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09.01.1981

In der Computerwelt herrscht "Friede, Freude, Eierkuchen"

MÜNCHEN (ha) - Zum Jahreswechsel heißt es für die DV-Verantwortlichen erneut, die Konsequenzen des Computer-Einsatzes in ihrem Unternehmen zu überdenken. Mit einer Blitzumfrage wandte sich die COMPUTERWOCHE an fünf Entscheidungsträger in Datenverarbeitung und Organisation, um Auskunft über die Einkommensentwicklung, Personalsituation, Akzeptanz und Investitionsbereitschaft in der Datenverarbeitung zu bekommen. Obwohl der deutsche DV-Anwender als einer der kritischsten in der Welt gilt, verwundert trotz Spezialistenloch, Liefer-Hick-Hack und erneut angewürztem Betriebssystem-Salat eine positive Grundstimmung.

"In welche Bereiche der Datenverarbeitung werden Sie schwerpunktmäßig investieren?"

Dietrich Brömmert

Investieren werden wir im kommenden Jahr hauptsächlich in die Verbesserung der Datenkommunikation. Dies bedeutet natürlich auch Wechsel der Hardware auf die 43er Serie sowie Ausbau der TP-Anwendungen mit dem entsprechenden Zuwachs an Bildschirmplätzen. Die Verbesserung der Software-Methoden sowie die Aus- und Weiterbildung gehören zum latenten Bereich der Bemühungen.

Klaus Ewald

1981 wird ein Jahr des Sparens, weniger des Investierens werden. Viele Unternehmen werden den Gürtel enger schnallen müssen - Kosten senken heißt die Devise. Ich halte dies im Bereich der Informationsverarbeitung für gefährlich. Denn die Notwendigkeit, Kosten zu senken, ist meistens mit einem Mehr an Rationalisierung verbunden. Dies heißt höhere Anforderung an die DV-Abteilung. Das Dilemma eines DV-Leiters heißt also 30 Prozent mehr Service mit 30 Prozent geringeren Kosten.

Siegfried Rhein

Wir wollen 1981 primär in die Software investieren, und zwar in allen Bereichen. Wir werden uns intensiv mit DB/DC-Software befassen - ein Pilotprojekt ist soeben gestartet worden. Im Zusammenhang damit geht es um den Probeeinsatz von Software-Tools.

Weiter suchen wir nach Ersatz für unser schon etwas angejahrtes Finanzbuchhaltungssystem. Und schließlich werden wir uns ganz eingehend mit MVS zu beschäftigen haben, um uns auf den Nachfolger unserer /158 vorzubereiten, der Anfang 1982 ins Haus steht.

Norbert Ruppenthal

Wir werden 1981 das bestehende Datenkommunikationsnetz verbessern durch den Einsatz schnellerer Hardware, weiterhin verstärkt Standard-Software einsetzen, Ausbildungsmaßnahmen fördern und schließlich auch Distributed Data Processing fortsetzen und manche Gebiete neu überdenken. Also: kontinuierliche Weiterarbeit an einem abgestimmten Mehrjahres-Plan.

Dr. Bodo Zimmermann

Da wir schon ziemlich viele Arbeitsgebiete durch die DV abgedeckt haben, ist auch ein entsprechender Wartungsaufwand vorhanden. Wir werden die Programme wartungsfreundlich machen, da in jedem Falle neue Funktionen dazukommen und diese mit derselben Mannschaft gepflegt werden müssen. Auf unserem Projektplan steht die Einführung der DV-Unterstützung von Einkauf- und Rechnungsprüfung mit einem gekauften Dialogsystem sowie die Integration dieses Systems mit unserem selbstentwickelten Dialogsystem für Materialdisposition und Wareneingang. Unser Dialogsystem für die Fertigungssteuerung wollen wir um ein Betriebsdatenerfassungssystem ergänzen, damit wir eine aktive Fertigungssteuerung zur Reduzierung der Durchlaufzeiten durchführen können.

Die von uns abzudeckenden Anwendungsgebiete können nicht durch ein einziges Standardpaket bedient werden, so daß Integrationsarbeiten durchzuführen sind. Wir haben keine einheitliche Datenbank über alle Anwendungsgebiete und sehen auch keine Möglichkeit, Standardpakete mit verschiedenen Datenbanken auf ein einziges, von uns als gut befundenes Datenbanksystem zu bringen.

