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20.02.1981 - 

Know-how von Dreien für Haus- und Fremdpost:

In-House-Netzwerk mit Außenkontakt

MÜNCHEN - Das Netzwerkkonzept Ethernet geht auf Versuche zurück, die bereits 1972 im Xerox-Research-Center in Palo Alto (USA) durchgeführt wurden. Von der Technik her handelt es sich dabei zunächst einmal um ein Leitungssystem aus besonders dünnem Koaxialkabel (60 Ohm), das sich praktisch genauso verlegen läßt wie ein mehradriges Kupferkabel. Aufgrund der eigenen Netzbedingungen wurde Ethernet als In-Haus-Netz konzipiert, um damit vor allem die innerbetriebliche Bürokommunikation mit den unterschiedlichsten Bürogeräten über ein einziges Leitungssystem laufen zu lassen.

Von der Grundidee zielt Ethernet auf eine elektronische Hauspost (electronic mail) ab, an die nicht nur Systeme zur Daten- und Textverarbeitung und Datenbanken (zum Blättern in großen Datenbeständen), sondern auch intelligente Kopierer, Drucker (Faksimile) sowie Übertragungseinrichtungen für Sprache in beliebiger Kombination angeschlossen werden können. Damit diese verschiedenartigen Geräte dasselbe Leitungsnetz benutzen können, gehören zu Ethernet weitere Einrichtungen und standardmäßige Vereinbarungen, wie etwa

- Controller, die sowohl den gesamten Leitungsanschluß besorgen als auch die Informationen zwischenspeichern. Außerdem übernimmt er die Aufgabe, Fehler (Kollisionen) auf der Leitung zu erkennen.

- Fehlererkennungsverfahren, das unter anderem eine 32-Bit-CRC-Kontrolle vorsieht. Daher überwacht es den Betrieb auf der Leitung trotz der möglichen Datentransferraten von 10 Millionen Bits/S. exakt.

- Ein spezielles Data Link-Protokoll, das mittels hochintegrierter ChipTechnik (VLSI) auf der Basis der Paketvermittlung arbeitet und unter anderem erlaubt, virtuelle und logische Funktionen zu steuern. Die Hauptaufgabe des Data Link-Protokolls besteht darin, die Informationen von allen an Ethernet angeschlossenen Geräten und Systemen in der gleichen Art und Weise zu übertragen.

- Ein Auswahlmechanismus für die Protokolle der höheren Ebenen. Er ermöglicht, in das Ethernet-Protokoll Informationen für die verwendeten höheren Ebenen einzubetten.

- Ein Adressierungssystem, das in der Lage ist, alle Stationen, die irgendwie mit Ethernet zu tun haben, weltweit anhand eines 48-Bit-Identifikationsfeldes eindeutig zu identifizieren .

Standards für Elemente

Da es innerhalb des ortsgebundenen Kommunikationsnetzwerkes eine Reihe unterschiedlichster Produkte (Computersysteme, Peripheriegeräte für Computer, Datenstationen und andere Bürogeräte) gibt, die alle Ethernet verwenden können, müssen alle Elemente dieses Netzes bestimmte Standards beachten. Dabei handelt es sich nicht nur um Spezifikationen elektrischer oder logischer Art, sondern auch um Vereinbarungen, die bei den Datenübertragungsprotokollen eine wichtige Rolle spielen. Weil die innerbetriebliche Kommunikation in der Zukunft ein großes Spektrum für interessante Netzwerkanwendungen bietet, wenn alle Beteiligten Hand in Hand arbeiten, hatten sich Digital Equipment, Intel und Xerox zusammengetan, um die notwendigen Standards zu entwickeln. Das Ergebnis dieser Verhandlungen wurde im Herbst 1980 bekanntgegeben.

Arbeitsteilung im Know-how

Im Gesamtkonzept stellt Xerox das Netzwerk-Design für Ethernet zur Verfügung, und zwar von Anfang an, ab Herbst 1980 also, auch in der Bundesrepublik Deutschland. DEC (Digital Equipment Corporation) bringt die Erfahrungen in den Bereichen Sende- und Empfangsgeräte, Mikro-, Mini und Großcomputer sowie deren Einsatz in Computernetzwerken ein. Intel beteiligt sich an diesem Projekt, indem die Corporation die entsprechenden Halbleiterkomponenten in VLSI-Technik, das heißt, vor allem die notwendigen Chips anbietet. Um diese technischen Möglichkeiten in der Bürokommunikation bei relativ geringem Aufwand weitgehend nutzen zu können, kommt es jetzt darauf an, daß sich möglichst viele Normungsgremien ebenfalls der Sache annehmen, um die kostengünstigen Lösungen in netzartigen Informationssystemen auch generell zukünftigen integrierten Büro- und Informationssystemen zugänglich zu machen. Generell ist Xerox als Patentinhaber der Ethernet-Technik bereit, Lizenzen an alle in Frage kommenden und interessierten Hersteller zu vergeben, die Fremd-Hardware an das Netzwerk anschließen wollen. Xerox hofft, daß durch eine weitgehende Übereinkunft mit vielen Interessenten das Konzept eine gute Marktdurchdringung erreicht und damit eine Chance auf Standardisierung eines nach allen Seiten offenen Kommunikationssystems gegeben ist.

