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12.03.2004 - 

Von der AS/400 zur I-Series und noch viel weiter

In die Jahre gekommen, aber nicht gealtert

MÜNCHEN (ls) - Die I-Series und ihr Vorgänger AS/400 sind eine der erfolgreichsten Server-Familien der IT-Geschichte. Und genau das bereitet ihrem Hersteller IBM Kopfzerbrechen. Die Anwender sind den Systemen so treu, dass sie Neuerungen reserviert gegenüberstehen.

IBM lebt mit einer Midrange-Legende. Alle Welt redet von der 1988 eingeführten AS/400, selbst wenn es um die Nachfolgegeneration I-Series geht. Über 780000 AS/400 beziehungsweise I-Series-Rechner hat IBM weltweit an mehr als 300000 Kunden verkauft. 35 Millionen Menschen erledigen täglich mit Hilfe dieser Systeme ihre Arbeit. Allein in Deutschland sind 12000 bis 15000 Rechner in Betrieb, davon noch etwa 30 Prozent vom Typ AS/400. IBM weiß die Zahlen selbst nicht genau.

Der Erfolg gründet sich auf mehrere Faktoren: Der unbedeutendste dürfte sein, dass einstige Midrange-Konkurrenten wie Nixdorf mit der 8870 und zuletzt Hewlett-Packard mit der Reihe 3000 nicht mehr in diesem Markt vertreten sind. Wichtiger ist, dass IBM starkes Gewicht auf die Kooperation mit lokalen IT-Unternehmen gelegt hat. Ende der 90er Jahre zog sich Big Blue sogar fast ganz aus dem Direktverkauf zurück. Heute hat IBM in Deutschland 275 I-Series-Partner. Diese Firmen haben einen Großteil der rund 7200 weltweit verfügbaren Programme entwickelt. Über diesen Vertriebskanal erwirtschaftet IBM inzwischen mehr als 90 Prozent seiner I-Series-Umsätze.

Ein wichtiges Kennzeichen dieser Server-Reihe ist Kontinuität. Selbst als IBM ab 1995 die Power-Prozessoren einführte und damit auf die Risc-Architektur und 64-Bit-Computing umstieg, bedeutete das keinen Bruch. Denn bei der AS/400 ebenso wie bei der I-Series setzt das Betriebssystem OS/400 - heute in Version 5, Release 2 - nicht unmittelbar auf die Hardware auf. Zwischen beiden liegen zwei Layer, der "System Licensed Internal Code" (Slic) und das "Technology Independent Machine Interface" (Timi). Diese machen es möglich, alte Software im 32-Bit-Modus auf der neuen 64-Bit-Hardware laufen zu lassen.

IBM muss für neue Maschinen nur recht bescheidene Modifikationen der Microcode-Layer vornehmen. Dadurch ist die I-Series-Hardware technisch state-of-the-art, was alle Analysten, Berater und Anwender bestätigen. Und ihre Leistungsfähigkeit reicht mit dem 32-Wege-Topmodell i890 in den Mainframe-Bereich. Dabei ist der Power-4-Prozessor mit 1,3 Gigahertz nicht einmal sehr schnell getaktet. Das Geheimnis sind sehr schnelle Kanäle zwischen den Hardwarekomponenten und I/O-Verbindungen.

Dauerläufer mit modernem Stil

Geradezu legendär ist die Ausfallsicherheit der AS/400 und I-Series. Verschiedene Quellen setzen die Verfügbarkeit mit 99,5 bis 99,98 Prozent an. Die Antwortzeiten einer I-Series werden nach einer Untersuchung der Sageza Group selbst dann nicht beeinträchtigt, wenn die Auslastung der CPU durchschnittlich 74 und in der Spitze 95 Prozent beträgt. Das hat einen kuriosen Effekt für Anbieter von Hochverfügbarkeitslösungen wie die Becom Informationssysteme GmbH aus Schwerte. Deren Prokurist und Chefverkäufer, Uwe Rusch, berichtet: "Ich habe Kunden, die sagen: Geh mir damit vom Acker! Die Systeme laufen hier seit Jahren, ohne dass was gewesen wäre."