"Wie beurteilen Sie die derzeitige Einkommensentwicklung in der Datenverarbeitung? Wie wird sich das Gehaltsniveau 1981 entwickeln?"

Dietrich Brömmert

Die Situation der Einkommen in den DV-Berufen hat sich entsprechend der Marktlage (große Nachfrage, wenig Angebot) entwickelt. Dies wird sich wohl auch im kommenden Jahr fortsetzen.

Zu hoffen ist nur, daß sich die amerikanischen Verhältnisse nicht auch bei uns durchsetzen und für gute Gehälter auch gute Arbeit geleistet wird.

Klaus Ewald

Die Einkommen für "gute" DV-Leute speziell im Bereich der Programmierung, sind im Vergleich zu anderen Unternehmensbereichen überproportional gestiegen, und dieser Trend wird sicherlich auch 1981 so bleiben. Diese Tatsache treibt manchen Personalchefs die Tränen in die Augen und wirft veraltete Gehaltsstrukturen durcheinander.

Unternehmensleitungen disponieren vorsichtiger mit der Einstellung von teuren Programmierern und werden häufiger Projektpakete gegen Festpreise an externe Berater geben. Dadurch entstehen zwar kurzfristig höhere Kosten, jedoch keine Personalfolgekosten mehr.

Siegfried Rhein

Eine einigermaßen ausgewogene Gehaltspolitik ist im DV-Bereich sicher ein besonders kritischer Punkt. Der Marktwert der Mitarbeiter in unserem Metier ist hoch, problematisch dementsprechend ihre Einordnung in das Gehaltsgefüge des Unternehmens.

Wir haben derzeit keine größeren Schwierigkeiten, ohne das Problem jedoch insgesamt gelöst zu haben.

Norbert Ruppenthal

Ich glaube, daß die große Zeit, da EDV-Leute immer an der Spitze der Gehälter lagen, vorbei ist. Spezialisten werden nach wie vor am besten abschneiden, ebenso die vielen selbständigen Berater, die sich heute mehr und mehr mit der Kleinindustrie oder mittelständischen Branchen beschäftigen, in denen noch wenig Spezialisten vorhanden sein können.

Wir werden bessere Verkaufs- und Vertriebsleute in den einzelnen Wirtschaftszweigen brauchen, damit wir volks- und weltwirtschaftlich "am Ball bleiben" können. Die EDV-Gehälter werden damit vielleicht auf Platz zwei rangieren. Das Gehaltsniveau wird sich 1981 leider in schmalen Entwicklungsmöglichkeiten für den festangestellten, etablierten EDV-Spezialisten halten.

Dr. Bodo Zimmermann

Das Einkommen und die Einkommensentwicklung in der DV wird vom Arbeitsmarkt bestimmt. Es ist zu erwarten, daß die DV-Gehälter sich gleichmäßig mit den Gehältern anderer Berufe entsprechender Qualifikation und Verantwortung entwickeln werden; die Relationen werden sich nicht verschieben.

"Hat sich 1980 die Akzeptanz der Datenverarbeitung beim Management oder beim Endbenutzer erhöht? Wie sehen Sie die Entwicklung für 1981?"

Dietrich Brömmert

Das Management hat in der DV das Arbeitsmittel erkannt, das bei der Steuerung des Unternehmens gute Dienste leistet. Lediglich mit der Einsicht, daß auch ein DV-Einsatz langfristig und sorgfältig zu planen ist, scheint man sich, insbesondere nach dem Besuch von Managementseminaren beim Hersteller, etwas schwer zu tun.

Der Endbenutzer scheint sich etwas schwerer zu tun, mit den Segnungen der Technik zurechtzukommen. Da er sich kaum die Mühe macht, den gesamten Zusammenhang zu ergründen, erscheint ihm die ganze Geschichte etwas unheimlich, so wie das staunende Publikum bei der Vorführung des Zauberers, der Kaninchen aus dem Zylinder holt. Das schafft Unbehagen. Deshalb sind alle Beteiligten aufgerufen, für mehr Aufklärung zu sorgen. Vielleicht sollten wir, im Gegensatz zu den Zauberern, unsere Tricks verraten.

