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04.10.2002 - 

Mobile Commerce/IT-Infrastrukturen für mobile Anwendungen

In kleinen Schritten zum M-Business

Trotz der Konjunkturflaute beschäftigen sich immer mehr Unternehmen mit der Integration mobiler Anwendungen in bestehende Geschäftsabläufe. Doch der Aufbau einer dazu erforderlichen IT-Infrastruktur ist alles andere als einfach. Von Manfred Georg und Andreas Essing*

Wer die Weichen für Mobile Commerce oder Mobile Business richtig stellen will, sollte schon jetzt damit beginnen. Denn der Aufbau einer passenden IT-Infrastruktur lässt sich nicht über Nacht erledigen. Das gilt für Produktanbieter ebenso wie für Behörden und Service-Provider. Dafür sollten in der Endausbaustufe vier Säulen stehen, die Schritt für Schritt frühzeitig geplant und aufgestellt werden müssen. Der große Nutzen dieser Vorgehensweise besteht darin, dass alle Säulen parallel auch dem elektronischen Geschäft über das Festnetz, also E-Business einschließlich E-Commerce, zugute kommen.

Im Einzelnen geht es um:

- Enterprise Application Integration (EAI),

- Einsatz von Componentware,

- Umsetzung der Verarbeitungsergebnisse in Extensible Markup Language (XML) und Verteilung der Informationen und Services via Web-Server mit mobiler Kommunikationseinheit an beliebige Endgeräte,

- Etablierung eines Identity-Managementsystems.

Die ersten drei Schritte können sich besonders innovative Organisationen sparen, indem sie statt dessen gleich ein XML-basierendes Web-Service-Framework einsetzen, beispielsweise .NET von Microsoft oder IBMs Websphere beziehungsweise Crossworlds. In diesem Fall sind die drei ersten Etappen funktional inbegriffen:

- EAI für unterschiedliche Dienste, Datenbanken, Anwendungen und Datenformate,

- Ablaufumgebung einschließlich Parallelität und Persistenz der Geschäftsprozesse: Daten, Nachrichten und Teilprozesse werden per Messaging zu einem gesteuerten Informationsfluss zusammengefasst,

- Informationszusammenstellung und -darstellung je nach Bedarf oder Display-Größe in XML, WML oder HTML und Verteilung dieser Informationen an die mobilen und Festnetzteilnehmer.

Ohne Mut zu den neuen Web-Service-Frameworks muss der Anwender alle vier Etappen einzeln durchlaufen, in diesem Fall allerdings auf Basis mittlerweile markteingeführter und -erprobter Softwarelösungen. Eines sollte das Unternehmen keinesfalls tun: sich auf solche herstellerspezifischen Mobile Application Server einlassen, die keine Integration der bestehenden Applikationen ermöglichen. Die Kunst einer umfassenden Informations- und Service-Bereitstellung in Richtung M- und E-Business besteht gerade darin, auch die Legacy-Applikationen einzubeziehen. Sie machen im Schnitt immer noch mehr als 80 Prozent aller installierten Anwendungen aus.

EAI-System

Die EAI-Lösung ist die erste Säule zu einer angemessenen IT-Architektur für M- und E-Business. Sie setzt sich zusammen aus einem Integrations-Server und den für die Einbindung von Netzdiensten, Datenbanken und Enterprise-Anwendungen erforderlichen Adaptern. Der Integrations-Server verwaltet das gemeinsame Datenschema und steuert die Datenflüsse. So ist unter anderem gewährleistet, dass Änderungen, die in einer Applikation vorgenommen wurden, parallel auch in allen betroffenen Anwendungen umgesetzt werden. Der Lohn dieses automatischen Abgleichs sind im Backend applikationsübergreifend aktuelle und damit konsistente Daten.

EAI, richtig verstanden, leistet Dreierlei: den reinen Transport von (Massen-)Daten, Datenintegration sowie Integration geschäftskritischer Prozesse. Letztere bringt für die Organisation den höchsten betriebswirtschaftlichen Nutzen.

Zu den Säulen des M-Business gehört im zweiten Schritt auch Componentware. Als marktrelevante Varianten stehen Sun Microsystems Enterprise Javabeans (EJB), Microsofts Distributed Component Object Model (DCOM) und, wenn auch mit immer geringerer Marktbedeutung, IBMs Common Object Request Broker Architecture (Corba) zur Verfügung. Hier können die zuvor per EAI aus den Applikationen extrahierten Daten und Prozesse eingebracht, zu Geschäftsabläufen formiert und in dieser Form für den Einsatz auf den Applikations-Servern ablauffähig gemacht werden.

Eines haben alle drei Componentware-Ansätze gemeinsam: die Geschäftsprozesslogik kann unabhängig von den spezifischen Randbedingungen der Applikationen im Hintergrund entwickelt werden. Denn alle Aufgaben, die nichts mit der eigentlichen Geschäftsprozesslogik zu tun haben, wie etwa der kontrollierte konkurrierende Zugriff, werden automatisch von der Componentware übernommen.

Gleichzeitig wird mittels EAI und Componentware im Backend eine von der Kommunikationsschiene unabhängige Business-Logik etabliert. Dies wiederum erlaubt, kosten- und zeitsparend aus einer Design-, Entwicklungs- und Ablaufumgebung heraus im Sinne einer Multi-Channel-/Cross-Channel-Architektur sowohl das M- als auch das E-Business-Geschäft im Intranet, Extranet und Internet voranzutreiben.