Eine wichtige Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft von Rank Xerox, DEC und Intel, die im Herbst 1980 ihre Tätigkeit eingestellt hat, bestand darin, die Flexibilität des Netzes so auszulegen, daß auch sonst unkompatible Geräte miteinander kommunizieren können. In absehbarer Zeit müssen wir sowohl noch mit älterer als auch moderner Hardware leben, die nur teilweise kompatibel ist. Aber mit Hilfe von Ethernet und entsprechenden Chips und Prozeduren paßt dann letzten Endes doch wieder alles zusammen.

Verbindet innen mit außen

Mit Ethernet bietet sich eine relativ einfache Möglichkeit, zu wirtschaftlich vertretbaren Aufwendungen große innerbetriebliche Netzwerke aufzubauen, die auch mit der Außenwelt

Verbindungen aufnehmen können. Von der Grundidee her stellt das Netz den ersten logischen Schritt der Evolution eines Informations-Managements im modernen Büro dar, um möglichst viele und auch verschiedenartige Bürogeräte in einem einzigen großen Netzwerk miteinander zu verbinden. Weil diese Geräte untereinander kommunizieren können, verbessert sich der Informationsaustausch zwischen den Büros. Wenn wir uns vorstellen, daß an jedem Arbeitsplatz, der an das Netz angeschlossen ist, auch Daten- und Informationsspeicher mit Kapazitäten von 10 000 DIN-A4-Seiten dezentral gespeichert und dennoch überall verfügbar sein können, dann ist das ein Schritt in die Richtung des alles umfassenden und dennoch freizügigen Informationszugangs. Die Adreßbreite gestattet ein großes Wachstum im Informationsbereich. Textbibliotheken, Datenbanken und beliebige Dateien lassen sich koppeln und bilden somit ein Daten- und Informationsvolumen, das von überall her im direkten Zugriff verfügbar ist.

Von der Idee zur lebendigen Wirklichkeit mit einem allgemeingültigen, funktionierenden Ethernet-Netzwerk bleibt noch einiges zu tun. Erste praktische Erfahrungen von über 40 Ethernet-Anwendungen, die Rank Xerox bereits ausgewertet hat, lassen sich nicht so ohne weiteres auf Europa und damit auch nicht auf die Bundesrepublik übertragen. Die größten Schwierigkeiten scheinen dadurch zu entstehen, daß es für alle Beteiligten gilt, Standards auf freiwilliger Basis einzuführen. Es wäre nur zu schön, falls sich sogar IBM erstmalig an einen Standard anschließt, der ursprünglich nicht von IBM stammt.

Hinzu kommt, daß in der Bundesrepublik auch die Deutsche Bundespost beim Übergang von einem Ethernet-Netzwerk zum anderen ein wichtiges Mitspracherecht durch gesetzliche Regelungen durch die Monopolausübung im Kommunikationssektor wahrnimmt. Weil 60 Prozent der Kommunikation innerbetrieblich abläuft, stellt das Netz eine gute Alternative im innerbetrieblichen Informationsaustausch, wenn nicht sogar eine neue Chance für eine moderne Bürokommunikation dar. Trotzdem kommen viele Nutzer nicht umhin, aus dem In-House-Bereich einen Anschluß zur Außenwelt zu schaffen, da die meisten Betriebe auf immer mehr Informationen von außen angewiesen sind, die es konsequent und schnell zu nutzen gilt. Aus diesem Grund muß auch die Deutsche Bundespost den Anbietern und Anwendern entsprechend entgegenkommen, wenn sie nicht, wie schon des öfteren in der Vergangenheit, mit einer retardierenden Wirkung den technischen Fortschritt behindern will.

Auch für die Politik ergibt sich eine neue Aufgabe. Wie 1975 die Studie der Kommission für technische Kommunikation die Weichen für unsere heutigen Verhältnisse im überregionalen Informationsaustausch gestellt hat, so müssen jetzt eine Reihe weiterer Empfehlungen folgen, die für In- und Außen-Netzwerke gleichermaßen gelten. Nur dann besteht die Chance, den möglichen technischen Fortschritt auch optimal weiterzureichen. Die dadurch zu erwartenden Vorteile kommen allen zugute, der privaten Wirtschaft, der Volkswirtschaft und dem Staat.