Klaus Ewald

Die Akzeptanz der DV hat sich vor allem beim Management erhöht: Bildschirmterminals an Arbeitsplätzen, schnellere und gezieltere Verarbeitung von Informationen, speziell für die Management-Bereiche. Der Kostendruck und der damit verbundene Zwang zu noch mehr Rationalisierung, rücken die DV aus dem "Black-Box-Rechenzentrums-Heiligtum" in das vom Management besser verstandene Umfeld des unternehmensgerechten Sach-Mittel-Einsatzes. Die einzige Krux, die nach wie vor besteht, ist, daß das Top-Management heute entscheidet, daß morgen die Programme stehen müssen, übermorgen installiert wird und dies zu Kosten, die sich die Woche drauf bereits verzinsen. Dies ist zwar überspitzt dargestellt, trifft aber den Kern der Sache. Es wird weiterhin unsere Aufgabe sein, die "Herrschaften" davon zu überzeugen, daß dies nicht so einfach zu bewerkstelligen ist.

Siegfried Rhein

Die Akzeptanz unserer Arbeit hat sich in den letzten Jahren erfreulicherweise weiter verbessert. Es haben auf beiden Seite einige Lernprozesse stattgefunden, und eine regelrechte Zusammenarbeit hat sich etabliert:

In zwei EDV-Komitees (auf Anwenderund auf Geschäftsleitungsebene) werden Entscheidungen vorbereitet beziehungsweise getroffen. In mehreren gemeinsamen Arbeitsgruppen werden anstehende Aufgaben konzeptionell aufbereitet. Dies alles mag relativ schwerfällig erscheinen, ist aber absolut unerläßlich. Nur so kann nämlich die Unterstützung des Managements für unsere Arbeit und (genauso wichtig) die Akzeptanz unserer Arbeitsergebnisse durch die Anwender gesichert werden.

Norbert Ruppenthal

Sowohl als auch; 1981 wird der Endbenutzer = Sachbearbeiter oder die operationale Ebene mehr in die Verantwortung genommen, weil man inzwischen die neuen Werkzeuge beherrscht, besser, richtiger und schneller informieren kann und somit dem Management mehr Vertrauen, eine bessere Akzeptanz sowie Möglichkeiten gibt, die DV-Einsätze kontinuierlich fortzuentwickeln. Ohne das Medium oder Hilfsmittel EDV wird es wohl in Zukunft nicht mehr gehen.

Dr. Bodo Zimmermann

Die DV wird bei unseren Endbenutzern schon seit Jahren akzeptiert. Wir haben für alle wesentlichen Arbeitsgebiete EDV-Unterstützung. Finanzbuchhaltung, Fakturierung, Materialdisposition und Fertigungssteuerung werden über Dialogsysteme abgewickelt. Die Wünsche der Anwender münden in einer weitgehenden Integration, auch wenn dies im Einzelfall von diesen nicht immer erkannt wird. Auch unser Management ist davon überzeugt, daß es ohne DV nicht mehr geht. Während der Endbenutzer jedoch vornehmlich die zur Verfügung gestellten Funktionen beurteilt, läßt sich das Management in besonderem Maße die Kosten vorlegen. Die Projektvorschläge werden auf Wirtschaftlichkeit geprüft, daraus ergibt sich eine Prioritäten-Reihenfolge für einzelne Projekte. Einige Projektvorschläge erhalten dabei natürlich eine so geringe Priorität, daß sie in absehbarer Zeit nicht zur Durchführung gelangen. Dies ist keine Frage der Akzeptanz, sondern eine Frage des Investitionsvolumens.

"Woran wird der DV-Einsatz in Ihrem Unternehmen derzeit gemessen?"

Dietrich Brömmert

Die Entscheidung für eine DV-Lösung hängt im wesentlichen davon ab, ob die Wirtschaftlichkeit sich verbessern läßt, so daß der gleiche Vorgang kostengünstiger abgewickelt werden kann. Dies schließt das Ermitteln von neuen Informationen oder das schnellere Beibringen von Informationen ein, was letztendlich zu schnellerer Reaktion des Benutzers und damit zum früheren Eingreifen bei Fehlentwicklungen führt, wodurch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens erhöht wird.

Klaus Ewald

Schnelle Informationsbereitschaft, hohe Verzinsung des Kapitaleinsatzes, Benutzerfreundlichkeit.

Siegfried Rhein

Obenan steht natürlich die Wirtschaftlichkeit. Nicht alles, was wünschenswert wäre, ist auch mit vernünftigem Aufwand machbar. Im übrigen geht es nicht um ein mehr an Information: Wir produzieren wirklich genug. Es muß darum gehen, zu höherwertigen Informationen zu gelangen, die geeignet sind, Entscheidungsprozesse besser und aktueller zu unterstützen. Sicher wird dadurch auch unsere Wettbewerbsfähigkeit gefördert.