Componentware

Für die gerätespezifische Darstellung der Komponentenverarbeitung in Form von XML-Notationen stellt der Markt mittlerweile genügend Parser zur Verfügung. Das gilt sowohl für die Programmiersprachen Java (EJB), C++ (Corba) und Visual Basic/C++ (COM/DCOM/COM+) als auch für die .NET-Programmiersprachen. Die gewonnenen Informationen - ob für M- oder E-Business - können zum Beispiel mittels XSL(T) (eXtended Stylesheet Language) für die jeweiligen Endgeräte aufbereitet werden. Der Mitarbeiter, Partner oder Konsument kann dann auf die gerätespezifisch aufbereiteten Informationen via Portal einschließlich Web-Servern und mobilen Kommunikationseinheiten zugreifen.

Eines macht dieser expandierende Kreis an Adressaten ebenfalls deutlich: Ohne ein professionelles Identity-Management werden die Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Service Provider die Teilnehmerflut kaum in den Griff bekommen. Ein solches Identity-Management gewährleistet, dass jeder Teilnehmer, der sich ins Portal einwählt, eindeutig identifiziert wird (Single Point of Access). Das ermöglicht im nächsten Schritt, ihm per Single-Sign-on (SSO) und rollenbasierendem Zugriffs-Management exakt die genehmigten Zugriffsrechte zuzuordnen.

Identity-Management

Die schnelle und gezielte Bereitstellung von personalisierten Informationen und Services ist dann der nächste Schritt. Identity-Management macht für den Administrator das gesamte Beziehungsgeflecht - Intranet, Extranet, Internet - transparenter, reduziert die Administrationskosten durch zentrale Pflege der teilnehmerspezifischen Einträge (Single Point of Administration), hebt die komplette Zugriffssicherung auf ein hohes Niveau und bringt die Informations- und Servicebereitstellung auf Trab.

Für dieses zentral gesteuerte Identity-Management müssen vorab allerdings alle Applikations-Verzeichnisse mittels Meta Directory integriert werden. Denn hier stehen für jede Applikation - Netzdienst, Anwendung, Datenbank - gesondert die relevanten Einträge wie Teilnehmer, Rechte und Passwort. Dazu offerieren Hersteller wie Siemens (DirX Metahub), Critical Path (Meta Directory Server), Syntegra (Global Directory Service/Meta Edition), Sun One (Identity & Policy Management Suite), Microsoft (Microsoft Meta Directory Services) und Novell (Dir XML) leistungsfähige Meta-Directory-Lösungen einschließlich integriertem Identity-Management. Der Pferdefuß an dieser Kombination: Ihre Planung und Umsetzung ist zeitaufwändig und erfordert oft Eingriffe in die bestehenden Organisationsabläufe. Die Umsetzung des Identity-Management sollte deshalb als letzter der vier Projektschritte keinesfalls auf die lange Bank geschoben werden.

Das gilt umso mehr, als spätestens für kollaborative Web-Services ohne Identity-Management nichts mehr geht. Web-Dienste, die sich gegenseitig identifizieren, um anschließend selbsttätig Informationen auszutauschen, rufen förmlich nach einer Sicherheitsinstanz, die automatisch zwischen diesen Services die kombinierte Authentisierung oder Autorisierung übernimmt. Nur so sind Web-Service-Ketten, die sich aus Web-Diensten und sensiblen Geschäftsinformationen unterschiedlicher Organisationen zusammensetzen, überhaupt vertretbar. Trotz der aktuellen Branchenflaute bleibt den Unternehmen also gar nicht mehr so viel Zeit, ihre IT-Architektur auf Vordermann zu bringen. (wh)

*Manfred Georg ist Abteilungsleiter Mobile Business Solutions bei Siemens Business Services in Paderborn, Andreas Essing ist Senior Consultant bei Siemens Business Services (SBS) in München.

Angeklickt

Der Aufbau einer IT-Infrastruktur für mobile Anwendungen erfordert eine langfristige Planung. Dafür empfiehlt sich ein Viersäulenmodell, das mit Enterprise Application Integration (EAI) und Componentware beginnen sollte. Im nächsten Schritt werden Verarbeitungsergebnisse in XML umgesetzt und via Web-Server an beliebige Endgeräte verteilt. Die dritte Säule bildet ein professionelles Identity-Management-System. Eine wesentliche Erleichterung für IT-Verantwortliche bringt der Einsatz von XML-basierenden Web-Services-Frameworks.

Anwendungen für M-Business

- Mobiles Büro einschließlich E-Mail, automatischer Terminverfolgung und Aufgabenverwaltung. Dazu gehört allerdings ein Messaging-System, beispielsweise Exchange, das automatisch diese Informationen auf dem Pocket PC mit den zentralen Daten des Benutzers abgleicht.

- Programme, über die Vertriebsmitarbeiter auf Unternehmensinformationen wie Artikel-, Kunden-, Angebots-, Bestell-, Lagerbestands- und Rechnungsdaten zugreifen können.

- Anwendungen für den technischen Außendienst mit mobilem Zugriff auf alle für Service und Wartung relevanten Daten

- Software zur internen Abwicklung von Geschäftsreiseplanung, Reisekostenabrechung und Urlaubsanträgen.

- Mobile Banking.

- Reservierungsprogramme, um darüber Flug- und Bahntickets, Leihwagen, Hotelzimmer oder Veranstaltungskarten zu bestellen.

- Mobile ERP (Enterprise Resource Planning) für die ortsungebundene Abfrage von Daten rund um die Produktionsplanung und -steuerung.

- Mobile CRM (Customer-Relationship-Management) zur Verkaufs- und Serviceunterstützung der Kunden von unterwegs.

- Location Based Services (LBS) oder intelligente Situation Based Services (SBS) für die Bereitstellung ortsgebundener Informationen an mobile Teilnehmer innerhalb dieser Region.

Abb: Mobiles Unternehmensportal

Das mobile Enterprise-Portal soll Daten für beliebige Endgeräte zur Verfügung stellen. Quelle: Siemens