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01.05.1992 - 

Die Märkte für Hardware, Software und Services

In der EG wächst das Geschäft mit Software am dynamischsten

MÜNCHEN (ciw) - Wer in der europäischen Software- und DV-Dienstleistungsbranche bestehen will, muß eine Strategie der Internationalisierung verfolgen und - noch besser - eigene Softwareprodukte anbieten. Unternehmen, die nur auf ihren Heimmärkten agieren, werden angesichts der Notwendigkeit, in ganz Europa präsent zu sein, an Bedeutung verlieren.

Diese Prognose des französischen Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Pierre Audoin Conseil (PAC), das seine diesjährige Liste der Top-Twenty Software- und Serviceanbieter in Europa vorstellte, ist zwar nicht neu - aber angesichts des zunehmenden Gewichts amerikanischer Player auf dem EG-Markt aktueller denn je.

Von den US-Unternehmen konnten sich vor allem EDS, Computer Associates, Oracle und AT&T Istel verbessern.

Insgesamt befinden sich sechs Amerikaner unter den 20 umsatzstärksten in Europa agierenden Unternehmen (siehe Tabellen auf Seite 2). Die Franzosen sind ebenfalls mit sechs Unternehmen in den Top-Twenty vertreten.

"Für die meisten jedoch war 1991 ein Jahr mit eher mäßigem Wachstum", meinte Jean-Francois Perret, Managing Director der PAC. Er verwies insbesondere auf Cap Gemini, Sema-Group (zu 25 Prozent in französischer Hand), Sligos, GSI und Axime. Allerdings hält Perret es für "bemerkenswert", daß sich mit der FTLIS (France Telecom) und der Thomson BSI zwei französische Firmen durchsetzen konnten, indem sie eigene Servicezweige gründeten, die auf DV-Dienstleistungen spezialisiert sind.

Deutsche Unternehmen haben ihre Marktposition ebenfalls verbessern können. Hier nannte der Chef-Berater die Aufnahme des Debis-Systemhauses in die Rangliste und das starke Wachstum der SAP AG. Der insgesamt gesunde Zustand des deutschen DV-Dienstleistungsmarktes und die Marktstellung der eng mit Cap Gemini verbundenen Debis werde "auch in Zukunft dazu beitragen, die Präsenz deutscher Firmen auf dem europäischen Markt zu verstärken".

Demgegenüber ist der Anteil britischer Firmen stark zurückgegangen. Aufgrund der Übernahme von Hoskyns durch CGS und von SD/Scicon durch EDS befinde sich nur noch der Customer Service der British Telecom und Granada unter den Top-Twenty. Wegen ihrer wenig ausgeprägten Internationalisierung stehen die Chancen für die italiensche Finsiel und die niederländische Volmac nicht besonders gut. Perret zufolge "verschwinden" diese Firmen in den nächsten Jahren aus den Top-Twenty.

Das Jahr 1992 werde wiederum von starken "strukturellen Entwicklungen in der europäischen Software- und DV-Dienstleistungsindustrie geprägt sein", verallgemeinerte der PAC-Chef. Es zeichne sich ab, daß Cap Gemini Sogeti eine Art Führungsposition übernehmen werde. Dafür sprächen auch die Übernahmeangebote an Programmator (Schweden) und Volmac.

Deutsche Unternehmen geben am wenigsten für FM aus

AT&T Istel sei bereits - nicht zuletzt durch das Übernahmeangebot an die französische Dataid - stärker geworden. Weitere Fusions- beziehungweise Restrukturierungsprojekte sind laut Perret in Frankreich, Italien, Deutschland und Schweden in Vorbereitung. Insgesamt wachse der europäische Standardsoftwaremarkt dynamischer als der für Dienstleistungen. Die PAC prognostiziert Standardsoftwareprodukten bis 1995 ein Wachstum von 15 bis 20 Prozent, dem Service lediglich ein Plus von zwölf Prozent.

Das Bild in den einzelnen Software- und Dienstleistungsmärkten wie Facilities Management beziehungsweise Outsourcing und CASE spiegelt die generelle Tendenz wider. Im Bereich Facilities Management (FM), das nach der PAC-Definition bei der Unterstützung des Rechenzentrumsbetriebs beginnt und bei der Auslagerung der gesamten DV inklusive der Software-Entwicklung endet, stehen in Europa Großbritannien sowie Schweden an der Spitze. Dort ansässige Firmen geben über zwei Prozent ihres gesamten DV-Budgets für FM aus. Dieser Wert wird nur von amerikanischen Anwendern übertroffen, die über drei Prozent ihrer IT-Aufwendungen in FM investieren. Unternehmen in Frankreich, den Niederlanden, Italien und Belgien wenden immerhin noch ein bis zwei Prozent ihres Budgets dafür auf. Als Schlußlicht fungieren Unternehmen in Spanien und Deutschland, die für weniger als ein Prozent ihrer Ausgaben FM einkaufen.

