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06.01.1989

In der Personalnot bekommen sogar DV-Umschüler eine Chance

Von "Bin mit dem Kurs sehr zufrieden" bis "Fühle mich übers Ohr gehauen" lauten die Kommentare der Kursabsolventen, wenn es um die Beurteilung von DV-Bildungsträgern geht. Angeprangert wird vor allem die mangelnde Qualität der Dozenten vieler Ausbildungsinstitutionen sowie deren laxe Einstellung zum Unterricht. Immerhin geben DV-Trainer unter der Hand zu: "Es muß auch Seminare geben, an denen das Institut verdient und der Teilnehmer wenig gefordert wird." Fest steht indes, daß die Berater des Arbeitsamtes kaum in der Lage sind, bei den DV-Schulen die Spreu vom Weizen zu trennen. Sie zeichnen sich nach Meinung der DV-Umschüler vor allem durch Inkompetenz aus. (Siehe auch auf Seite 33 dieser Ausgabe "Dozenten würgen Kritik an DV-Schulen mit Jobversprechen ab".) Um die Autoren der Thema-der-Woche-Beiträge vor eventuellen Repressalien seitens der Bildungsträger zu schützen - Hinweise darauf gibt es bereits-, hat die CW-Redaktion die Namen geändert.

Emil Müller* Freudenstadt

Meine DV-Ausbildung fand am Control Data Institut, Stuttgart, statt. Kursziel war der EDV-Fachmann Wirtschaft. Bei der Stellensuche war ich sehr schnell erfolgreich, etwa zwei Wochen nach meinem ersten Bewerbungsschreiben konnte ich bereits nebenher arbeiten. Der Betrieb will mich nach Ende der Ausbildung übernehmen. Mit ein Grund für diesen schnellen Erfolg waren meine sehr guten Noten am CDI (94 Prozent) sowie meine vorangegangene Ausbildung (Abitur, Soziologie-Studium). Andere Unternehmen, bei denen ich mich beworben hatte, reagierten ebenfalls innerhalb kurzer Zeit auf meine Anfrage.

Das am CDI erworbene Wissen kann allerdings nur als Grundlage dienen. In den Betrieben wird man mit einer anderen Programmiersprache, unterschiedlichen Editoren und Hardware konfrontiert. Deshalb sind Lernbereitschaft und Umsetzungsfähigkeit entscheidend. Die inhaltlichen Vorgaben am CDI sind meines Erachtens - dem zeitlichen Rahmen entsprechend - nicht schlecht gewählt. Allerdings werden von den Vorgaben jeweils nur 50 bis 80 Prozent verwirklicht. Hätte ich den Kurs selber bezahlen müssen, wäre ich mir sehr wohl des öfteren verschaukelt vorgekommen und hätte wegen "Schlechter Leistungserfüllung" nicht den gesamten Betrag bezahlt.

Meine Erfahrung zeigt aber auch, daß Qualitätsmängel mit an den "Schülern" liegen. In der Zeit hoher Akademiker-Arbeitslosigkeit kommen viele Absolventen mehr aus Verzweiflung denn aus Interesse oder gar Eignung zur DV. Solche Teilnehmer sind schnell an der Grenze zur Überforderung. Das Arbeitstempo wird im wesentlichen diesen Umschülern angepaßt, wodurch andere Teilnehmer wiederum unterfordert sind. Offenbar ist das CDI nicht im geringsten an der notwendigen Auslese interessiert. Das Bildungsinstitut schleppt vielmehr jeden zahlenden Absolventen auch unter Umgehung der selbstgestellten Mindestanforderungen weiter mit.

Während die reine Anwendungsprogrammierung marktgängiger Software verhältnismäßig gut unterrichtet wird, fehlt offenbar selbst einem großen Institut wie dem CDI das Know-how, abstraktere Software-Konstruktionsprinzipien und methodisches Vorgehen zu vermitteln. Die diesbezüglichen Kurse haben mich enttäuscht. Dabei halte ich genau dieses jederzeit umsetzbare Basiswissen besonders in reinen Akademikerklassen für sehr wichtig. Von Hochschulabsolventen - egal welcher Fachrichtung - wird man wohl eine andere Herangehensweise an die Softwareerstellung erwarten als das einfache Trial-and-error-Prinzip.

In einem Artikel lobte CDI-Geschäftsführer Wolfgang Pflanz die gut nachkontrollierbaren Vorgaben des Instituts. Nachzuprüfen wäre nach meiner Meinung aber auch die Verwirklichung der Kursvorgaben und Lehrziele. Diese Kontrolle würde schon bedeutend schlechter aussehen. Aber in den CDI-Klassen herrscht oft eine "gute Schülermentalität": Wer mit dem Gedanken spielt, über Beschwerden beim Arbeitsamt besseren Unterricht einzufordern, gilt als verachtenswerter Petzer, der die anderen in ihrer Faulheit stört und ihnen nur mehr Arbeit einbrockt.

