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20.02.1976

In Sachen LSS und Heureka

20.02.1976

Auf Seite 1 dieser Ausgabe der Computerwoche hätte in etwa stehen können: "ADVIS Softwarepartner KG erzwingt Gegendarstellung zum Leitartikel der Computer-Zeitung" oder "Geschäftsführer Jörg E. Richter kontert diffamierende Berichterstattung mit Offenem Brief, in dem Wolfgang Funk, Chefredakteur der Computer-Zeitung, mangelnde Kompetenz unterstellt wird" oder "Empörung bei Anwendern über unqualifizierten Fachjournalismus". Auch das stimmt, die CW-Redaktion hat mit zahlreichen Anwendern gesprochen. Nichts dergleichen steht auf Seite 1 dieser CW. Sie bleibt sachlich-fachlicher Information vorbehalten - bei klaren Trennung von Nachrichten und Meinungen.

Was war geschehen? Die Computer-Zeitung (Anmerkung: Das ist die andere, 14 täglich erscheinende, die leider gelegentlich noch mit der CW verwechselt wird), die Computer-Zeitung also brachte in ihrer Ausgabe 3 vom 4. Februar 76 auf Seite 1, oben vierspaltig mit Großbuchstaben aufgemacht eine Art "Thinkpiece" mit der Überschrift "Nichts als leere Worte" und dem Untertitel "Mit 'Heureka' will ADVIS Software-Misere beseitigen", in dem ein - wie dort üblich - nicht gekennzeichneter Autor sich über Längen (etwa 180 Zeilen) zum angeblichen "Wettrennen zwischen Programmiersystemen und Standard-Programmen" äußerte. Tenor: Nur Anwendungs-Standard-Programme helfen aus der Misere. Zitat: "Bei Verwendung eines Programmiersystems ist andererseits zu befürchten, daß durch den schnellen Zugang zum Computer die 'Logik' vernachlässigt wird und so eine Menge Programme entstehen, die nach einmaligem Gebrauch ausgedient haben." Dazu als Fachmann Dr. Klaus Neugebauer, Geschäftsführer des Softlab, Softwarelabor für Systementwicklung und EDV-Anwendung, München:

"Ausgemachter Quatsch! Da muß man ja Angst haben, daß die demnächst etwas über uns schreiben."

Nichts als leere Worte?

Aktueller Anlaß für diesen Seite-1-Hauartikel war eine Pressekonferenz der ADVIS Softwarepartner, Hannover, auf der die neue Methode "fernwirkungsfreier strukturierender" Programmierung "Large Scale Standard" und das darauf basierende Software-Werkzeug "Heureka" vorgestellt wurde (Computerwoche Nr. 50 vom 12. Dezember 75, Interview der Woche "Strukturierte oder strukturierende Programmierung?" und Nr. 5 vom 30. Januar 76 "Neuer Ansatz für das Software-Engineering"). Die Computer-Zeitung - offenbar gegen neue Hilfsmittel voreingenommen, die dem Anwender wie eine "Architekturlehre" Hilfe geben wollen, Programmbausteine einfacher als bisher üblich zu entwickeln, nur weil es auch ineffiziente und einige am Markt gescheiterte Programmiersysteme gibt, schreibt über LSS und Heureka unter der Überschrift "Nichts als leere Worte" - ohne mit nur einem Satz den Inhalt der neuen Methode vorangestellt zu haben: "Die Taufrede des jüngsten Kindes der Programmiersysteme schoß allerdings den Vogel ab. Geschäftsführer Jörg E. Richter von der ADVIS-Softwarepartner KG, Hannover, sah sich in einem Interview mit der Computer-Zeitung außerstande, das System 'Heureka' zu beschreiben. Er glaubt, mit diesem System nicht nur den Stein der Weisen, sondern das Rad erfunden zu haben: 'Leute der Vor-rad-Zeit', so Richter, 'konnten mit ihren Begriffen eben auch nicht das Rad beschreiben.'"

