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19.11.1982 - 

Informationstechnologie orientiert sich am fortgeschrittenen Ausland:

In Spanien soll auch DV das Blatt wenden

ST. AUGUSTIN - Spanien nimmt als unmittelbares Exportland der Bundesrepublik Deutschland und. in absehbarer Zeit, als Wirtschaftspartner innerhalb der Europäischen Gemeinschaft. eine zunehmend wichtigere Rolle ein. Dies gilt besonders für den Bereich der Informationstechnologie. Über den Kongreß "Informatica Automatica" berichtet Frau Dr. Angelika Lukat von der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung in St. Augustin bei Bonn.

Auf dem in Madrid von der spanischen Gesellschaft für Informatik und Automation veranstalteten Kongreß wurde einerseits das wirtschaftspolitische Umfeld der Datenverarbeitung in Spanien erkennbar und andererseits der Entwicklungsstand der spanischen Informatik und ihrer Anwendungen durch Vortrage zu laufenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten deutlich.

Für die Veranstaltung waren aus einem sehr breiten Informatikspektrum 170 Fachvorträge zusammengestellt und dazu sogenannte "Mesas Redondas" (Rundtisch-Gespräche) mit Plenumsdiskussionen zum Stand der Informatik vorbereitet worden. Dabei sollten die Maßnahmen der spanischen Regierung zur Förderung der Informatik erläutert, insbesondere die Förderungen seit 1979, sowie die neuen Zielrichtungen und Programme vorgestellt werden. Aus den verschiedenen Sichtweisen von Forschern, Wissenschaftsmanagern, Unternehmern und Politikern wurden zahlreiche Stellungnahmen zum Stand, Erfolg und zur Stoßrichtung der staatlichen Förderprogramme auf dem Gebiet der gesamten Informatik und besonders auf den Teilgebieten "Bürokommunikation", "Telekommunikation" und "Industrie-Roboter" organisiert.

AEIA schon 1967 gegründet

Der Kongreß wurde veranstaltet von der spanischen Vereinigung für Informatik und Automation (Asociacion Espanola de Informatica y Automatica = AEIA) und tagte in Madrid auf dem Gelände des Consejo Superior de Investigaciones Cientificas, einer zentralen Einrichtung für naturwissenschaftliche Forschung.

Die AEIA ist die der westdeutschen Gesellschaft für Informatik (GI) entsprechende Vereinigung in Spanien. Sie wurde 1967 gegründet. Die fachlich zugehörigen Fakultäten und Lehrstühle sind korporative Mitglieder der AEIA. Seit 1968 publiziert die AEIA in eigenen Zeitschriften und veranstaltet Kongresse, Frühjahrsseminare und gelegentliche Fachgespräche.

An ausländischer Beteiligung am Kongreß ist zunächst eine starke französische Gruppe zu nennen. Auffällig war die nur geringe Teilnahme aus anderen romanischen Ländern, etwa Italien oder Portugal. Relativ dazu waren die Länder Lateinamerikas stark vertreten.

Noch keine eigene "Grundsoftware"

Auf dem Kongreß wurde deutlich, daß die Inhalte der Beiträge und der ihnen eingeräumte Umfang der gegenwärtigen FuE-Situation der eigenständigen Informatikentwicklung in Spanien und indirekt dem informationstechnologischen Stand Spaniens (im Unterschied zu dem internationalen Umfeld) entspricht:

Eine eigenständige nationale DV-Industrie, oder eingeschränkter, eine nennenswerte nationale Herstellung von Grundsoftware gibt es (noch) nicht. Hergestellt werden Peripheriegeräte, wie Drucker, Terminals. Im kommerziellen Bereich, zum Beispiel in Banken, Versicherungen, werden in der Regel Komplettlösungen (Hardware plus Basissoftware plus Anwendungssoftware) im Ausland oder bei Zweigniederlassungen ausländischer Firmen gekauft. In diesem Sektor werden national vor allem Beratungs- und Serviceleistungen von kleinen bis mittelgroßen Softwarehäusern für Unternehmen und Institutionen angeboten. Nur in jenen Anwendungsbereichen, in denen innerhalb von Spanien auch technische Entwicklung oder Anpassung stattfindet, gibt es integrierte, eigenständige, nationale Systementwicklungen in größerem Umfang. Außerdem gibt es innerhalb von Spanien auch Systementwicklungen und Gerätebau in Betrieben ausländischer, zum Teil multinationaler Firmen (wie IBM, ITT, Siemens, Nixdorf), die nach Aussagen von maßgeblicher Seite, selten oder nicht an nationalem Interesse oder nationalen Bedingungen orientiert seien.