Die DV-Auslagerung wurde von den meisten (65 Prozent) der eigens befragten 150 europäischen Großanwender mit "der Konzentration auf das Kerngeschäft" begründet. 62 Prozent gaben Kostensenkungen als wichtigsten Grund für ihre FM-Anstrengungen an. Weitere Ursachen waren der Wunsch nach verbesserter Effektivität der DV (40 Prozent), die Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu bekommen (36 Prozent) und Umstrukturierungsmaßnahmen (13 Prozent). Technische Änderungen gaben immerhin noch acht Prozent der Befragten als Grund an.

Bei den FM-Leistungen geht der Trend offenbar in Richtung "globale Leistungen". Im vergangenen Jahr stellte dieses Segment zwar nur ein Volumen von 2,7 Milliarden ECU, es soll aber laut PAC mit 20 Prozent pro Jahr bis 1995 am stärksten wachsen. 12,5 Milliarden ECU gaben die Europäer 1991 für Systemintegration und Komplettlösungen aus. Das Wachstum für diesen Bereich beziffern die französischen Marktforscher mit einer jährlichen Zuwachsrate von 14 Prozent. Die Basis im FM-Geschäft stellen Standardsoftware, Beratung, technischer Beistand, Entwicklung, Schulung und Datenverarbeitung mit 35,5 Milliarden ECU. Allerdings falle hier der Zuwachs mit 13 Prozent per anno in den nächsten vier Jahren am niedrigsten aus.

Große Dynamik wird der Markt für CASE in den nächsten Jahren aufweisen. Die französischen Auguren attestieren diesem Segment ein Wachstum von heute 400 Millionen auf 1,05 Milliarden ECU in 1995. Das jährliche Plus betrage 27 Prozent. Der kommerzielle Bereich werde allerdings zur Zeit noch von der "großen Unsicherheit um IBMs AD/Cycle-Konzept gebremst".

Die weltweit größten CASE-Anbieter sind PAC-Angaben zufolge Texas Instruments, Software AG, Ernst & Young, Cadre, Symbolics, Softlab, Andersen Consulting, CGI Informatique, Syseca und Sage Software. An dieser Angebotsstruktur dürfte sich nach dem Dafürhalten der Auguren in den nächsten Jahren wenig ändern.

Die verstärkte Nachfrage werden auch 1995 hauptsächlich Unternehmen aus den USA (37 Prozent), Großbritannien (22 Prozent), Frankreich (20,5 Prozent) und Deutschland (zehn Prozent) befriedigen. Allerdings verlieren französische und deutsche Unternehmen geringfügig.

Der HW-Markt bleibt hinter Software & Services zurück

Der europäische Hardwaremarkt entwickelt sich dagegen sehr viel langsamer als der für Software und Dienstleistungen. Der Umsatz mit Mainframes wird demnach in den nächsten Jahren stagnieren. Das Wachstum von insgesamt 4,6 Prozent in den vier wichtigsten europäischen Märkten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien) resultiert laut PAC vornehmlich aus der Zunahme bei Workstations und PCs. Dabei sei Deutschland mit einem Hardwareplus von sieben Prozent der dynamischste Markt. Hier wurde bereits 1991 mit 14,13 Milliarden ECU am meisten Hardware abgesetzt, gefolgt von Großbritannien,

Frankreich und Italien.

Relativ starkes Wachstum wird dem Unix-Segment attestiert. Insgesamt wurden 1991 Unix-Maschinen im Wert von fünf Milliarden ECU in den vier größten Einzelmärkten ausgeliefert. Bis 1995 soll dieses Volumen um 15 Prozent wachsen. Die größten Lieferanten in diesen Bereich sind Sun und HP mit 14 Prozent, gefolgt von Olivetti mit neun, IBM mit sieben, SNI mit sechs, Digital Equipment mit vier, Bull mit drei und Unisys mit zwei Prozent der Lieferungen. Gemessen am Wert, brachten es Unix-Maschinen in den vier genannten Ländern auf einen Anteil von zwölf Prozent am Gesamt-Hardwaremarkt.

Bis 1995 soll dieser Wert, so die Prognose, auf 18 Prozent gestiegen sein.