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23.11.2001 - 

Weniger Spielzeug und überschaubare Menschenmengen

In Krisenzeiten verliert die Comdex ihren Glanz

Die diesjährige Comdex Fall in einem durch die weltwirtschaftliche und -politische Lage atmosphärisch gedämpften Las Vegas diente der branchenweiten Rückbesinnung auf alte Werte wie Produktivität, Profitabilität und Return on Investment (RoI). Bei den Produkten lag der Schwerpunkt auf Handhelds, drahtloser Datenübertragung, Web-Services und Sicherheitstechnik.

Auf der Comdex Fall 2001 gab es vor allem eins: viel Platz. Traten sich dort noch im vergangenen Jahr rund 2300 Aussteller auf die Füße, präsentierten heuer weniger als 2000 Unternehmen ihre Neuheiten. Dass die größte amerikanische Computermesse die globalen Wirren zu spüren bekam, ließ auch der deutliche Besucherschwund erkennen: Nur 125000 Besucher fanden in das Spielerparadies - der schwächste Besuch seit zehn Jahren.

Auch thematisch zeigte sich die Veranstaltung vom Weltgeschehen geprägt. Neben dem Mobilbereich, den neuesten Entwicklungen in Sachen Wireless-LAN und Web-Services stellten Sicherheitslösungen einen Schwerpunkt dar. In Anbetracht der branchenweiten Rückbesinnung auf Bodenständiges zählten die "Cool Gadgets" nicht zu den Stars der Show.

Höhere Produktivität ist angesagtIn den Keynote-Ansprachen der Branchenprominenz häuften sich Appelle an die IT-Industrie, ihre grundsätzliche Ausrichtung neu zu überdenken, dem Innovationswahn zu widerstehen und sich auf die Kerntugenden Produktivität und Return on Investment (RoI) zu konzentrieren. In seiner Eröffnungsrede vermittelte Microsoft-Gründer Bill Gates eine Art Post-Dotcom-Vision der IT-Industrie, in der seiner Meinung nach Produktivität, Web-Services und Heim-Entertainment zu den treibenden Faktoren zählen werden. Seiner Branche prognostizierte Gates eine erneute Blütezeit im kommenden digitalen Jahrzehnt. Einen der "Motoren" der Erfolgsdekade hatte der Softwarekönig gleich im Gepäck: Präsentiert wurde der "Tablet PC", der den Desktop bereits in fünf Jahren ablösen soll. Der auf einer künftigen Version von Windows XP basierende Hybride aus PC und Notebook war in Form von Prototypen unter anderem von Compaq, Fujitsu und Acer zu bewundern (siehe CW 46/01, Seite 10). Die Vision des Softwaremilliardärs fand jedoch nicht überall Gnade. Als "Wunschtraum in einem Niemandsland der Computerlandschaft" tat Gartner-Analyst Todd Kort die Darbietungen ab, während PC-Hersteller Dell derzeit keinerlei Bedarf bei seinen Kunden feststellen kann. IBM wiederum versteht das Tablet-PC-Konzept als "Experiment", das jedoch nicht zur aktuellen "Back-to-Basics"-Strategie der Kunden passe.

Anders verhält es sich offenbar mit den Web-Services, die auf der Comdex in aller Munde waren. Den eigenen Maximen folgend, kündigte Microsoft sein erstes ".NET"-Serviceprodukt für die US-Finanzdienstleistungsbranche an. Die Abo-Lösung, die derzeit unter dem Codenamen "MSN Money Professional" gehandelt wird, basiert auf dem bereits existierenden Produkt "MSN Money" und soll Finanz-Consultants bei der Kundenberatung unterstützen. Mit Hilfe des Web-basierten Service können Berater ihre Klientel künftig mit Finanznachrichten, Aktienkursen und Informationen wie Bilanzen, E-Mail- oder SMS-Mitteilungen versorgen. Wann das Produkt verfügbar ist, wurde nicht bekannt gegeben.

Einzug hielten die Web-Services unter anderem auch in den Peripheriebereich: So hat Xerox auf Basis von Microsofts .NET einen Web-Service entwickelt, mit dem sich die im Unternehmen vernetzten Drucker über Browser verwalten lassen. "Centreware Web Printer Administration" soll im ersten Quartal 2002 verfügbar sein und Management- und Alarmfunktionen über E-Mail, Pager oder Handy bieten.