Die Gesprächsrunden auf dem Kongreß folgten einem einheitlichen Grundmuster. Zuerst wurden Notwendigkeiten Möglichkeiten und Entwicklungsperspektiven allgemein dargestellt. Dabei ging man relativ wenig auf Spanien speziell ein, sondern referierte zu dem jeweiligen Gebiet Aussagen und Tendenzen zu den am weitesten fortgeschrittenen Ländern, so zum Thema "Industrie-Roboter"-Entwicklungen in Japan. Danach wurden spanische Forschungs- und Entwicklungsarbeiten dargestellt und anschließend diskutiert, welche Entwicklungsschritte für spanische Forschungen, Entwicklungen und Technikanwendungen notwendig werden.

In diesem Bericht werden im folgenden exemplarisch die Gesprächsrunden zu den Themen "Bürokommunikation ", "Industrie-Roboter " und "Stand der Informatik" mit ihren inhaltlichen Kontroversen erläutert.

Von Burotica zu Ofimatica

Für eine "Sciencefiction" einer weitgehend computerisierten Bürowelt war bis in diesen Kongreß hinein der Begriff. .Burotica" gebräuchlich. Als bemerkt wurde daß der ursprünglich französisch/deutsche Wortstamm eine Entsprechung im spanischen "oficina" hat und die Bürowelt im größeren Informatikrahmen gesehen werden sollte, prägte die Konferenz den umfassenderen, spanischen Begriff "Ofimatica". Entwickelt wird die Ofimatica aufgrund optimistischer Einstellungen von maßgeblichen Forschern, staatlichen Förderern und Unternehmern, die sich für die Zukunft zunächst einmal vorstellen, daß Mehrplatz-Textverarbeitungssysteme, inklusive der Elemente mit Rechenfähigkeiten und hochauflösenden Terminals, in die Büros einziehen. Dies bedeute eine weitere Arbeitsteilung, die Büroarbeiten würden in einerseits Arbeiten der "Textverarbeitung" und andererseits Arbeiten der "Entscheidungsfindung" aufgeteilt.

Relativ dazu zeige die Gegenwart aber folgendes Dilemma:. .Die Technik ist da, der Markt ist potentiell auch da; wir wissen nur (noch) keinen Weg, wie wir die Beschäftigten davon überzeugen können, daß sie diese Technik brauchen.

Betriebswirtschaftliche Kalkulationen projizieren den Durchbruch für informationstechnisch ausgestattete Büros auf das Jahr 1983.

Im Zuge dieser Entwicklungen seien Fortschritte in der internationalen Normung für zum Beispiel CCITT-Normen, Teletex-Protokolle, Telefax und Bildschirmtext notwendig. Außerdem müßten auch ergonomische Anpassungen vorgenommen werden.

Hypothese prüfen

Grundlegende Untersuchungen zur Bedeutung, Funktion und Wirkung von Papier (oder anderen festen Datenträgern) in Kommunikationen und Organisationen müßten als nächstes vorgenommen werden. Die Forscher sollten zusätzlich die Hypothese prüfen, daß der Weg einer Nachricht via DV besser überprüft werden könne.

Für die Planung und Entwicklung von Anwendungssystemen müßten zukünftig bessere Hilfen entwickelt werden, so daß die Entwickler schneller und umfassender über aktuelle Änderungen in der Informationstechnik informiert werden und in Zusammenarbeit mit erfahrenen DV-Managern die Planungsprobleme bewältigen.

Damit der spanische Informationstechnik-Bereich in Zukunft unabhängiger vom Ausland wird (vor allem Bauteile, wie Terminals, Drucker müssen bisher importiert werden), werden aus spanischen Förderprogrammen Zuschüsse an Industrieprojekte vergeben und Pilotprojekte gefördert.

Da gibt es beispielsweise das staatlich geförderte "Ofimatic-Programm-" mit Forschungsprojekten, in denen Wissenschaftler in Verwaltung und Industrie untersuchen sollen, welcher Bedarf, welche Anwendungsbedingungen, Integrations-und Anpassungsschwierigkeiten, welcher Nutzen und welche Kosten im Zusammenhang mit neuer Informationstechnik berücksichtigt werden müssen und Projekten zum (Pilot-)Einsatz von Informationstechnik in Büros.