Sicher geht es heute vielen so wie mir, daß sie bereits im Studium "ein bißchen DV" gemacht haben. Für die Berufstätigkeit reicht das Know-how indes nicht. Deshalb hätte ich mir eine DV-Fortbildung gewünscht, die nicht bei Null anfängt. Eine Differenzierung des Angebots wäre sicherlich sinnvoll. Ich jedenfall habe keinen Lehrgang, der DV-Vorkenntnisse erfordert, gefunden. Fazit: Irgendwann müssen massive Qualitätsverbesserungen bei der DV-Ausbildung -kommen, damit auch in Zukunft Absolventen noch gute Stellenchancen haben werden.

Alfons Huber* Braunschweig

Ich habe an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Geologie/Paläontologie studiert und mit einem guten Diplom abgeschlossen. Da ich keine Stelle als Geologe finden konnte und auch die Zukunft in dieser Branche schlecht aussieht, habe ich mich vom Arbeitsamt über Umschulungsmaßnahmen beraten lassen.

Ich bekam vom zuständigen Sachbearbeiter mehrere Adressen von Umschulungsinstituten im DV-Bereich. Das bekannteste ist wohl das Control Data Institut, bei dem ich mich zuerst vorstellte, um mir eine Meinung zu bilden.

Aufgrund eigener Beobachtungen und Gesprächen mit Kursteilnehmern kann ich sagen, daß es sich bei diesem Institut um eine Ausbildungsinstitution handelt, die sich "den Vorwurf der Geldschneiderei gefallen lassen" muß. Das Angebot ist zwar sehr groß, doch leidet meiner Meinung nach die Qualität der Ausbildung unter der Größe des Institutes. Als nächstes empfahl mir das Arbeitsamt ISP Data in München. Dort wurde mit mir ein Einführungsgespräch geführt und mir die Vorstellungen von einer soliden und marktorientierten DV-Ausbildung dargelegt.

Ich entschloß mich, die Umschulungsmaßnahmen bei diesem Institut durchzufahren Zuerst war ich etwas skeptisch, da alles sehr vielversprechend klang und ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen konnte, daß die Versprechungen eintreffen könnten. Ich war von der langen Arbeitssuche als Geologe schon sehr ernüchtert.

Heute jedoch - 17 Monate später - kann ich bezeugen, daß alle Versprechen eingelöst wurden.

Ich habe in einem zehnmonatigen Intensivkurs unter anderem die Grundbegriffe der Programmierung in zwei Programmiersprachen, die zwei wichtigsten Datenbanksysteme sowie das Management der Software-Entwicklung kennengelernt.

Mit meinem jetzigen Arbeitgeber - dem Geschäftsführer von Cap Gemini Ibat in Braunschweig - konnte ich zwei Wochen vor Ende der Umschulung, dank der Vermittlung durch das Arbeitsamt, ein erfolgreiches Gespräch führen.

In meiner jetzigen Tätigkeit kann ich das im Kurs erlernte Wissen voll anwenden. Aus meiner Sicht gibt es keine Verbesserungsvorschläge.

Bernhard Kaiser Kitzingen

Ich habe bei einem namhaften Bildungsträger eine Ausbildung zum DV-Kaufmann absolviert. An dieser Umschulung sind allerdings einige Punkte zu bemängeln: Die theoretische Ausbildung dauerte nur zwölf Monate. Sie war zwar sehr intensiv, jedoch meines Erachtens viel zu kurz. Der Lehrgang setzte sich aus zweiwöchigen Bausteinen zusammen, in denen jeweils ein anderes Gebiet unterrichtet wurde. Es ist einfach nicht möglich, den Teilnehmern ein so großes Wissensgebiet in derart kurzer Zeit zu vermitteln.

Als Beispiel hierfür möchte ich den zweiwöchigen Lehrgang Rechnungswesen anführen. in meiner Klasse waren Kurs-Absolventen, die von diesem Fach noch nie etwas gehört hatten. So ist es nicht verwunderlich, daß diese Umschüler auch nach zwei Wochen nur mit großer Mühe in der Lage waren, eine Abschlußbilanz aufzustellen. Dabei ist gerade dieses Wissen für das Berufsleben wichtig, beziehungsweise für die sich anschließende IHK-Prüfung.