Aus IBMs Mainframe-Welt hat die I-Series die Möglichkeit zur logischen Partitionierung (LPAR) geerbt. Auf einer CPU lassen sich bis zu zehn oder in einem System maximal 32 Partitionen einrichten, die gemeinsam Zugriff auf Komponenten wie den Hauptspeicher oder den externen Storage haben. Nach IBM-Angaben sind auf 55 Prozent des I-Series-Modells "825" Partitionen installiert, beim Modell "840" sind es 45 und beim Modell "890" sogar 69 Prozent.

Auf den Partitionen können OS/400 (immer in der primären LPAR), Linux oder AIX betrieben werden. Bisher läuft IBMs Unix-Derivat dabei in der Runtime-Umgebung "Pase", noch in diesem Jahres soll die I-Series AIX auch nativ unterstützen. Außerdem bietet die I-Series zwei Möglichkeiten, Windows zu fahren. Es läuft dabei entweder auf internen PCI-Karten ("Integrated X-Series Server") mit eigenem Prozessor, RAM und I/O-Verbindungen oder extern auf X-Series-Rechnern, die mit einer Adapterkarte ausgestattet sind. In der ersten Variante werden alle, in der zweiten Variante die meisten Verwaltungsfunktionen auf der I-Series ausgeführt.

Mit der Möglichkeit, Linux, AIX und Windows auf der I-Series zu betreiben, versucht sich IBM aus dem Dilemma zu befreien, dass OS/400 für unabhängige Softwarehäuser kein attraktives, zukunftsträchtiges Betriebssystem ist. Big Blue verkauft die Integration von vier Betriebssystemen allerdings als Mittel zur Server-Konsolidierung. Sie ist das zentrale Argument in IBMs Werbung für die I-Series. Aber das kommt noch nicht so gut an, wie Big Blue es gerne hätte.

I-Series-Anwender, die Linux verwenden sind, äußerst rar. Vor zwei Jahren traf ein erster Linux-Workshop der AS/400- und I-Series-Anwendervereinigung Common auf großes Interesse. Doch seither sind alle Versuche gescheitert, einen Linux-Arbeitskreis einzurichten. Gleichwohl ist Becom-Manager Rusch sicher: "Linux auf der I-Series wird für Furore sorgen." Es gebe Pilotprojekte, die von anderen Firmen mit ähnlicher Interessenlage verfolgt und bei Erfolg kopiert würden.

Auch die Anwendung von Windows auf der I-Series ist "noch wenig verbreitet", so die Beobachtung von Jörg Zeig, I-Series-spezialisierter IT-Berater der Firma Zebis aus dem siegerländischen Kreuztal und technischer Leiter der Common. Hier seien die Business-Partner nicht aktiv genug, ihre Beratung sei lückenhaft. "IBM könnte mehr Druck machen." Zeigs direkter Counterpart bei IBM, deren technischer Berater für die I-Series und technischer Ansprechpartner für die Common, Thomas Barlen, mag nur von einem "langsamen Start" reden, inzwischen komme die Windows-Integration gut an. Am besten ist die Konsolidierungs-Message dort angekommen, wo Anwender neben der I-Series auch Unix-Maschinen der P-Series nutzen. Hier ist das Interesse an einer AIX-Konsolidierung nach Beobachtung von Berater Zeig besonders groß. Nicht unproblematisch ist auch IBMs zweites Lieblingsthema, "Capacity on Demand" (CoD). Die Möglichkeit, zusätzliche Prozessoren freizuschalten, gibt es seit Januar 2003 nicht nur als permanente Option, sondern in der Variante "On/Off CoD" auch temporär zur Vermeidung zeitlich begrenzter Überlastung der Systeme. "Das probieren viele", erklärt IBMer Barlen. Das müssten dann wohl größere Anwender sein, wirft Berater Zeig ein. Denn Capacity on Demand funktioniert nur ab dem I-Series-Modell "825" aufwärts. Das Angebot fehlt für das bei kleinen Unternehmen sehr verbreitete Modell "810". Zeig: "Auch für kleinere Kunden wäre Capacity on Demand wünschenswert."

Aus Stärken werden Schwächen

IBM tut sich schwer, in seiner Mittelstandskundschaft neue IT-Themen zu verbreiten. HTML, Java, XML und Websphere sind in der I-Series-Welt kaum etabliert. "Dabei sind die Produkte gut", meint Zeig. "Aber die alten AS/400-Hasen haben eine Hemmschwelle vor neuen Techniken. Sie kennen die Begrifflichkeiten, aber welche Vorteile die Produkte mit sich bringen, haben viele noch nicht verstanden."