Richters arrogante Wortwahl mag nicht überall auf Gegenliebe stoßen - aber so geht das nicht. Immerhin beschäftigt man sich in einer Reihe sehr namhafter Firmen (unter anderem Continental Hannover; Gerling, Köln; Quelle, Nürnberg) mit nicht geringem Manpower-Aufwand damit, das LSS-Konzept zu prüfen und zu bewerten. In der Software-Wissenschaft ist LSS zur Zeit eines der allerheißesten Themen, viel diskutiert zum Beispiel in Instituten der GMD wie auch in konkurrierenden Software-Häusern. Online - als monatliche EDV-Fachzeitschrift in der Lage, längere und lange Abhandlungen zu veröffentlichen - bringt nach einer dreiteiligen Serie über LSS und fernwirkungsfreie Programmierung in der nächsten Ausgabe: "Heureka in der Diskussion" als Aufzeichnung eines Rundgespräches der Fachleute Dr. Eberhard Wegener, Software-Experte der GMD, Dr. Peter Schnupp (SOFTLAB-Gesellschafter) und Hansbernd Berzheim (ADVIS-Partner). Die Computerzeitung indes meint, "Nichts als leere Worte" urteilen zu können. Dazu Jörg E. Richter in seinem Offenen Brief an den Chef der dreiköpfigen Computerzeitung-Redaktion: "Ich habe viel Zeit für den Versuch aufgewendet, Ihnen diese ganz einfachen Fakten nahezubringen. Andere Fachjournalisten sind wohlinformiert und berichten sachlich. Im Gegensatz dazu beweisen Sie mit Ihrem Artikel, daß Sie bei der Erfüllung Ihrer Journalisten-Aufgabe einer nüchternen Berichterstattung und klaren Meinungsbildung überfordert sind."

Kritik: Ja, aber qualifiziert

Wozu diese Kolumne? Dafür gibt es zwei Gründe:

Erstens: Der gesamte EDV-Fachjournalismus, leider eben nicht nur die Betroffenen, kommen in Verruf, wenn derart unqualifiziert viel Meinung mit wenig Nachricht vermischt in Hauptartikeln (und nicht nur dort) "berichtet" wird. Wer erinnert sich wohl später noch daran, in welcher Fachzeitschrift/Fachzeitung der "Ausgemachte Quatsch" (siehe oben) stand. Wohl alle Fachjournalisten werden bedauern, wenn sie mit jenen in einen Topf geworfen werden, die meinen, auf Seite 1 ihren Lesern zeilenschindend erklären zu müssen, was eine Programmiersprache ist und welche Aufgaben ein Compiler hat - vielleicht deshalb die Überschrift "Nichts als leere Worte"?

Zweitens: Dieser Angriff der Computer-Zeitung gegen die Firma ADVIS ist von einer Massivität, wie dies gegenüber einem Software-Haus bisher in der Fachpublizistik wohl einmalig war. Hannovers Star-Rechtsanwalt Dr. Josef Augstein wird sich mit Gegendarstellung wenn nicht gar mit dem Nachweis der Geschäftsschädigung für seinen Mandanten zu wehren wissen. Dennoch, etwas bleibt immer hängen. Nichts gegen qualifizierte Kritik, aber auf das Wort "qualifiziert" kommt es an. Wenn etwas "Nichts als leere Worte" sein soll, dann bitte sehr mit Anwender- und/oder Experten-Stimmen belegen. Vielleicht hilft also diese Intervention, daß auch andere Firmen vor dergleichen gefährlichen "leeren Worten" sicherer werden.

PS: Die Computerwoche wird in ihrer nächsten Ausgabe im "Thema der Woche" Stellungnahmen von fünf Anwendern und Experten zu ADVIS "Large Scale Standard" und zum Software-Tool "Heureka" bringen.