Die wichtigsten Aufgaben für die Forscher sollen dabei sein, zu einer globalen Analyse der Informationstechnik-bezogenen Notwendigkeiten in der öffentlichen Verwaltung und in der Industrie sowie der technischen Rahmenbedingungen (für den Einsatz von IT) zu kommen und für leistungsfähige (spanische) Produkt-Systeme, die aus verschiedenen (zum Teil vorfindlichen) Bauelementen zusammengebaut werden sollen, Konzepte zu entwickeln.

Kooperationen notwendig

Zukünftige FuE-Projekte im Rahmen des Förderprogramms Ofimatica sollten möglichst Beiträge leisten zu digitalen Übertragungen von Graphiken durch Nachrichtentechnik, Möglichkeiten mit natürlicher, gesprochener Sprache, Faksimile- und Videotex-Übertragungen sowie Möglichkeiten für das Presse-und Veröffentlichungswesen, speziell für das Druckgewerbe.

Es wird vermutet, daß manche bei diesen Entwicklungen auftretenden Probleme nur in europäischer Kooperation gelöst werden können.

Die Roboter-Entwicklung in Spanien, (la Robotica), liegt dementsprechend im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zurück. Die bisher eingesetzten 35 Roboter werden zur Steigerung der Produktivität in gleichförmigen Produktionsprozessen eingesetzt. Sie sind nützlich im Zusammenhang von großtechnischen Anlagen, bei denen Änderungen der Arbeitsabläufe und die Arbeitsvorbereitung auch nur noch mit Hilfe automatischer Datenverarbeitung bewältigt werden können. Aber sie sind problematisch in der überwiegend verarbeiten Kleinserienfertigung und bei Arbeiten, für die komplizierte visuelle und taktile Fähigkeiten unerläßlich sind. Zusätzlich bringen sie immense Schwierigkeiten der Entwicklung und Umstellung von Software mit sich.

Die staatliche Forschungsförderung orientiert sich dennoch teilweise daran, daß in den USA, in Japan und in Europa, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland, die Entwicklung und der Einsatz von Robotern progressiv ansteigt. Es wird deshalb ein staatliches Förderprogramm zur Entwicklung spanischer Roboter vorbereitet.

Investitionen in FuE hoch

Die bisherigen Investitionen zur Forschung und Entwicklung spanischer Informationstechnologie seien relativ zu dem zögernden Absatzmarkt sehr hoch. Für den Absatz der selbstproduzierten IT-Produkte reiche die Zugkraft des Marktes noch nicht aus; aber im Hinblick auf die lateinamerikanischen Märkte und dortige potentielle Absatzchancen spanisch-sprachiger IT-Systeme, gäbe es vielversprechende Optionen.

Hierfür muß zukünftig die Diskrepanz zwischen dem akzeptablen Entwicklungsstand der Anwendungsprogrammierung in Wissenschaft und Firmen einerseits und der unzureichenden Entwicklung von Anwenderprodukten andererseits beseitigt werden.

Zum Beispiel werden neue technische Fertigungseinrichtungen und Softwaresysteme von hoher Qualität in der Forschung entwickelt und auch dort genutzt, aber diese würden nicht in Produkte eingebaut und könnten so auch nicht in der industriellen Serienproduktion genutzt werden.

Allerdings kann auf dem Wissen aufgesetzt werden, das spanische Forscher und Entwickler bisher in folgenden informationstechnischen Anwendungsbereichen aufgebaut haben:

- Operations Research

- Kombinatorik, Logik

- Mikroprogrammierung

- Programmierhilfen

- Graphik in Rechenzentren

- Methoden der Konstruktion von Informationssystemen

- Informationszentren für Firmen

- IT-Anwendungen im Straßenbau.

Zur Zeit werden in Spanien 146 informationstechnologische FuE-Projekte mit 461 Beschäftigten durchgeführt.

Die Organisation der bisher durchgeführten Forschungen wurde kritisiert, weil die reichlich vorhandenen FuE-Kapazitäten nur zu einem kleinen Teil effektiv genutzt würden:

Zahlreiche Forschungsgruppen seien zu weit aufgespalten und in "zu vielen" verschiedenen Gruppen werde bei unzureichender Kooperation der gleiche Forschungsgegenstand bearbeitet.

Statt dessen sollten die Forschungskapazitäten stärker auf einige ausgewählte Forschungsgebiete und Produktsysteme (z.B. im Bereich der Mikroelektronik) konzentriert werden; und zwar auf solche, die (für Spanien) kulturspezifisch sind, den spanisch-technischen Notwendigkeiten entsprechen und exportfähig sind.