Norbert Ruppenthal

Der DV-Einsatz wird bei uns an rationalisierender Wirtschaftlichkeit gemischt mit mehr unterstützender Information, schnelleren, richtigen Ergebnissen und damit an mehr Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Branche gemessen.

Dr. Bodo Zimmermann

Der EDV-Einsatz wird in unserem Unternehmen (Metallverarbeitung, Maschinenbau) an der Wirtschaftlichkeit gemessen. Projektziel ist primär Rationalisierung. Bei der Beschränkung der Projektanzahl spielt auch der DV-Aufwand bezogen auf den Umsatz eine Rolle, obwohl diese Kerngröße nicht unbedingt der richtige Maßstab - weil zu wenig differenziert - ist.

Das Projekt "mehr Information" erscheint bei unseren dispositiven Systemen nur versteckt hinter der weitergehenden Forderung nach maschinell ermittelten Anweisungen zur aktiven Steuerung und Disposition auf der Basis der Informationen. Die in unseren Dateien vorhandenen Informationen sollen sinnvoll aufbereitet werden, so daß die Listen oder Bildschirmanzeigen genau das ausweisen, was man am jeweiligen Arbeitsplatz braucht.

"Wie kann der Personalengpaß in der Datenverarbeitung beseitigt werden?"

Dietrich Brömmert

Der Personalengpaß in der Datenverarbeitung läßt sich nur beseitigen, wenn es gelingt mehr junge Leute für die Datenverarbeitung zu interessieren.

Da immer mehr Unternehmen die Datenverarbeitung als Hilfsmittel einsetzen, ist es nur logisch, daß auch immer mehr Datenverarbeitungs-Personal benötigt wird. Dies kann zwar durch bessere Software-Werkzeuge und benutzerfreundlichere Systeme gemildert, aber nicht aufgefangen werden.

Ein überschaubarer, an der Praxis orientierter Ausbildungsgang, der neben dem nötigen kaufmännischen oder technischen Wissen das wesentliche EDV-Handwerkszeug vermittelt, könnte sicher mehr junge Leute veranlassen in der Datenverarbeitung tätig zu werden und dort gute Arbeit zu leisten.

Es muß ja in der Regel nicht gleich ein Diplom-lnformatiker sein, der die normalen Wald- und Wiesen-Probleme dem Computer verständlich macht und die Abläufe bei der Ausführung überwacht.

Klaus Ewald

Durch einen gezielten Personalplan im DV-Bereich, Rekrutierung von Mitarbeitern aus anderen Abteilungen und entsprechende Schulung, sowie durch Benutzer-Dialog-orientierten Software-Einsatz.

Siegfried Rhein

Mit dieser Frage wird unser derzeitiges Hauptproblem angesprochen. Wir stehen, wie sicher viele andere Anwender auch, vor einem immer noch wachsenden Entwicklungsstau. Dennoch ist es nicht sinnvoll, gleich an einen Ausbau der Mannschaft zu denken. Temporäre Engpässe beseitigen wir durch Vergabe befristeter Aufträge an Externe. Im übrigen bemühen wir uns zunächst um die Erhöhung unserer Produktivität. Dazu haben wir im abgelaufenen Jahr erheblich in Ausbildung investiert: nur wenige der teueren Kurse beim Hersteller, zusätzlich breiter Einsatz von Video-Seminaren im Hause.

In 1981 werden wir uns intensiv mit Software-Tools befassen, die uns hoffentlich auch weiterbringen.

Norbert Ruppenthal

Die Erfolge verbesserter Ausbildung können sich nur langfristig zeigen. Hier bedarf es aber einiger Aktivitäten der Kultusminister, der Bundesregierung wie auch der Verbände endlich - nach vielen Jahren der Versuche und Anläufe - zu einem einheitlichen bundesdeutschen Berufsbild innerhalb der EDV-Branche zu kommen.

Vielleicht schafft man damit einen attraktiven Einstieg für viele junge Leute. Grundlagen der EDV müßten schon in den Grundschulen auf dem Lehrplan stehen, die Oberschulen sollten dieses Thema vertiefen. Die Fachschulen oder Fachhochschulen sollten ihre Lehrpläne ändern, damit den späteren Führungskräften mehr praxisnaher Stoff und mehr Realität vermittelt wird. Wir können auf die Dauer die Grundausbildung nicht den Herstellern überlassen oder gar den wenigen privaten Einrichtungen, die auch heute gut an diesem Thema verdienen und wegen der dort nicht in Hülle und Fülle vorhandenen Studienplätzen manchen Bewerber abweisen müssen.

