Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Anwenderbericht über computerunterstützte Dokumentation

In drei Monaten würde unsere DV nicht mehr laufen

22.10.1976

OBERHAUSEN - "Wenn wir unser Dokumentationssystem heute stehen ließen, würde unsere Datenverarbeitung in einem Vierteljahr nicht mehr laufen. Wir können nicht mehr darauf verzichten - aber die Frage nach der Rentabilität, die mir mindestens einmal pro Woche gestellt wird, kann ich nicht beantworten", erklärte Diplom-Mathematiker Hans-Jörg Böheim von der Thyssen-Niederrhein-AG (TN) bei einem BIFOA-Seminar in Köln. Unter der Bezeichnung TN-DOK- wird bei der Tochtergesellschaft der August-Thyssen-Hütte zur Zeit ein computerunterstütztes Dokumentationssystem entwickelt, das Mitte 1977 komplett fertiggestellt sein soll.

Als bei TN 1968/69 die Datenverarbeitung durch Einsatz einer Univac 1108 zentralisiert wurde, mußten die vorhandenen Programme umgestellt werden. "Keiner wußte damals Bescheid oder hatte eine Übersicht", berichtet Böheim. "Selbst die Frage, wieviel Listen produziert und wohin sie verteilt wurden, war nicht zu beantworten. Das sollte uns nicht wieder passieren." Es wurde deswegen der Eilentschluß gefaßt, nachzudokumentieren und gleichzeitig ein Verfahren zu entwickeln, das die Überwachung des betrieblichen Informationssystems gestattet. Seit 1972 wird das TN-System in Zusammenarbeit mit dem Betriebswirtschaftlichen Institut für Organisation und Automation an der Universität Köln (BIFOA) ausgebaut, das dafür zehn Mitarbeiter einsetzt.

50 Mannjahre investiert

50 Mannjahre stecken inzwischen in dem Projekt, das vom Bund gefördert wird und daher ab 1977/78 auch an den Software-Markt kommen wird. Es wurden bisher rund 140 Programme überwiegend in Cobol mit insgesamt rund 50000 Anweisungen geschrieben. Der Dokumtentations-Bestand ist mit der Univac-Datenbank-Software DMS 1100 organisiert.

Die Gliederung des Informationssystems

Die Bestandteile eines betrieblichen Informationssystems unterteilt Böheim in

1. Verarbeitungseinheiten. Dazu gehören die

- Sachgebiete (Problembereiche, Problemkreise, Arbeitsgebiete), mit denen die betriebliche Aufgabenverteilung dargestellt wird;

- Informationsverarbeitungsaufgaben (Arbeitsgänge, Tasks), die die Tätigkeiten beschreiben, die zur Erfüllung der in den Sachgebieten genannten Aufgaben erforderlich sind;

- Programmeinheiten, durch die die Algorithmen oder Arbeitsvorschriften wiedergegeben werden, die den IVA zugrunde liegen.

2. Informationen, wobei diese auf der automatisierten Seite in Multidatei, Datei, Satzart, Begriff und auf der manuellen Seite in Belegstapel, Beleggruppe, Belegart und Begriff unterteilt werden.

Daten und Relationen erfaßt

Zwischen diesen Elementen bestehen - so Böheim - verschiedene Relationen. Die erste (Verwendungs-Relation), verknüpft die Elemente über ihre hierarchische Ordnung (baumund netzartig); beispielsweise besteht eine Datei aus mehreren Satzarten, ein Arbeitsgang setzt sich aus mehreren Arbeitsschritten zusammen und ist seinerseits einem bestimmten Sachgebiet untergeordnet. Die zweite Relation (DV-Prozeß) verknüpft die Informationsverarbeitungsaufgabe über ihre logische Ablaufreihenfolge (Vorgänger-Nachfolger-Beziehung); sie erzeugt ein Netzwerk. Die dritte Relation (DV-Organisation) verknüpft zwei: Aufgaben dann, wenn ein Datentransfer zwischen ihnen stattfindet.