Negativ aufgefallen ist auch die teilweise Inkompetenz einiger Dozenten. Die DV-Trainer gaben sogar mehr oder minder unter der Hand zu: "Es muß auch Lehrgänge geben, an denen das Institut verdient und der Teilnehmer wenig gefordert wird." Auf dem Gebiet der DV wurden sehr gute Lehrgänge abgehalten, die jedoch wiederum viel zu kurz waren und nicht alle Themen abdecken konnten. Teilweise wurde Literatur zu den einzelnen Unterrichtseinheiten verteilt, die für die Teilnehmer sinnlos war

und sogar von den Dozenten abgelehnt wurde. Entsprechende Beschwerden von seiten der Absolventen wurden mehr oder minder abgeschmettert.

Die Kosten dieser Ausbildung und der tatsächliche Erfolg stehen nach meiner Meinung in keinem Verhältnis. Preissteigerungen werden jährlich vorgenommen. 1500 Mark für einen Lehrgang sind keine Seltenheit mehr. Das Unternehmen, in dem ich mein zwei- bis dreimonatiges Betriebspraktikum absolvierte, mußte ich mir selbst suchen. Auch wenn es sehr schwer war, einen Praktikumsplatz zu finden - viele Vorgesetzte wollen sich nicht zusätzlich mit einem Praktikanten belasten -, mein erworbenes Wissen konnte ich gut einsetzen.

Sind die DV-Umschüler auf die Vermittlung durch das Arbeitsamt angewiesen, werden sie in vielen Fällen schnell jeglichen Mut verlieren. Das Arbeitsamt zeichnet sich meines Erachtens in bezug auf DV-Umschulung beziehungsweise bei der Arbeitsplatzvermittlung nach der Ausbildung wirklich nur durch Inkompetenz aus. Der gesamte Bereich der Ausbildung müßte wesentlich besser mit den Anforderungen der Wirtschaft abgestimmt werden. Nur so ist es möglich, daß im Anschluß an die DV-Umschulung die Absolventen auch wirklich einen Arbeitsplatz finden. Vertreter aus Wirtschaft, Industrie, Umschulungsstätten und Arbeitsamt sollten sich zusammensetzen und eine gemeinsame Strategie entwickeln. Nur durch das Zusammenwirken aller Beteiligten kann ein Ausweg aus dieser Bildungsmisere gefunden werden.

Uwe Elert* Stuttgart

Nach dem Abitur und dem Bundeswehrdienst fand ich keine Ausbildungsstelle, so daß ich auf das Angebot des Arbeitsamtes zurückgriff, eine DV-Ausbildung zu machen. Dieser zehnmonatige Lehrgang bei der DPS-Computerschule Braunschweig auf dem PC (pro Gerät arbeiteten ein bis zwei Mann) beinhaltete neben einer Einführung in die Datenverarbeitung die Programmierung in Pascal, Basic und dBase. Zusätzlich habe ich auf eigene Kosten einen C-Programmierlehrgang besucht. Der uns ausgehändigte Lehrplan wurde zu hundert Prozent erfüllt. Ausfallstunden gab es nicht, so daß eine Gesamtzeit von 1640 Stunden verblieb.

Während der gesamten Ausbildung haben sich Vertreter des Arbeitsamtes nicht sehen lassen. Ferner habe ich keine Jobangebote erhalten. Die Beratung selbst war sehr oberflächlich, da die Arbeitsvermittler keine Ahnung von der DV hatten. Die in Mikrofilmgeräten angebotenen Stellen waren hoffnungslos veraltet. Lediglich die finanziellen Hilfen für Vorstellungsgespräche gingen reibungslos über die Bühne. Trotzdem habe ich aufgrund dieser Ausbildung eine Stelle erhalten. Allerdings trat dieser Erfolg - erst durch ein Stellengesuch in einer Fachzeitung ein (25 Zuschriften, 17 Bewerbungen, 3 Arbeitsverträge).

Aufgrund des erworbenen Know-hows konnte ich ohne große Probleme im Beruf Tritt fassen. Bereits nach einigen Wochen führte ich eigenständig ein Projekt für einen großen Computerhersteller in dBase durch. Trotz der Prämisse des Kurses, der eigentlich nur die Chancen auf einen Ausbildungsplatz erhöhen sollte, konnte ich rund ein Drittel der Ausbildungsinhalte direkt im Beruf anwenden. Eine Ausbildungsordnung oder Vereinheitlichung der Umschulung würde ich aufgrund der ständig wechselnden Anforderungen in der Praxis nicht befürworten. Ebenso sind die zum Teil abenteuerlichen Wortkreationen der DV-Schulen meines Erachtens Schall und Rauch.

Fazit: Ich habe eine sehr gute und engagierte Ausbildung genossen. Allerdings hätte ich niemals eine Stelle erhalten, wenn ich mich nur auf das Arbeitsamt verlassen hätte.