Wir brauchen praxisaktive Anfänger, die auch noch in den Anfangsjahren ihrer Tätigkeit Fort- und Weiterbildung durch den Hersteller brauchen, aber bei ihrem Einstieg ein gutes Basiswissen haben sollten!

Dr. Bodo Zimmermann

Der Personalengpaß in der Datenverarbeitung wird wohl in absehbarer Zeit nicht beseitigt werden können. Zwar werden Software-Werkzeuge und Standard-Software zu einer effektiveren Systementwicklung ihren Teil beitragen, es ist jedoch anzunehmen, daß die Wünsche der Anwender weiterhin steigen. Die Hardware wird zunehmend weniger zur Beschränkung. Sie eröffnet vielmehr neue Anwendungsgebiete, und man muß allmählich aufpassen, daß man nicht zuviel Programme und nicht zuviel Daten hat. Es gilt, den Überblick zu wahren und integrative Konzepte unter Verwendung überschaubarer Funktionsmoduln zu entwickeln und einzuführen. Damit ergibt sich lediglich eine Änderung der Anforderungsprofile: Programmieren wird zum Handwerkszeug, Systemanalyse, Synthese und organisatorische Integration zum eigentlichen Geschäft. Unter diesem Gesichtspunkt hat auch die Ausbildung zu erfolgen.

Auch die Verwendung von Standard-Software läßt Besserung auf dem Gebiet des Personalengpasses nicht erwarten. Man benötigt Einführungsexperten. Nicht nur bei der erstmaligen Einführung, sondern auch bei der Einführung von verbesserten Releases derselben Standard-Software.

"Ist der Computer ein Jobkiller?"

Dietrich Brömmert

Der Computer ist genauso viel oder genauso wenig ein Jobkiller wie es andere Innovationen vor der Elektronik waren.

Den Hufschmieden hat die Entwicklung des Automobils sicherlich auch nicht gefallen, dafür gibt es heute eine Vielzahl von Autoschlossern und sonstigen Dienstleistern rund um das Automobil.

Ich bin sicher, daß sich die Weiterentwicklung der Elektronik insgesamt genauso segensreich auswirken wird wie andere Innovationen vorher, zumal dies die einzige Glanztat unserer Generation zu werden scheint.

Klaus Ewald

Die Frage ist trotz häufiger Gegenbeteuerungen mit einem absoluten Ja zu beantworten.

Siegfried Rhein

Nein, der Computer ist kein Jobkiller, sicher nicht. Wohl aber wird er zu - im Einzelfall sehr schmerzhaften - Umstrukturierungsprozessen führen, da nicht jeder einzelne in der Lage sein wird, die von ihm verlangte Umschulung erfolgreich zu bestehen. Problematisch an dieser Entwicklung ist ihr Tempo, viel rasanter als etwa vor 150 Jahren das Aufkommen der Dampfkraft; ein annähernd tiefgreifender Vorgang.

Problematisch an diesem Prozeß ist vor allem, daß die Gesellschaft noch keine positive Einstellung zu den neuen Technologien gewonnen hat. In den Schulen sind sie noch weitgehend ausgeklammert, in den Medien herrschen noch skurrile Glossen über den Computer vor. In dieser Atmosphäre ist ein Gefühl von Unsicherheit, ja Angst, verständlich. Das muß sich sehr schnell ändern, eine sachliche Auseinandersetzung ist dringend notwendig.

Norbert Ruppenthal

Nein, ich glaube, wenn man dieses Hilfsmittel dort einsetzt, wo es den Menschen entlastet und ihn von Routinearbeiten freimacht für wesentliche, kreative und mitentscheidende Tätigkeiten, dann trifft das Jobkiller-Argument erstens nicht zu und zweitens hat die Computerindustrie viele neue Jobs geschaffen, die für manchen sicherlich ein Umlernen bedeutet haben. Aber daran müssen wir uns wohl gewöhnen. 40 Berufsjahre immer dasselbe zu tun, wird nicht mehr gehen. Alle EDVler lernen ja auch ständig weiter. Ich finde, daß Innovationsbremser, Antikreative oder Inaktive mehr "Jobkillendes" haben als der Computer!