Genauso reserviert steht die Anwenderschaft Neuerungen wie Integration der Altanwendungen in Browser, Benutzeroberflächen oder grafikgestützter Systemadministration gegenüber. Berater Zeig bringt es auf den Punkt: "Die größten Stärken der AS/400 und der I-Series sind gleichzeitig ihre größten Schwächen. Warum sollte man neue Anwendungen einsetzen, wenn die alten wunderbar laufen?" Ein großer Teil der I-Series-Anwender arbeitet unverändert mit Programmen aus AS/400-Tagen. Dank Slic- und Timi-Microcode ist eine Softwarelandschaft gewachsen, die sich durch Stabilität auszeichnet. Und gerade beim Mittelstand verbieten die derzeit knappen IT-Etats alles, was über die Aufrechterhaltung des Systembetriebs hinausgeht.

Die Zeit als Kostenfaktor

Wohl angesichts dieser Situation und nach schwerer Kritik der Anwender hat IBM im Januar letzten Jahres die Preise der I-Series-Rechner radikal gesenkt. Trotzdem sind diese Maschinen vergleichweise teuer. Doch einer Studie von IDC vom Juli 2003 zufolge macht sich eine I-Series für 100 Anwender nach 261 Tagen bezahlt. Bei dreijährigem Betrieb ist eine I-Series in kleineren Firmen um 34 Prozent kostengünstiger als ein Intel-basierender Server und um 60 Prozent preiswerter als eine Unix-Maschine. Berechnet über fünf Jahre, beträgt der Preisvorteil schon 95 beziehungsweise 91 Prozent. Für große Unternehmen gelten ähnliche Verhältnisse. Die Gründe sind in erster Linie die größere Zahl unterstützter Benutzer, die weniger IT-Personal erfordernde Administration, die geringeren Ausfallzeiten und die dadurch erhöhte Produktivität der Anwender. Eine weitere Studie der Meta Group und Aussagen aus Common-Kreisen bestätigen diesen Befund.

Ein Problem besonderer Art bildet jedoch RPG, die AS/400- und I-Series-typische Programmiersprache. "RPG ist in die Jahre gekommen, aber nie gealtert", meint Zeig, gesteht aber ein, dass sie allgemein als geradezu antik gelte. Sie ist dem IT-Nachwuchs unbekannt, weil an den Universitäten und Fachhochschulen eher C++ und Java gelehrt werden als RPG. "Jüngere lernen RPG meistens erst, wenn sie in einer Firma anfangen", gesteht IBM-Berater Barlen. Bestehende Förderprogramme von Big Blue für Hochschulen haben nicht die erhoffte Wirkung. Das Problem für IBM: Der Nachwuchs wird später im Beruf die Maschinen kaufen, die er kennt. Das wäre der Tod der I-Series.

Trotzdem müssen sich heutige I-Series-Anwender keine Sorgen um die absehbare Zukunft ihres Systems machen. Immer wieder aufflammende Diskussionen nimmt Berater Zeig gelassen: "Ich habe noch nie ein System so lange sterben sehen." IBM hat die I-Series zu einer von vier strategischen Rechnerfamilien erhoben. Noch in diesem Jahr werden I-Series-Rechner mit dem neuen Power-5-Prozesssor auf den Markt kommen. Der Nachfolger Power 6 soll 2006 oder 2007 in der I-Series arbeiten. Und IBMs Roadmap sieht den Power-7-Prozessor etwa 2010 in den einstigen Midrange-Servern vor.

Pro und Contra I-Series

+ Moderne Hardwaretechnik;

+ geringe Ausfallrate;

+ Return on Investment und Total Cost of Ownership günstig;

+ einfache Administration braucht wenig IT-Personal;

+ Systemkontinuität schafft Investitionssicherheit;

+ umfangreiche Softwaregrundausstattung;

+ großes Applikationsangebot;

+ Möglichkeit zur Server-Konsolidierung;

+ Capacity on Demand möglich.

- Proprietäre Hardwareumgebung;

- "Alteisen"-Image;

- vergleichbar hoher Anschaffungspreis;

- kein Capacity on Demand bei kleineren I-Series-Systemen;

- veraltete Programmiersprache RPG;

- kaum IT-Nachwuchs mit RPG-Wissen;

- neueste Software wird oft nicht mehr für OS/400 angeboten.