen Markt ab 1993 vor. Hierbei hat die IBM - beispielsweise neben Unisys und NEC) den Vorteil einer bereits vorhandenen Präsenz in ganz Europa.

Auf den gemeinsamen Markt hat sich IBM frühzeitig eingestellt: Im September 1988 wurde ein "Zwölferrat" mit Vertretern aus den EG-Ländern gegründet; das Gremium soll die Aktivitäten des Unternehmens im Hinblick auf die zukünftige Marktsituation koordinieren. Hierbei sieht die IBM allerdings nur wenig Anlaß, im eigenen Haus aufzuräumen. Vermutlich ist diese Ansicht zutreffend, verfügt IBM doch seit langem über europäische Fertigungsstätten und ist in allen europäischen Ländern mit insgesamt über 100 000 Mitarbeitern vertreten. Verändern wird sich - so die Prognose der Manager in Blau - dagegen das Geschäftsgebaren gegenüber anderen multinationalen Konzernen. Fujitsu jedenfalls hat mit der Übernahme von ICL die Tür nach Europa geöffnet und kann als europäischer Anbieter auftreten.

Offensichtlich wissen die deutschen Anwender nach den Announcements des Jahres 1990 die Wettbewerbsvorteile der PCMer zu schätzen: Der jüngsten IDC-Umfrage zufolge beurteilen die Kunden die Leistungsmerkmale der Steckerkompatiblen-Anbieter als "wichtig" bis "sehr wichtig" und ziehen sie bei der Kaufentscheidung durchaus ins Kalkül (siehe Abbildung 3).

Amdahl hat mit seinem "Multi-Domain"-Konzept, also mit der Symbiose der Betriebssysteme MVS und Unix auf Großrechnern, eine besonders gute Position im Wettbewerbsumfeld. Das gilt um so mehr durch das eindeutige Commitment des Hauses, auch in Zukunft volle IBM-Kompatibilität zu gewährleisten. Die befragten Anwender, besonders aus der Fertigungsindustrie, sehen hier offenbar die Chance, alternative Konzepte für Just-in-time-Lösungen zu realisieren und so die traditionellen Schwächen von als Server eingesetzten Minis und Micros besser in den Griff zu bekommen.

Jedoch werden immerhin 50 Prozent der befragten Anwender innerhalb ihres herstellerspezifischen Migrationspfades aufrüsten, 43 Prozent sind jedoch offenbar noch nicht auf die eine oder andere Upgrade-Variante festgelegt. Die Hersteller von steckerkompatiblen Mainframes werden diese Chance zu nutzen wissen.