Dr. Bodo Zimmermann

Für spezielle Arbeitsplätze (Datenerfassung, Schreibarbeiten, repetitive Verwaltungsarbeiten) wird die DV-Durchdringung einen sinkenden Bedarf erzeugen. Es wird sich dadurch eine Umschichtung ergeben. Da jedoch aufgrund des Software-Engpasses die schönen, vollautomatischen Systeme nicht von heute auf morgen installiert werden (von Ausnahmen in Einzelfällen abgesehen), sind wohl keine dramatischen Zustände zu erwarten. Ich nehme an, daß sich Netto-Arbeitsplatzverluste durch Computeranwendungen, Hard- und Software-Herstellung - falls sie tatsächlich in dem zuweilen verkündeten Ausmaß eintreffen - durch Berufsumschichtungen in gleicher Weise lösen lassen, wie Arbeitsplatzverluste durch andere, "klassische" Gründe.

Im Endeffekt wird es in jedem Falle eine Produktivitätssteigerung geben, deren Gewinn aufgrund der Flexibilität unserer Wirtschaftsordnung allen zufließen kann Durch die Übernahme von repetitiven Arbeiten auf die EDV, dürfte sich auch eine Humanisierung am Arbeitsplatz ergeben.

"Würden Sie ihren besten Freund raten, 1981 den Berufsweg des DV-Spezialisten einzuschlagen?"

Dietrich Brömmert

Da die bereits mehrfach angekündigten Supersysteme, die jeden Endbenutzer in die Lage versetzen sollen, seine Probleme selbst zu lösen, noch etwas auf sich warten lassen werden (und wenn es dann soweit ist, um das entstandene Chaos wieder abzubauen) würde ich auch meinem besten Freund raten, einen Datenverarbeitungsberuf zu ergreifen. Allerdings sollte er darauf gefaßt sein, daß Bewegungen in den Tätigkeitsmerkmalen der DV-Berufe eine größere Flexibilität als in anderen Berufen erfordern könnte.

Klaus Ewald

Wenn er hart im Nehmen ist, ja.

Siegfried Rhein

Unbedingt würde ich zu einem DV-Beruf raten, sofern die unerläßliche Voraussetzung klaren logischen Denkvermögens auch nur einigermaßen erfüllt ist. Dabei kann der Einstieg von verschiedenen Seiten aus erfolgen- es gibt kaum noch eine Disziplin, die nicht mehr vom Computer beeinflußt. ist.

Alle Prognosen offenbaren einen eklatanten Fehlbestand an Fachkräften in allen Sparten unseres Berufszweigs, mit steigender Tendenz in der nächsten Zukunft. Es wäre kurzsichtig, diese Chance zu übersehen.

Norbert Ruppenthal

Ja, aber nur, wenn er die Voraussetzungen dazu mitbringt, das heißt, vorerst eine praxisnahe Berufsausbildung, dann eventuell Studium, Einblick in mehrere Betriebe und dann erst Spezialisierung oder als "meister generale" seinen Weg machen.

Dr. Bodo Zimmermann

Datenverarbeitung ist ein schweres Geschäft geworden. Ein EDV-Spezialist ist heute einer nicht geringen Belastung ausgesetzt, da zunehmend mehr komplexe Dialogsysteme eingesetzt werden, von denen der Anwender sowohl hard- als auch softwaremäßig ständige Verfügbarkeit erwartet.

Nur durch Aufstellung und Einhaltung formalistischer Ablaufregelungen bei Programmänderungen, Systemänderungen oder Hardware-Ausfall läßt sich diese Forderung befriedigen, da im Falle auftretender Fehlfunktionen nach vorüberlegten Regeln sofort reagiert werden muß. Die Arbeit erhält also eine stark formalistische Komponente, die sich nicht immer mit der erwarteten kreativen Komponente in einer einzigen Person vereinigen läßt. Hierüber muß sich ein EDV-Aspirant im klaren sein und seinen allein die kreative Komponente beinhaltenden Erwartungshorizont korrigieren.

Der DV-Spezialist hat einen Job, in dem er hart arbeiten muß, um sein Geld zu verdienen. Weiterbildung in seinem Fach muß er auch in eigener Initiative betreiben. Einen Arbeitsplatz wird er wohl auch in Zukunft noch haben. Einem Freund würde ich nicht abraten, den Berufsweg des DV-Spezialisten einzuschlagen. Empfehlen würde ich ihm in jedem Fall - falls seine Interessen nicht völlig andersartig sind - Informatik als Nebenfach zu nehmen.