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In IBMs Top-Etagen dreht sich das Personalkarussell Hans-Olaf Henkel kehrt IBM nach 33 Jahren den Ruecken

16.09.1994

MUENCHEN (CW) - Nicht einmal ein Jahr bleibt Hans-Olaf Henkel, seit Februar 1994 Chef des Pariser Europa-Headquarters der IBM, in Amt und Wuerden. Der ehemalige Deutschland-Geschaeftsfuehrer wird seinen Stuhl noch in diesem Jahr raeumen. Henkel bezeichnet Geruechte, wonach er in Unfrieden aus der blauen Fuehrungsriege aussteige, als "absoluten Bloedsinn". Er wolle die Gelegenheit nutzen, noch einmal etwas Neues anzufangen.

Mehr als 30 Jahre stand der Manager in Big Blues Diensten - um so ueberraschender kommt nun sein Ruecktritt. Ihm biete sich eine "interessante Karrierechance" in Deutschland, berichtet die "Financial Times" - welche, darueber schweigt sich Henkel aus. Die "Sueddeutsche Zeitung" bringt ihn mit der Deutschen Aerospace in Verbindung, wo der IBMer schon heute im Aufsichtsrat sitze. Aus anderen Quellen verlautet, Henkel steuere eine zweite Karriere im oeffentlichen Dienst an.

Zwar beteuert der Topmanager ebenso wie die Armonker IBM-Zentrale, man trenne sich in absolutem Einvernehmen, doch Insider kommentieren sein Ausscheiden anders: Henkel sei u wie viele IBM- Manager - unzufrieden mit den von Firmenchef Louis Gerstner initiierten Restrukturierungsmassnahmen. Zum Leidwesen der IBM- Landesfuersten, die in den letzten Jahren immer mehr Selbstaendigkeit erlangt hatten, arbeite Gerstner vehement an der Rezentralisierung des Konzerns.

Folge dieser Politik ist unter anderem eine hohe Fluktuationsrate im IBM-Management: In diesem Jahr waren bereits der Topstratege Bernard Pucket, Personalchef Gerald Czarnecki sowie PC-Manager Robert Corrigan zurueckgetreten. In Europa verabschiedeten sich zuletzt Howard Ford, General Manager der European PC Company, Neal Gray-

ston, President der britischen PC Company, und vor wenigen Tagen - von der Oeffentlichkeit fast unbemerkt - der britische General Manager Steve Rowley.

Gerstner hatte im Mai dieses Jahres angekuendigt, die Kompetenzen der regionalen Gesellschaften sollten auf lange Sicht abgebaut und durch eine konzernweite vertikale Aufteilung in 14 industriespezifische Divisions ersetzt werden. Damit wuerde die ueber Jahrzehnte aufgebaute, streng hierarchische Organisation aufgehoben. Bisher war es bei IBM ueblich, dass die Armonker Chefetage ueber einem relativ selbstaendig agierenden europaeischen Headquarter thronte. An das Pariser Hauptquartier berichteten die jeweiligen Landesgesellschaften.

Voruebergehend bleibt diese Organisation wohl auch noch unangetastet. Darauf zumindest laesst die Berufung des Italieners Lucio Stanca zum Nachfolger Henkels schliessen. Der ehemalige General Manager fuer den suedeuropaeischen Raum uebernimmt ab sofort Henkels Position als President; Chairman wird Stanca erst zum Jahresende - dann naemlich, wenn der Deutsche endgueltig zuruecktritt.

Fuer einen Abschied in Frieden, bemueht sich der ehemalige Deutschland-Chef zu belegen, spreche die Tatsache, dass er seine Geschaefte bis Jahresende weiterfuehren k nne. Auch in Zukunft werde er der IBM verbunden bleiben. Henkel soll Aufsichtsratsmitglied der IBM World Trade Europe/Middle East/

Africa Corporation (Emea) werden, der er bisher als President vorstand. Voraussichtlich wird Henkel ausserdem als Aufsichtsratsvorsitzender der IBM-Holding in Deutschland vorgeschlagen.