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"In der Faehigkeit zur Umsetzung liegt die Ueberlebensfrage"

27.05.1994

CW: Noch vor zwei Jahren war Borland eine absolute "In"-Firma. Heute machen Sie nur noch negative Schlagzeilen. Was ist passiert?

Maib: Wir haben an Glaubwuerdigkeit verloren. Wir wissen, dass wir unsere Leistungen wieder verbessern muessen. Mit der Auslieferung von Dbase fuer Windows im Fruehsommer machen wir den ersten Schritt.

CW: Borland hat auch fuer das naechste Quartal Verluste angekuendigt.

Gardner: Ja, das stimmt. Aber wir glauben, dass unsere Produkt- und Technologiestaerke nach wie vor gross ist. Nehmen Sie C++, da haben wir einen weltweiten Marktanteil von 62 Prozent.

CW: Aber der meiste Umsatz - um die 60 Prozent - kommt aus dem Datenbankgeschaeft.

Gardner: Mit Sprachen machen wir rund 100 Millionen und mit Datenbanken rund 225 Millionen Dollar pro Jahr. Daher ist jetzt natuerlich die Auslieferung von Dbase fuer Windows besonders wichtig fuer uns. Es gibt immer noch fuenf bis sieben Millionen Dbase- Anwender weltweit. Dbase fuer DOS ist immer noch ein 120-Millionen- Dollar-Geschaeft pro Jahr.

CW: Noch im vergangenen Jahr, so eine Befragung, kauften 45 Prozent der amerikanischen Fortune-1000-Unternehmen Borlands Datenbank-Produkte, in diesem Jahr wollen das nur 34 Prozent und 1995 nur noch 29 Prozent tun.

Gardner: Was zaehlt ist, wie viele Pakete Sie absetzen und was Sie dafuer bekommen. Nach Angaben der Software Publishing Association haben wir im PC-Datenbankbereich zur Zeit einen Marktanteil von 54 Prozent. Wenn Dbase fuer Windows ausgeliefert wird, glauben wir den Anteil auf 70 Prozent vergroessern zu koennen.

CW: Warum hat Borland Quattro-Pro verkauft?

Maib: Fuer uns gilt: Versuche nicht dort zu konkurrieren, wo du nicht gewinnen kannst. Deshalb haben wir an den Player verkauft, der moeglicherweise genuegend Ressourcen hat, um im Suite-Geschaeft mit Microsoft zu konkurrieren: Novell.

Gardner: Wir konzentrieren uns auf Technologie-intensive Produkte, auf Sprachen und Datenbanken. Ausserdem wollen wir mit Client- Server-Tools ein neues Geschaeftsfeld aufbauen. Noch in diesem Jahr kuendigen wir ein Client-Server-Entwicklungspaket fuer 1995 an - zur Zeit arbeiten wir daran unter dem Codenamen "Delphi".

CW: Als Borland Ashton-Tate kaufte, hatte man hochfliegende Plaene mit Interbase. Was ist daraus geworden?

Gardner: Interbase kommt im Herbst - auf jeden Fall gleichzeitig mit Chicago - in der Version 4.0 auf den Markt. Es wird spaeter Teil von Delphi, das daneben noch ein Visual-Programming-Tool und das Entwicklungswerkzeug von Report Smith enthalten wird. Interbase zielt auf Workgroups fuer unter 20 Anwender - aehnlich wie der Workgroup-Server von Oracle. Es wird unter Chicago, NT, OS/2 und als Netware loadable Modul laufen.

Ausserdem entwickeln wir eine Reihe von Client-Server-Decision- Support-Tools fuer Power-User. Die sollen 1995 auf den Markt kommen.

CW: Weshalb haben Sie die Veroeffentlichung ihres Ergebnisses zum dritten Mal verschoben? Es gibt Geruechte, dass Sie einen Kontokorrent-Kredit nicht mehr bedienen koennen. Es wird sogar von technischer Zahlungsunfaehigkeit geredet.

Maib: Der Verkauf von Quattro-Pro bringt sehr viele buchhalterische Probleme mit sich, das dauert einfach. Aber ich habe heute bedeutend mehr liquide Mittel zur Verfuegung als der Kredit ausmacht.

CW: Sie haben also kein Finanzproblem?

Maib: Im Markt hat sich der Eindruck breitgemacht, wir befaenden uns in einer Krise. Das ist nicht richtig. Richtig ist, dass wir an Glaubwuerdigkeit verloren haben, aber wir werden diese wieder aufbauen.

CW: Aber nur dann, wenn die versprochenen Produkte endlich kommen und die heutigen Dbase-Anwender sich tatsaechlich auf Dbase fuer Windows stuerzen.

Maib: Wir verlassen uns nicht nur auf Dbase. Die Client-Server- Produkte sind mindestens genauso wichtig. Alle Berater, die wir konsultiert haben, bestaetigen die Richtigkeit unserer Strategie. In der Faehigkeit zur Umsetzung liegt die Ueberlebensfrage fuer Borland.

Keith Maib ist Chief Operating Officer und Kenneth Gardner Vice- President Products bei Borland. Das Gespraech fuehrte CW-Redakteur Christoph Witte.