Für die genannten Elemente und Strukturen wurde ein ablochfähiges Belegsystem geschaffen, mit dem die Elemente selbst zusammen mit beschreibenden Merkmalen erfaßt werden können.

Auch für geplante Elemente

Diese Belege werden abgelocht und in einem Datenbestand gespeichert, wo sie für Auswertungen zur Gestaltung, Wartung, Rationalisierung und Steuerung des Informationssystems bereitstehen. Mit einem speziellen Programmpaket können neue Elemente in den Datenbestand eingefügt, bereits existierende geändert, gelöscht oder archiviert werden. Es lassen sich auch geplante Elemente aufnehmen.

Auswertungen für alle Bereiche

Die Auswertungsprogramme bieten

- dem Systemanalytiker Hilfsmittel bei der Definition von Schnittstellen zwischen Teilsystemen

- 0 den Nachweis der logischen, kapazitativen und zeitlichen Lebensfähigkeit geplanter, Teilsysteme

- dem Programmierer vollständige Arbeitsunterlagen bei Wartungs- und Anpassungsüberlegungen

- dem Management Kennzahlen über den Istzustand oder sich entwickelnde Schwachstellen

- dem Rechenzentrum Unterlagen für die Steuerung der Arbeitsdurchführung.

Mit den Auswertprogrammen werden Verwendungsnachweise in Form von Katalogen und Verzeichnissen erzeugt, Redundanzanalysen durchgeführt, Terminpläne erstellt, Daten für die Kostenrechnung und Kennzahlen für das Management bereitgestellt. Es lassen sich beispielsweise folgende Fragen beantworten:

- In welchen Programmen wird ein vorgegebener Begriff verwendet?

- Welche Banddateien müssen im Personalwesen für eine vorgegebene Zeit archiviert werden?

- Welche Listen erhält eine bestimmte Fachabteilung?

- Wo überall wird, ein bestimmtes Unterprogramm eingesetzte?

Zusätzlich können, mit dem TN-System auch alternative Verfahren simuliert und beispielsweise das bestmögliche ausgewählt werden.

Jede DV-Abteilung pflegt ihre Dokumentation

Jede Datenverarbeitungsabteilung ist für die Pflege ihrer Dokumentationsdaten sind zwar in einem gemeinsamen Bestand gespeichert und stehen für Auswertungen allen Anwendern hoffen. Änderungen oder Neu-Einfügunger werden jedoch nur dann bearbeitet, wenn sie von der zuständigen Abteilung aufgegeben werden.

Ein Teil der gespeicherten Daten wird laufend durch Analyse- und Meßprogramme aktualisiert und korrigiert. Zu diesem Zweck wurden spezielle Programme geschaffen, die das Coding der an das Rechenzentrum übergebenen Software analysieren. Weitere Programme entnehmen dem rechnereigenen System-Logfile Meßdaten (wie Laufzeiten oder Zahl der I/O-Zugriffe) und übertragen diese in den Dokumentationsbestand.

Zur Unterstützung der Bestellung kommen "Entwicklungsbestände, die einen Auszug aus dem offiziellen Dokumentationsbestand darstellen und die mit den gleichen Programmen gepflegt und ausgewertet werden können. In diesen Entwicklungsbeständen können die geplanten Elemente beliebig variiert und ihr Verhalten simuliert werden, um Fehlentwicklungen weitgehend zu vermeiden.

Das System kann zwar so Böheim - die Arbeit der DV-Abteilung in weiten Bereichen unterstützen ,macht aber "einen beträchtlichen Aufwand für die Erst-Erfassung der Daten". An einem einfachen Beispiel erläutert Böheim die Vorteile: Allein die Ankündigung, daß untersucht würde welche EDV-Listen an welche Fachabteilung gehen, reduzierte die Anforderungen - freiwillig - so stark, daß der Aufwand dafür von 1,2 Millionen Mark auf m900000 Mark im Jahr 1975 zurückging.