"Back to the Roots" ging Cisco-Chef John Chambers in seiner Keynote-Ansprache. "Nichts kann das Verhalten nachhaltiger verändern als der Versuch zu überleben", so der einstige Branchen-Darling. Als Rezept empfahl der Cisco-CEO Unternehmen, das Internet nicht nur für den elektronischen Handel oder die Kundenpflege zu nutzen. Entsprechende Anwendungen etwa für das Management der Mitarbeiter sowie die Online-Weiterbildung versetzten Firmen in die Lage, ihre Geschäftsprozesse besser aufeinander abzustimmen, mehr Produktionsschritte nach außen zu verlagern und die Kosten zu reduzieren. In diesem Sinne sollen Wireless-LANs und die allgegenwärtige Vernetzung entscheidende Wettbewerbsvorteile verschaffen. Entsprechende Services will Cisco künftig gemeinsam mit IBM anbieten.

802.11: Erst "b", dann "a"Zu den Wireless-Neuheiten der Comdex zählten erste Produkte, die den WLAN-Standard "IEEE 802.11a", auch "Wi-Fi 5" genannt, unterstützen. Die neue Spezifikation nutzt drei Frequenzbänder im Fünf-Gigahertz-Bereich und soll fünfmal schnellere Übertragungsraten als der gegenwärtige "802.11b"-Standard ermöglichen. Theoretisch lassen sich damit Datenpakete im Umfang von 54 Megabit pro Sekunde übertragen. Intel nutzte die Messe unter anderem zur Markteinführung der neuen 802.11a-Produktreihe "Pro/Wireless 5000 LAN", die einen Access Point, einen PCI-Adapter für PCs sowie einen Card-Bus- und Mini-PCI-Adapter für Notebooks umfasst. Mit ähnlichen Produkten wartete Intel-Rivale Proxim auf, der seine aus einer PC-Karte sowie einem Access Point bestehende "Skyline"-Reihe vorstellte. Der neue Standard ist jedoch nicht kompatibel zur gängigen 802.11b-Spezifikation. Experten äußerten sich allerdings zuversichtlich, dass die beiden Standards koexistieren können. Mit Hilfe künftiger Technologien soll Anwendern dann das Hin- und Herspringen zwischen den beiden Wireless-Spezifikationen ermöglicht werden. In Europa steht die Zertifizierung des 802.11a-Standards derzeit allerdings noch aus.

Alles wireless, oder was?Auch das Segment der Mobilgeräte zeigte sich auf der IT-Messe ganz im Wireless-Trend. Waren auf der Comdex 2000 bereits viele Notebooks und PDAs zu sehen, die künftig über Drahtlosfähigkeiten verfügen sollten, haben nun zahlreiche, mit integrierter 802.11b- oder Bluetooth-Unterstützung ausgestattete Geräte Marktreife erlangt. Zu der bunten Palette drahtlos vernetzter Geräte des japanischen Elektronikkonzerns Sony gehörte auch eine netzwerkfähige "Handycam" mit integriertem Bluetooth-Chip. Im Duett mit einem Mobiltelefon lassen sich über die Kamera, die im Februar zum Preis von etwa 2000 Dollar auf den Markt kommen soll, digitale Videoclips oder Schnappschüsse übers Internet verschicken. Umgekehrt soll auch der Daten-Download vom Web auf die Kamera auf diese Weise möglich sein.

Handspring präsentierte mit seinem im Oktober angekündigten, zierlichen "Treo" ein Gerät, dass die Brücke zwischen Handy und Handheld schlägt. Es bietet neben den Palm-üblichen PDA-Funktionen sowohl den drahtlosen Netzzugang als auch die Mobiltelefonie (GSM/GPRS). Anfang 2002 soll der Treo auf den Markt kommen.

Telekommunikationsspezialist Nokia präsentierte mit seinem Mobile Communicator "9290" ebenfalls eine Kombination aus Mobiltelefon und Handheld, die - auf Basis des Symbian-Betriebssystems sowie eines 32-Bit-ARM9-Prozessors - auch mit Java-Programmen zurechtkommen soll. Sein Debüt wird der neue Communicator laut Nokia im Frühjahr 2002 - zum Preis von knapp 800 Dollar - auf dem US-Markt geben.

Falten ist inAls "Konvergenzkonzept" der besonderen Art präsentierte National Semiconductor (Natsemi) den 310 Gramm leichten "Origami". Der Prototyp lässt sich auf verschiedene Weise aus-, auf- und umklappen und soll die Funktionen von insgesamt acht digitalen Geräten in sich vereinen. Das Device basiert auf Natsemis System-on-a-Chip-Prozessor "Geode SC3200" mit integrierten Audio- und Videofunktionen, läuft unter Windows XP Embedded und lässt sich unter anderem als Digitalkamera, Videotelefon, Webpad und E-Mail-Terminal nutzen. Der Origami verfügt über ein Vier-Zoll-Touchscreen-LCD, ein integriertes Mikrofon sowie einen Compact-Flash-Slot und USB-Anschluss. Ins Netz gelangt das futuristische Multitalent via Bluetooth.

Ansonsten vermied auch die Handheld-Fraktion laute Töne: Neben Größe und Kosten für den Netzzugriff hob Handspring-Chef Jeff Hawkins in seiner Keynote-Ansprache das allgegenwärtige Thema Sicherheit als Schlüsselfaktor für die Zukunftsfähigkeit der PDAs hervor. Im Bereich der Security-Technologien für die Wireless-Industrie wittert der Handspring-Mitgründer eine Chance für sein Unternehmen. Darüber, welche Rolle der PDA-Hersteller hierbei künftig spielen könnte, wollte sich Hawkins jedoch nicht äußern.

Das wachsende Bedürfnis nach Sicherheit kam auch in den auf der Comdex präsentierten Produkten zum Ausdruck. Ein bunter Reigen an biometrischen Neuheiten sowie aktualisierte Personal Firewalls und Antivirenpakete stellten nur einen Bruchteil der dort vorgestellten Produkte dar. Ferner kündigten Cisco und Agere kostenlose Sicherheits-Updates in Form von Software für ihre 802.11b-WLAN-Produkte an. Die Produkte beider Anbieter sollen verbesserten Schutz gegen Lauschattacken bieten, indem sie die zur Authentifizierung und Verschlüsselung verwendeten WEP (Wireless Equivalent Protection)-Keys regelmäßig ändern.

Last, but not least machte Oracle-CEO Larry Ellison auch in diesem Herbst seinem Ruf als Branchenschreck alle Ehre und nutzte seinen Comdex-Auftritt zum Frontalangriff gegen die Konkurrenz - allen voran seine Erzrivalen Microsoft und IBM. Ellisons aktuelle Verbalinjurien im Konzentrat: Microsofts Server seien Mist, während MS-Passport einen "Schweizer Käse voller Sicherheitslöcher" darstelle, dessen Eignung als Lagerstätte für Kreditkarteninformationen bezweifelt werden dürfte. IBMs Websphere sei nicht halb so populär, wie es Big Blue darstelle. Zudem schrumpfe IBMs Anteil am Application-Server-Markt, und auch IBM Global Services gehe den Bach runter.

Des Weiteren nutzte Ellison das Oracle-Presse-Briefing, um eine Alternative zu Microsoft Exchange zu vermarkten. Microsofts Messaging-Server sei "schlecht und unsicher", daher empfiehlt der Orcale-Chef eine Messaging-Lösung aus seinem Hause - eine Kombination aus geclusterter Datenbank und Application-Server, die weiterhin den Einsatz von Microsofts Outlook als Client erlauben soll. Zwar sei das teurer als Exchange, dafür aber ungleich leistungsfähiger. Allein mit einem Server unterstütze diese Lösung 10000 Nutzer und eigne sich damit bestens zur Konsolidierung mehrerer Exchange-Systeme.

Katharina Friedmann

kfriedmann@computerwoche.de

OMA-InitiativeNokia kündigte auf der Comdex Fall die Gründung der "Open-Mobile-Architecture"-(OMA-)Initiative für den Mobilfunkbereich an. Sie soll die Definition offener Standards für die nächste Handy-Generation - beispielsweise WAP 2.0, XHTML, MMS, Sync ML, Java - und das Betriebssystem Symbian vorantreiben. Zu den Kooperationspartnern gehören unter anderem AT&T, Vodafone, Fujitsu, Matsushita, Motorola, NEC, Sharp, Siemens, Sony sowie Ericsson und Toshiba.